„Mein Kind darf nicht mal in die Nähe einer katholischen Kirche kommen“

Sex, Priests, and Secret Codes

Thomas P. Doyle, A.W. Richard Sipe, and Patrick J. Wall, Sex, Priests, and Secret Codes: The Catholic Church's 2000-Year Paper Trail of Sexual Abuse

Dieses Interview im Tagesspiegel mit dem ehemaligen Benediktinermönch Patrick Wall ist sehr aufschlussreich. Er war damit beauftragt, den „Missbrauch“* von Kindern zu vertuschen, und hat dann die Seiten gewechselt. Er hat die Kirche verlassen und hilft jetzt Vergewaltigungsopfern.

*[Ich setze „Missbrauch“ in Anführungszeichen, da dieser Ausdruck meiner Meinung nach ein verharmlosender Euphemismus für die Vergewaltigung von Kindern ist, der wohl auch dazu beiträgt, dass die Kirche es schafft, diesen Skandal einfach auszusitzen.]

Hier einige zentrale Passagen:

Zur dreisten kirchlichen These, Schuld am „Missbrauch“ sei die moderne „übersexualisierte Gesellschaft“:

„Das ist falsch, ganz schrecklich falsch! Für das Buch „Sex, Priests & Secret Code“ habe ich mit zwei Kollegen intensiv in Kirchendokumenten recherchiert. Wir sahen, dass es sexuellen Missbrauch in der Kirche fast seit ihrem Bestehen gibt.
[…]
Bereits bei der Synode von Elvira im Jahre 309 wurden Regelungen erlassen, wie mit Priestern zu verfahren sei, die sich an Kindern vergehen. Ein jüngeres Beispiel ist das Sacramentum Poenitentiae, das 1741 von Papst Benedikt XIV. erlassen wurde. Es ist also verlogen, um nicht zu sagen kriminell, wenn die Kirche behauptet, sexueller Missbrauch sei ein modernes Phänomen. Warum haben dann in fast jedem Jahrhundert Päpste ein Edikt nach dem anderen veröffentlicht, das sich mit sexuellem Missbrauch beschäftigt?“

Zum Thema Mixa:

„Ein Bischof kann es schaffen, viele Verfehlungen zu vertuschen, nur keine finanziellen Dinge. Sobald er sich am Geld der Kirche zu schaffen macht, ist er erledigt.“

Zur Frage, ob sich die Situation nicht gebessert habe:

„Sie denken zu optimistisch. Sagen wir so: Wir haben die Kleinkriminellen unter den Pädophilen entdeckt. Die Raffinierteren, die klerikale Mafia, sind immer noch da. Das Einzige, was besser wurde: Einem Kind, das von sexuellem Missbrauch erzählt, glaubt man heute eher. Die quasi-göttliche Aura der Priester ist verschwunden.“

Und schießlich zur Frage, ob er seine eigene Tochter auf eine katholische Schule schicken würde:

„Ich habe an gut 1000 Fällen von sexuellem Missbrauch mitgearbeitet. Nach dem, was ich da erfahren habe, darf mein Kind nicht mal in die Nähe einer katholischen Kirche kommen.“

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Harald Stücker

9 responses to “„Mein Kind darf nicht mal in die Nähe einer katholischen Kirche kommen“”

  1. 123 says :

    Der Teufel ist also auch hier noch unterwegs um irgendeinen Scheissdreck in die Welt zu posaunen die alles glaubt, was man ihnen vor die Nase schmeisst…er wird alles tun, um die Wahrheit zu verdecken. Dumm sind die, die das auch noch abkaufen.

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    • raskalnikow says :

      Der Teufel ist unterwegs?
      Pfaffen vergehen sich an Kindern und die Kirche schützt die Täter vor strafrechtlicher Verfolgung. Und deine Antwort ist: „Der Teufel ist unterwegs?“ Subtext:“Da kann die Kirche doch nichts dafür!“
      Ich habe starke Vorbehalte gegenüber „123“ geistigem Zustand.

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  2. Tequila says :

    Es ist einfach unfassbar, was unter dem Deckmantel der Religion immer wieder geschieht.
    Genauso unfassbar ist es allerdings, das es dann noch Leute gibt, die dies alles am liebsten leugnen würden…

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  3. Adromir says :

    Irgendwie entlarven, daß die Kirche in diesem Fall hinter einer liberalen Sexualmoral versteckt, die Sie selber ablehnt

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  4. koerzitivfeldstärke says :

    Hat dies auf Koerzitivfeldstärke rebloggt und kommentierte:
    Um es noch einmal in Erinnerung zu rufen, das die katholische Kirche immer nur versucht das durch ihre Diener begangenes Unrecht zu vertuschen!

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  5. hubwen says :

    Hat dies auf hubwen rebloggt und kommentierte:
    Sehr gut der Satz: „Nach dem, was ich da erfahren habe, darf mein Kind nicht mal in die Nähe einer katholischen Kirche kommen.“

    Katholische Eltern sind unheimlich leichtsinnig und auch naiv, die ihre Kinder zu den Ministranten bzw. auch Ministrantinnen neuerdings in die Höhle des Löwen (oder der Pädophilen) lassen.

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