Peter Singer und der Kampf um Anerkennung
An der Debatte über Peter Singer, wie sie gegenwärtig aus Anlass der Verleihung des Ethikpreises der Giordano-Bruno-Stiftung wieder geführt wird, zeigen sich die Grenzen eines vernünftigen öffentlichen Diskurses über emotionale und komplexe Themen. Wir sind alle bereit, über vieles zu diskutieren, aber wir werden alle zunehmend ungehalten, wenn Überzeugungen in Frage gestellt werden, die unsere eigene Identität betreffen.
Ich persönlich stehe auf der Seite derjenigen, die glauben, dass eine Debatte über die schwierigen ethischen Fragestellungen, die Peter Singer aufwirft, nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig ist. Meine Überzeugung ist, dass wir für die Entscheidung moralischer Fragen kein besseres Werkzeug haben als das klare Denken. In der Wertedebatte bietet die analytische Ethik die besten Chancen, zu tragfähigen Lösungen zu kommen. Je mehr auf dem Spiel steht, desto weniger sollten Autorität, Religion, Tradition, Emotion und Erfahrung eine Rolle spielen. Das gilt insbesondere für relativ neue Optionen, die sich aus dem Einsatz neuer Technologien ergeben, für die wir emotional überhaupt nicht gerüstet sein können. Zu meinem Weltbild gehört die Überzeugung, dass wir emotional weit hinter unseren technologischen, aber auch analytischen Fähigkeiten herhinken, ebenso wie unsere traditionellen Institutionen.
Aber ich habe leicht reden: Ich bin nicht betroffen. Ich lebe ohne angeborene oder erworbene Behinderung. Ich rede von Behinderungen wie der Blinde von der Farbe. Wir verlangen von den Debatten-Gegnern, dass sie von ihrer eigenen emotionalen Position abstrahieren. Sie sollen Argumente bringen, aber ihre Emotionen und Erfahrungen lassen wir nicht als Argument gelten. In meinem letzten Posting zeigte ich mich verblüfft und ungehalten, dass jemand die Unterscheidung zwischen behinderter Person und Behinderung nicht treffen will und sogar bereit ist, die Konsequenzen zu akzeptieren, nämlich dass der Wert der Person damit auf die Behinderung übergeht. Ich stehe immer noch dazu, dass diese Unterscheidung von zentraler moralischer Bedeutung ist. Aber ich will hier etwas anderes versuchen: Ich will versuchen, mich in die Position der Gegenseite hineinzuversetzen. Lies mehr …
Buzz Lightyears Weltbildnetz
Buzz Lightyear ist ein Spielzeug. Er lebt jedoch in dem Wahn, er sei ein Space Ranger, der tatsächlich auf einem fremden Planeten gelandet ist. Als er zufällig im Fernsehen eine Werbung für sich als Spielzeug sieht, mit dem Hinweis „Kein fliegendes Spielzeug“, bricht sein Bild von der Welt zusammen.
Unsere Überzeugungen sind Knotenpunkte im Netz unseres Weltbildes. Je mehr Verbindungen ein Knoten aufweist, desto wichtiger ist er für die Integrität des Netzes. Es gibt Teilnetze an der Peripherie, deren Auflösung nur geringe Auswirkungen auf das gesamte Netz hätte. Und es gibt zentrale Knoten, die das gesamte Netz tragen. Dass Buzz kein Spielzeug ist und dass er tatsächlich fliegen kann, ist Kernstück seiner Identität.


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