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	<title>Evidenz-basierte Ansichten &#187; Glaube</title>
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		<title>Politisch korrekt und moralisch orientierungslos</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Feb 2013 23:01:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stücker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die politische Korrektheit ist kein Instrument der Erkenntnis, sondern dient der Meinungspflege innerhalb einer Gruppe. Da sie aber die Tabuisierung auch wissenschaftlicher Hypothesen fordert, ist sie ebenso wie Religion und Esoterik der natürliche Gegner einer jeden skeptisch-säkularen Bewegung. Sollte man meinen. Aber die MIZ tickt anders. Der Text „Falsche Freunde“ von Malte Jessl offenbart, wie sehr [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=evidentist.wordpress.com&#038;blog=17354116&#038;post=8125&#038;subd=evidentist&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die politische Korrektheit ist kein Instrument der Erkenntnis, sondern dient der Meinungspflege innerhalb einer Gruppe. Da sie aber die Tabuisierung auch wissenschaftlicher Hypothesen fordert, ist sie ebenso wie Religion und Esoterik der natürliche Gegner einer jeden skeptisch-säkularen Bewegung. Sollte man meinen.</em></p>
<div id="attachment_8127" class="wp-caption aligncenter" style="width: 529px"><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2013/02/grooming_monkeys.jpg"><img class=" wp-image-8127" alt="Grooming_monkeys" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2013/02/grooming_monkeys.jpg?w=519&#038;h=369" width="519" height="369" /></a><p class="wp-caption-text">Meinungspflege politische Korrektheit: <em>Social Grooming</em> für Affen ohne Fell. Foto: Muhammad Mahdi Karim, Licence: GNUFDL, Version 1.2</p></div>
<p><span id="more-8125"></span></p>
<p>Aber die MIZ tickt anders. Der Text „<a href="http://www.miz-online.de/node/379" target="_blank">Falsche Freunde</a>“ von Malte Jessl offenbart, wie sehr diese sogenannte „säkulare Szene“ im magischen Denken der politischen Korrektheit verfangen ist. MIZ steht für die Zeitschrift „Materialien und Informationen zur Zeit“. Sie ist, so kann man wohl sagen, ohne ihr Unrecht zu tun, das Meinungsblatt der „linken säkularen Szene“.</p>
<h5>Politische Korrektheit ist ein religiöses Stratagem</h5>
<p>Die <a href="http://www.focus.de/finanzen/news/tid-29319/political-correctness-klappe-zu_aid_911015.html" target="_blank">politische Korrektheit</a> ist ein Verfahren zur Meinungspflege einer <em>Ingroup</em>, sie dient zur Abgrenzung von der jeweiligen <em>Outgroup</em>. Sie ist die moderne Variante eines uralten Reflexes, nämlich dem, sich der Solidarität der eigenen <em>Ingroup</em> zu vergewissern. Die PC-Tabuisierungen und -Sprachcodes sind also eine Form des <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Social_grooming" target="_blank"><em>Social Groomings</em></a>, die Meinungspflege ist die Weiterentwicklung der Fellpflege für Affen ohne Fell. Die Empörung über politisch nicht korrektes Verhalten ist ein Ritus der Selbstreinigung. Ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCndenbock" target="_blank">Sündenbock</a> wird in die Wüste geschickt. Es ist ein geradezu paradigmatisch religiöses Stratagem. Eine „Szene“, die sich selbst „säkular“ nennt, sollte darüber einmal nachdenken.</p>
<p>Diese Meinungspflege findet sich offensichtlich in allen religiösen und politischen Bewegungen wieder, egal ob rechts oder links. Auch rechte <em>Ingroups</em>, die sich ostentativ „politisch inkorrekt“ nennen, pflegen ihre Meinungen und sanktionieren Abweichler. Gut für die Bewegung, schlecht für die Wahrheit. Es ist eine interessante Frage, ob eine größere Bewegung überhaupt darauf verzichten könnte. Aber eine skeptisch-säkulare Bewegung, die ihren Gegnern vorwirft, sich nur gut fühlen zu wollen und sich nicht um Tatsachen zu kümmern, muss es versuchen.</p>
<h5>Die rechten falschen Freunde der gbs</h5>
<p>Seit einiger Zeit wird in der MIZ und auf anderen Kanälen über die rechten Tendenzen in der säkularen Szene <a href="http://www.miz-online.de/node/366" target="_blank">debattiert</a>. Dabei geht es jedoch nicht darum, inwiefern die Etiketten „rechts“ und „links“ relevante Kategorien bezeichnen, wenn es um die Trennung von Staat und Religion geht, sondern wie man sich am besten von den rechten, den „falschen Freunden“ distanzieren kann. Prämisse des Artikels von Malte Jessl ist also, dass jemand, dem Rechte zustimmen können, etwas falsch machen muss. Die Welt ist also weiß oder schwarz, links oder rechts.</p>
<p>Jessl kritisiert vor allem die Giordano Bruno Stiftung, weil sie zu wenig darauf achte, ob ihre Positionen auch Rechte gut finden können. Die gbs ist allerdings keine politische Partei, sondern nennt sich selbst „Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung“. Sie hat daher keine direkten und klar definierten politischen Gegner außer der organisierten Religion und Esoterik und denjenigen politischen Kräften, die sich für den starken Einfluss von Religion und Esoterik einsetzen. Das waren historisch vor allem rechte Kräfte, aber diese Zeiten des seligen, weil übersichtlichen Lagerkampfs sind schon lange Geschichte. Heute sitzen die Kirchenfunktionäre in allen Parteispitzen, auch in denen der SPD und der Grünen.</p>
<p>Zwar mag der Evolutionäre Humanismus besser zu rechten Denkschablonen als zu linken passen, sofern „evolutionär“ betont wird, allerdings kaum, wenn „Humanismus“ im Sinne eines Eintretens für Menschenrechte verstanden wird. Das zeigen auch die <a href="http://www.miz-online.de/node/379" target="_blank">Beispiele</a>, die Jessl anführt: Das hasserfüllte Geseiere eines Herrn Geiser ist abstoßend. Es wird von Jessl nur deshalb zitiert, weil der Herr Geiser ein gbs-Fördermitglied sei. Das ist peinlich. Aber für wen? Offensichtlich zumindest auch für Herrn Geiser, da er das mit dem Humanismus wohl nicht recht verstanden hat.</p>
<p>Soweit zur Form. Allerdings: Die These, dass ein evolutionärer Prozess ein Prozess der natürlichen Auslese ist, der Gewinner und Verlierer hervorbringt, ist eine biologische Binsenweisheit. Sie zu tabuisieren, bringt überhaupt nichts. Die Frage ist doch, wie relevant sie für uns Menschen ist. Fragen wir doch einmal unvoreingenommen &#8211; ohne die Hassrhetorik des Herrn Geiser &#8211; ob ein flächendeckender Sexualfrust tatsächlich ein gewaltiges Aggressionspotenzial generiert. Wollen wir das bestreiten? Weil es uns nicht passt? Nie werden wir die brutale Dynamik in Haftanstalten verstehen, nie den Horror von Massenvergewaltigungen in Kriegen, wenn wir das einfach leugnen, weil es uns nicht gefällt.</p>
<h5>Messer und Scheren: die Karikaturen von Jacques Tilly</h5>
<p><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2013/02/tilly_messer.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-8133" alt="SONY DSC" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2013/02/tilly_messer.jpg?w=230&#038;h=300" width="230" height="300" /></a>Jessl kritisiert zusammen mit dem politisch-religiösen Mainstream die ursprüngliche Karikatur von Jacques Tilly zum Thema Beschneidung. Das Urteil lautet: „äußerst verunglückt“. Die „entschärfte“ Version der Karikatur zeigt keine blutigen Messer, sondern nur noch Scheren. Ist das besser? In Großbritannien <a href="http://www.bbc.co.uk/news/uk-england-manchester-21374643" target="_blank">ist gerade ein Kind verblutet</a>, das mit einer Schere beschnitten wurde.</p>
<p><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2013/02/tilly_scheren.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-8134" alt="tilly_scheren" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2013/02/tilly_scheren.jpg?w=230&#038;h=300" width="230" height="300" /></a></p>
<p>Natürlich werden die blutigen Messer kritisiert, weil auch Nazis in ihrer antisemitischen Propaganda Juden mit blutigen Messern dargestellt haben, seltener mit Scheren. Aber gerade darin zeigt sich die ganze Oberflächlichkeit der Kritik. Politisch unklug waren die blutigen Messer sicher, denn jetzt konnten die Befürworter der Beschneidung auf die Form der Kritik abheben und den Inhalt ignorieren. Warum aber macht die „linke säkulare Szene“ bei diesem Ablenkungsmanöver von der Sache mit? Tatsächlich kommen bei der rituellen Beschneidung scharfe Messer zum Einsatz, und <a title="Beschneidung: Ignoranz und Sexismus" href="http://evidentist.wordpress.com/2012/09/11/beschneidung-ignoranz-und-sexismus/" target="_blank">es geht um Blut</a>. Aber man will sich mit den Fakten gar nicht erst befassen. Eine klare moralische Positionierung wird vermieden, aus Angst vor den „falschen Freunden“. Menschenrechte, Kinderrechte, alles einerlei. Es geht nur um den größtmöglichen Abstand zu den „falschen Freunden“. Merkt eigentlich niemand, wie viel Macht diesen „falschen Freunden“ dadurch zugestanden wird? Deutungsmacht! Es gibt tatsächlich Leute in der „säkularen Szene“, die ein religiöses Recht auf Beschneidung befürworten, <em>eben weil</em> auch antisemitische und antimuslimische Rechte gegen Beschneidung sind, <em>damit</em> niemand behaupten kann, man sei Antisemit. Oder schlimmer noch: „islamophob“.</p>
<h5>Biologismus</h5>
<p>Und dann der Biologismus. Die GBS erhält zwar von Jessl die Absolution. Sie habe sich „glaubwürdig [vom Biologismus] distanziert“. Allerdings gilt dieser Freispruch nicht für jedes einzelne Beiratsmitglied. Für Thomas Junker, Sabine Paul und Ulrich Kutschera lautet das Urteil: Schuldig des Biologismus!</p>
<div id="attachment_8139" class="wp-caption alignright" style="width: 250px"><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2013/02/eowilson.jpg"><img class=" wp-image-8139" alt="eowilson" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2013/02/eowilson.jpg?w=240&#038;h=203" width="240" height="203" /></a><p class="wp-caption-text">E.O. Wilson, Foto: Jim Harrison, CC BY 2.5</p></div>
<p>„Biologismus“?! Ja: „Biologismus“! Wir befinden uns im politischen <em>Time Tunnel</em>. Wir schreiben das Jahr 1975. Edward O. Wilson hat gerade sein Buch <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0674002350/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=0674002350&amp;linkCode=as2&amp;tag=evidentistwor-21" target="_blank"><em>On Sociobiology</em></a> veröffentlicht. Das letzte Kapitel dieses Buches beschäftigt sich mit dem Menschen als biologischem Wesen. Die ungeheuerliche These: Die Biologie des Menschen hat Auswirkungen auf soziale Tatsachen. Was nun folgt, ist ein Shit-Tornado gegen Wilson, zu einer Zeit, als es das Wort &#8220;Shitstorm&#8221; noch nicht gibt. Die Thesen, die gegen ihn ins Feld geführt werden, könnten platter nicht sein: Die Biologie spiele keine nennenswerte Rolle. Es gebe keine biologisch relevanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen, und schon gar nicht zwischen Menschen verschiedener …äh, regionaler Herkunft. Jeder Mensch werde als unbeschriebenes Blatt geboren, und erst die soziale Umwelt und die Erziehung machten ihn überhaupt zum Menschen. Umwelt sei alles, Anlage nichts. Der Grund für diese paranoide Leugnung unleugbarer Tatsachen? Die Angst vor den falschen Freunden. Die Rechten glauben, dass die Biologie des Menschen eine Rolle spielt. Also muss das falsch sein.</p>
<p>In der Zwischenzeit hat sich aus den grundlegenden Überlegungen von E.O. Wilson die Evolutionspsychologie entwickelt. Inzwischen ist klar, dass die Leugnung der menschlichen Natur intellektuell auf der gleichen Stufe wie der religiöse Kreationismus anzusiedeln ist. Ohne die Hypothese der Evolution wären Biologie und <a title="Keine Zukunft für Retro-Krankenhaus" href="http://evidentist.wordpress.com/2012/05/18/keine-zukunft-fur-retro-krankenhaus/" target="_blank">Medizin immer noch im 18. Jahrhundert</a>. Die Annahme, dass der menschliche Geist einen anderen Ursprung hat als die Biologie des Gehirns, dass er ohne ein Verständnis der Biologie des Menschen verstanden werden kann, ist eine weitere paradigmatisch religiöse Annahme. Von diesem Niveau aus wäre ein „Abrutschen in einen Biologismus der Warum-Frauen-immer-Schuhe-kaufen-Schublade“ (<a href="http://www.miz-online.de/node/379" target="_blank">Jessl</a>) tatsächlich kein Abrutsch, sondern ein Aufstieg.</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406605974/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3406605974&amp;linkCode=as2&amp;tag=evidentistwor-21" target="_blank"><img class="alignright  wp-image-8141" alt="darwincode" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2013/02/darwincode.jpg?w=192&#038;h=270" width="192" height="270" /></a>Sabine Paul und Thomas Junker, so Jessl, „vertreten in ihrem Buch ein stark auf die Biologie reduziertes Menschenbild und versuchen sogar, mit Hilfe der Evolutionstheorie Sinnfragen zu beantworten.“ Nicht sehr überraschend, wenn man bedenkt, dass Paul und Junker als GBS-Beiräte offenkundig &#8211; und offen &#8211; die Position des evolutionären Humanismus vertreten. Was sollte das „Evolutionäre“ am Humanismus denn sein, wenn gleichzeitig apodiktisch vorausgesetzt ist, dass die Evolutionstheorie für die Beantwortung menschlicher Sinnfragen nicht relevant ist?</p>
<h5>Islamkritikphobie</h5>
<p>Linke tun oft so, als hätten sie den Humanismus im Sinne des Kampfes für Menschenrechte gepachtet. Das ist aber nicht der Fall. So akzeptieren etwa viele Linke stillschweigend die Ansicht, dass die Androhung der Vernichtung Israels durchaus legitim sei. Warum sonst ist <a href="http://www.berliner-kurier.de/politik---wirtschaft/high-five-skandal-warum-klatscht-sich-claudia-roth-mit-dem-iranischen-botschafter-ab-,7169228,21683570.html" target="_blank">Claudia Roth nach ihrem High Five mit dem iranischen Botschafter</a> nicht politisch tot? Warum sonst ist <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/spd-und-fatah-nahles-aussenpolitik/7379918.html" target="_blank">Andrea Nahles nach ihrer Beteuerung der „gemeinsamen Werte“ mit der Terrororgansiation Fatah</a> nicht politisch tot? Sind solche Leute die richtigen Freunde?</p>
<p>Das Erstarken des politischen Islams ist die größte Bedrohung für unsere freiheitliche Grundordnung &#8211; und ganz besonders für jegliche säkulare Bewegung innerhalb dieser Grundordnung. Aber eine Kritik am Islam findet auf dem linken Spektrum kaum statt, im Gegenteil: Sie ist tabuisiert, weil politisch inkorrekt.</p>
<p style="padding-left:30px;"><em>[<strong>Update</strong>: Fairerweise möchte ich diesen Punkt in Bezug auf die MIZ einschränken. Redakteur Frank Welker wies mich darauf hin, dass gerade die MIZ und der <a href="http://www.alibri-buecher.de/Buecher/Islamkritik:::1_5.html" target="_blank">Alibri-Verlag</a> sich dafür eingesetzt hätten, dass dieses Thema in der säkularen Szene Beachtung findet. Allerdings sagte er auch, dass sie eben dafür von Teilen der Linken Prügel einstecken mussten.]</em></p>
<p>Diese Kritik wird den Rechten überlassen. Deshalb kann ja auch jede Kritik am Islam gleich als rechtsextrem neutralisiert werden. Was allerdings in linken Kreisen politisch korrekt ist, ist die kampflose Aufgabe unserer Werte, der Menschenrechte. So möchte etwa <a href="http://www.bundestag.de/dokumente/protokolle/plenarprotokolle/plenarprotokolle/17213.txt" target="_blank">Marieluise Beck von den Grünen</a> jüdisches und muslimisches Leben nicht einfach willkommen heißen, sondern „auch zu den Bedingungen der Juden und Muslime [...] und nicht nur zu unseren Bedingungen.“ Dazu schreibt <a href="http://hpd.de/node/14675" target="_blank">Walter Otte</a> sehr zu Recht:</p>
<blockquote><p>„Es zeigt sich jetzt konkret, wohin eine unreflektierte Akzeptanz solcher Rituale wie der Knabenbeschneidung, wohin aber auch eine Wertebeliebigkeit, eine Werteindifferenz führt: zur Relativierung von Menschenrechten.“</p></blockquote>
<p>Darin offenbart sich das größte Problem eines linken Säkularismus: der Moralrelativismus, die moralische Orientierungslosigkeit. Sie zeigt sich auch darin, dass in der aktuellen Sexismusdebatte die offenkundigste und eklatanteste Form des Sexismus, nämlich die <a href="http://berliner-morgen.com/2013/01/30/von-gefuhltem-und-echtem-sexismus/" target="_blank">fundamental-religiös motivierte Frauenverachtung</a> - und speziell die islamische in Form von Zwangsheirat, Ghettoisierung, Jungfrauenkult und Ehrenmord &#8211; nicht thematisiert wird, schon gar nicht von der säkularen Bewegung.</p>
<h5>Der moralische Relativismus ist selbstwidersprüchlich</h5>
<p>Die Moralrelativisten wollen sich nicht anmaßen, einer anderen Kultur vorzuschreiben, „westliche“ Normen zu beachten, auch wenn es sich bei diesen Normen um die Menschenrechte handelt. Aber eine solche radikalrelativistische Position wie die von Frau Beck ist selbstwidersprüchlich. Denn auch die Forderung nach Relativierung von Menschenrechten ist eine starke moralische Position. Frau Beck gibt den Subkulturen völlig freie Hand, mit ihren Menschen das zu tun, was ihnen beliebt. Sie dürfen ihre Kinder beschneiden und indoktrinieren, ihre Frauen aus der Öffentlichkeit entfernen, sie schlagen und zwangsverheiraten. Es würde mich nicht wundern, wenn Frau Beck für Ehrenmörder auf mildernde Umstände plädierte. Frau Beck entscheidet damit, dass diese Menschen nicht in den Genuss der moralischen Fortschritte kommen, die wir wie selbstverständlich in Anspruch nehmen. In der Rhetorik der Moralrelativisten können wir sie fragen: „Wie können Sie sich anmaßen, eine solch weitreichende moralische Entscheidung über andere Menschen zu treffen!?“</p>
<p>Selbstkritik an der eigenen kollektiven Identität ist durchaus positiv zu werten. Die Rechten haben eindeutig zu wenig davon. Aber eine Bewegung, die daraus ableitet, kein Recht darauf zu haben, moralische Werte zu setzen, und keine Pflicht, sie zu verteidigen, hat kein Ziel und keinen Zweck. Eine solche Bewegung kämpft für überhaupt nichts mehr &#8211; außer für die Pflege der eigenen Meinung.</p>
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		<title>Der absolute Nullpunkt der Ultra-Orthodoxie</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Oct 2012 08:41:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stücker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Viele empören sich, wenn der Mohel zum Abschluss einer jüdisch-orthodoxen Beschneidung das Blut vom Penis saugt. Das Ritual Metzitzah B&#8217;peh kommt inzwischen sogar in Israel unter Druck. Es ist allerdings Bestandteil des orthodoxen Beschneidungsrituals. Die Tatsache, dass es von den allermeisten Juden abgelehnt und nur noch von sogenannten „ultra-orthodoxen“ Juden praktiziert wird, ist der Beweis dafür, dass [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=evidentist.wordpress.com&#038;blog=17354116&#038;post=6892&#038;subd=evidentist&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Viele empören sich, wenn der Mohel zum Abschluss einer jüdisch-orthodoxen Beschneidung das Blut vom Penis saugt. Das Ritual Metzitzah B&#8217;peh kommt inzwischen sogar in Israel unter Druck. Es ist allerdings Bestandteil des orthodoxen Beschneidungsrituals. Die Tatsache, dass es von den allermeisten Juden abgelehnt und nur noch von sogenannten „ultra-orthodoxen“ Juden praktiziert wird, ist der Beweis dafür, dass sich auch religiöse Rituale wandeln können.</em></p>
<div id="attachment_6934" class="wp-caption aligncenter" style="width: 529px"><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/10/herpes_labialis.jpg"><img class=" wp-image-6934" title="Herpes_labialis" alt="" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/10/herpes_labialis.jpg?w=519&#038;h=387" height="387" width="519" /></a><p class="wp-caption-text">Bei der Metzitzah können Herpesviren übertragen werden, für den Säugling eine tödliche Gefahr</p></div>
<p><span id="more-6892"></span>Was bedeutet eigentlich „ultra-orthodox“? Wie kann jemand rechtgläubiger als rechtgläubig sein? Ist das nicht eigentlich Unsinn? Vielleicht nicht. Wenn wir uns Überzeugungen als Moleküle vorstellen, dann können sie mehr oder weniger reaktionsfreudig sein. Je wärmer es ist, desto beweglicher sind sie, was bedeutet, dass sie öfter mit Daten oder benachbarten Überzeugungen in Kontakt kommen und sich daraufhin ändern können. Normale, alltägliche Überzeugungen, die sich an der <a title="Buzz Lightyears Weltbildnetz" href="http://evidentist.wordpress.com/2010/10/13/buzz-lightyears-weltbildnetz/" target="_blank">Peripherie unseres Weltbilds</a> befinden, haben eine angenehm warme Temperatur, sie ändern sich immer dann, wenn sich die Gründe ändern, die wir haben, um sie für wahr zu halten. Religiöse Überzeugungen sind spürbar kälter. Orthodoxe Überzeugungen sind eiskalt, und ultra-orthodoxe Überzeugungen sind nahe am absoluten Nullpunkt. Da bewegt sich nichts mehr. Sie sind unempfänglich für den Einfluss anderer Überzeugungen.</p>
<p>Das Ritual <em>Metzitzah B&#8217;peh</em> ist in Verruf geraten, weil sich herausgestellt hat, dass das Risiko einer Syphilis- oder Herpesinfektion für das Kind sehr groß ist. Gerade tobt <a href="http://hpd.de/node/14076" target="_blank">in New York eine Diskussion über die <em>Metzitzah</em></a>. Der Bürgermeister reagiert auf die Häufung der Todesfälle, die durch das Ritual verursacht wurden. Selbst die israelische Vereinigung der Kinderärzte hat sich jetzt <a href="http://www.timesofisrael.com/israeli-pediatric-association-calls-for-end-to-circumcision-related-rite/" target="_blank">gegen die <em>Metzitzah</em> ausgesprochen</a>.</p>
<p><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/10/operation-beschneidung.pdf" target="_blank"><img class="alignright  wp-image-6889" title="familienmentsch" alt="" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/10/familienmentsch.jpg?w=196&#038;h=263" height="263" width="196" /></a>Tatsächlich wird dieser Teil des Rituals inzwischen nur noch selten durchgeführt. Auch die meisten Juden empfinden ihn als eklig und gefährlich. In der Oktober-Ausgabe 2007 der Zeitschrift <em>familienmentsch</em>, einem jüdischen Familienmagazin, geht es um die „<a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/10/operation-beschneidung.pdf" target="_blank">Operation Beschneidung</a>“. Darin warnt die ratgebende Ärztin ausdrücklich vor der <em>Metzitzah</em>:</p>
<blockquote><p>Fragen Sie Ihren Mohel, ob er bei seinem Ritus Blut vom frisch beschnittenen Penis mit dem Mund absaugt. Sollte er das bejahen, wechseln Sie den Mohel!</p></blockquote>
<p>Allerdings: Die <em>Metzitzah</em> ist ein vorgeschriebener Bestandteil des Rituals, daher weigern sich die Ultra-Orthodoxen auch, ihn aufzugeben.</p>
<p>Aber weniger orthodoxe, beweglichere Juden haben das Ritual in diesem Punkt geändert, ohne dass irgendjemand behauptet, sie seien keine Juden mehr. Damit haben wir hier einen Fall, in dem eine moderne wissenschaftliche Erkenntnis zu einer Änderung am Ritual führte. Welche Auswirkungen hat diese Änderung auf das jüdische Leben, in Deutschland und anderswo? Offenbar wird es dadurch nicht unmöglich gemacht. Die <em>Metzitzah</em> ist der Beweis, dass sich religiöse Rituale jenseits des absoluten Nullpunkts der ultra-orthodoxen Erstarrung ändern können.</p>
<p>Man wird einwenden, dass die <em>Metzitzah</em> erst später im Laufe der rabbinischen Tradition hinzugefügt wurde, nicht aber in der Torah erwähnt sei. Die <em>Milah</em>, also die Beschneidung selbst, stehe allerdings unmissverständlich in der Torah. Mag sein, allerdings ist Beschneidung nicht gleich Beschneidung. Denn auch die sogenannte <em>Periah</em> entstammt nur der rabbinischen Tradition. Die <em>Periah</em> ist das Gebot, nicht nur die überstehende Spitze der Vorhaut, sondern die gesamte Vorhaut vollständig abzutrennen.</p>
<p><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/10/nackte_griechen.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-6910" title="Griechische Freikörperkultur" alt="" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/10/nackte_griechen.jpg?w=519&#038;h=328" height="328" width="519" /></a></p>
<p>Der Zweck der <em>Periah</em> ist es, eine Restauration der Vorhaut zu verhindern. Denn die Technik, um eine <a href="http://www.restoringforeskin.org/" target="_blank">Vorhaut wieder nachwachsen zu lassen</a>, ist keine moderne Erfindung. Sie war schon in der Antike bekannt. Als die Juden etwa um das 2. Jh. u.Z. in der Diaspora in Griechenland lebten, waren sie mit einer ausgeprägten Freikörperkultur konfrontiert. Sport z.B. wurde grundsätzlich nackt betrieben. Vorhäute galten im alten Griechenland als das, was sie tatsächlich sind: natürlicher Bestandteil des Penis. Juden wurden wegen ihres entstellten Penis&#8217; verlacht. Um dem Spott zu entgehen, entschieden sich einige dazu, an dem Rest ihrer Vorhaut so lange zu ziehen, bis sie wieder einigermaßen normal aussah.</p>
<p>Damit verleugneten sie aber natürlich ihre Zugehörigkeit zum Judentum, und das erregte den Zorn der Rabbiner. Daraufhin nahmen diese eine folgenschwere Änderung am Beschneidungsritual vor.</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/B005254HY8/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B005254HY8&amp;linkCode=as2&amp;tag=evidentistwor-21" target="_blank"><img class="alignright  wp-image-6602" title="glick_flesh" alt="" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/09/glick_flesh1.jpg?w=213&#038;h=320" height="320" width="213" /></a>Leonard Glick schreibt dazu (<em>Marked in your Flesh</em>, S. 44; meine Übersetzung):</p>
<blockquote><p>Wie ich schon sagte, wandten hellenisierte jüdische Männer Stretch-Techniken an, um den Anschein einer intakten Vorhaut zu erwecken. Aus offensichtlichen Gründen war dies Anathema für die Rabbiner: gleichbedeutend mit einer Zurückweisung des Judentums und einer Missachtung rabbinischer Autorität.</p>
<p>Irgendwann im späten ersten oder frühen zweiten Jahrhundert fügten sie der traditionellen Beschneidungstechnik einen radikalen Zusatz hinzu. Bis dahin erforderte eine Beschneidung (milah) nur das Abtrennen des vorderen Teils der Vorhaut; beim kindlichen Penis ist dies loses Gewebe, das nicht mit der empfindlichen Schleimhaut der Eichel verklebt ist.</p>
<p>Ab jetzt würde es eine zweite Prozedur geben, die peri&#8217;ah („Öffnung“ oder „Freilegung“) genannt wurde: die verbleibende Vorhaut und das darunter liegende Gewebe wurden erfasst, gewaltsam (mit Hilfe geschärfter Daumennägel) von der Eichel getrennt und weggerissen. Falls nicht jedes „Fitzelchen“ des Vorhautgewebes entfernt werde, entschieden die Rabbiner, so sei die Beschneidung ungültig. Wahrscheinlich um die gleiche Zeit fügten sie noch eine dritte zwingende Prozedur hinzu: Metzitzah („Saugen“), das Saugen von Blut aus der Wunde &#8211; vielleicht in Reaktion auf den übermäßigen Blutfluss, der durch peri&#8217;ah verursacht wurde.</p></blockquote>
<p>Vor diesem Erlass war es also offensichtlich so, dass die Vorhaut am Penis einfach lang gezogen und vor der Eichel abgeschnitten wurde, so dass aber immer noch ein funktionaler Rest übrig blieb, der damals schon als Grundlage für eine Wiederherstellung der Vorhaut dienen konnte.</p>
<p>Man muss sich klar machen, wie folgenschwer dieser rabbinische Erlass war. Zwar ist jeder unnötige Schnitt in kindliche Vorhäute einer zuviel, aber es macht gerade bei einem Kinderpenis, bei dem Vorhaut und Eichel noch miteinander verklebt sind, einen großen Unterschied, ob nur der überstehende Teil abgeschnitten wird, oder ob zunächst die Vorhaut gewaltsam von der Eichel abgetrennt wird, damit sie restlos entfernt werden kann. Dieser zweite Schnitt, die <em>Periah</em>, ist eine ungleich massivere Verletzung.</p>
<p>Das Interessante daran ist allerdings, dass ein schon damals Jahrtausende altes Ritual durch rabbinischen Beschluss geändert werden konnte. Es konnte verschärft werden. Warum sollte es dann nicht möglich sein, es wieder zu entschärfen?</p>
<p>Wer als Jude religiös für die Beschneidung argumentiert, erweckt oft den Anschein, als befände er sich in einem Befehlsnotstand: „Gott hat befohlen, dass wir unsere Säuglinge beschneiden, wir können nicht anders.“ Im Lichte der Ausführungen von Leonard Glick sollten aber auch gläubige Juden zugeben können, dass der Befehl zu <em>Periah</em> und <em>Metzitzah</em> nicht von Gott stammt, sondern von eifersüchtigen Rabbinern im zweiten Jh. u.Z.</p>
<p>Wohnt hier vielleicht die Chance auf einen Kompromiss? Wohlgemerkt, ich setze keinerlei Hoffnung auf die erstarrte Ultra-Orthodoxie. Aber die Beweglicheren unter den Rabbinern und unter den Gläubigen sollten nachforschen: Wo kommen die einzelnen Bestandteile des Rituals her? Für gläubige Eltern ist es wichtig zu wissen: Welcher Teil des Rituals stammt aus der Torah, und welcher wurde später hinzugefügt? Selbst wenn <em>Milah</em>, die Beschneidung selbst, ein göttliches Gebot sein sollte, <em>Periah</em> und <em>Metzitzah B&#8217;Peh</em> sind es sicher nicht.</p>
<p>Vor allem aber die <em>ungläubigen</em> Eltern, die nur einer identitätsstiftenden Tradition folgen möchten, sollten die Geschichte des Rituals kennen. Nur wenige werden dann noch bereit sein, ihre Söhne für das historische Gezänk verunsicherter Rabbiner einen hohen Preis zahlen zu lassen.</p>
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		<title>Auf die Straße, Muslime!</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Sep 2012 18:38:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stücker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Muslime demonstrieren gegen religiösen Wahnsinn! Gegen Terror und Gewalt! Was eigentlich die Schlagzeile des Jahres sein sollte, kommt in unseren Medien kaum vor. Dieser Artikel zeigt daher einige Bilder von der Demonstration in Bengasi nach dem Anschlag auf die US-Botschaft, weil diese Menschen Öffentlichkeit verdienen. Warum berichten so wenige Mainstream-Medien von diesen Protesten? Und warum [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=evidentist.wordpress.com&#038;blog=17354116&#038;post=2352&#038;subd=evidentist&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Muslime demonstrieren gegen religiösen Wahnsinn! Gegen Terror und Gewalt! Was eigentlich die Schlagzeile des Jahres sein sollte, kommt in unseren Medien <a href="http://www.derwesten.de/politik/in-der-arabischen-welt-machen-die-vernuenftigen-mobil-id7120745.html" target="_blank">kaum</a> vor. Dieser Artikel zeigt daher einige Bilder von der <a href="http://www.theatlanticwire.com/politics/2012/09/does-not-represent-us-moving-photos-pro-american-rallies-libya/56803/" target="_blank">Demonstration in Bengasi</a> nach dem Anschlag auf die US-Botschaft, weil diese Menschen Öffentlichkeit verdienen. Warum berichten so wenige Mainstream-Medien von diesen Protesten? Und warum demonstrieren nicht auch Muslime in Deutschland und Europa gegen den Terror im Namen ihrer Religion?</em></p>
<p><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/09/bengasi.jpeg"><img class="aligncenter size-full wp-image-6710" title="bengasi" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/09/bengasi.jpeg?w=519&#038;h=262" alt="" width="519" height="262" /></a></p>
<p><span id="more-2352"></span>Jetzt also wieder Mord, Totschlag und Flächenbrand. Diesmal wegen eines YouTube-Videos. Hier ist eine sehr unvollständige Chronik früherer Anlässe:</p>
<ul>
<li>Im Februar 2012 wollen einige US-Soldaten im afghanischen Bagram offenbar <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816663,00.html">mehrere Koran-Ausgaben verbrennen</a>. Wahrscheinlich ohne Absicht. Trotzdem <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817525,00.html" target="_blank">sterben Menschen</a>. Ein hoher iranischer Militär meint, <a href="http://english.ruvr.ru/2012_02_27/66985235/" target="_blank">nur das Brennen des Weißes Hauses könne das Verbrennen des Korans vergelten</a>.</li>
<li>Ebenfalls im Februar <a href="http://hpd.de/node/12918">setzt ein saudi-arabischer Blogger ein paar harmlose, aber islamkritische Tweets ab</a>. Darauf bildet sich in kürzester Zeit eine Facebook-Gruppe von über 25.000 Mitgliedern, die den Tod des jungen Mannes fordern. In der Tat droht ihm möglicherweise offiziell die Todesstrafe.</li>
<li>Im Sommer 2011 strahlt ein Fernsehsender in Tunis den preisgekrönten Trickfilm <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Persepolis_(Comic)" target="_blank">Persepolis</a></em> aus. Daraufhin kommt es zu <a href="http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/darstellung-gottes-ruft-in-tunis-heftige-proteste-hervor/4776476.html">Protesten und Angriffen</a> auf den Chef des Senders. Seine Familie entkommt dem Mob nur knapp.</li>
<li>Im April 2011 werden im nordafghanischen Masar-i-Sharif <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,755142,00.html">UN-Mitarbeiter regelrecht abgeschlachtet</a>, weil auf der anderen Seite der Welt <a href="http://www.welt.de/politik/ausland/article12902901/US-Pastor-Terry-Jones-wohnt-Koranverbrennung-bei.html" target="_blank">jemand ein Buch verbrannt hat.</a> Daraufhin <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/afghanistan-tote-bei-angriff-auf-un-hauptquartier-demo-gegen-koranverbrennung-eskaliert-1.1080355" target="_blank">explodiert die Wut</a>, so vorhersehbar, als wäre eine Bombe ferngezündet worden.</li>
</ul>
<p>Und genauso nehmen wir diese Ereignisse wahr: Alle, die in diesen Fällen in Rage geraten, sind Menschen, aber wir sehen nicht mehr die Menschen, wir sehen bloß einen Mob, der Botschaften stürmt und Menschen mordet. Der religiöse Mob liegt bei uns in der gleichen Schublade wie Tsunami und Tornado. Er gilt uns als Naturgewalt. Aber damit verfestigen wir ein fratzenhaftes Klischee. Geradezu aus Versehen führt das Verständnis für religiöse Empfindlichkeiten zu dem, wofür Hassprediger sehr hart arbeiten: zur Entmenschlichung.</p>
<p><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/09/bengasi_3.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-6713" title="Bengasi_3" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/09/bengasi_3.jpg?w=519&#038;h=350" alt="" width="519" height="350" /></a></p>
<p><a href="http://www.theatlanticwire.com/politics/2012/09/does-not-represent-us-moving-photos-pro-american-rallies-libya/56803/" target="_blank">Dieser Artikel</a> und <a href="http://imgur.com/a/tlCyI" target="_blank">diese Bilder von der Demonstration von Muslimen gegen Terror und Gewalt in Bengasi</a>, nur wenige Stunden nach dem Anschlag auf die Botschaft und dem Mord an Botschafter Chris Stevens passen offenbar nicht in den Mainstream. Dabei war doch dieses Ereignis eigentlich <em>das</em>, worauf wir seit Jahren warten: Muslime demonstrieren <em>gegen</em> religiöse Gewalt, <em>gegen</em> den religiös motivierten Terror! Warum sind die Medien nicht voll davon?! Medienschaffende wissen doch, dass sie durch ihre Auswahl &#8211; vor allem von Bildern - unsere Wirklichkeit mit konstruieren!</p>
<span class='embed-youtube' style='text-align:center; display: block;'><iframe class='youtube-player' type='text/html' width='519' height='322' src='http://www.youtube.com/embed/zgDoaJFLqIw?version=3&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;wmode=transparent' frameborder='0'></iframe></span>
<p>Zu dieser Demonstration in Bengasi gehört Mut. Diese Menschen haben es verdient, dass ihre Bilder um die Welt gehen, nicht die Bilder von Brandstiftern und Mördern.</p>
<p><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/09/bengasi_4.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-6730" title="Bengasi_4" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/09/bengasi_4.jpg?w=519&#038;h=779" alt="" width="519" height="779" /></a>Auch bei uns konzentriert sich die öffentliche Wahrnehmung ganz auf die gewaltbereite Minderheit, die unsere Gesetze und unseren Staat ablehnt und verachtet. Dabei macht doch die <a href="http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2012/junge_muslime.pdf;jsessionid=7D0CA312BD9A464D44D40C5F643B710A.2_cid165?__blob=publicationFile" target="_blank">Studie des Innenministeriums</a> deutlich, dass es auch Muslime gibt, die sich distanzieren von dem, was alles im Namen ihrer Religion geschieht, und die sich dafür schämen. „Offensichtlich macht diese Gleichsetzung von Muslimen und Terroristen die Mehrheit der befragten Muslime sehr wütend.“ (S. 183) Aber an die Öffentlichkeit tritt diese „große Mehrheit der friedliebenden Muslime“ eigentlich nur in den Beschwörungsformeln von Politikern. Warum gehen sie nicht auch auf die Straße? Sie müssen doch sehen, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, sich lautstark zu melden und klarzustellen:</p>
<blockquote><p>Wir sind anders als diese Fanatiker! Wir sind Individuen, Menschen wie Ihr, auch wir hassen Terror und Gewalt! Wir sind froh, in einer Demokratie zu leben, in der zuallererst die individuellen Menschenrechte gelten. Und viele von uns, denen die Religion wichtig ist (und das sind längst nicht alle), wissen, dass es diese Menschenrechte sind, die uns die freie Ausübung unserer Religion garantieren!</p></blockquote>
<p>Philip Pullman sagt alles, was zum Thema Beleidigung der Religion zu sagen ist, in seiner Antwort auf den Vorwurf, der Titel seines Buches sei schockierend für Christen <em>(<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3100590317/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3100590317" target="_blank">Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus</a>)</em>:</p>
<p><span class='embed-youtube' style='text-align:center; display: block;'><iframe class='youtube-player' type='text/html' width='519' height='322' src='http://www.youtube.com/embed/HQ3VcbAfd4w?version=3&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;wmode=transparent' frameborder='0'></iframe></span><code></code></p>
<p>Auch den Muslimen ist es unbenommen, eine Aktion, ein Buch, eine Karikatur, ein Video als Affront, Blasphemie oder Beleidigung aufzufassen. Unbenommen ist ihnen auch, dagegen zu protestieren, zu demonstrieren und böse Briefe oder böse Artikel zu schreiben. Sie können auch ein eigenes Buch schreiben oder ein eigenes Video drehen. <em>Aber da enden ihre Rechte!</em> Sie haben <em>nicht</em> das Recht, eine solche Aktion oder eine solche Veröffentlichung zu verhindern. Es gibt kein Recht darauf, nicht beleidigt zu werden.</p>
<p><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/09/bengasi_5.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-6732" title="Bengasi_5" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/09/bengasi_5.jpg?w=519&#038;h=778" alt="" width="519" height="778" /></a></p>
<p>Bücherverbrennungen sind eine primitive, unkultivierte Form der Kritik, aber Kritik ist nicht verboten. <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499242575/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3499242575" target="_blank">Salman Rushdie</a> ist in meinen Augen ein großer Künstler, aber wir können da verschiedener Meinung sein. Wir alle sind gefordert, Idioten oder solche, die wir dafür halten, zu ertragen, so lange sie nur ihre Meinung frei äußern. Auch Nazidemos werden hierzulande von der Polizei geschützt. Viele von uns haben ihre emotionalen Schwierigkeiten damit. Ich auch. Aber wir haben diese Emotionen im Griff, weil wir wissen: Das ist der Preis, den wir für den Schutz unseres unverzichtbaren Grundrechts auf Meinungsfreiheit zahlen. Wenn Muslime ihre emotionalen Schwierigkeiten mit Abbildungen und mit Koranverbrennern in den Griff bekommen, weil sie verstehen: Das ist der Preis, den sie für ihr Grundrecht auf Religionsfreiheit zahlen; dann sind sie in der freien und offenen Gesellschaft angekommen. Und willkommen.</p>
<p><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/09/bengasi_2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-6712" title="Bengasi_2" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/09/bengasi_2.jpg?w=519&#038;h=343" alt="" width="519" height="343" /></a></p>
<p>Muslime können die Kritiker ihrer Religion ruhig hassen, aber sie sollten ihnen dankbar sein. Denn die Freunde ihrer Religion sind nur scheinbar ihre Freunde, in Wahrheit haben sie nur Angst vor dem Tsunami der Gewalt. „Islamophob“ sind nicht diejenigen, die Verbrechen im Namen der Religion kritisieren, sondern diejenigen, die sie nur um des lieben Friedens willen tolerieren. Die Kritiker der Religion hingegen nehmen die Menschen ernst. Indem sie die Religion kritisieren, halten sie die Menschen implizit für fähig, mit dieser Kritik umzugehen. Sie bieten ihnen damit immer wieder die Chance, sich als individuelle Persönlichkeiten und Staatsbürger zu profilieren. Sie bieten ihnen die Chance, wahre Größe zu zeigen.</p>
<p>Nehmt Euch ein Beispiel an den Menschen in Bengasi! Geht auf die Straße, Muslime!</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://evidentist.wordpress.com/category/aufklarung/'>Aufklärung</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/uberzeugung/glaube/'>Glaube</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/ethik/moral/'>Moral</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/uberzeugung/religion/'>Religion</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/sakularismus/'>Säkularismus</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/ethik/werte/'>Werte</a> Tagged: <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/chris-stevens/'>Chris Stevens</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/demonstration-gegen-terror/'>Demonstration gegen Terror</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/gewalt/'>Gewalt</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/islam/'>Islam</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/islamismus/'>Islamismus</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/koran/'>Koran</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/meinungsfreiheit/'>Meinungsfreiheit</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/menschenrechte/'>Menschenrechte</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/philip-pullman/'>Philip Pullman</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/salman-rushdie/'>Salman Rushdie</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/terrorismus/'>Terrorismus</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/evidentist.wordpress.com/2352/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/evidentist.wordpress.com/2352/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=evidentist.wordpress.com&#038;blog=17354116&#038;post=2352&#038;subd=evidentist&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Ausgerechnet Deutschland?</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jul 2012 17:38:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stücker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufklärung]]></category>
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		<description><![CDATA[„Der schwerste Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust.“ „Das ist das Ende jüdischen Lebens in Deutschland.“ „Ausgerechnet in Deutschland.“ &#8211; Das waren einige Kommentare der letzten Wochen. Der Bundestag hat sich beeilt festzustellen, dass für die religiöse Beschneidung eine Ausnahme vom Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit gemacht werden soll. Aber wollen wir wirklich ein Sonderrecht für Juden? Ausgerechnet [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=evidentist.wordpress.com&#038;blog=17354116&#038;post=6194&#038;subd=evidentist&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>„<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/rabbiner-zu-beschneidungsurteil-schwerster-angriff-auf-juedisches-leben-seit-dem-holocaust-1.1410909" target="_blank">Der schwerste Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust.</a>“ „Das ist <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/urteil-zur-beschneidung-zentralrat-sieht-das-judentum-in-deutschland-gefaehrdet_aid_781855.html" target="_blank">das Ende jüdischen Lebens in Deutschland</a>.“ „<a href="http://www.hagalil.com/archiv/2012/06/28/beschneidung-4/" target="_blank">Ausgerechnet in Deutschland</a>.“ &#8211; Das waren einige Kommentare der letzten Wochen. Der Bundestag hat sich beeilt festzustellen, dass für die religiöse Beschneidung eine Ausnahme vom Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit gemacht werden soll. Aber wollen wir wirklich ein Sonderrecht für Juden? Ausgerechnet in Deutschland?</em></p>
<p><span id="more-6194"></span>Wenn wir von „dem Judentum“ reden, dann reden wir von einer orthodoxen Religion mit einer sehr rigiden Tradition, die sich durch Jahrtausende der ständigen Bedrohung, Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung verdichtet und verhärtet hat. Allerdings sind <em>„die Juden“ nicht </em><em>„das Judentum“</em>. Viele Juden sind säkular, was wohl heißt, dass sie im religiösen Sinn keine Juden mehr sind. In welchem Sinne dann?</p>
<p>Die Nazis hatten eine Antwort. Sie meinten mit „Juden“ und „Judentum“ nicht die Religion, sondern eine Rasse. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rasse#Anthropologie" target="_blank">Die Rassenlehre entspricht schon seit einiger Zeit nicht mehr dem Stand der Wissenschaft.</a> Die Nazis litten also unter Rassenwahn, nicht unter religiösem Wahn im engeren Sinn.</p>
<div id="attachment_6263" class="wp-caption alignleft" style="width: 215px"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ritualmordlegende" target="_blank"><img class=" wp-image-6263 " title="339px-SEX_PUERI_RATISPONAE" alt="" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/07/339px-sex_pueri_ratisponae.jpg?w=205&#038;h=291" width="205" height="291" /></a><p class="wp-caption-text">Christliche Wahnvorstellung Ritualmord</p></div>
<p>Natürlich aber waren sie massiv infiziert vom christlichen Wahn des Antijudaismus. Jahrhunderte der Ressentiments und Pogrome, der Passionsspiele, Judasfeuer und Ritualmordlegenden waren der Bodensatz, auf dem ihre absurde Rassenideologie allererst wachsen konnte. Die Nazis haben ihr Feindbild nicht erfunden, es war quasi in der religiösen Kultursuppe gewachsen und von ihr vorgegeben. Ihr Wahn richtete sich direkt gegen die Menschen. Eine Konversion war daher kein Ausweg mehr. Auf einmal gab es eine jüdische Genetik, nicht mehr nur ein Bekenntnis. Die Nazis haben alle ermordet, die sie für Juden hielten, auch diejenigen, die vorher gar nicht wussten, dass sie Juden waren. Jean Amery schrieb: „<a href="http://blog.klett-cotta.de/literatur/jean-amery-werke-band-1-9/" target="_blank">Seit Hitler bin ich Jude.</a>“ Viele dieser Zuschreibungsjuden fielen aus allen Wolken direkt in die Hölle.</p>
<p>Wenn wir nach Lehren suchen, die aus der moralischen Katastrophe des Holocaust zu ziehen wären, so ist das zunächst einmal sicher die Lehre, dass der Rassenwahn falsch ist. Das ist trivial und auch weithin akzeptiert. Judentum ist eine Religion, keine andere - und schon gar keine genetische - Eigenschaft der Menschen. Ebenso trivial, aber viel seltener akzeptiert ist die Lehre, dass der religiöse Wahn, der diesem Rassenwahn erst den Weg geebnet hat, falsch ist, falsch und grotesk.</p>
<p>Die wichtigste Lehre aber, die zu ziehen wäre, ist die Lehre der individuellen Menschenrechte. Und tatsächlich wurde sie ja auch gezogen, mit der Verabschiedung der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Erklärung_der_Menschenrechte" target="_blank">Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte</a> am 10.12.1948. Es geht um die <em>einzelne</em> Person und um ihre Rechte. Kein Kollektiv und insbesondere keine Religionsgemeinschaft kann diese Rechte für sich in Anspruch nehmen. Sie sind einfach <em>nicht die Art von Ding</em>, für die diese Rechte gelten. Sie sind keine Individuen.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 231px"><img alt="" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/85/Eleanor_Roosevelt_and_Human_Rights_Declaration.jpg" width="221" height="167" /><p class="wp-caption-text">Eleanor Roosevelt mit der Deklaration der Menschenrechte 1948</p></div>
<p>Die Wertvorstellung, die in den Menschenrechten, und insbesondere im Menschenrecht auf Religionsfreiheit zum Ausdruck kommt, dass die Zugehörigkeit zu einer Religion eine freie Entscheidung des Individuums sein sollte, steht in diametralem Gegensatz zu dem rassistischen Wahnsinn der Nazis, aber sie steht genauso im Gegensatz zu dem Wahn der großen Religionen. Der Islam bedroht Apostasie mit Todesstrafe und Hölle; die Christen akzeptieren zwar (zähneknirschend) den Kirchenaustritt, halten die Taufe aber trotzdem für unaufhebbar, das Judentum droht mit der „<a href="http://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/1_mose/17/" target="_blank">Ausrottung der Seele</a>“, falls der heilige Bund nicht durch die Amputation der Vorhaut von Babys erneuert wird. Für alle ist es selbstverständlich, dass Kinder im Sinne der Religion ihrer Eltern zu markieren sind, und wenn die Religion dafür eine Körperverletzung vorschreibt, dann ist das eben so. Sie halten dies für ein Grundrecht, ein Menschenrecht. Niemandem von ihnen fällt anscheinend die verlogene Inkonsequenz auf, mit der sie sich hier auf einen moralischen Fortschritt, die Menschenrechte, berufen, um den Primat ihrer „höheren“ archaischen Gesetze zu zementieren. Ein Fortschritt, den sie alle im Namen eben dieser höheren Gesetze nach Kräften <a title="Krieg den Menschenrechten" href="http://evidentist.wordpress.com/2010/12/07/krieg-den-menschenrechten/" target="_blank">bekämpfen</a>.</p>
<p>Wir können das rhetorische „Ausgerechnet Deutschland“-Argument auch umdrehen: „Deutschland führt Sonderrecht für Juden ein.“ Wie hört sich das an? „Sonderrecht für Juden“? Ausgerechnet in Deutschland?</p>
<p>Die Bundesregierung wird ein Gesetz vorschlagen, dass die Grundrechte der Kinder von Juden massiv einschränkt. Sie diskriminiert die männlichen Kinder von Juden, wenn sie ihnen ihre Grundrechte nicht in vollem Umfang zugesteht. Sie diskriminiert aber auch alle Juden (und Muslime), wenn sie ihnen das Sonderrecht zugesteht, zentrale Grundrechte nicht beachten zu müssen. Sie sagt ihnen damit nämlich Folgendes:</p>
<blockquote><p>Wir haben in unserem Grundgesetz zwar Standards festgeschrieben, die sich an den allgemeinen Menschenrechten orientieren, aber wir wissen, dass wir die Einhaltung dieser Standards von Euch nicht verlangen können. Daher machen wir jetzt ein Sonderrecht für Euch!</p></blockquote>
<p>Auch diese Form der Privilegierung ist eine Diskriminierung.</p>
<p><a href="http://suite101.de/article/forscher-und-grosse-denker-juedischer-abstammung-a71448" target="_blank">Säkulare Juden haben sehr viel beigetragen</a> zum wissenschaftlichen und kulturellen Fortschritt unserer westlichen Zivilisation. Sie haben die Demokratie mit geprägt, so sehr, dass die erste Demokratie in Deutschland fortwährend <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Deutschland#Kaiserreich_und_Weimarer_Republik_.281871-1933.29" target="_blank">als „verjudet“, als „Judenrepublik“</a> beschimpft wurde. Im Nachhinein eine klare Auszeichnung. Sie stellen zusammen mit den gemäßigt Religiösen die große Mehrheit in der einzigen Demokratie im Nahen Osten. In einer <a href="http://www.israelnet.de/judentum.htm" target="_blank">Umfrage des Statistischen Zentralamtes in Israel</a> (2002 &#8211; 2004) bezeichneten sich 44% der jüdischen Israelis ab 20 Jahren als säkular; 27% als traditionelle Juden, 12% als traditionell praktizierend, 9% als orthodox und 8% als ultra-orthodox. Selbst in Israel sind die Orthodoxen also eine kleine, aber dafür umso lautere Minderheit, mit denen auch die israelischen Demokraten <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/kulturkampf-in-jerusalem-vandalismus-im-namen-des-herrn-1.1240455" target="_blank">die üblichen Schwierigkeiten</a> haben. Die große Mehrheit der Israelis wird sich wohl für die Holocaust-Vergleiche der deutschen Rabbis ähnlich fremdschämen wie die „säkularen Katholiken“ für die regelmäßigen Ausfälle ihrer Meisners, Müllers und Mixas.</p>
<p>Bedeutet das Kölner Urteil auch für säkulare Juden das Ende ihres Lebens in Deutschland? Wohl kaum. Die säkularen Juden beschneiden ihre Söhne wegen eines Gruppendrucks, <a href="http://derstandard.at/1342947987559/Israel-Ein-Damm-ist-gebrochen-im-Land-der-Beschneidung" target="_blank">der allerdings schwächer wird</a>. Der israelische Anti-Beschneidungsaktivist Jonathan Enosch <a href="http://diepresse.com/home/panorama/religion/1269514/Enosch_Viele-wollen-sich-mit-Beschneidung-freikaufen" target="_blank">schreibt</a>:</p>
<blockquote><p>Als wir vor zwanzig Jahren anfingen, uns zu organisieren, waren es nur ein paar Dutzend Familien [die ihre Söhne nicht beschneiden]. Heute reden wir von zwei Prozent der jüdischen Bevölkerung Israels. [...]</p>
<p>Tatsache ist, dass sich ganz viele Menschen in Israel unwohl dabei fühlen, dass ihre Kinder beschnitten werden.</p></blockquote>
<p>Und wie kann es denn auch anders sein? Je schwächer die religiöse Bindung, desto schlimmer muss das Ritual doch wohl auch für die Eltern sein. Säkular bedeutet ja auch, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse bessere Chancen haben, durchzudringen. So ist etwa die Behauptung, Säuglinge spürten keinen Schmerz, <a href="http://www.fr-online.de/wissenschaft/beschneidungen-unterschaetztes-trauma-risiko,1472788,16643734.html" target="_blank">längst nicht mehr haltbar</a>. Das Kölner Urteil stärkt säkularen Eltern den Rücken, es schwächt den Gruppendruck.</p>
<p>Überall auf der Welt versuchen wir, reformerische Kräfte im Sinne der Menschenrechte zu stärken. Nur bei den Juden nicht? Ausgerechnet in Deutschland?</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://evidentist.wordpress.com/category/aufklarung/'>Aufklärung</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/ethik/'>Ethik</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/uberzeugung/glaube/'>Glaube</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/ethik/moral/'>Moral</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/uberzeugung/religion/'>Religion</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/sakularismus/'>Säkularismus</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/ethik/werte/'>Werte</a> Tagged: <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/antijudaismus/'>Antijudaismus</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/antisemitismus/'>Antisemitismus</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/beschneidung/'>Beschneidung</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/holocaust/'>Holocaust</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/israel/'>Israel</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/jean-amery/'>Jean Amery</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/juden/'>Juden</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/judentum/'>Judentum</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/kolner-urteil/'>Kölner Urteil</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/menschenrechte/'>Menschenrechte</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/nazis/'>Nazis</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/rasse/'>Rasse</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/evidentist.wordpress.com/6194/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/evidentist.wordpress.com/6194/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=evidentist.wordpress.com&#038;blog=17354116&#038;post=6194&#038;subd=evidentist&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Keine Zukunft für Retro-Krankenhaus</title>
		<link>http://evidentist.wordpress.com/2012/05/18/keine-zukunft-fur-retro-krankenhaus/</link>
		<comments>http://evidentist.wordpress.com/2012/05/18/keine-zukunft-fur-retro-krankenhaus/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 18 May 2012 10:22:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stücker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der gescheiterte Geschäftsmann ist am Boden zerstört: Seine gesamte Investition erwies sich als Riesen-Flop: Kaum jemand wollte sich in seinem Krankenhaus des späten 18. Jahrhunderts behandeln lassen. Wir trafen den Neu-Pleitier, der allerdings lieber anonym bleiben möchte. Denn trotz seines Scheiterns hält er seine Idee für zukunftsfähig. „Wir haben uns so sehr um Authentizität bemüht. [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=evidentist.wordpress.com&#038;blog=17354116&#038;post=5540&#038;subd=evidentist&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><!--?xml version="1.0" encoding="UTF-8" standalone="no"?--><em>Der gescheiterte Geschäftsmann ist am Boden zerstört: Seine gesamte Investition erwies sich als Riesen-Flop: Kaum jemand wollte sich in seinem Krankenhaus des späten 18. Jahrhunderts behandeln lassen. Wir trafen den Neu-Pleitier, der allerdings lieber anonym bleiben möchte. Denn trotz seines Scheiterns hält er seine Idee für zukunftsfähig.</em></p>
<div id="attachment_5635" class="wp-caption aligncenter" style="width: 529px"><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/03/art_1800_dc01-e1331162639363.jpg"><img class="size-full wp-image-5635" title="art_1800_dc01" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/03/art_1800_dc01-e1331162639363.jpg?w=519&#038;h=274" alt="Krankenhaus in Middlesex, London, um 1800" width="519" height="274" /></a><p class="wp-caption-text">Krankenhaus in Middlesex, London, um 1800</p></div>
<p><span id="more-5540"></span></p>
<blockquote><p>„Wir haben uns so sehr um Authentizität bemüht. Aber niemand wollte sich im Krankenhaus so behandeln lassen wie im ausgehenden 18. Jahrhundert. Das verstehe ich nicht. Wieso haben ambulante Therapien aus dieser Zeit so großen Erfolg? Wieso kann bei Arzneimitteltherapien das Wort „traditionell“ wahre Marketing-Wunder vollbringen, aber stationär möchte keiner nach dem Wissensstand dieser Zeit behandelt werden?“</p></blockquote>
<div>
<p>Motiviert durch den Erfolg traditioneller und alternativer Heilverfahren wie „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ayurveda" target="_blank">Ayurveda</a>“ oder „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Traditionelle_chinesische_Medizin" target="_blank">Traditionelle Chinesische Medizin</a>“, „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Signaturenlehre" target="_blank">Signaturen-Lehre</a>“, „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spagyrik" target="_blank">Spagyrik</a>“, „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hildegard-Medizin" target="_blank">Hildegard-Medizin</a>“, „<a href="http://evidentist.wordpress.com/tag/homoopathie/" target="_blank">Homöopathie</a>“ oder „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anthroposophische_Medizin" target="_blank">Anthroposophische Medizin</a>“, die teilweise beträchtlich älter sind als 200 Jahre, haben der Unternehmer und sein Team viel historische Forschung betrieben.</p>
<blockquote><p>„Wenn es das ist, was die Menschen wollen, hab ich gedacht, die Liebe zum historischen Detail, bitteschön, das kann ich bieten.“</p></blockquote>
<p>Konsequenterweise wurden in dem Krankenhaus auch weniger ausgebildete Fachärzte und Chirurgen als vielmehr Historiker der Medizin und Chirurgie eingestellt.</p>
<blockquote><p>„Wir standen natürlich vor dem Problem, dass die Fachleute von damals alle schon lange verstorben sind. Und an unseren medizinischen Fakultäten wird das alte, traditionelle Wissen ja nicht mehr gelehrt, was sich aber ja langsam ändert. Die Chirurgen, die heute ausgebildet werden, wissen ja gar nicht mehr, wie man unter Zeitdruck operiert, weil ja immer auf moderne Weise anästhesiert wird.“</p></blockquote>
<p>So gehe wertvolles traditionelles Wissen verloren. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anästhesie#Geschichte_der_An.C3.A4sthesie" target="_blank">Die erste erfolgreiche Anästhesie wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts durchgeführt</a>. Es ist klar, dass bei chirurgischen Eingriffen davor Schnelligkeit eine besondere Rolle spielte.</p>
<div class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-5687 " style="border-style:none;border-color:initial;cursor:default;border-width:0;padding:0;margin:0;" title="odm_0274_gr" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/03/odm_0274_gr.jpg?w=519" alt="Gaspare Traversi (um 1722–1770): Die Operation"   /><p class="wp-caption-text">Gaspare Traversi (um 1722–1770): Die Operation</p></div>
<div>Auf die Frage, warum es denn ein Krankenhaus aus der Zeit Ende des 18. Jahrhunderts sein sollte, antwortet der gescheiterte Visionär:</div>
<blockquote><p>„Nun, wir hören überall und ständig <a href="http://www.mmnews.de/index.php/i-news/9394-schul-medizin-am-ende" target="_blank">Kritik an der Schulmedizin</a>. Gleichzeitig haben traditionelle Therapien aus der Vergangenheit großen Zulauf. Wir haben uns gefragt, worin unterscheidet sich eigentlich die moderne von der traditionellen Medizin? Denn auch <a title="Alternative Schulmedizin" href="http://evidentist.wordpress.com/2011/03/01/alternative-schulmedizin/" target="_blank">die traditionellen Therapien waren zu ihrer Zeit natürlich Schulmedizin</a>. Die einzige wirklich einschneidende Änderung in der Geschichte der Medizin ist die Rolle, die die Wissenschaft etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts spielt. Seitdem hat sich die Medizin rasant entwickelt. Auf einmal fing man an, Therapien zu testen und vieles von dem, was über Jahrhunderte gut genug war, wurde einfach aufgegeben. Das berühmteste Beispiel ist sicher der Aderlass. Wenn die Leute heute unzufrieden sind mit der Schulmedizin, dann müssen sie die wissenschaftliche, die evidenzbasierte Medizin meinen. Wenn die Leute die heutige Schulmedizin hassen, dann bieten wir ihnen hier die Möglichkeit, in der Zeit zurück zu reisen an einen Zeitpunkt, der noch gänzlich unbefleckt ist mit moderner Schulmedizin. Impfungen z.B. sind heute sehr umstritten. Sie wurden damals gerade erst erfunden. Bei uns wird daher selbstverständlich nicht geimpft. Von daher müsste unser Angebot vor allem für alle Impfskeptiker sehr attraktiv sein.“</p></blockquote>
</div>
<p>Was aber ist mit Homöopathie oder Anthroposophischer Medizin? Obwohl relativ jung, sind beide wie selbstverständlich Bestandteil der angebotenen Therapieformen.</p>
<blockquote><p>Wir haben auch vergleichsweise moderne Therapieformen mit aufgenommen, wenn sie sozusagen den Geist des Alten atmen. Denn das Neue an der modernen Medizin ist die Idee von Test und Evidenz als alleinige Richtschnur. Die alternativen Therapien sind ja definitionsgemäß nicht evidenzbasiert. Sie sind also auch in diesem Sinne vormodern.</p></blockquote>
<p>Weiter bestärkt wurde der ungewöhnliche Gründer durch den vor kurzem verstorbenen Präsidenten der Bundesärztekammer Hoppe, der festgestellt hat, dass <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/11/medizin-ist-keine-naturwissenschaft.php" target="_blank">Medizin sowieso keine Naturwissenschaft</a> sei. Daher, so der Gründer, sei die Prämisse der modernen Medizin, dass getestete Methoden immer besser seien als bloß ausgedachte, eine „arrogante Haltung“. Diese „schulmedizinische Hegemonie“ habe das traditionelle Wissen aus der universitären Ausbildung verdrängt. In letzter Zeit lässt sich allerdings eine Umkehrung dieses Trends beobachten.</p>
<blockquote><p>„Wir haben uns natürlich sehr gefreut über die <a href="http://www.zeit.de/2010/37/M-Alternativmedizin" target="_blank">vielen Studiengänge an den Universitäten zu traditionellen und alternativen Therapieformen</a>. Das hat uns dazu inspiriert, unser Projekt Retro-Krankenhaus zu starten. Wenn die Unis jetzt vermehrt in die alternative und traditionelle Medizin einsteigen, brauchen sie über kurz oder lang ja auch eine solche Retro-Uni-Klinik. Daher sehe ich für unser Projekt auch immer noch eine Zukunft. Aber obwohl wir gerade im grün-alternativen und anthroposophischen Milieu viele Vorschusslorbeeren einheimsen konnten, müssen wir jetzt sehen, dass auch von diesen Leuten tatsächlich niemand bereit ist, sich auf traditionelle Weise auch nur den Blinddarm entfernen zu lassen. Die Zeit ist wohl noch nicht ganz reif.“</p></blockquote>
<p>Einer der Fehler im Business Plan für das Projekt Retro-Krankenhaus war also sicher die Unterschätzung dieses Trends zur Weinerlichkeit. Aber viele der Patienten, die sich dann doch für ein modernes Krankenhaus entschieden, hatten nicht nur Angst vor Schmerzen, sondern auch vor Sepsis und Infektionen.</p>
<blockquote><p>„Wir versuchen immer, diese Einwände damit zu entkräften, dass wir für eine sehr gute Luft in unseren Räumlichkeiten sorgen, damit das bösartige Miasma keine Chance hat. Daraufhin erleben wir immer wieder, dass die Leute zuerst mit Erstaunen reagieren und dann einwenden, dass Krankheiten doch durch Viren und Bakterien verursacht würden. Das sitzt wirklich tief bei den Leuten. Wir müssen selbst die Anhänger von traditionellen Therapieformen immer wieder an deren theoretische Grundlagen erinnern. Im ausgehenden 18. Jahrhundert gab es noch keine Bakterien! Damals war es noch die schlechte Luft, das Miasma, an dem die Leute krank wurden. Ein Retro-Krankenhaus muss sich natürlich um der Authentizität willen auch an den Theorien von damals orientieren. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Miasmentheorien_(Homöopathie)" target="_blank">Das tun die ambulanten Arzneimitteltherapien ja auch!</a>“</p></blockquote>
<p>Dieses Thema liegt dem verhinderten Gründer sehr am Herzen. Von den kreativen Denkern der Postmoderne wüssten wir doch jetzt schon seit über 30 Jahren, dass die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-François_Lyotard#Das_postmoderne_Wissen" target="_blank">Wissenschaft nur ein Narrativ unter vielen</a> sei. (Das gilt im Übrigen <a href="http://www.ratioblog.de/entry/integrative-wissenschaften-fuer-alle" target="_blank">nicht nur für die Medizin</a>.) Warum sollten wir die Geschichten, die die Wissenschaft uns erzählt, eher glauben als das, was der reiche Schatz an kollektiver Erfahrung und <a title="Das war schon immer so" href="http://evidentist.wordpress.com/2011/05/13/das-war-schon-immer-so/" target="_blank">Tradition</a> für uns bereithält? Zumal es auch durchaus Vorteile biete:</p>
<blockquote><p>„Überlegen Sie mal, was gerade in modernen Krankenhäusern mit all diesen Superkeimen geschieht. Die Antibiotika sind am Ende! Wäre es da nicht viel besser, wenn wir uns wieder die gute alte Geschichte vom Miasma erzählen würden? Statt teurer Forschung und evolutionärem Wettrennen mit Mikroben müssten wir nur ausreichend lüften!“</p></blockquote>
<p>Aber es hilft nichts. Obwohl sich viele Patienten bei ihrer Arztwahl und in der Apotheke &#8211; bewusst oder unbewusst &#8211; für Therapien entscheiden, die auf Theorien von damals beruhen, will sich niemand wirklich nach damaligem Wissensstand operieren lassen. Es scheint, als gäbe es auch beim Glauben an die traditionelle Medizin einen Punkt, an dem der Spaß aufhört.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://evidentist.wordpress.com/category/alternativmedizin/'>Alternativmedizin</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/erziehung/bildung/'>Bildung</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/esoterik/'>Esoterik</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/uberzeugung/glaube/'>Glaube</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/medizin/'>Medizin</a> Tagged: <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/anthroposophische-medizin/'>Anthroposophische Medizin</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/ayurveda/'>Ayurveda</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/hildegard-von-bingen/'>Hildegard von Bingen</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/homoopathie/'>Homöopathie</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/miasma/'>Miasma</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/postmoderne/'>Postmoderne</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/retro-krankenhaus/'>Retro-Krankenhaus</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/satire/'>Satire</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/tcm/'>TCM</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/tradition/'>Tradition</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/evidentist.wordpress.com/5540/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/evidentist.wordpress.com/5540/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=evidentist.wordpress.com&#038;blog=17354116&#038;post=5540&#038;subd=evidentist&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Religion für Ungläubige?</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 21:47:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stücker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Alain de Botton schlägt in seinem Buch Religion für Atheisten vor, dass sich Ungläubige an den Religionen orientieren sollten. Sie sollten genau hinschauen, wie Religionen Macht ausüben, Gemeinschaften bilden und ihre Botschaften platzieren. Warum nicht von ihnen lernen? Zunächst einige Anmerkungen zur Terminologie: Atheismus braucht kein Upgrade 2.0. Atheismus 1.0 macht seinen Job tadellos. Es ist [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=evidentist.wordpress.com&#038;blog=17354116&#038;post=5044&#038;subd=evidentist&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Alain de Botton schlägt in seinem Buch </em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/B006JP1Q6C/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B006JP1Q6C" target="_blank">Religion für Atheisten</a><em> vor, dass sich Ungläubige an den Religionen orientieren sollten. Sie sollten genau hinschauen, wie Religionen Macht ausüben, Gemeinschaften bilden und ihre Botschaften platzieren. Warum nicht von ihnen lernen?<span id="more-5044"></span></em></p>
<div class="embed-ted"><iframe src="http://embed.ted.com/talks/lang/de/alain_de_botton_atheism_2_0.html" width="519" height="291" frameborder="0" scrolling="no" webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowFullScreen></iframe></div>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/B006JP1Q6C/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B006JP1Q6C" target="_blank"><img class="alignright  wp-image-5240" title="debotton_religion" alt="" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/02/debotton_religion.jpg?w=159&#038;h=240" width="159" height="240" /></a>Zunächst einige Anmerkungen zur Terminologie: Atheismus braucht kein Upgrade 2.0. Atheismus 1.0 macht seinen Job tadellos. Es ist ein sehr einfaches Programm, dessen Funktionsumfang immer überschätzt wird. Es kann eigentlich nur eins: Immer, wenn die Rede auf „Gott“ und „Jenseits“ kommt, fragt es: „Wie bitte? Das hab ich nicht verstanden.“ Immer, wenn Ballons mit transzendenten Illusionen aufgeblasen werden, schießt es eine Nadel ab. Es ist durch und durch destruktiv.</p>
<p>Das Ganze wird plausibler, wenn wir von <em>Religion für säkulare Humanisten</em> reden. Denn ein säkularer oder auch evolutionärer Humanismus ist nicht bloß destruktiv, <a href="http://www.giordano-bruno-stiftung.de/leitbild" target="_blank">er macht sehr weit reichende, konstruktive Angebote</a>. Der Atheismus, auf den er immer reduziert wird, ist für ihn bloß eine Art skeptisches Immunsystem, um den Unsinn fern zu halten.</p>
<p>In diesem Sinne ist vor allem dem ersten Punkt, den de Botton macht, zuzustimmen: Die Kritik an den inhaltlichen Behauptungen der Religionen ist geleistet. Siehe <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406568599/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3406568599" target="_blank">Norbert Hoerster</a>, siehe <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3150080754?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3150080754" target="_blank">John Leslie Mackie</a>. <em>Now let&#8217;s move on.</em> Natürlich sind alle übernatürlichen Phänomene Fiktionen. Natürlich gibt es für scheinbare Wunder entweder eine wissenschaftlich überprüfbare Erklärung oder der Zeuge ist unglaubwürdig (so <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eine_Untersuchung_über_den_menschlichen_Verstand" target="_blank">David Hume</a>). Natürlich war Jesus nur einer von unzähligen Wanderpriestern, hieß eigentlich <a href="http://www.youtube.com/profile?user=MontyPython#grid/uploads" target="_blank">Brian</a>, und das Ganze war ein Missverständnis.</p>
<p><em>Now let&#8217;s move on!</em></p>
<p>Religionen sind Memplexe, und sie sind unbestreitbar neben Sex und Subsistenzsorge die wichtigste treibende Kraft der kulturellen Evolution. Sie wirken, wie alle wichtigen Kräfte der Evolution, durch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schöpferische_Zerstörung" target="_blank">schöpferische Zerstörung</a>. Uns modernen aufgeklärten Menschen im saturierten Westen mag es seltsam erscheinen, aber unsere Vorfahren sind massenhaft für ihre Religionen gestorben. (Viele unserer Zeitgenossen sind anscheinend immer noch dazu bereit.) Die verschiedenen christlichen Sekten haben Europa wiederholt in Schutt und Asche gelegt. Nur Religionen waren im Mittelalter in der Lage, die dringend benötigten Ressourcen abzuzweigen, um überall Kathedralen zu bauen. Religionen sind mächtig.</p>
<p>Vielen von uns Ungläubigen sind Religionen zuwider. Aber wir sollten gut unterscheiden zwischen dem, was diesen Widerwillen im Kern verursacht, und dem, was zu den Vertriebsstrukturen dieses Kerns gehört. Alain de Bottons These ist, dass wir diese religiösen Vertriebsstrukturen nutzen könnten. So sollten wir etwa beim Wort „Propaganda“ nicht gleich zusammenzucken und an Goebbels oder Paulus denken (ab Min. 11:40):</p>
<blockquote><p>„Propaganda ist eine Art und Weise, didaktisch zu sein im Hinblick auf eine Sache. Und wenn diese Sache gut ist, ist das überhaupt kein Problem.“</p></blockquote>
<p>Nun, darüber lässt sich streiten. Jeder, der Propaganda betreibt, ist natürlich davon überzeugt, dass „seine Sache gut ist“. Der Missionar ebenso wie der Nazi, Luther ebenso wie Lenin. Aber betreibt nicht Richard Dawkins auch Propaganda? Sam Harris? Michael Schmidt-Salomon? Und wenn wir entrüstet verneinen, streiten wir dann nicht um Worte? Wie wollen wir ihn nennen, den Kampf um die Vorherrschaft der Meme? Und was sonst sollen wir tun, um diesen Kampf zu führen?</p>
<p>Die Weltreligionen jedenfalls führen ihn hervorragend. Sie haben eine propagandistische Infrastruktur geschaffen und sie so tief in die Fundamente unserer Gemeinwesen eingegraben, dass selbst Ungläubige davor Angst haben, sie auszuschalten oder abzuschaffen. Die Frage ist doch jetzt vor allem: Sind ihre Methoden der Propaganda übertragbar auf andere Inhalte?</p>
<p>Hier liegt meines Erachtens die Schwäche des Ansatzes von de Botton. Er verkennt offenbar auf naive Weise, dass Religionen auf allen Ebenen <em>top-down</em> wirken, von oben nach unten; jeder Gegenentwurf zur Religion aber <em>bottom-up</em> wirkt: Evolution statt Schöpfung, Entdeckung statt Offenbarung, Konvention statt Gebot. Und Demokratie statt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum" target="_blank">Gottesgnadentum</a>. Alles ist tatsächlich emergent.</p>
<p>So ist etwa das Ziel religiöser Erziehung die Vermittlung von im Grunde einfachen dogmatischen Wahrheiten und Geboten. Wir haben keine Zentrale, die unsere Wahrheit verkündet, und wir haben auch keine Wahrheit, die eine Zentrale verkünden könnte. Wir wollen, dass die Menschen selbst denken, selbst forschen und nur das für wahr halten, was sie belegen können. Wir wollen, dass ihre Ansichten <em>evidenzbasiert</em> sind. Auch die Wahrheit entsteht also <em>bottom-up</em>, sie ist emergent und sie ist immer vorläufig.</p>
<p><img class="alignright" style="margin-left:10px;margin-right:10px;" title="School of Life" alt="" src="http://www.theschooloflife.com/assets/Uploads/theschooloflifelogo.gif" />Dennoch ist de Botton hier auf einer richtigen Spur. Wir besuchen einen Vortrag <a title="Auch Gottlose leben nicht vom Brot allein" href="http://evidentist.wordpress.com/2011/08/14/auch-gottlose-leben-nicht-vom-brot-allein/" target="_blank">nicht nur, um etwas Neues zu erfahren</a>. Wir wollen uns mit Gleichgesinnten treffen und Gemeinsamkeit erleben. Vor allem dafür kommen Menschen in Kirchen zusammen. Dies ist ein Element der religiösen Vermittlung von Inhalten, Werten und Inspiration, das wir uns ohne Weiteres zu Nutze machen können. Und das passiert ja auch. Alain de Botton selbst hat die <em><a href="http://www.theschooloflife.com/" target="_blank">School of Life</a></em> mit gegründet, in der solche „Predigten“ stattfinden können.</p>
<div class='embed-vimeo' style='text-align:center;'><iframe src='http://player.vimeo.com/video/31056022' width='400' height='300' frameborder='0'></iframe></div>
<p>Wer diesem <a href="http://www.theschooloflife.com/Sermons/Lawrence-Krauss-on-Cosmic-Connections" target="_blank">Vortrag von Lawrence Krauss</a> gern gelauscht hat, obwohl er den Inhalt schon kannte, sich jetzt aber daran stört, dass er „Predigt“ genannt wird, der streitet wohl wieder um Worte. Wenn diese „Predigt“ erbaulich ist, dann nicht im herkömmlichen Sinn von „erbaulich“. Seine Botschaft wird man in Kirchen eher selten hören:</p>
<blockquote><p>„Wenn Sie das nächste Mal depressiv sind, denken Sie daran, dass wir wirklich vollkommen bedeutungslos sind. Die beiden Botschaften, die ich Ihnen mit auf den Weg geben möchte, sind 1. Sie sind viel unbedeutender, als Sie dachten, und 2. Das Universum, die Zukunft ist trostlos.“</p></blockquote>
<p>Das ist zwar ironisch, aber auch ernst gemeint. Krauss ist Astrophysiker. Unsere kosmische Bedeutungslosigkeit ist nun wirklich nichts Neues und die trostlose Zukunft des Universums ist nicht wirklich unsere Zukunft. Viel wichtiger und auch erbaulicher für uns sind solche Sätze:</p>
<blockquote><p>„Jedes Atom in Ihrem Körper kommt aus einem Stern, der explodiert ist. Und die Atome in Ihrer linken Hand kommen wahrscheinlich aus einem anderen Stern als die Ihrer rechten Hand. Vergessen Sie also Jesus: Die <em>Sterne</em> mussten sterben, damit Sie geboren werden konnten. Das ist wirklich das Poetischste, was ich über Physik weiß: Sie alle sind Sternenstaub.</p>
<p>Ich hoffe, dass Sie alle einmal im Leben diese Erfahrung machen: Dass etwas, woran Sie tief und fest glauben, weil es schön und elegant und wundervoll ist, sich als falsch herausstellt. Denn dann können Sie wirklich frei denken.“ (ab ca. Min. 20)</p></blockquote>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/059306612X/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=059306612X" target="_blank"><img class="alignright  wp-image-5217" style="margin-left:10px;margin-right:10px;" title="Dawkins_MoR" alt="" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/02/51d84a1rkxl-_ss400_-e1328630895947.jpg?w=218&#038;h=279" width="218" height="279" /></a>Alain de Botton sieht sich als Antipode zu Richard Dawkins. Und Dawkins sieht das sicher ähnlich. Aber wenn ich de Botton richtig verstehe, dann füllt Dawkins den Rahmen, den er vorschlägt, auf ideale Weise aus! Seine Vorträge sind <a title="„Wir alle müssen sterben, das heißt, wir haben Glück gehabt“" href="http://evidentist.wordpress.com/2010/11/09/wir-alle-muessen-sterben/" target="_blank">Predigten im positiven Sinne des Wortes</a>. Er ist einer der großen Champions für die Verbreitung eines evolutionären, wissenschaftlichen Humanismus. Er sticht nicht bloß in die Ballons des Unsinns, er inspiriert und begeistert für die positive Alternative. Er steht damit in der Tradition von <a title="Blick von außen" href="http://evidentist.wordpress.com/2010/10/26/blick-von-aussen/" target="_blank">Carl Sagan</a>, dem vielleicht größten „Prediger“ eines wissenschaftlichen Humanismus. Schauen Sie selbst, wie plastisch und mitreißend Dawkins in seinem neuesten Buch <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/059306612X/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=059306612X" target="_blank">The Magic of Reality</a></em> eben diese „poetische Magie der Wirklichkeit“ der „übernatürlichen Magie des Mythos“ gegenüberstellt. Hier am Beispiel des Kapitels „Wer war die erste Person?“:</p>
<span class='embed-youtube' style='text-align:center; display: block;'><iframe class='youtube-player' type='text/html' width='519' height='322' src='http://www.youtube.com/embed/j4ClZROoyNM?version=3&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;wmode=transparent' frameborder='0'></iframe></span>
<p>Das große Verdienst von Alain de Botton ist wohl, dass er diese Diskussion angestoßen hat. Man muss seine naive Wertschätzung der Religionen nicht teilen, um die Idee faszinierend zu finden, dass diese Religionen auf kulturellen Schätzen sitzen, die eigentlich uns allen gehören.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://evidentist.wordpress.com/category/aufklarung/'>Aufklärung</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/erziehung/bildung/'>Bildung</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/erziehung/'>Erziehung</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/uberzeugung/glaube/'>Glaube</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/perspektive/'>Perspektive</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/uberzeugung/religion/'>Religion</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/sakularismus/'>Säkularismus</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/category/wissenschaft/'>Wissenschaft</a> Tagged: <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/alain-de-botton/'>Alain de Botton</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/atheismus/'>Atheismus</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/atheismus-2-0/'>Atheismus 2.0</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/david-hume/'>David Hume</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/john-leslie-mackie/'>John Leslie Mackie</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/lawrence-krauss/'>Lawrence Krauss</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/michael-schmidt-salomon/'>Michael Schmidt-Salomon</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/monty-python/'>Monty Python</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/norbert-hoerster/'>Norbert Hoerster</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/richard-dawkins/'>Richard Dawkins</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/sam-harris/'>Sam Harris</a>, <a href='http://evidentist.wordpress.com/tag/school-of-life/'>School of Life</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/evidentist.wordpress.com/5044/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/evidentist.wordpress.com/5044/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=evidentist.wordpress.com&#038;blog=17354116&#038;post=5044&#038;subd=evidentist&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Worin sehen Gläubige den Sinn ihres Lebens?</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 16:16:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stücker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor kurzem antwortete Paula Kirby auf die Frage, die sich gewöhnlich Ungläubige anhören müssen: „Wie findet Ihr eigentlich Sinn in Eurem Leben?“ Oder etwas unverblümter: „Warum bringt Ihr Euch eigentlich nicht gleich um?!“ Aber wissen wir denn überhaupt, wie Gläubige den Sinn in ihrem Leben finden? Die Frage scheint abwegig. Denn Gläubige glauben ja, dass sie (mindestens) [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=evidentist.wordpress.com&#038;blog=17354116&#038;post=5050&#038;subd=evidentist&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Vor kurzem antwortete <a href="http://www.washingtonpost.com/blogs/on-faith/post/how-do-atheist-find-meaning-in-life/2012/01/18/gIQAbiFP8P_blog.html" target="_blank">Paula Kirby</a></em><em> </em><em>auf die Frage, die sich gewöhnlich Ungläubige anhören müssen: „Wie findet Ihr eigentlich Sinn in Eurem Leben?“ Oder etwas unverblümter: „Warum bringt Ihr Euch eigentlich nicht gleich um?!“ Aber wissen wir denn überhaupt, wie Gläubige den Sinn in ihrem Leben finden?<span id="more-5050"></span><br />
</em></p>
<div id="attachment_5051" class="wp-caption alignleft" style="width: 232px"><a href="http://www.washingtonpost.com/archive/638929/12/08/ADmeN0B_page.html?type=panelist&amp;blogId=on-faith&amp;panelistId=paula_kirby" target="_blank"><img class="wp-image-5051    " title="Paula_Kirby" alt="" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/02/paula_kirby-e1328218833958.jpg?w=222&#038;h=210" height="210" width="222" /></a><p class="wp-caption-text">Paula Kirby</p></div>
<p>Die Frage scheint abwegig. Denn Gläubige glauben ja, dass sie (mindestens) zwei Leben haben. Eines im Diesseits (Leben Eins) und eines im Jenseits (Leben Zwei). Und das ist scheinbar auch bereits die Antwort auf die Frage: Leben Zwei verleiht Leben Eins seinen Sinn. Leben Eins ist eine Prüfung, und Leben Zwei ist die Belohnung dafür, dass wir sie bestanden haben. Die Prüfung zu bestehen, ist nicht selbstverständlich, sondern harte Arbeit. Leben Eins ist kurz und beschwerlich, unvollkommen und unglücklich. <em>Vor allem aber ist es endlich.</em> Leben Zwei ist ein einziger Superlativ. Es ist lang, vollkommen beschwerdefrei, überhaupt vollkommen und wird trotz allem nicht langweilig. <em>Vor allem aber ist es unendlich.</em></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3865690467/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3865690467" target="_blank"><img class="alignright  wp-image-5098" style="margin-left:10px;margin-right:10px;" title="die-schrecken-des-paradieses-esther-vilar" alt="" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/02/die-schrecken-des-paradieses-esther-vilar.jpg?w=158&#038;h=240" height="240" width="158" /></a>Paula Kirby mäkelt nun an dieser Vorstellung rum. Vielleicht ermöglichen es psychologische Tricks, dass ein solcher Zustand der Vollkommenheit nicht langweilig wird, aber aus logischen Gründen muss er vollkommen bedeutungslos sein. So stellen wir uns vor, dass sich die Insassen des Paradieses herzlich über die Ankunft frisch verstorbener Angehöriger freuen. Aber dafür müsste ihr Zustand vorher ja suboptimal gewesen sein. Die Vollkommenheit schließt aber alle Schwankungen im Seligkeitsspiegel aus, so Kirby. Nichts kann einen Unterschied machen. Leben Nummer Zwei ist daher selbst absolut sinnlos. Ganz entgegen unserer Intuition sind es also gerade Ewigkeit und Vollkommenheit, die jeden Sinn ausschließen. Trotzdem scheint diese Intuition übermächtig. Weder Paula Kirby noch Esther Vilar werden etwas daran ändern, dass Menschen sich ihren Lebenssinn im Jenseits erhoffen.</p>
<p style="text-align:center;"><img class="aligncenter" title="Wartehalle" alt="" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/2a/UDT-Waiting_room.JPG/800px-UDT-Waiting_room.JPG" height="480" width="640" /></p>
<p>Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihren Flug verpasst. Jetzt müssen Sie einige Stunden in einer Wartehalle auf einem Flughafen verbringen. Diese Wartehalle interessiert Sie überhaupt nicht. Sie wollen eigentlich woanders sein. Hier ist es öde und langweilig.</p>
<p>Für Gläubige ist die Welt, die wir kennen, nur eine öde Flughafenwartehalle ins Jenseits. Das ist der Hintergrund der Frage: „Worin seht Ihr Ungläubige eigentlich den Sinn Eures Lebens?“ Für Euch kommt doch gar kein Flugzeug? Was wollt Ihr in dieser jämmerlichen Wartehalle? Habt Ihr nichts Besseres zu tun? Selbstmord zum Beispiel?!</p>
<p>Darauf könnten wir antworten, dass wir unsererseits gar nicht in einer Wartehalle leben, dass wir nicht mal auf Reisen seien. Wir könnten uns dann freundlich empfehlen, noch eine schöne Wartezeit wünschen und den Flughafen verlassen &#8211; und damit aber auch die Metapher. Denn die Welt ist für uns größer, bunter und faszinierender als eine dumpfe Wartehalle, vor allem ist sie aber eine nicht-instrumentelle Welt, sie ist nicht gut oder schlecht <em>für</em> irgendetwas anderes, sie ist einfach gut oder schlecht. Sie ist einfach: Alles. Und sie ist endlich.</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3839156416/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3839156416" target="_blank"><img class="alignright  wp-image-5093" style="margin-left:10px;margin-right:10px;" title="Edgar Dahl, Wer zur Hölle...?" alt="" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/02/pid8066319.jpg?w=218&#038;h=353" height="353" width="218" /></a>Aber die Gläubigen warten weiter. Wenn ein Flugzeug kommt, gibt es zwei mögliche Ziele. Alle wollen in den Himmel, keiner in die Hölle. Es herrscht reger Streit zwischen verschiedenen Gruppen von Wartenden, ob und wie der Einzelne sein Ziel, seine Destination beeinflussen kann. Es gibt diejenigen, die glauben, es hänge von ihrem Verhalten in der Wartehalle ab. Verschiedene Gruppen hängen verschiedene Regelwerke an die Wände. Wenn sie die Regeln befolgen, sollte einem Flug zum Himmel nichts mehr im Wege stehen.</p>
<p>Andere glauben, dass die Passagierlisten schon vor ihrer Ankunft in der Wartehalle geschrieben wurden, dass die Destination immer schon festliegt, daher sprechen sie von einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Prädestination" target="_blank">Prä-Destination</a>. Aus der Prädestination folgt eigentlich, dass es egal ist, wie sie sich in der Wartehalle aufführen. Warum sollte der eine den andern also nicht rausschmeißen? (Wir würden sagen: töten.) Etwa wenn er andere Regeln propagiert? Für die Flughafenordnung (wir würden sagen: Moral) ist die Idee der Prädestination nicht gerade hilfreich. Warum nicht auch gleich selbst die Wartehalle verlassen, ohne aufgerufen zu werden? Dann kommt das Flugzeug und fliegt dorthin, wo immer die Destination ist. (Auch wir hätten also Grund zu fragen: „Warum bringt Ihr Gläubigen Euch eigentlich nicht gleich um?!“) Denn die Wartehalle ist ein Jammertal. Hier zu sein ist Zeitverschwendung.</p>
<p>Der Sinn, den Gläubige in ihrem Leben sehen, besteht also darin, die richtigen Regeln der Wartehalle zu erkennen und sich während ihres Aufenthalts nach ihnen zu richten. Für Gläubige steht sehr viel auf dem Spiel, aber nichts von Bedeutung spielt sich in der jämmerlichen Wartehalle ab. Die Wartehalle und auch die in ihr Wartenden haben keinerlei Wert an sich. Sie sind bloß Instrumente für ihren Transit.</p>
<div id="attachment_7503" class="wp-caption aligncenter" style="width: 490px"><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/02/fourmortals.jpg"><img class="size-full wp-image-7503" title="fourmortals" alt="" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/02/fourmortals.jpg?w=519"   /></a><p class="wp-caption-text">Vier Sterbliche. Zwei, die leben &#8211; und zwei, die warten&#8230;</p></div>
<p>Das, was uns Ungläubige davon abhält, einander zu schaden oder zu töten: die moralische Intuition, dass es falsch wäre, die goldene Regel, vor allem aber der als intrinsisch empfundene Wert des <em>einzigen</em> Lebens, das alles kann im Wartesaal keine Rolle spielen. <em>Wir</em> sehen im Tod das endgültige Ende dieses einzigen Lebens, <em>das</em> macht unser Leben wertvoll, die Gläubigen sehen darin den &#8211; im Grunde ersehnten &#8211; Rauswurf aus dem Wartesaal. Worin besteht also der Schaden? Warum nicht alle rausschmeißen? Warum nicht den ganzen Wartesaal in einer heroischen Aktion in die Luft jagen? Warum sollten wir Angst vor der Apokalypse haben? <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arnold_Amalrich">Der Herr wird die Seinen schon erkennen</a>.</em> Die Vorstellung, dass unser Leben in unserer Welt nur eine lästige Wartezeit in einer heruntergekommenen Wartehalle ist, begünstigt Massaker aller Art. Diese Massaker finden täglich statt. Und zwar genau aus diesem Grund.</p>
<p>Der Kern der Vorstellung des Lebens als Wartehalle ist die Idee, dass nur Ewigkeit dem Leben einen Sinn verleihen kann. Gläubige, die diesen Kerngedanken ihrer Religion wirklich Ernst nehmen, mutieren zu moralisch unberechenbaren Aliens. Denn alles, was wir erleben, das Erhabene und das Profane, das Alltägliche und das Besondere, Euphorie und Verzweiflung, all das ist: <em>nichts wert</em>.</p>
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<p>Die meisten Menschen sind nicht in diesem Sinne gläubig, auch wenn sie sich selbst als religiös verstehen. Sie lieben diese Welt und dieses Leben. Sie freuen sich wie wir über den ersten Schrei ihres Kindes, sie kämpfen wie wir gegen Krankheit und Tod, sie trauern wie wir um ihre Angehörigen. Aber hüten wir uns vor Menschen, die allen Ernstes in ihrem Leben nur eine lästige Episode sehen. Und hoffen wir, dass ihr Regelwerk ihnen gebietet, andere in ihrem Wartesaal so zu behandeln wie sich Menschen ohne solche Wahnvorstellungen normalerweise behandeln, mit Respekt vor dem unschätzbar wertvollen einzigen Leben des Anderen.</p>
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		<title>Angst vor der Ungleichheit</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 12:59:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stücker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Starten wir alle als unbeschriebene Blätter ins Leben? Es sieht nicht so aus. Aber trotzdem hält sich diese Illusion hartnäckig, vor allem aus Angst um die Grundlagen unserer Moral. Aber unsere Moral hängt nicht ab von Erkenntnissen der Genetik. Viele Menschen fürchten, dass die genetische Forschung immer weitere Indizien dafür liefern könnte, dass Menschen von [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=evidentist.wordpress.com&#038;blog=17354116&#038;post=4531&#038;subd=evidentist&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Starten wir alle als unbeschriebene Blätter ins Leben? Es sieht nicht so aus. Aber trotzdem hält sich diese Illusion hartnäckig, vor allem aus Angst um die Grundlagen unserer Moral. Aber unsere Moral hängt nicht ab von Erkenntnissen der Genetik.<br />
</em></p>
<div id="attachment_4665" class="wp-caption alignnone" style="width: 433px"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/A.I._–_Künstliche_Intelligenz" target="_blank"><img class=" wp-image-4665" title="AI_604" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/01/ai_6041.jpg?w=423&#038;h=238" alt="" width="423" height="238" /></a><p class="wp-caption-text">Der Horror der Gleichheit: Android David erkennt, was er ist: ein Massenartikel (Steven Spielberg, A.I., 2001)</p></div>
<p><span id="more-4531"></span>Viele Menschen fürchten, dass die genetische Forschung immer weitere Indizien dafür liefern könnte, dass Menschen von Geburt an verschieden sind. Sie haben Angst vor dieser Ungleichheit, der Ungleichheit zwischen einzelnen Menschen sowie zwischen ethnischen Gruppen.</p>
<p>Die Angst wird verstärkt durch die Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit war etwa die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik" target="_blank">Eugenik</a> populär. Die ersten IQ-Tests, obwohl komplett ungeeignet, wurden euphorisch begrüßt als Mittel zur Feststellung erblichen Schwachsinns. Zwangssterilisierungen waren die Folge, in den USA bis in die Vierziger Jahre hinein völlig legal. Dann das Erschrecken über die Nazi-Verbrechen und der Pendelschlag in die andere Richtung. Jetzt wurde die Idee einer Erblichkeit von Persönlichkeitsmerkmalen zum Tabu.</p>
<p>Sowohl die primitive Pervertierung der Evolutionstheorie in den <a title="Atheismus ist irrelevant" href="http://evidentist.wordpress.com/2011/09/19/atheismus-ist-irrelevant/" target="_blank">Spencerschen &#8220;Sozialdarwinismus&#8221;</a> als auch die spätere Tabuisierung der Erblichkeit in den Zeiten des nicht minder primitiven Umweltdeterminismus waren vor allem eins: miserable Wissenschaft. So schreibt Matt Ridley 1999 in <em><a href="http://www.amazon.de/ALPHABET-LEBENS-Geschichte-menschlichen-Genoms/dp/3546002261/ref=sr_1_5?ie=UTF8&amp;qid=1326670918&amp;sr=8-5" target="_blank">Alphabet des Lebens</a></em>:</p>
<blockquote><p>Angeblich besteht der Fortschritt der Wissenschaft darin, dass man Hypothesen aufstellt und sie dann durch Überprüfung zu falsifizieren versucht. Aber so ist es nicht. Genau wie die genetischen Deterministen der zwanziger Jahre, die immer nach einer Bestätigung ihrer Ideen und niemals nach ihrer Widerlegung strebten, suchten auch die Umweltdeterministen der sechziger Jahre stets nach unterstützenden Belegen, und bei gegenteiligen Befunden, nach denen sie aktiv hätten suchen sollen, steckten sie den Kopf in den Sand.</p></blockquote>
<p>Aus Angst vor der Ungleichheit möchten viele auch heute noch glauben, dass wir als <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3827005094?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3827005094" target="_blank">unbeschriebene Blätter</a> zur Welt kommen. Das tun wir nicht. Und tatsächlich finden wir das auch gut so. Darauf weisen nicht nur viele durchaus positiv besetzte Begriffe hin, die wesentliche Unterschiede implizieren: <em>Individualität, Originalität, Kreativität, Charakter, Persönlichkeit</em>. Nein: Absolute Gleichheit ist die eigentliche Horrorvorstellung. Sie ist ein Ideal totalitärer Ideologien. Unbeschriebene Blätter lassen sich mit allem bedrucken und einfach gleichschalten. Das Ererbte ist der Feind des <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/1302817/" target="_blank">Neuen Menschen</a>. Huxleys <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schöne_neue_Welt" target="_blank">Schöne neue Welt</a></em> ist eine Welt des Klonens, in der Individualität und Persönlichkeit als Verbrechen gelten. Dennoch ist unsere Angst vor der Ungleichheit ungleich größer.</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3498076671/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3498076671&quot;" target="_blank"><img class="size-full wp-image-4624 alignright" style="margin-left:5px;margin-right:5px;" title="Zimmer_Intelligenz" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/01/zimmer_intelligenz.jpg?w=519" alt=""   /></a>Auf den <a title="Leseprobe aus Zimmer: Ist Intelligenz erblich? " href="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/01/zimmer_intelligenz.pdf" target="_blank">ersten Seiten seines neuesten Buches beschreibt Dieter E. Zimmer</a> die Reaktion der SPD-Spitze auf Sarrazin. Wer diesen Bericht liest, wähnt sich im ideengeschichtlichen <em>Time Tunnel</em>. Als sei seit der Blütezeit des Behaviorismus nichts geschehen. Als sei die Revolution in der genetischen Forschung an diesem politischen Spitzenpersonal spurlos vorübergegangen. Zimmer geht auf die Minen der politischen Korrektheit ein, auf die zu treten jeder riskiert, der sich öffentlich zu diesem Thema äußert:</p>
<blockquote><p>Ideologische Ambitionen verfolgt das Buch nicht. Ich selber halte mich für einen Naturalisten. Wenn jemand seinen Inhalt für «reduktionistisch», «mechanistisch», «darwinistisch», «sozialdarwinistisch», «positivistisch» und so weiter halten möchte, bitte sehr. Aber «biologistisch»? «Biologisch» wäre das Wort. Jemand, der die Welt durch die Brille der Soziologie zu sehen beliebt, muss sich von niemandem «Soziologist» schimpfen lassen. Und «rassistisch»? Das Wort sollte strikt für jene reserviert sein, die einzelne Ethnien in Wort oder Tat geringschätzen, verunglimpfen und diskriminieren. Wenn schon die Konstatierung von ethnischen Differenzen «Rassismus» sein soll, verlöre das Wort seinen Sinn, denn dann wäre letztlich jedermann ein Rassist.</p></blockquote>
<p>Die Angst vor der Ungleichheit ist analog der Angst eines Dostojewski um unsere moralischen Grundlagen: Wenn der Antibiologismus tot ist, ist alles erlaubt! Diese Parallele zwischen moralisch motiviertem Theismus und dogmatischem Antibiologismus kommt nicht von ungefähr. Bei beiden findet sich das Phänomen des &#8220;Glaubens an den Glauben&#8221;: Auch wer insgeheim an Unterschiede glaubt, hält es für wichtig, diese Tatsache öffentlich zu leugnen. Beide stehen wissenschaftlichen Erkenntnissen zutiefst skeptisch gegenüber und wollen sie unter Vorbehalt stellen. Beide lehnen die Idee einer Evolution des Geistes ab. Es ist für beide kein Problem, dass körperliche Unterschiede genetisch bedingt sind. Nicht aber die geistigen Anlagen und Vermögen, nicht die &#8220;Seele&#8221;. Der dogmatische Antibiologismus wie auch der Theismus setzen somit einen cartesianischen Dualismus voraus. Sie widersprechen also jeder Annahme einer Einheit von Körper und Geist, jeder naturalistischen Psychologie, a fortiori also jeder evolutionären Psychologie. Eine Position, die sich evolutionärer Humanismus nennt, kann einen solchen dogmatischen Antibiologismus daher also schon aus theoretischen Gründen kaum mittragen.</p>
<p>Beide Positionen misstrauen nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der einzigen Art von Moral, zu der Menschen fähig sind: der Moral nämlich, zu der sie sich gegenseitig durch Konventionen verpflichten. Daher verspüren beide das dringende Bedürfnis, dieser Moral ein vermeintlich faktisches Fundament zu geben. So stellen sie unsere moralischen Grundlagen unter theologischen bzw. politischen Vorbehalt. Aber weder theologische noch politische Fantasien sind nachhaltig. Sie sind Kartenhäuser aus Wunschgedanken. Eine Moral, die auf solchen Kartenhäusern aufbaut, kann nur mit ihnen zusammenfallen.</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3596172152/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3596172152&quot;" target="_blank"><img class="alignright size-medium wp-image-4629" style="border-color:initial;border-style:initial;border-width:0;" title="Diamond Der dritte Schimpanse" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/01/514xnyg0tzl-_ss500_-e1326229761932.jpg?w=196&#038;h=300" alt="" width="196" height="300" /></a></p>
<p>Wissenschaftliche Forschung hat gezeigt, dass es kaum Unterschiede zwischen menschlichen Rassen gibt, die signifikanter wären als die Unterschiede zwischen Individuen. Sie hat also dem Rassismus die Grundlage entzogen. Aber sie legt auch nahe, dass Rassismus in uns angelegt ist. Offensichtlich gehört es auch zur menschlichen Natur, Fremden zu misstrauen, sie zu diskriminieren und im Konflikt zu töten. In <em>Der dritte Schimpanse</em> plädiert Jared Diamond eindringlich dafür, diese harten Tatsachen nicht zu verdrängen. Rassismus, Krieg und Völkermord brechen nicht aus heiterem Himmel über uns herein. Sie sind in gewisser Weise natürlich, sie sind menschlich. Der edle Wilde, der zwangsläufig gut ist, weil er nicht von unseren gesellschaftlichen Verhältnissen korrumpiert wurde, ist ein Fabelwesen. Das mag schockierend klingen für Leute, die zu glauben gelernt haben, das Natürliche sei das Gute. Aber der Schock muss sein. Wir müssen auch den Gefahren ins Auge sehen, die von uns selbst ausgehen. Denn wer ständig nur &#8220;Nächstenliebe&#8221; anmahnt oder &#8220;Wir sind doch alle Menschen!&#8221; ruft, ringt auch nach dem nächsten Genozid die Hände gen Himmel und fragt fassungslos: &#8220;Wie konnte das nur passieren?&#8221;</p>
<p><a href="http://books.google.de/books?id=Yve7lgvtLcsC&amp;lpg=PP1&amp;hl=de&amp;pg=PP1#v=onepage&amp;q&amp;f=false" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-4981" style="margin-left:5px;margin-right:5px;" title="j9434" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2012/01/j9434.gif?w=519" alt=""   /></a>Aber auch moralisches Verhalten ist in uns angelegt. Auch die Moral ist also natürlich und menschlich. Sie hat sich wie alles andere allmählich entwickelt, und sie entwickelt sich weiter. Solange aber für diese Entwicklung Institutionen zuständig sind, denen ein fantastisch-mythologisches Menschenbild zu Grunde liegt, entwickelt sich die Moral, wenn überhaupt, nur quälend langsam weiter. Zu biblischen Zeiten waren <a href="http://bricktestament.com/exodus/the_ten_commandments/ex20_17.html" target="_blank">Frauen als Besitz des Mannes dem Vieh gleichgestellt</a>, einige Tausend Jahre später dann, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenrechte#Mitte_20._Jahrhundert_bis_heute" target="_blank">seit 1958, dürfen sie in Deutschland ein eigenes Konto führen</a> und heute haben sie die vollen Menschenrechte. Moralischer Fortschritt findet also unleugbar statt. Er besteht darin, den <a href="http://press.princeton.edu/titles/9434.html" target="_blank">Kreis um unsere <em>Ingroup</em> immer weiter zu ziehen</a>. Inzwischen sind Sexismus und Rassismus geächtet, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3100616049/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3100616049" target="_blank">ist die </a><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3100616049/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3100616049" target="_blank">Gewalt </a><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3100616049/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=evidentistwor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3100616049" target="_blank">rückläufig</a>. Vor allem in Kulturen, in denen auch der Einfluss von Religionen, <a title="Das war schon immer so" href="http://evidentist.wordpress.com/2011/05/13/das-war-schon-immer-so/" target="_blank">Traditionen</a> und Ideologien rückläufig ist und in denen Wissenschaft einen hohen Status hat.</p>
<p>Das scheint kein Zufall zu sein. Moralischer Fortschritt verdankt sich offenbar denselben Werten wie wissenschaftlicher Fortschritt: Alles ist Gegenstand der Kritik, es gibt keine Tabus, keine Dogmen, keine absoluten Wahrheiten. Autorität ist kein Argument. Aber gute Argumente haben Autorität, solange sie nicht durch bessere widerlegt werden. In dem Maße, in dem wir uns von Illusionen und Denkverboten über die Natur des Menschen befreien, können wir unsere moralischen Konventionen anhand von wissenschaftlichen Daten über diese Natur kritisieren und weiterentwickeln. Das ist das Programm von <a href="http://hpd.de/node/12134" target="_blank">Sam Harris</a>: Ethik ist zu wichtig, um sie Theologen oder anderen Ideologen zu überlassen. Denn der Mensch ist weder ein Ebenbild Gottes noch ein unbeschriebenes Blatt. Und was noch wichtiger ist: Beide Vorstellungen sind für eine Ethik auf wissenschaftlicher Grundlage nicht nur entbehrlich, sondern völlig irrelevant.</p>
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		<title>Sollten wir für unsere Überzeugungen sterben?</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 22:24:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stücker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im letzten April wurden UN-Mitarbeiter im nordafghanischen Masar-i-Sharif abgeschlachtet. Nur ein Russe kam mit dem Leben davon, weil er das islamische Glaubensbekenntnis mit der MG an der Schläfe herbeten konnte: „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet“. Auf Facebook war der treffende Kommentar zu lesen, wir sollten unseren Kindern diesen Satz einschärfen. [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=evidentist.wordpress.com&#038;blog=17354116&#038;post=4012&#038;subd=evidentist&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2011/10/georg_elser-briefmarke.jpg"><br />
</a><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2011/10/sebastian.jpg"><img class="alignright  wp-image-4044" title="sebastian" alt="" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2011/10/sebastian.jpg?w=251&#038;h=393" height="393" width="251" /></a>Im letzten April wurden UN-Mitarbeiter im nordafghanischen <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,755142,00.html" target="_blank">Masar-i-Sharif abgeschlachtet</a>. Nur ein Russe kam mit dem Leben davon, weil er das islamische Glaubensbekenntnis mit der MG an der Schläfe herbeten konnte: „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet“. Auf Facebook war der treffende Kommentar zu lesen, wir sollten unseren Kindern diesen Satz einschärfen. Er kann über Leben und Tod entscheiden. Aber sollten unsere Kinder diesen Satz aufsagen, nur um sich vor religiösen Amokläufern zu retten? Wer selbst Kinder hat, wird diese Frage wohl nicht mal verstehen &#8230; es sei denn, er ist religiös.</p>
<p><span id="more-4012"></span>Einem <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,789062,00.html" target="_blank">christlichen Pastor, der angeblich früher Moslem war, droht im Iran die Todesstrafe</a>. Die Diplomatie ist in Aufruhr. Aber warum? Der Iran ist eine theokratische Diktatur. Auf Apostasie steht laut Koran die Todesstrafe. Wie unterscheidet sich dieser Fall von dem des UN-Mitarbeiters? Warum spricht der Pastor nicht einfach das islamische Glaubensbekenntnis, um zu überleben? Er hat zwei Kinder und damit Grund und Verantwortung genug, zu überleben. Er könnte ja trotzdem im Verborgenen Christ bleiben. Warum tut er das nicht? Vor allem aber: Warum legt ihm das niemand nahe?</p>
<p>Die Vorstellung, es sei wertvoll und tugendhaft, für die eigenen Überzeugungen zu sterben, ist weit verbreitet. Sie ist Teil unseres so oft beschworenen christlichen Erbes. Aktuell ziehen zwar vor allem islamische Märtyrer die Aufmerksamkeit auf sich. Aber gerade die christliche Kultur ist eine Märtyrerkultur, sie wurde auf dem Märtyrertod gegründet. So heißt es im Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. <a href="http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P8P.HTM#5W" target="_blank">2473</a>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Das Martyrium ist das erhabenste Zeugnis, das man für die Wahrheit des Glaubens ablegen kann; es ist ein Zeugnis bis zum Tod. Der Märtyrer legt Zeugnis ab für (&#8230;) die Wahrheit des Glaubens und die christliche Glaubenslehre.</p></blockquote>
<p>Ich will im Folgenden versuchen zu zeigen, warum der Märtyrertod als &#8220;Zeugnis&#8221; innerhalb eines religiös-ideologischen Weltbilds ein Wert sein muss, und warum er innerhalb eines skeptisch-rationalen Weltbilds kein Wert sein sollte.</p>
<div>
<p>Eine Überzeugung ist eine Einstellung zu einem Sachverhalt. Dieser besteht oder er besteht nicht, unabhängig von der Einstellung. Wir können uns also irren. Und bei der Einstellung können wir unterscheiden zwischen einer kognitiven Dimension, nämlich der subjektiven Wahrscheinlichkeit, die wir dem Sachverhalt beimessen, und einer moralischen Dimension. Sie bewertet das Halten der Überzeugung selbst. Ist es wichtig oder unwichtig, richtig oder falsch, gut oder schlecht, diese Überzeugung zu haben?</p>
<p>Der religiös-ideologische Idealfall sieht jetzt so aus:</p>
<div>
<ul>
<li>Die kognitive Dimension der Überzeugung orientiert sich an der Glaubens-Wahrheit. Da diese schon feststeht, ist die Sache einfach. Fragen, die nicht direkt mit der Glaubens-Wahrheit zu tun haben, sind immer im Lichte einer Interpretation der Glaubens-Wahrheit zu entscheiden. Daher sind Glaubens-Wahrheitsgelehrte immer zuständig, auch wenn sie von dem jeweiligen Sachgebiet keine Ahnung haben.</li>
<li>Die moralische Bewertung der Überzeugung ist klar: Jede dogmatisch richtige Überzeugung ist gut, jeder Zweifel an einer Glaubens-Wahrheit ist schlecht.</li>
</ul>
<p>Diese moralische Bewertung ist hier von besonderer Bedeutung: Da es außer den grundlegenden Texten, außer Tradition und Autorität von Schriftgelehrten und Hohepriestern keine Evidenz für Glaubens-Wahrheiten gibt, erhält das Bekenntnis selbst ungeheures Gewicht. Märtyrertum ist ein &#8220;Zeugnis&#8221;, ein Zeichen. Es steht für die kaum steigerbare emotionale und moralische Intensität des Glaubens. Es soll die Glaubens-Wahrheit belegen. Es ist ein überaus effektives Zeichen. Tatsächlich sind wir beeindruckt von der Glaubenskraft eines Märtyrers. Aber wie so oft, nutzt die Religion hier nur eine Schwäche unseres Denkens aus: Die im Märtyrertod implizite rhetorische Frage lautet: Kann jemand irren, der so stark glaubt? Die richtige Antwort muss aber natürlich lauten: Ja, warum nicht? Auch wenn ich um den Tisch tanze, auch wenn ich mich auf den Kopf stelle, auch wenn ich mich umbringen lasse, nichts davon ist ein Beleg für die Wahrheit meiner Überzeugung, bestenfalls für die Intensität, mit der ich sie für wahr halte.</p>
</div>
<div>
<p>Der skeptisch-rationale Idealfall sieht so aus:</p>
<ul>
<li>Die subjektive Wahrscheinlichkeit der Überzeugung orientiert sich an den Gründen, die sich aus einer möglichst unvoreingenommenen Untersuchung ergeben.</li>
<li>Und moralisch gesehen gilt: Es ist gut, wenn Du nur die Überzeugungen hast, die Du ausreichend gut belegen kannst. Die Tatsache selbst, eine bestimmte Überzeugung zu haben, hat keinen Wert, der unabhängig wäre von den Belegen, die für sie sprechen. Ändern sich die Daten, ändert sich die Überzeugung.</li>
</ul>
<p><a href="http://edge.org/annual-question/what-have-you-changed-your-mind-about-why" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-4059" style="margin-right:5px;margin-left:5px;" title="edge_changed" alt="" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2011/10/edge_changed.jpg?w=519"   /></a>Die Lehre aus Theorie und Geschichte der Wissenschaft ist kognitive Bescheidenheit: &#8220;Wahrheit&#8221; ist ein großes Wort, und wir nähern uns ihr bestenfalls an, sie bleibt jedoch unerreichbar. Diese Haltung der kognitiven Bescheidenheit ist auch ein zentraler Wert einer humanistisch-diesseitigen Ethik. Wer sich daran gewöhnt hat, die Wahrheit immer nur am Horizont zu sehen, wird weder bereit sein, für sie zu sterben noch für sie zu töten. Eine Überzeugung, die auf wissenschaftlicher Grundlage steht, muss nicht als Beleg für sich selbst herhalten. Diktatorischer Druck von außen kann also ein ausreichender Grund sein, eine solche Überzeugung zu verleugnen. Was soll&#8217;s? Es muss, wie immer im Leben, eine Güterabwägung stattfinden. Das Leben ist kostbar, die Wahrheit sorgt für sich selbst. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Galileo_Galilei" target="_blank">Galileo Galilei</a> hat also höchst vernünftig gehandelt, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Giordano_Bruno" target="_blank">Giordano Bruno</a> hingegen eher töricht. Gegenüber katholischen oder islamischen oder anderweitig ignoranten Machthabern muss die Devise lauten: Weiterleben, um im Verborgenen weiter forschen zu können. Es hat keinen Sinn, für eine wissenschaftliche Theorie zu sterben.</p>
<p><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2011/10/georg_elser-briefmarke.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-4099" style="border-color:initial;border-style:initial;border-width:0;" title="Georg Elser" alt="Georg Elser" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2011/10/georg_elser-briefmarke.jpg?w=240&#038;h=235" height="235" width="240" /></a>Es gibt aber sicher gute Gründe, für eine freie Gesellschaft zu streiten und auch, für sie zu sterben. Aber wenn schon Märtyrertod, dann sollte er eine mächtige Waffe sein, kein &#8220;Zeugnis&#8221;, kein bloßer Kommunikationsversuch. Wer im Krieg gegen Tyrannen stirbt, stirbt nicht umsonst. Natürlich billigen wir nicht die Motive islamistischer Selbstmordattentäter, aber wir wären heute etwa einem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Elser" target="_blank">Georg Elser</a> grenzenlos dankbar, hätte er seine Bombe gegen Hitler direkt selbst und mit Erfolg gezündet, statt per Zeitzünder und auf tragische Weise vergebens. Andererseits: Der Märtyrertod als Kommunikationsversuch, nur um einen Punkt zu machen, hat wohl noch nie zum Sturz von Unrechtsregimen geführt. Ein System, das Menschen hinrichtet, die für die Menschenrechte eintreten, wird durch Menschen, die sich dafür hinrichten lassen, kaum beeindruckt werden. Eine Diktatur, ein Terrorregime muss gestürzt, nicht überzeugt werden.</p>
<p><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2011/10/russell_i_might_be_wrong.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-7756" alt="russell_i_might_be_wrong" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2011/10/russell_i_might_be_wrong.jpg?w=519"   /></a></p>
<p>Anders als wissenschaftliche Theorien sorgen Glaubens-Wahrheiten aber eben nicht für sich selbst. Ohne Überlieferung, ohne Mission und ohne Religionsunterricht verschwinden sie. Es gibt keinen Anlass für Gläubige, ihre Wahrheiten gelassen sich selbst zu überlassen. Religionen und Ideologien sind darauf angewiesen, dass ihre Träger, die Gläubigen, sich für sie einsetzen, dass sie &#8220;Zeugnis ablegen&#8221;, notfalls mit dem eigenen Leben. Der Märtyrertod als Zeugnis muss daher für jede religiöse Ideologie wertvoll und geboten sein. Mit einem klaren analytischen Blick können wir allerdings leicht sehen, dass das gesamte Leid aller Märtyrer nicht den kleinsten Beleg darstellt für das, wofür sie gestorben sind. Der religiöse Märtyrer ist eine tragische Figur.</p>
</div>
</div>
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		<title>Respektable Denkfehler</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Oct 2011 21:56:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stücker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn jemand unangenehme Tatsachen leugnet, so hat er oft finstere oder egoistische Motive. Holocaust-Leugner möchten vielleicht die Schuld der Deutschen klein reden oder Zweifel an der Existenzberechtigung Israels säen. Leugner eines vom Menschen mitverursachten Klimawandels möchten vielleicht guten Gewissens das neue SUV-Auto kaufen oder dem eigenen Unternehmen Milliardenumsätze erhalten. Der Mörder leugnet seine Verantwortung für die [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=evidentist.wordpress.com&#038;blog=17354116&#038;post=3826&#038;subd=evidentist&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://evidentist.files.wordpress.com/2011/09/rosarot.jpg"><img class="size-full wp-image-3863 aligncenter" title="A man looks at an art installation titled &quot;Sea Pink&quot; during the Sculpture by the Sea exhibition in Aarhus" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2011/09/rosarot.jpg?w=519" alt=""   /></a></p>
<p>Wenn jemand unangenehme Tatsachen leugnet, so hat er oft finstere oder egoistische Motive. Holocaust-Leugner möchten vielleicht die Schuld der Deutschen klein reden oder Zweifel an der Existenzberechtigung Israels säen. Leugner eines vom Menschen mitverursachten Klimawandels möchten vielleicht guten Gewissens das neue SUV-Auto kaufen oder dem eigenen Unternehmen Milliardenumsätze erhalten. Der Mörder leugnet seine Verantwortung für die Tat, um das Gericht in die Irre zu führen und um der Strafe zu entgehen.</p>
<p>Aber es gibt auch noble Motive für das Leugnen unangenehmer Tatsachen. Motive die unseren Respekt verdienen.<span id="more-3826"></span></p>
<div id="attachment_3849" class="wp-caption alignright" style="width: 110px"><a href="http://www.liborius.de/unser-glaube/beten/wie-betet-man.html" target="_blank"><img class="size-full wp-image-3849" style="border-width:0;" title="Hände vor Gesicht" src="http://evidentist.files.wordpress.com/2011/09/haendevorgesicht.jpg?w=519" alt="Hände vor Gesicht"   /></a><p class="wp-caption-text">Von Katholiken empfohlene Haltung beim Beten</p></div>
<p>So leugnet vielleicht jemand den Holocaust, weil er nicht in einer Welt leben möchte, in der Menschen industriell ermordet werden. Er glaubt lieber, dass er in einer Welt lebt, in der so etwas nicht passiert. Oder jemand leugnet die Realität des Klimawandels, weil er nicht in einer Welt leben möchte, in der Menschen ihre eigenen vergleichsweise trivialen Interessen über die existenziellen Interessen zukünftiger Generationen stellen. Er glaubt lieber, dass er in einer Welt lebt, in der das nicht so ist. Oder ein Mörder leugnet die Tat ganz aufrichtig, weil er den Gedanken nicht ertragen kann, schuldig zu sein. Er glaubt lieber, dass er unschuldig ist.</p>
<div>
<p>Nun könnte jemand einwenden, dass es sich hier nicht um noble Motive handele, sondern um Realitätsverlust, um Wunschdenken. Was soll daran nobel sein, wenn jemand seine Überzeugungen nicht aufgrund belastbarer Fakten auswählt, sondern danach, ob sie ihm angenehm sind oder nicht? Respektabel? Doch wohl eher <a title="Illusionen und Pubertät" href="http://evidentist.wordpress.com/2010/10/24/pubertaet/" target="_blank">kindisch</a>!</p>
<div>
<p>Ich nenne diese Motive aber deshalb nobel und respektabel, weil wir diese Einstellung <em>de facto</em> in der Gesellschaft vorfinden. Und zwar in der Regel dann, wenn es um religiöse Motive geht. Sie können überall in der Öffentlichkeit Sätze äußern wie</p>
<p style="padding-left:30px;">&#8220;Wenn Gott tot ist, dann ist alles erlaubt. Daher glaube ich, dass Gott lebt.&#8221;</p>
<p style="padding-left:30px;">&#8220;Wenn das Leben mit dem Tod endet, dann hat das Leben keinen Sinn. Daher glaube ich, dass das Leben nicht mit dem Tod endet.&#8221;</p>
<p style="padding-left:30px;">&#8220;Wenn es kein Jüngstes Gericht gibt, dann bleiben die meisten Verbrechen ungesühnt. Daher glaube ich, dass es ein Jüngstes Gericht gibt.&#8221;</p>
<p>Sie können damit im Fernsehen auftreten. Auch vor dem Bundestag. Sie können sogar ein gelehrtes moraltheologisches Seminar damit veranstalten:</p>
<span class='embed-youtube' style='text-align:center; display: block;'><iframe class='youtube-player' type='text/html' width='519' height='322' src='http://www.youtube.com/embed/p_qlKKrocnk?version=3&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;wmode=transparent' frameborder='0'></iframe></span>
<p>Wir respektieren diese Äußerungen. Wir behandeln sie in der Öffentlichkeit so, als ob sie vollkommen vernünftige Einstellungen zum Ausdruck brächten. Weist jemand darauf hin, dass es sich hier offenkundig um Wunschdenken handelt, so gilt dies als unhöflicher Affront. Aber wenn wir solche Äußerungen nicht beanstanden, dann ist das eine weiße Lüge. (<a href="http://www.samharris.org/blog/item/new-ebook-lying/" target="_blank">Na und?</a>) Es entspricht dem taktvollen Nichtansprechen der Tatsache, dass jemand viel zu dick ist. Das mag höflich sein, lässt aber auf mangelndes Interesse an seinem Wohlergehen schließen. Großes Übergewicht kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Wir gehen wohl davon aus, dass der Dicke das schon längst weiß. Wir müssen das nicht extra sagen.</p>
<p>In all den Äußerungen oben steckt das Schlussschema <em>Modus tollens</em>. Ein Konditionalsatz als erste Prämisse: &#8220;Wenn p, dann q&#8221; und die Schlussfolgerung: &#8220;Ich glaube nicht, dass p.&#8221; Die (stillschweigende) zweite Prämisse müsste also lauten: &#8220;Ich glaube nicht, dass q.&#8221; Wir könnten jetzt nachfragen. Warum glaubst Du nicht, dass &#8220;alles erlaubt ist&#8221;, dass &#8220;das Leben keinen Sinn hat&#8221;, dass &#8220;die meisten Verbrechen ungesühnt bleiben&#8221;? Die Antwort wird darauf hinauslaufen, dass Dir diese Sachverhalte unsympathisch sind. Aus dem &#8220;Ich glaube nicht, dass q&#8221; wird so also ein ehrlicheres &#8221;Ich will nicht, dass q&#8221; oder &#8220;Es soll nicht sein, dass q&#8221;.</p>
<p>In der scheinbaren Überzeugung steckt also ein Wunsch. Dies ist einfach die Umkehr des naturalistischen Fehlschlusses, nämlich der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Moralistischer_Fehlschluss" target="_blank">moralistische Fehlschluss</a>. Sprichwörtlich geworden durch <a href="http://www.textlog.de/17451.html" target="_blank">Christian Morgensterns Palmström</a>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Und er kommt zu dem Ergebnis:<br />
Nur ein Traum war das Erlebnis.<br />
Weil, so schließt er messerscharf,<br />
nicht sein kann, was nicht sein darf.&#8221;</p></blockquote>
<p style="text-align:left;">Nun folgt aus unserem Wunsch aber leider nicht das Gewünschte. Fakten sind oft unsympathisch. Sie sind so penetrant wie unsensible späte Partygäste. Sie bleiben, auch wenn wir uns wünschen, sie sollen verschwinden. Die noble Haltung, die wir hier respektieren, ist einfach ein Denkfehler. Es ist im Grunde nicht Respekt, sondern mangelndes Interesse an der Person, was uns hier schweigen lässt. Denn ähnlich wie im Fall des Übergewichtigen zeigt unser Schweigen, dass wir uns nicht wirklich dafür interessieren, was unser Gegenüber denkt. Aber im Gegensatz zu jenem Fall können wir hier nicht davon ausgehen, dass jemand schon weiß, wenn etwas mit seinem Denken nicht in Ordnung ist. Dabei können auch respektable Denkfehler sehr ernste negative Folgen haben.</p>
<p style="text-align:left;">Aber wenn solche Denkfehler schon überall respektiert werden, kann ich mir hier ja auch mal einen solchen erlauben:</p>
<p>Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der es zur unabänderlichen Natur des Menschen gehört, dass er dem moralistischen Fehlschluss aufsitzt, dass er systematisch Fakten ignorieren muss, die seinen vorgefertigten Meinungen widersprechen, dass er nicht in der Lage ist, Tatsachen zu akzeptieren, die ihm nicht gefallen. Daher glaube ich, dass Menschen sich in dieser Hinsicht ändern können. Insbesondere glaube ich, dass ein kleiner Artikel in einem unscheinbaren Blog am Rande des Internets etwas dazu beitragen kann, dass sie sich ändern.</p>
<p><em>Call me <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Candide_oder_der_Optimismus" target="_blank">Candide</a>.</em></p>
</div>
</div>
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