Tag-Archiv | Recht auf körperliche Unversehrtheit

Es geht nicht um Religion, es geht um die Kinder


In der Beschneidungsdebatte wird von uns Kritikern des Rituals oft das Argument von der Religionsfreiheit der Kinder angeführt:
„Die Kinder sollen später ihre Religion selbst bestimmen dürfen. Sie dürfen daher nicht religiös markiert werden.“
Das ist nicht etwa falsch, und es gibt sicher sehr gute Gründe für diesen Standpunkt. Aber wir sollten das Argument nicht sehr stark machen, denn es ist eigentlich schwach. Wir sollten darauf bestehen, dass nicht etwa Religion das Thema ist, sondern der Schutz der Kinder vor Gewalt. 

Holm Putzke hat Recht, aber das Argument ist schwach (Talkshow Anne Will am 11.7.2012)

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Seit Jahrtausenden: Tradition als Argument


Diesen Artikel habe ich schon vor einiger Zeit unter dem Titel „Das war schon immer so“ veröffentlicht, aber durch die Debatte um das Kölner Beschneidungsurteil (hier im Wortlaut) ist er wieder hochaktuell geworden. Daher bringe ich ihn hier – leicht gekürzt und aktualisiert – noch mal. Denn die Richterschelte, die aus dem gesamten religiös-politischen Spektrum kommt, beruft sich fast ausschließlich auf das Argument aus der Tradition. Am deutlichsten bei Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland: „Diese Rechtssprechung ist ein unerhörter und unsensibler Akt. Die Beschneidung von neugeborenen Jungen ist fester Bestandteil der jüdischen Religion und wird seit Jahrtausenden weltweit praktiziert.“

Ein Wort zu dem impliziten Vorwurf, Beschneidungskritiker seien automatisch Antisemiten: Ein Antisemit ist jemand, der Juden Schaden zufügen will, weil sie Juden sind. Beschneidungskritiker kritisieren, dass Kindern aus traditionell-religiösen Gründen Schaden zugefügt wird, weil sie Kinder sind. Judentum oder Islam kommen in dieser Kritik gar nicht vor. Es geht nicht um Religion, es geht um die Kinder. Lies mehr …

Hört ihr die Kinder weinen


Das Kölner Beschneidungsurteil kann wohl ohne Übertreibung als historisch bezeichnet werden. Die Richter haben hier einen moralischen Meilenstein gesetzt. Für diesen Mut verdienen sie unseren Dank und unseren Respekt.

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