Thank Goodness – Güte sei Dank!

Daniel C. Dennett, Philosoph, Kognitions- und Religionsforscher, wäre vor 5 Jahren an einem Riss in seiner Aorta beinahe gestorben. Nach seiner Rettung hat er den folgenden Text verfasst, eine Eloge an die moderne Medizin und die Wissenschaft, und eine Zurechtweisung all derjenigen, die für das Gute in der Welt immer noch Kräften außerhalb der Welt danken wollen, und dadurch eben dieses Gute auf subtile Weise unterminieren.

Seit einiger Zeit schon hatte ich vor, diesen Text für diesen Blog zu übersetzen. Jetzt, zu Thanksgiving, passt er recht gut. Er drückt das, worum es auch hier in vielen Postings geht, beispielhaft, klar und pointiert aus. Und es gelingt ihm, einen entscheidenden Punkt deutlich herauszustellen: Die Moral der säkularen wissenschaftlichen Medizin ist der Moral der Religionen haushoch überlegen.

Der Text ist etwas länger als ein typisches Blog-Posting, aber das Lesen lohnt sich! Für diejenigen, die trotzdem nicht so viel Zeit investieren möchten, hier die Highlights:

[…] während Religionen einem guten Zweck dienen mögen, indem sie es vielen Menschen ermöglichen, mit dem moralischen Niveau, das diese erreichen können, zufrieden zu sein, so legt doch keine Religion an ihre Mitglieder die hohen Standards moralischer Verantwortung an, wie sie in der säkularen Welt von Wissenschaft und Medizin gelten! […]

Aber ich mache keine Witze, wenn ich sage, dass ich meinen Freunden verzeihen musste, die sagten, sie hätten für mich gebetet. Ich widerstand der Versuchung zu antworten: „Danke, ich schätze das, aber hast Du auch eine Ziege geopfert?“ […]

Das Beste daran, wenn wir Güte sei Dank anstatt Gott sei Dank sagen, ist, dass es wirklich viele Möglichkeiten gibt, unsere Schuld dem Guten gegenüber zurückzuzahlen – indem wir dazu beitragen, dass es mehr davon gibt, zum Vorteil all derer, die nach uns kommen. Das Gute nimmt viele Formen an, nicht nur die von Medizin und Wissenschaft. […] Güte sei Dank für frisches Trinkwasser aus der Leitung und für das Essen auf unserem Tisch. […]

Ich ziehe wirklich Gutes symbolisch Gutem vor. […]

Auf lange Sicht, so glaube ich, können wir von religiösen Menschen verlangen, dass sie sich an den gleichen hohen moralischen Standards messen lassen wie die säkularen Menschen in Wissenschaft und Medizin.

Thank Goodness für diesen Text! Thank Goodness für Daniel C. Dennett.

Thank Goodness – Güte sei Dank!

von Daniel C. Dennett

Es gibt keine Atheisten in Schützengräben, so lautet ein altes, aber zweifelhaftes Sprichwort, und es gibt zumindest einige wenige anekdotische Belege zu seinen Gunsten in den berüchtigten Fällen berühmter Atheisten, die nach Nahtod-Erlebnissen der Welt verkündet haben, dass sie ihre Meinung geändert hätten. Der britische Philosoph Sir A. J. Ayer, der 1989 gestorben ist, ist ein neueres Beispiel. Hier ist eine weitere Anekdote, über die Sie nachgrübeln dürfen.

Vor zwei Wochen wurde ich mit der Ambulanz ins Krankenhaus gefahren, wo man mittels CT-Scan feststellte, dass ich einen „Riss in der Aorta“ hatte – die Wand des Hauptausgangsgefäßes, das Blut von meinem Herzen transportiert, war zerrissen, und hat so eine zwei-kanalige Röhre entstehen lassen, wo nur eine sein sollte. Zum meinem Glück hat mir die Tatsache, dass ich vor sieben Jahren einen aortokoronaren Bypass erhielt, wahrscheinlich das Leben gerettet, da das Gewirr von Narbengewebe, das in den letzten Jahren mein Herz wie Efeu umrankte, die Aorta stärkte, und so ein katastrophales Auslaufen aus dem Riss in der Aorta selbst verhindert hat. Nach neunstündiger OP, während der mein Herz vollständig gestoppt wurde und mein Körper und mein Gehirn auf etwa 7°C abgekühlt wurden, um einen Hirnschaden durch Sauerstoffmangel zu verhindern, bis sie die Herz-Lungen-Maschine ans Laufen bringen konnten, bin ich nun der stolze Besitzer einer neuen Aorta und eines Aortenbogens aus starker Dacron-Faser, die von dem Chirurgen vor Ort in Form genäht wurde, mit meinem Herzen durch ein Ventil aus Carbonfaser verbunden, das jedes Mal, wenn mein Herz schlägt, ein beruhigendes kleines Klick macht.

Jetzt, da ich in eine milde Phase der Erholung eintrete, gibt es Vieles, über das ich nachzudenken habe, zunächst natürlich die schreckliche Erfahrung selbst, mehr aber noch die Flut an wohlmeinenden Grüßen, die ich erhalten habe, seitdem mein letztes Abenteuer bekannt geworden ist. Freunde wollten dringend erfahren, ob ich eine Nahtod-Erfahrung hatte, und falls ja, welche Auswirkung sie auf meinen langjährigen öffentlich vertretenen Atheismus hätte. Hatte ich eine Erleuchtung? Würde ich Ayer nachfolgen (der, nachdem er einige Tage später seine Souveranität wieder erlangte, darauf bestand, dass „ich besser Folgendes gesagt hätte: meine Erfahrungen haben nicht meine Überzeugung geschwächt, dass es kein Leben nach dem Tod gibt, sondern meine unnachgiebige Einstellung gegenüber dieser Überzeugung“), oder war mein Atheismus immer noch intakt und unverändert?

Ja, ich hatte eine Erleuchtung. Ich sah mit größerer Klarheit als je zuvor in meinem Leben, dass mein Ausruf „Thank goodness!“ nicht einfach ein Euphemismus für „Gott sei Dank!“ ist. (Wir Atheisten glauben nicht, dass es einen Gott gibt, dem wir danken könnten.) Ich meine wirklich Güte sei Dank! Es gibt eine Menge Gutes und Güte in dieser Welt, und mehr Gutes jeden Tag, und dieses fantastische von Menschen gemachte Netzwerk an Spitzenleistungen ist direkt verantwortlich für die Tatsache, dass ich heute noch lebe. Es ist ein würdiger Empfänger der Dankbarkeit, die ich heute empfinde, und ich möchte diese Tatsache hier und jetzt feiern.

Wem schulde ich nun also Dank? Dem Kardiologen, der mich über Jahre hinweg am Leben gehalten hat und der die ursprüngliche Diagnose, es sei nichts Schlimmeres als eine Lungenentzündung, schnell und überzeugt zurückgewiesen hat. Den Chirurgen, Neurologen, Anästhesisten und dem Kardiotechniker, die meine Systeme für viele Stunden unter sehr entmutigenden Umständen am Laufen hielten. Dem Dutzend ärztlichen Assistenten und den Krankenpflegerinnen und Physiotherapeuten und Röntgentechnikern und einer kleinen Armee an Phlebologen, die so geschickt arbeiten, dass Du kaum merkst, wenn sie Dir Blut abnehmen, und die Leute, die das Essen brachten, mein Zimmer sauber machten, die Berge an Wäsche wuschen, die ein so chaotischer Fall mit sich bringt, die mich im Rollstuhl zum Röntgen fuhren, und so weiter. Diese Leute kamen aus Uganda, Kenia, Liberia, Haiti, den Philippinen, Kroatien, Russland, China, Korea, Indien – und aus den USA natürlich – und ich habe niemals auf beeindruckendere Weise gegenseitigen Respekt gesehen, während sie einander halfen und die Arbeit des jeweils anderen überprüften. Aber trotz all ihrem Teamwork hätten diese wenigen Leute ihre Jobs nicht erledigen können ohne die gewaltige Menge an Beiträgen, die andere im Hintergrund leisten. Ich erinnere mich mit Dankbarkeit an meinen verstorbenen Freund und Kollegen an der Tufts Universität, den Physiker Allan Cormack, der zusammen mit anderen den Nobelpreis für die Erfindung des CT-Scanners erhielt. Allan – Du hast posthum wieder mal ein Leben gerettet, aber wer zählt schon noch mit? Die Welt ist eine bessere durch die Arbeit, die Du geleistet hast. Güte sei Dank. Dann ist da das gesamte System der Medizin, sowohl die Wissenschaft als auch die Technik, ohne die die Anstrengungen Einzelner mit den besten Absichten vergeblich wären. Ich danke also auch den Herausgebern und Gutachtern, früheren wie aktuellen, von Science, Nature, des Journal of the American Medical Association, Lancet und all den anderen Institutionen in Wissenschaft und Medizin, die am laufenden Band Verbesserungen ausspucken, Fehler erkennen und korrigieren.

Bete ich die moderne Medizin an? Ist Wissenschaft meine Religion? Überhaupt nicht; es gibt keinen Aspekt der modernen Medizin oder Wissenschaft, den ich von der strengstmöglichen Überprüfung ausnehmen würde, und ich kann aus dem Stand eine ganze Menge an ernsthaften Problemen nennen, die gelöst werden müssen. Und sie können natürlich auch einfach gelöst werden, denn die Welt der Medizin und der Wissenschaft unterliegt schon den obsessivsten und intensivsten Mechanismen der Selbstkorrektur, die für menschliche Institutionen einzigartig sind, und die Ergebnisse dieser Selbstprüfungen werden regelmäßig veröffentlicht. Darüberhinaus ist genau diese niemals abgeschlossene rationale Kritik, so unvollkommen sie auch sein mag, das Geheimnis hinter dem erstaunlichen Erfolg dieser menschlichen Unternehmungen. Jeden Tag sehen wir neue messbare Ergebnisse. Wäre meine Aorta zehn Jahre früher geplatzt, hätte mich kein Gebet retten können. Es ist zwar auch heute noch kein Routinefall, aber die Chancen dafür, dass ich überleben würde, standen gar nicht so schlecht (heutzutage sterben etwa 33 Prozent der Patienten mit Aortendissektion in den ersten 24 Stunden ohne Behandlung, und die Chancen werden mit jeder weiteren Stunde schlechter).

Eine Sache ist mir besonders aufgefallen, als ich die medizinische Welt, von der mein Leben jetzt abhing, mit den religiösen Institutionen verglich, die ich in den letzten Jahren so intensiv studiert habe. Eines der freundlicheren, eher unterstützenden Motive, das sich in jeder Religion findet (soweit ich weiß), ist die Vorstellung, dass es vor allem darauf ankommt, wie es in Deinem Herzen aussieht: wenn Du nur gute Absichten hast und Dich bemühst, das zu tun, was (Gott sagt, was) richtig ist, dann ist das alles, was man verlangen kann. Ganz anders in der Medizin! Wenn Du falsch liegst – und besonders, wenn Du es hättest besser wissen können – zählen Deine guten Absichten überhaupt nicht. Und während das Handeln nach dem Glauben und ohne weitere Prüfung der Optionen, die einem offen stehen, von Religionen zumeist gelobt wird, gilt es in der Medizin als schwere Sünde. Ein Arzt, der wegen seines festen Glaubens an seine persönlichen Offenbarungen darüber, wie ein Aortenaneurysma zu behandeln ist, nicht getestete Versuche mit menschlichen Patienten durchführte, würde schwer bestraft und dürfte wahrscheinlich nicht länger praktizieren. Es gibt natürlich Ausnahmen. Ein paar verwegene, risikobereite Pioniere werden toleriert, und (wenn sie letzten Endes richtig liegen) am Ende auch geehrt, aber sie können nur bestehen als seltene Ausnahmen vom Ideal des methodisch vorgehenden Forschers, der alternative Theorien gewissenhaft ausschließt, bevor er seine eigene in der Praxis umsetzt. Gute Absichten und Inspiration sind einfach nicht genug.

Mit anderen Worten, während Religionen einem guten Zweck dienen mögen, indem sie es vielen Menschen ermöglichen, mit dem moralischen Niveau, das diese erreichen können, zufrieden zu sein, so legt doch keine Religion an ihre Mitglieder die hohen Standards moralischer Verantwortung an, wie sie in der säkularen Welt von Wissenschaft und Medizin gelten! Und ich spreche nicht nur über die Standards ‚an der Spitze‘ – unter Chirurgen und Ärzten, die täglich Entscheidungen über Leben und Tod treffen. Ich spreche über die Standards der Gewissenhaftigkeit, die auch für Labortechniker und Küchenbedienstete gelten. Diese Tradition setzt ihren Glauben in die unbegrenzte Anwendung von Vernunft und empirischer Forschung, von Prüfung und erneuter Prüfung, und in die gewohnheitsmäßige Frage „Was, wenn ich falsch liege?“ Berufungen auf Glauben oder Glaubenszugehörigkeit werden nie toleriert. Stellen Sie sich vor, was ein Wissenschaftler zu hören bekäme, wenn er damit argumentierte, dass andere seine Ergebnisse nicht replizieren könnten, weil sie einfach nicht denselben Glauben hätten wie die Leute in seinem Labor! Und, um zu meinem Thema zurückzukehren, es ist das Gute dieser Tradition der Vernunft und der offenen Forschung, der ich verdanke, heute noch am Leben zu sein.

Was sage ich denn nun denjenigen meiner religiösen Freunde (und ja, ich habe einige religiöse Freunde), die den Mut und die Ehrlichkeit aufbrachten, mir zu sagen, dass sie für mich gebetet haben? Ich habe ihnen gern vergeben, denn es gibt wenige Umstände, die frustrierender sind, als jemandem, dem man nahesteht, nicht auf direktere Weise helfen zu können. Ich bekenne mein Bedauern darüber, dass ich nicht (aufrichtig) für meine Freunde und Verwandten beten konnte, als sie Hilfe brauchten, daher würdige ich das Bedürfnis, wenn ich auch deutlich seine Vergeblichkeit erkenne. Ich übersetze die Bemerkungen meiner religiösen Freunde schnell in die eine oder andere Version dessen, was mir meine Brights-Freunde sagten: „Ich habe an Dich gedacht und mit ganzem Herzen gewünscht [eine weitere unwirksame, aber unwiderstehliche Bemerkung], dass Du aus all dem heil wieder rauskommst.“ Die Tatsache, dass diese lieben Freunde auf diese Weise an mich gedacht haben und mir das gesagt haben, ist selbst schon, ohne übernatürliche Zutaten, eine wundervolle Medizin. Diese Nachrichten von meinen Verwandten und Freunden aus der ganzen Welt waren in meinem Fall buchstäblich herzerwärmend, und ich bin dankbar für diese Steigerung meiner Moral (in wirklich manische Höhen, fürchte ich!), zu der sie geführt haben. Aber ich mache keine Witze, wenn ich sage, dass ich meinen Freunden verzeihen musste, die sagten, sie hätten für mich gebetet. Ich widerstand der Versuchung zu antworten: „Danke, ich schätze das, aber hast Du auch eine Ziege geopfert?“ Ich empfinde dafür dasselbe Gefühl, das ich empfände, wenn einer von ihnen gesagt hätte: „Ich habe gerade einen Voodoo-Medizinmann bezahlt, für Deine Gesundheit einen Zauberspruch zu sprechen.“ Welch leichtgläubige Verschwendung von Geld, das für Wichtigeres hätte ausgegeben werden können! Erwarte nicht von mir, dass ich dankbar bin, oder auch nur gleichgültig. Ich würdige die Zuneigung und geistige Großzügigkeit, die Dich motiviert haben, aber ich wünschte, Du hättest eine vernünftigere Art und Weise gefunden, sie zum Ausdruck zu bringen.

Aber ist das nicht furchtbar streng? Es schadet doch sicher nicht, wenn diejenigen, die es aufrichtig tun können, für mich beten! Nein, da bin ich mir nicht so sicher. Zunächst einmal, wenn sie wirklich etwas Nützliches tun wollten, hätten sie die Zeit und Energie für das Beten einem dringenderen Projekt widmen können, zu dem sie etwas beitragen können. Und außerdem haben wir eine ziemlich gute Datenbasis (z.B., die kürzlich veröffentlichte Benson-Studie aus Harvard), um zu glauben, dass Fürbittegebete einfach nicht funktionieren. Jeder, der diese Forschungsergebnisse einfach durch sein Verhalten mit einem Achselzucken wegwischt, unterminiert auf subtile Weise den Respekt für genau die Art des Guten, der ich danke. Wenn Sie darauf bestehen, den Mythos der Effektivität von Gebeten am Leben zu halten, dann schulden Sie uns allen angesichts der Beweislage eine Rechtfertigung. Solange eine solche Rechtfertigung auf sich warten lässt, werde ich Sie dafür entschuldigen, dass Sie sich in Ihrer Tradition wohlfühlen; ich weiß, wie tröstend Traditionen sein können. Aber ich möchte, dass Sie erkennen, dass das, was Sie tun, bestenfalls moralisch fragwürdig ist. Falls Sie jemals auch nur erwägen sollten, einen Arzt wegen Falschbehandlung zu verklagen, oder gegen ein pharmazeutisches Unternehmen vorzugehen, weil es nicht alle korrekten Kontrolltests durchgeführt hat, bevor es Ihnen durch den Verkauf eines Medikaments Schaden zugefügt hat, dann müssen Sie zugeben, dass Sie die hohen Standards rationaler Forschung, die sich die medizinische Welt selbst verordnet hat, stillschweigend anerkennen; und trotzdem frönen Sie weiter einem Verhalten, für das es überhaupt keine bekannte rationale Rechtfertigung gibt, und glauben selbst, dass Sie tatsächlich einen Beitrag leisten. (Versuchen Sie sich Ihre Entrüstung vorzustellen, wenn ein pharmazeutisches Unternehmen auf Ihre Klage mit der unbekümmerten Antwort reagieren würde: „Aber wir haben gut und ausdauernd für den Erfolg des Medikaments gebetet! Was wollen Sie mehr?“)

Das Beste daran, wenn wir Güte sei Dank anstatt Gott sei Dank sagen, ist, dass es wirklich viele Möglichkeiten gibt, unsere Schuld dem Guten gegenüber zurückzuzahlen – indem wir dazu beitragen, dass es mehr davon gibt, zum Vorteil all derer, die nach uns kommen. Das Gute nimmt viele Formen an, nicht nur die von Medizin und Wissenschaft. Güte sei Dank für die Musik z.B. von Randy Newman [s.u., A.d.Ü.], die es ohne all diese wundervollen Pianos und Aufnahmestudios nicht geben könnte, ganz zu schweigen von den musikalischen Werken aller großen Komponisten von Bach bis Wagner, von Scott Joplin bis zu den Beatles. Güte sei Dank für frisches Trinkwasser aus der Leitung und für das Essen auf unserem Tisch. Güte sei Dank für faire Wahlen und einen der Wahrheit verpflichteten Journalismus. Wenn Sie Ihre Dankbarkeit der Güte gegenüber ausdrücken möchten, können Sie einen Baum pflanzen, ein Waisenkind ernähren, Bücher für Schulmädchen in der islamischen Welt kaufen oder auf Tausende andere Weisen zu der manifesten Verbesserung des Lebens auf diesem Planeten jetzt und in naher Zukunft beitragen.

Oder Sie können Gott danken – aber die ganze Idee, Gott etwas zurückzuzahlen, ist grotesk. Was könnte ein allwissendes, allmächtiges Wesen (der Mann, der alles hat?) mit irgendwelchen armseligen Zahlungen von Ihnen anfangen? (Und im Übrigen hat Gott gemäß der christlichen Tradition bereits die Schuld für alle Zeit beglichen, durch das Opfer seines Sohnes. Versuchen Sie mal, dieses Darlehen zurückzuzahlen!) Ja, ich weiß, diese Motive sollten nicht wörtlich verstanden werden; sie sind symbolisch. Zugestanden, aber dann müssen wir die Vorstellung, dass Sie mit Ihrem Dank an Gott tatsächlich etwas Gutes tun, auch symbolisch verstehen. Ich ziehe wirklich Gutes symbolisch Gutem vor.

Aber ich entschuldige dennoch all diejenigen, die für mich beten. Ich sehe sie so wie Wissenschaftler, die gut belegten Theorien widerstehen, die sie nicht mögen, obwohl schon seit langem ein eleganter Rückzug die angemessene Reaktion gewesen wäre. Ich applaudiere Ihnen für die Loyalität Ihrer eigenen Position gegenüber – aber bedenken Sie: Loyalität gegenüber der Tradition ist nicht genug. Sie müssen sich fortwährend selbst fragen: Was, wenn ich falsch liege? Auf lange Sicht, so glaube ich, können wir von religiösen Menschen verlangen, dass sie sich an den gleichen hohen moralischen Standards messen lassen wie die säkularen Menschen in Wissenschaft und Medizin.

Übersetzt von Harald Stücker

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