Vernunft und Wunder

ZENIT – Bischof Brandmüller: Atheismus ist vernunftwidrig (via Brightsblog)

Von der Vernunftwidrigkeit des Atheismus handelt ein Interviewbuch mit Bischof Walter Brandmüller, dem emeritierten Präsidenten des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaft, der am Samstag von Benedikt XVI. zum Kardinal kreiert wird.

Nur einige Anmerkungen hierzu:

„In der Realität, bekräftigt Brandmüller, ist die Zielscheibe der Atheisten nicht so sehr Gott, sondern die Kirche, der Papst und der Vatikan. Die Kirche wurde seit Beginn der christlichen Ära angegriffen, der Papst seit 2000 Jahren und der Vatikan, seitdem er existiert und das sind 140 Jahre.“

Der Bischof hat Recht. Gott interessiert Nicht-Gläubige im Allgemeinen kaum, es ist natürlich die Kirche und ihr Einfluss auf Politik und Gesellschaft, die unser Problem darstellt. Da die Kirche ihre Macht aber nur auf der Chimäre Gott aufbaut, also gewissermaßen nicht mal auf Sand, müssen wir diese Gottesvorstellung immer wieder angreifen.

„Auf die Angriffe gegen die Kirche antwortet Brandmüller auch mit Ironie. Auf die Behauptung Dawkins, nach der „in 150 Jahren die Religion sicher nicht mehr existieren werde“, konterte der künftige Kardinal, als Napoleon Bonaparte Rom mit dem gefangenen Papst Pius VI. verließ, sagte er zu Kardinalsstaatssekretär Consalvi: „Innerhalb von zwanzig Jahren werde ich eure Kirche zerstört haben“. Consalvi erwiderte ruhig: „Majestät! Das ist unseren Priestern in 17 Jahrhunderten nicht gelungen. Es wird auch ihnen nicht gelingen.“ 20 Jahre später war der Papst wieder in Rom und Napoleon seit einigen Jahren auf St. Helena verstorben.“

Für Kirchenleute mag es sich ähnlich anfühlen, ob sie von Napoleon oder von Dawkins angegriffen werden, aber es gibt zwei wesentliche Unterschiede. Napoleon kam mit einer Armee und mit Kanonen, er war tatsächlich „aggressiv und gewalttätig“, Dawkins schreibt Bücher und hält Vorträge. Aber der wesentliche Unterschied liegt wohl in den kulturellen Zeitumständen. Zu Zeiten Napoleons steckte die wissenschaftliche Revolution, obwohl sie schon einige Hundert Jahre vorher begonnen hatte, immer noch in den Kinderschuhen. Die darwinsche Evolutionstheorie lag noch einige Jahrzehnte in der Zukunft. Die Menschen konnten die Früchte des wissenschaftlichen Naturalismus noch nicht ernten. Heute stehen die Religionen mit dem Rücken zur Wand. Heute hat die religiöse Welterklärung einen mächtigeren Gegner als Napoleon, nämlich die modernen Naturwissenschaften in all ihrer Pracht, insbesondere die Kosmologie und die Biologie. Damit überhaupt Platz bleibt für ihre Lehren, müssen sie die Bildung der Menschen massiv behindern, sei es durch die Torpedierung des Biologieunterrichts oder, schlimmer noch, indem richtige Schulen durch religiöse Nachbetanstalten ersetzt werden, vor allem in islamischen Ländern.

„Auf die Frage nach besonders eindringlichen Wundern, die er kenne, erklärte Brandmüller, dass ein solches sich in Calanda, einer Stadt unweit von Saragossa, ereignet habe, wo einem Jugendlichen mit Namen Miguele Pellicer ein Bein amputiert worden sei. Zwei Jahre später und ungeachtet des schwierigen Wegs habe der Junge sich auf den Weg zu dem marianischen Heiligtum „Heilige Maria von Pilar“ in Saragossa gemacht. Einmal betete er in dem Heiligtum intensiv zu Maria, sie möge ihm helfen. Und in der Nacht geschah etwas Unglaubliches. Am Morgen stand er auf und sein Bein war vollkommen wiederhergestellt und gesund.“

Mackie: Wunder des Theismus

Warum sind Theisten nur so leicht zu beeindrucken?! Selbst wenn ich mit eigenen Augen sehen würde, wie ein amputiertes Bein nachwächst, wieso sollte ich meinen Augen trauen? Es ist plausibler anzunehmen, dass ich getäuscht werde, als dass tatsächlich ein Wunder geschieht. Das gilt natürlich umso mehr, je länger das Ereignis her ist und je mehr Gewährsleute die Evidenzkette bilden. Normalerweise gehen wir alle, Theisten wie Atheisten, mit solch einer Einstellung in Zaubervorstellungen.

Und nebenbei bemerkt, was wir Ungläubige wohl nie verstehen werden: Warum ertragen angesichts solcher Geschichten so viele amputierte Religiöse ihr Schicksal klaglos und rufen trotzdem regelmäßig ihr Hosiana? Was soll das denn heißen, dass im 17. Jahrhundert mal ein Bein nachgewachsen ist?! Das heißt doch: Es geht! Warum gibt es dann noch Amputierte?

„In der Einleitung des Buches rief Giovanni Gennari das Ereignis in Erinnerung, das im Januar dieses Jahres der 68-jährigen Erminia Pane widerfuhr, die von Geburt an keine Netzhaut hatte. Frau Pane ist daraufhin nach Lourdes gereist, zum Erscheinungsort Marias, und konnte sehen.“

Na, wenn das mal kein Eigentor ist: Seit 1858 pilgern die Menschen jedes Jahr zu Tausenden nach Lourdes. Zuletzt durchschnittlich 50.000 Menschen pro Jahr. Bei solchen Menschenmassen sind Spontanheilungen jeder Art statistisch zu erwarten. (Wohl auch viele tödliche Infektionen durch die große Ansammlung todkranker Menschen. Aber diese werden von der Kirche meines Wissens nicht dokumentiert.) Trotzdem kennt man den Namen der Frau, die wundersamerweise wieder sehen kann, und sie wird wahrscheinlich auch noch lange eine Berühmtheit bleiben, denn sie wird auf absehbare Zeit die Einzige bleiben, der dieses unerklärliche Wunder widerfuhr. Das religiöse Wunder ist eine Sensation. Wiederum eine Frechheit allen blinden Menschen, insbesondere denjenigen gegenüber, die sich alle die Mühe machen, zu einem Wunderort zu pilgern.

Erst kürzlich wurde von einem Netzhaut-Chip berichtet, auf den Blinde völlig vernünftige Hoffnungen setzen dürfen. Hier wird beständig und konsequent daran gearbeitet, Blinde wieder sehen zu machen. Bald wird man die Menschen nicht mehr namentlich aufzählen können, die auf diese wahrhaft wunderbare, aber völlig diesseitige und erklärliche und vor allem reproduzierbare Weise geheilt werden. Im Gegensatz zu den Wundern der Religion verlieren die Ergebnisse der wissenschaftlichen Medizin schon bald ihren sensationellen Charakter. Sie werden alltäglich.

Theismus mag „vernünftig“ sein, aber als Methode zur Herbeiführung wundersamer Ergebnisse ist er erbärmlich ineffizient. Auf Wunder zu warten oder zu hoffen, bleibt Zeitverschwendung, sie durch ein stetig verbessertes Verständnis der Welt herbeizufüren, ist die tägliche Arbeit von Wissenschaftlern.

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