Warum gibt es so viele Tütensuppen?

Richard David Precht hat einen kleinen Spot zum Thema Freiheit gedreht. Sehr eingängig erklärt er uns, dass wir mitunter unzufrieden sind, weil unsere Wahlfreiheit zu groß ist. Die gewaltige Warenauswahl macht uns unglücklich. Prechts Beitrag ist ein Plädoyer gegen Freiheit und Kapitalismus, für eine sozialistische Utopie: eine Tütensuppe für alle.

Precht weiß schon, warum er die Marktwirtschaft an der scheinbar absurden Vielzahl der Tütensuppen angreift. Er hätte genauso gut auch Autos nehmen können. Es gibt so viele Automarken mit so vielen Modellen. Wozu? Eigentlich tut jedes Auto dasselbe. Ein Auto für alle kennen die Deutschen schon. Aber wie wäre das im deutschen Fernsehen angekommen?

Die Wirtschaftskrise werde uns dazu zwingen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen. Das stimmt, denn ohne Wohlstand werden wir wieder das Wenige, das wir haben, mit Leben füllen können. Das ist charakterbildend. Es gibt viele Gegenden in der Welt, die in dieser Hinsicht offenbar besser dran sind als wir. Auch in der guten alten Zeit gab es weniger Tütensuppen.

Der Sinn des Lebens: Die einfachen Dinge genießen

Wohlstand als Teil des Problems. Eine abenteuerliche These. Precht scheint dafür zu plädieren, das Paradox der Freiheit – gut sozialistisch – durch Abschaffung der Freiheit zu lösen. Anscheinend kam Lenin doch weit genug.

Ich stelle mir eine Antwort auf diese antiliberale Fantasie im Stil von Wissen macht Ah! mit Shary und Ralph vor. Auch dieser Beitrag könnte „Tütensuppen“ heißen, und sein Ziel wäre es, zu erklären, warum es eigentlich so viele verschiedene Tütensuppen gibt.

Zunächst sehen wir Ralph durch den Supermarkt schlendern und am Regal mit Tütensuppen stehen bleiben. Jetzt hat er die Qual der Wahl. Aber ist das wirklich so schwierig? Ralph könnte es einfach genauso machen wie alle anderen Menschen, die im Supermarkt einkaufen. Jeder hat seine Vorlieben, und wir sehen erstaunlich wenig Leute, die wie in der Geschichte von Buridans Esel vor dem Regal vor Hunger zusammensinken. Wir haben alle unsere Heuristiken, mit denen wir durchs Leben kommen. Marken- und Produkttreue sind solche Heuristiken, sie sind Strategien des Verbrauchers, die Komplexität des Warenangebots effektiv zu reduzieren. Die gängigen Mechanismen der Wahrnehmung, um das für uns Relevante von dem Irrelevanten zu trennen, funktionieren auch im Supermarkt.

Warum brauchen wir überhaupt Tütensuppen?

Wir begleiten Shary bei Vor- und Zubereitung einer frischen Suppe. Sie fährt zum Markt, schleppt die Zutaten nach Hause, wäscht sie, schneidet sie klein und kocht. Das Ganze dauert etwa drei Stunden. Macht aber nix, denn Shary ist Hausfrau, Kochen ist ihr Job.

Ralph kommt nach Hause und haut begeistert rein. Es geht doch nichts über eine frisch gekochte Suppe. Aber wo käme die frische Suppe her, wenn Shary nicht da wäre? (Wusch! Shary verschwindet, der Teller verschwindet, Ralph schaut dumm aus der Wäsche.) Nicht jeder Mann hat eine Frau zu Hause, die Suppe kocht, und nicht jede Frau hat einen Mann zu Hause, der das Geld verdient für die Zutaten und für die Zeit und Arbeit, die das Kochen kostet. Die Frau als Köchin zu Haus gehört nämlich zu den versteckten Opportunitätskosten für selbst gekochte Suppen. Und wenn wir das Selberkochen so loben, warum dann nicht auch das Selberanbauen des Gemüses? Wenn Shary auf dem Markt einkauft, dann haben andere für sie schon die anstrengendste Arbeit erledigt. Arbeitsteilung und Spezialisierung ist der Weg der Emanzipation, nicht nur für Frauen, sondern für alle. Für Fertiggerichte gilt somit das Gleiche, was Hans Rosling über die Waschmaschine sagt, nämlich dass sie allererst die Produktivität der Frauen außer Haus ermöglichen.

Jetzt tritt ein weiterer Akteur auf. Nennen wir ihn Herrn Knorr. Herr Knorr hat Marktforschung betrieben. Er weiß jetzt, dass es viele Menschen wie Shary und Ralph gibt, die täglich gern eine Suppe essen würden und bereit wären, für eine Ersparnis an Zeit, Kosten und Arbeit mit einer weniger optimalen Suppe vorlieb zu nehmen. Da niemand beliebig viel Zeit zum Kochen hat, sind das viele Menschen. Der potentielle Markt ist also groß. Herr Knorr rechnet sich flugs aus, ob es sich für ihn lohnen würde, Instantsuppen herzustellen und sie über die Supermärkte zu verkaufen. Und siehe da, Produzent und Verbraucher treffen sich hier am Tütensuppenregal.

Aber warum müssen es so viele sein?

Darauf gibt Precht die richtige Antwort: Weil wir die Freiheit haben! Allerdings ist seine Implikation falsch: Diese Freiheit führt nämlich nicht zu einer absurden Überzahl an Tütensuppen, sondern zu der genau richtigen Anzahl. Denn die Anzahl der Tütensuppen im Regal ist das Ergebnis eines emergenten Prozesses durch verschiedene Anreize. Emergent heißt, dass er nicht zentral von oben gesteuert, also nicht top-down geplant wird, sondern dass er sich von selbst bottom-up reguliert. Das ist der Unterschied zwischen Planwirtschaft und freier Marktwirtschaft.

Der Anreiz des Produzenten, qualitativ hochwertige Suppen anzubieten, kann aber nur dann entstehen, wenn es mehrere Produzenten, wenn es also Wettbewerb gibt. Der Wettbewerb ist die Ratsche, auf der Qualität nach oben steigen kann. Daher tritt jetzt ein weiterer Mann auf: Nennen wir ihn Herrn Maggi.

Ralph kauft jetzt Tütensuppen gleichen Typs von Herrn Knorr und von Herrn Maggi. Zu Hause wird er sich entscheiden, welche die bessere Qualität haben. Ralph ist nicht der einzige Kunde, um den die beiden kämpfen, daher ist der Markt groß genug für beide und noch viele andere Anbieter. Und auch Ralphs Geschmack ist nicht der einzige. Daher gibt es so viele verschiedene Geschmacksrichtungen. Aber wenn ein Anbieter eine miserable Tütensuppe verkauft, dann wird sie nicht mehr gekauft und fliegt aus dem Regal.

Wohlstand entsteht nicht, wenn jeder seine eigene Suppe kocht, sondern dann, wenn jeder für jeden arbeitet. Der freie Austausch von Gütern und Ideen macht die Welt besser für alle, so Matt Ridley:

In einem effizienten freien Markt wird jede nachgefragte Tütensuppe angeboten und jede angebotene Tütensuppe nachgefragt. Solange der Staat keine Prämien dafür zahlt, die Märkte mit Tütensuppen zu überschwemmen, werden die Tütensuppen, die nicht verkauft werden, schnell wieder vom Markt verschwinden. Aber wenn der Staat solche Subventionen gewährt, dann ist der Markt nicht mehr effizient, denn er ist nicht mehr frei. Fragen wir also nicht nach Tütensuppen, fragen wir lieber, ob wir Butterberge oder Milchseen brauchen. Weisen wir lieber darauf hin, dass die Zerstörung von Märkten durch Protektionismus und Subventionen zu Überproduktion und Vernichtung von Lebensmitteln und zu Hunger und Elend führt.

Planwirtschaftliche Top-Down-Fantasien wie die von Precht sind anscheinend unausrottbar. Umso wichtiger ist es, immer wieder darauf hinzuweisen, dass nur eine freie Marktwirtschaft, Spezialisierung und freier Handel Wohlstand schaffen können. Denn die so eingängige Frage „Brauchen wir das alles?“ ist eben nicht entscheidbar und daher unsinnig. Wer ist „wir“ und was heißt „brauchen“? Viel interessanter scheint mir die Frage, wer sich die Entscheidung darüber anmaßen will, was „wir“ „brauchen“.

In seiner Naturgeschichte des Wirtschaftslebens The Company of Strangers erzählt Paul Seabright (auf S. 19) von der Frage eines früheren sowjetischen Beamten, der für die Versorgung von St. Petersburg mit Brot zuständig war und der das westliche System verstehen möchte: „Wer ist für die Brotversorgung der Londoner Bevölkerung verantwortlich?“ Die Antwort – Niemand – leuchtet nicht intuitiv ein, aber sie ist die Ursache dafür, dass sich in London keine Schlangen vor Bäckereien bilden.

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Harald Stücker

16 responses to “Warum gibt es so viele Tütensuppen?”

  1. Frank says :

    Sehr gut! Dem gibt es kaum etwas hinzuzufügen. Wer (wie ich) die „Vorzüge“ planwirtschaftlichen Handelns in der Lebensmittelindustrie (heute ist angesichts der großen Bevölkerung gar kein „Zurück zur Natur“ mehr möglich) kennengelernt hat, weiss was es bedeutet, nicht nur das simple Vorhandensein sondern sogar die Möglichkeit zur Auswahl von mehr als einem Artikel pro Lebensmittelart schätzenzulernen.

    btw, zu diesem Ökorummel um Lebensmittel möchte ich noch anmerken, dass der bisher wirklich gesundheitlich relevanteste Lebensmittelskandal nicht von inidustriell hergestellter Nahrung kam sondern von einem Biohof!

    Das war die EHEC-Epidemie. 50 Tote und hunderte Schwerstkranke hat noch kein Dioxinei, kein Acrylamid-Kartoffelchip geschafft… .

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    • Harald Stücker says :

      Vielen Dank, Frank, ich dachte mir schon, dass vor allem Leute, die staatliche Planwirtschaft live miterleben durften, meinen Punkt verstehen würden.

      Dein Hinweis auf den Biohof ist allerdings nicht richtig! Nachuntersuchungen haben ergeben, dass der Biohof unschuldig war,
      Ich habe zufällig Anfang Januar im Radio davon erfahren:
      „Heute steht das amtliche Ergebnis der Kontrollen fest: Auf keiner einzigen der 1000 Proben wurde der EHEC-Erreger gefunden.“
      Die ganze Behörden- und Medienkampagne gegen den Biohof war also wirtschaftlicher Rufmord.

      Aber Dein Punkt ist trotzdem richtig. Konservierungsstoffe sind weit weniger gefährlich als verdorbene Lebensmittel.

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  2. Physi says :

    Zuerst mal das wo ich widersprechen will:
    Das Argument geht doch ungefähr so: die Wahl zwischen 2 Produkten macht glücklicher als wenn es nur 1 Produkt gibt. Allerding nimmt das „Glück“ nicht unendlich zu, sondern ab einer bestimmten Anzahl an Wahlmöglichkeiten nimmt sie wieder ab. Barry Schwartz hat dazu einen guten TED-Vortrag gehalten

    Nun wo ich dir zustimme:
    Ich halte es für eher theoretisch für jede Produktgruppe die „perfekte“ Anzahl an Wahlmöglichkeiten festzulegen. Die Ineffizienz der zu vielen Produkte durch die freie Marktwirtschaft ist kleiner als die Ineffizienzen einer Planwirtschaft.

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    • Harald Stücker says :

      Ja, völlig richtig. (Barry Schwartz verbirgt sich übrigens hinter dem Link „Paradox der Freiheit“ oben im Text.) Irgendwann wird die Vielzahl der Optionen von uns als belastend empfunden. Aber auch das lösen wir, erstens durch die üblichen Mechanismen der Komplexitätsreduzierung, wie im Text beschrieben, und dann, indem wir Dienstleistungen in Anspruch nehmen: Tests, Empfehlungen, Produktscouts. Wer nicht weiß, wohin die Reise gehen soll, weil das Internet vor Angeboten überquillt, lässt sich im Reisebüro beraten. Wer die Auswahl scheut, findet Läden, die eine kleinere Vorauswahl getroffen haben. Das Überangebot des Marktes schafft also wieder neue Märkte.

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  3. Sigrun says :

    Precht tat gut daran Tütensuppen zu nehmen statt Autos. Für viele männliche und einige weibliche Mitmenschen ist das Auto nun mal kein Gebrauchsgegenstand mit dem Mann von A nach B fährt, sondern ein Gegenstand, der derart emotional aufgeladen ist, an den Männer ihre sonst eher -sorry- spärlichen Emotionen offensiv und unreflektiert ausleben und verschwenden. Ich habe selbst erlebt, wie ein Mitglied dieser Spezies lautstark einen vermeintlichen Kratzer in seinem geliebten Auto bejammerte. Ich mußte mich schwer beherrschen, nicht laut loszuprusten. Es hätte ihn vermutlich sehr verletzt, daß ich seinen Schmerz so wenig ernst nehme.

    (Obwohl es ja eine Veränderung geben soll : http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/statussymbole-der-teure-schlitten-zieht-nicht-mehr/4549700.html)

    Auch bei Waschmaschinen und anderen Gebrauchsgegenständen wird mit Emotionen gearbeitet (Bauknecht weiß, was Frauen wünschen….uaahh)
    Ich hoffe doch aber stark, daß die meisten Menschen dieses doch eher gelassen sehen und sich nicht derart beeinflussen lassen. Bei Tütensüppchen hatte ich bisher noch nicht den Eindruck, daß sie emotional aufgeladen sind……

    Ich habe Herrn Precht auch nicht so verstanden, daß er unsere quälende Wahlfreiheit und unser daran gekoppeltes „Unglück“ verbessern will, indem er diese Freiheiten abschafft. Wir sollten uns nur darüber klar sein, daß unendliche Freiheit/ Wahlfreiheit nicht im gleichen Maße unseren Glücksfaktor steigen läßt.
    Die Gefahr besteht durchaus, unzufriedene Lebensgefühle oder fehlendes Glück mit immer erneuten anhaltenden „Kaufräuschen“ zu kompensieren.
    „Ich schoppe, also bin ich“…….“ich denke, also bin ich“ war wohl einmal..

    Und noch ein Punkt, den die Gutverdienenden unter uns evtl vernachlässigen: Menschen mit einem monatlichen Einkommen von 1000€ und darunter haben keine große Wahlfreiheit in „Tütensuppen“, und somit können sie nicht an unseren extremen Spielchen teilnehmen. Da gibt es nur „gut und günstig“, da ist die Auswahl begrenzt. ( was wiederum das Glück nicht unbedingt erhöht..)

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    • Harald Stücker says :

      Danke für den Link, Sigrun, schon interessant, wie das Auto seinen Nimbus als Statussymbol langsam verliert. Wahrscheinlich braucht die Branche das iCar.

      Das Paradox der Freiheit ist ein echtes Problem. Zu viel Auswahl macht wirklich unzufrieden. Allerdings können wir auf zwei grundsätzlich verschiedene Weisen auf dieses Paradox reagieren: Entweder wir reduzieren die Auswahl, das wäre dann wohl eine paternalistische Lösung, von außen und von oben; oder jeder Einzelne wird darin ausgebildet, wie er eigene Strategien entwickelt, um die Komplexität zu reduzieren, das liefe auf eine interne Kompetenzbildung von unten raus.

      Ich verstehe Precht schon so, dass er für den Paternalismus plädiert. Zumindest kann er einer drohenden Wirtschaftskrise in diesem Sinne etwas Gutes abgewinnen. Das erinnert an die Großeltern, die immer von der guten alten Zeit schwärmen, weil man zwar bettelarm, aber glücklich war. Hunger und Kälte werden vergessen und verdrängt. Selektive Amnesie ist das wohl.

      Das Argument, dass Wahlmöglichkeiten auch unglücklich machen können, können übrigens sowohl Diktatoren als auch Zwangsehenstifter gut gebrauchen. Und sie hätten sogar Recht: Die Wähler einer Partei, die nach der Wahl das Land ruiniert (etwa in Deutschland 1933), tragen eine Mitschuld am Untergang, die sie unglücklich machen könnte (oder sollte), und einen Ehepartner, den man sich nicht selbst ausgesucht hat, kann man befreiter hassen, wenn die Ehe schließlich scheitert.

      Wir wollen trotzdem unsere Regierung wählen und selbst entscheiden, wen wir heiraten.

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      • Sigrun says :

        Ich finde nicht, daß das Paradox der Freiheit ein echtes Problem darstellt. Der Umgang damit will allerdings gelernt sein, was deiner „internen Kompetenzbildung“ entspricht.
        Wo sagt Precht, daß er für den Paternalismus plädiert und eine Reduzierung der Wahlmöglichkeiten vorschlägt, um unser aller Glück zu erhöhen??? Höre ich nicht daraus. Für mein Glück und meine Zufriedenheit sorge ich schon selber, da muß Herr Precht sich nicht bemühen (Es lebe die subjektive Wahrnehmung).
        Was die Großeltern angeht, die waren da jung und bestenfalls verliebt, da braucht man kaum „Tütensuppen“ und anderes Gedöns. Da hat man einen anderen Blick auf die Welt. Und sicher behält man dies besser im Gedächtnis als den Hunger. Obwohl, ich kann das nicht bestätigen….. Meine Mutter kann sich noch gut an Bombennächte und den Hunger erinnern ohne Beschönigung. Und sie ist nicht die Einzige.

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        • Harald Stücker says :

          Wo sagt Precht, daß er für den Paternalismus plädiert und eine Reduzierung der Wahlmöglichkeiten vorschlägt, um unser aller Glück zu erhöhen??? Höre ich nicht daraus.

          Ab Min. 2:18: „Die gute Nachricht ist, dass dieses Experiment seinen Höhepunkt mittlerweile erreicht und vielleicht sogar überschritten hat. Denn Freiheit ist an Wohlstand gekoppelt, und unser Wohlstand wird möglicherweise nicht weiter steigen.“ Falls nicht, wäre das demnach schlecht, und es wäre geboten, selbst dafür zu sorgen, dass unser Wohlstand nicht weiter steigt. Es wäre also geboten, unsere Wahlfreiheit einzuschränken.

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          • Sigrun says :

            OK. Freiheit ist nicht nur unbedingt an Wohlstand gekoppelt. Da liegt der Gute ein wenig falsch. Die Wahlfreiheit einzuschränken interpretiere ich jetzt als freiwilligen Lernprozeß….und nicht als Gebot wie in der Bibel???? Als eine Art Selbsterhaltungstrieb, da ja an den unendlich steigenden Wohlstand auch viele andere Dinge gekoppelt sind, wie Matarial-und Ressourcenverschwendung, Umweltzerstörung, Abhängen & Ausbeuten von Entwicklungsländern usw.
            Darüber zum Nachdenken anzuregen -nehme ich an- war Prechts Ziel und nicht eine Verordnung von oben.
            Also nicht eine Tomatentütensuppe reicht, sondern Verzicht auf den Kauf und somit fliegt sie langfristig aus dem Handel…..(so etwas grob gesagt)

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  4. Matthias says :

    Subventionen

    Diese sind überall nötig – wenn auch verdeckt als Kreditbedingungen, Standortcharakteristika und Mentalitätspolster/ Vereinsmeierei.
    Oder gibt es das wirklich noch im internationalen Maßstab, das der „ehrliche“ Wettbewerb um die kritische Gunst des mündigen Konsumenten gewonnen oder verloren wird? Wieviel Blauäugigkeit strahlt aus deiner Argumentation…
    Das „Glück“ als — nehmbare Größe (insbesondere „wahr“-nehmen ist ein aktiver und selektiver Vorgang des Individuums) ist in seiner erfahrbaren Menge dem Abstand vom individuell Erreichten zum generell bzw. prinzipiell Erreichbaren umgekehrt proportional. Es ist nicht automatisch an Freiheit gebunden. Vor allem nicht an die Freiheit von allen Sicherheiten…Dieses ist ein MARLBORO-Reklame-fake.
    Und deshalb darf durchaus immer wieder über soziale und sogar sozial-istische Möglichkeiten der ausgleichenden Korrektur biologischer (intellektuell-psycho-sozialer) Ungleichheiten und damit immer auch unverschuldeter und primär nicht vermeidbarer Ungerechtigkeiten nachgedacht werden.
    Solange Pleiten eine Frage der Allgemeinheit bleiben (abgefangen über die Dynamik der Steuern oder der Versicheruingsbeiträge und Zinsen), sind immer alle haftbar an den kapitalistischen Fehlversuchen „total individuell – freier Unternehmungen“ selbstverantworteter Wünsche-Versorger.
    Diese platte >Kapitalismus = frei = gut/besserSozialismus = unfrei = schlechter < Debatte wird der gesammelten Erfahrung der letzten Entwicklungen in der Welt keinesfalls gerecht, sonder ist allenfalls populistisch. Aber nicht differenziert. Höchstens polemisch. Schade.

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    • Harald Stücker says :

      Vielen Dank für den langen Kommentar, Matthias

      Ich bestreite wenig von dem, was Du schreibst.
      Ja, Subventionen sind nötig, weil es keinen „ehrlichen Wettbewerb“ gibt. Man könnte auch sagen, Subventionen sind nötig, weil es Subventionen gibt.
      Ja, das Glück wird beeinflusst von den erreichbaren Möglichkeiten und gemessen am – vermeintlichen – Glück oder Wohlstand des Nachbarn. Daher ist das Glück nicht nur „nicht automatisch an Freiheit gebunden“, sondern kann sogar durch Freiheit bedroht sein. Das ist das Paradox der Freiheit.

      Mit der „Freiheit von allen Sicherheiten“ meinst Du sicher das Fehlen eines sozialen Netzes im „Raubtierkapitalismus“. Wir denken an Manchester im 19. Jahrhundert und an die Sweatshops in den Schwellenländern. Aber weder damals in der Frühzeit der Industrialisierung noch heute in den Schwellenländern werden die Menschen von einer kapitalistischen Armee aus ihrem ländlichen Paradies in die industrielle Hölle verschleppt. Damals wie heute fliehen sie vor Hunger und Verzweiflung in eine Situation, die ihnen besser erscheint. Alles ist besser als Verhungern.

      Jetzt wirst Du vielleicht einwenden, dass wir eben dafür ein soziales Netz und Arbeitnehmerrechte und Gewerkschaften brauchen. Und Du hättest Recht. Aber solche Dinge kosten viel Geld, und dieses Geld muss zunächst erwirtschaftet werden. Hier sind wir jetzt wahrscheinlich nicht mehr einer Meinung: Nur eine freie Wirtschaft ist fähig zu Innovationen und zur Schaffung von Wohlstand. Nur sie kann die Voraussetzungen für ein echtes soziales Netz schaffen. Alles angestrengte Nachdenken über Sozialismus wird diese Nuss nicht knacken: Sozialismus schafft keinen Wohlstand. Bislang hat Sozialismus noch jeden Wohlstand abgeschafft.

      Und noch ein wichtiger Punkt, damit wir nicht aneinander vorbeireden: Wir leben nicht im Kapitalismus, sondern in einem staatssozialistischen Korporatismus. Das Geld ist nicht frei, der Zinssatz wird nicht am freien Markt durch Angebot und Nachfrage bestimmt, die wichtigsten Preise – Öl und Gold – werden politisch daran gehindert, die Wahrheit zu sagen, Korporationen bestimmen die Politik und Banken sind „too big too fail“. Die ökonomischen Anreize, die solche Banken haben, ähneln denen eines verzogenen Kindes. (Ich denke an Pepe in Asterix in Spanien: „Ich halt jetzt die Luft an, bis mir was passiert!“) Unser soziales Netz, auf das wir so stolz sind, ist auf Pump gekauft und definitiv nicht nachhaltig.

      Also komm mir nicht mit „kapitalistischen Fehlversuchen“…

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      • Sigrun says :

        ….so nebenbei eingeworfen, nicht nur das soziale Netz kostet Geld, sondern -weit mehr- der ganze Staatsapperat: Politiker, Juristen, Verwaltung, Behörden usw. usf. Ich wundere mich, daß die Wirtschaft insbesondere der Mittelstand das auf lange Sicht finanzieren kann…..

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  5. emporda says :

    Wir kaufen nie Tütensuppen. Als Student bin ich mit der Eisenbahn immer auf der Rückseite der Maggi-Fabrik in Bregenz vorbei gefahren. Der riesige übelst stinkende Haufen ausgekocheten Fleisches hat mir jeden Appetit verdorben. Dazu lommen dann noch die generösen 3 Gramm Hühnnerfleisch in der Tüte Knorrsuppe

    Wie kaufen immer 2 Suppenhühner und kochen die mit Rotwein im Dampfkochtopf. Dann wird das Fleisch herausgelöst und mit dem Fond portioniert. Die einzelnen Portionen werden tiefgefroren und später mit Reis angerichtet. Der Unterschied zur Tütensuppe ist etwa wie ein leckeres Stück Fleisch im Vergleich zum Knüppel auf den Kopf

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