Beschneidung gegen HIV: Des Kaisers neues Kondom

In allen Diskussionen zum Thema Beschneidung taucht unweigerlich irgendwann das Argument der Befürworter auf, dass selbst die WHO die Beschneidung als Präventionsmaßnahme gegen Aids empfehle. Diese Empfehlung ist allerdings nicht unumstritten. Sie stützt sich auf Studien, denen schwere Mängel attestiert wurden. Darüber hinaus ist dieses Argument in der aktuellen Debatte über das Kölner Beschneidungsurteil allenfalls von rhetorischem Wert, denn auch die WHO empfiehlt nicht die Säuglingsbeschneidung, sondern nur die freiwillige Beschneidung einwilligungsfähiger Männer

Ein Blog namens Evidenz-basierte Ansichten sollte Verlautbarungen der WHO eigentlich positiv aufnehmen. Denn sicher stehen dahinter doch seriöse Studien. In der Tat halte ich die randomisierte Doppelblindstudie für unseren kognitiven Goldstandard. Die Beschneidungsstudien aber können wohl als Musterbeispiele dafür dienen, welche Fehler bei Design und Durchführung solcher Studien gemacht werden können. Sollten diese Fehler absichtlich gemacht worden sein, so stellen sie einen klaren Fall von Irreführung und Manipulation dar. Vorsicht also: Das Argument von der WHO ist nicht automatisch evidenzbasiert, ohne genauere Prüfung ist es zunächst mal nur das Argument von der Autorität.

Ich werde im Folgenden nur auf einige Punkte eingehen. Dabei beziehe ich mich vor allem auf einen Artikel von Brian Earp. Eine erschöpfendere Analyse findet sich in dem unten angegebenen Artikel von Boyle und Hill. (Siehe unten. Die ersten drei Quellenangaben sind die kritisierten Beschneidungsstudien.)

Es soll hier gar nicht bestritten werden, dass die Hypothese eine gewisse Eingangsplausibilität hat. Beschnittene Männer tragen ein geringeres Risiko, sich selbst beim Geschlechtsverkehr mit HIV-infizierten Frauen zu infizieren. (Frauen sollen dann wohl durch den Effekt der Herdenimmunität geschützt sein.) Die Vorhaut ist eine feuchte und komplexe Schleimhaut, und HI-Viren können leichter durch sie eindringen. Wenn die Vorhaut amputiert wird, verhornen die Eichel und der angrenzende Bereich. Beschneidung wirkt also in Bezug auf HIV ähnlich wie die Trockenlegung eines Sumpfes in Bezug auf Malaria.

Und da ist auch gleich das erste Problem: Auch wenn der Sumpf nebenan trockengelegt wurde, sollten die Moskitonetze nicht abgehängt werden. Viele Männer, die sich beschneiden lassen, um sich damit vor Aids zu schützen, glauben jedoch, sie seien jetzt perfekt geschützt. Es dürfte schwierig sein, jemanden von Kondomen zu überzeugen, der sich als Schutz gegen HIV gerade hat beschneiden lassen. Und es dürfte schwierig sein, jemandem die Maßnahme als Schutz gegen HIV überhaupt erst zu verkaufen, wenn ihm gleichzeitig gesagt wird, dass er weiterhin Kondome benutzen sollte.

Das „unsichtbare Kondom“ führt dazu, dass sich Männer sicher fühlen. Es kommt zu dem, was Psychologen Risikokompensation nennen. Wir wissen, dass Leitplanken, Sicherheitsgurte und Airbags nicht nur zu mehr Sicherheit führen, sondern auch dazu, dass schneller gefahren wird. Beschnittene Männer glauben jetzt vielleicht, dass sie ohne weiteres in Bordelle gehen können, in denen die Frauen mit hoher Wahrscheinlichkeit HIV-positiv sind. Dort stecken sie sich dann mit 40% Wahrscheinlichkeit an. Dann gehen sie wieder nach Hause und schenken ihren Frauen mit 40% Wahrscheinlichkeit Aids.

40% Wahrscheinlichkeit? Hier steckt das zweite Problem: Nach der besten Schätzung, die wir in der überaus optimistischen Literatur finden, bietet Beschneidung einen Schutz vor Ansteckung von 60%. Das klingt beeindruckend. Aber die 60% stammen aus drei Studien, die vorzeitig abgebrochen wurden, weil die Vorteile angeblich schon so klar waren, dass man der Kontrollgruppe die Möglichkeit geben wollte, sich ebenfalls zu schützen, d.h. sich die Vorhaut amputieren zu lassen. Nur wurden hier die absoluten und die relativen Zahlen vertauscht. Was heißt das?

Insgesamt wurden 5411 Männer in den drei Studien beschnitten, davon wurden 64 HIV-positiv (das sind 1,18%). Von 5497 Männern in der nicht-beschnittenen Kontrollgruppe wurden 137 (also 2,49%) HIV-positiv. Der absolute Rückgang durch Beschneidung war also 1,31%. Statistisch nicht signifikant.

Woher kommen denn jetzt die 60%? Das ist der relative Rückgang, wenn wir 137 Fälle mit 64 Fällen vergleichen. Ein beliebter Trick, um ein Laienpublikum zu beeindrucken. Will man die Zahlen beeindruckend erscheinen lassen, stellt man sie als relative Zahlen dar, will man sie herunterspielen, präsentiert man sie absolut.

Das ist zwar eine große Frechheit, aber eine durchaus übliche, mit der uns täglich Unmengen an neuen Präparaten teuer verkauft werden, die nur marginal besser sind als ihre Vorgänger. Den Beschneidungsstudien wurden allerdings noch einige weitere Mängel attestiert, und die machen tatsächlich sprachlos.

Zunächst einmal erhielt nur die beschnittene Gruppe eine Unterweisung in das Thema Safer Sex. Die anderen wurden einfach in dem Kenntnisstand gelassen, den sie hatten. Dass also Kondome vor HIV schützen, wurde den beschnittenen Männern gesagt, und nur den beschnittenen Männern! Es ist also völlig unklar, ob sie nicht doch ab und zu Kondome verwendet haben. Niemand riskiert sein Leben für die Validität und Aussagekraft einer Studie. Gute Studien berücksichtigen dies, schlechte ignorieren es, und betrügerische Studien setzen diesen Effekt bewusst ein, um ein Ergebnis zu erzielen, das mit den Tatsachen nichts zu tun hat.

Aber es kommt noch dreister. Die beschnittene Gruppe wurde mit Beginn der Studie zunächst einmal – ja, beschnitten. Der Studienzeitraum begann nicht etwa erst, nachdem die Wunden verheilt und die Penisse der beschnittenen Männer zum Sex bereit waren, nein, er lief für die unbeschnittene Kontrollgruppe gleich los. Wenn wir davon ausgehen, dass der Heilungsprozess etwa 5-6 Wochen dauert, dann hatte die Kontrollgruppe 5-6 Wochen länger Zeit, sich zu infizieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass der ein oder andere Beschnittene auch danach noch längere Zeit keine Lust dazu hatte, riskanten Sex – oder überhaupt Sex – zu treiben. Erinnern wir uns daran, dass die Studien vorzeitig abgebrochen wurden. Ein solcher Abbruch – sobald die Zahlen stimmen – gilt als einer der Tricks, mit denen Statistiken frisiert werden können. Dies wird hier besonders deutlich.

Die Beschneidungsstudien sind nicht unwidersprochen geblieben. Boyle und Hill sprechen unter „Contradictory Evidence“ von 17 Beobachtungsstudien, die keine Reduktion von HIV durch Beschneidung festgestellt haben. Und die USAID hat 2009 festgestellt:

There appears no clear pattern of association between male circumcision and HIV prevalence. In 8 of 18 countries with data, HIV prevalence is lower among circumcised men, while in the remaining 10 countries HIV prevalence is higher among circumcised men.

(Es scheint kein klares Muster der Assoziation zwischen männlicher Beschneidung und HIV-Prävalenz zu geben. In 8 der 18 Länder, für die Daten vorliegen, ist die HIV-Prävalenz unter beschnittenen Männern niedriger, während in den restlichen 10 Ländern die HIV-Prävalenz unter beschnittenen Männern höher ist.)

Was passiert eigentlich mit den Frauen in einer Population, in der die Männer beschnitten sind? (Wir haben schon die Herdenimmunität erwähnt, von der sie profitieren würden, wären die Effekte tatsächlich nennenswert, was sie, wie gesehen, nicht sind.) Das Thema Beschneidung und Sex ist sehr komplex und wird systematisch ignoriert, ich möchte hier nur kurz auf eine Konsequenz der Beschneidung für die sexuelle Mechanik eingehen, die gerade für HIV-Hochrisikogebiete relevant ist:

Die Vorhaut dient nicht nur als Schutz für die Eichel, sondern auch als bewegliche Hülle für den Schaft. Der intakte Penis bewegt sich vor allem in seiner eigenen Vorhaut und stimuliert beim Sex die Vagina ohne allzu viel Reibung. Ein Penis ohne Vorhaut reibt und befördert bei jeder Rückwärtsbewegung Feuchtigkeit nach außen. (Ein Penis mit verhornter Eichel, dem die meisten Nerven amputiert wurden, stößt vermutlich härter und länger.) Die Vagina wird so schneller trocken und wund. Durch die so entstehenden kleinen Risse und Wunden steigt das Infektionsrisiko für die Frau durch Beschneidung stark an.

Die Beschneidung ist also nicht nur ein unsichtbares Kondom, sie ist auch sehr viel unsicherer als jedes sichtbare Kondom. Sie ist des Kaisers neues Kondom. Es gibt einige Kinder, die darauf hinweisen, dass der beschnittene Penis nackt ist, aber es gibt immer noch zu viele Erwachsene – mit äußerst obskurer Interessenlage – die sein neues Kleid bewundern.

Quellen für diesen Artikel und zum Weiterlesen:

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Harald Stücker

22 responses to “Beschneidung gegen HIV: Des Kaisers neues Kondom”

  1. eisenbart says :

    Danke für den Artikel und die Informationen inkl. Quellenangaben. Sehr informativ, da können sich Mainstreammedien eine Scheibe abschneiden.

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    • Harald Stücker says :

      Vielen Dank für den netten Kommentar, eisenbart,
      es stimmt schon, diese eigentlich offen zugänglichen Daten findet man kaum in den sogenannten Mainstreammedien. Was auf lange Sicht sicher schlecht ist für ihre Marktanteile. Vielleicht werden sie aber auch jetzt schon überschätzt. Soziale Dynamik jedenfalls geht kaum noch von ihnen aus, soweit ich das beurteilen kann.

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  2. joerg hanke says :

    j.h. am 26.07.12
    auch von meiner seite herzlichen dank. es war doch sehr laestig, wenn ansich vernuenftige freunde, der mainstream-argumentation auf den leim gehen.

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  3. Cees van der Duin says :

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    BERLIN (dpa). Das Streitthema Beschneidung beschäftigt nun auch den Deutschen Ethikrat.

    Am 23. August 2012 wird sich das unabhängige Expertengremium in öffentlicher Sitzung mit der Beschneidung von minderjährigen Jungen aus religiösen Gründen befassen.

    Ärzte Zeitung online, 27.07.2012

    http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gp_specials/beschneidung/article/818933/beschneidung-ethikrat.html?sh=2&h=-1637891865

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    Öffentliche Sitzung des Ethikrates zum Thema Beschneidung im August
    PRESSEMITTEILUNG 08/2012
    Berlin, den 27. Juli 2012

    Am 23. August 2012 wird sich der Ethikrat im Rahmen einer öffentlichen Plenarsitzung mit dem aktuell diskutierten Thema der Beschneidung von minderjährigen Jungen aus religiösen Gründen beschäftigen. Die Ratsmitglieder Peter Dabrock, Wolfram Höfling, Ilhan Ilkilic, Leo Latasch und Reinhard Merkel werden in Impulsreferaten strafrechtliche, religiös-kulturelle, medizinische und ethische Aspekte der Beschneidung in den Blick nehmen und im Plenum zur Diskussion stellen.

    http://www.ethikrat.org/presse/pressemitteilungen/2012/pressemitteilung-08-2012

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  4. Cees van der Duin says :

    Petition gegen Beschneidung
    20. Juli 2012

    Text der Petition

    Der Deutsche Bundestag möge beschließen, Personensorgeberechtigten jede rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung eines Jungen (Zirkumzision) oder eines Mädchens (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) im Hinblick auf die Verwirklichung der körperlichen Unversehrtheit des Kindes oder Jugendlichen bis zu dessen Volljährigkeit zu untersagen. Um dem Individuum die Option auf ein Leben mit unversehrten Genitalien und mit der Option auf eine selbstgeschriebene Biographie zu ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidung, ob eine lebenslange Sexualität mit oder ohne Präputium (Junge) oder Klitorisvorhaut (Mädchen) verwirklicht wird, möge der Bundestag beschließen, in das Bürgerliche Gesetzbuch Buch 4 Familienrecht Abschnitt 2 Verwandtschaft Titel 5 Elterliche Fürsorge § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge einzufügen:

    § 1631d
    Verbot der rituellen Genitalmutilation

    Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.

    http://eifelginster.wordpress.com/2012/07/21/297/

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  5. offshore banking says :

    Was für eine Studie, auf die sich die WHO beruft, bitter!3300 Männer wurden in Südafrika untersucht, bei denen man der Hälfte die Vorhaut entfernt hatte. Nach 18 Monaten hatten 49 unbeschnittene und 20 beschnittene Geschlechtskrankheiten. Die Erklärungen für die Fälle sind rein spekulativ und bestimmt nicht übertragbar. Die einfachste Erklärung, dass die beschnittenen (zB bedingt durch die OP) weniger Sex hatten, wird nicht berücksichtigt.Also ehrlich, glaubt hier irgendjemand, dass Beschneiden vor Aids schützt?

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  6. Cees van der Duin says :

    Die Feministin, Ex-Europapolitikerin und GRÜNEN-Mitgründerin Eva Quistorp will die Jungenbeschneidung legalisieren, solange das vorher heile und hinterher rituell versehrte Kind nur ausreichend medikamentös betäubt ist sprich unter Drogen steht; dafür bekommt die gewaltverharmlosende so genannte Pazifistin eine herzhaft gepfefferte Kritik:

    Wenig paradiesisch: Eva und die Vorhaut
    Von Jacques Auvergne am 08.08.2012

    http://eifelginster.wordpress.com/2012/08/08/298/

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  7. Cees van der Duin says :

    Thomas Heilmann (CDU) will für Berlin (wie zufällig ganz im Sinne der islamischen Scharia) die körperliche Unverletzlichkeit der männlichen Berliner Kinder „übergangsweise“ opfern und rituelle Genital-Beschneidungen straffrei stellen:

    Quelle: WELT 9. Aug. 2012, 22:48
    Justizsenator will Beschneidung einheitlich regeln

    Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) will in Berlin schnell Rechtsklarheit beim Umgang mit religiösen Beschneidungen schaffen. „Bis eine bundesweite Regelung getroffen ist, wollen wir eine Berliner Linie festlegen“, sagte Heilmann-Sprecherin Lisa Jani. Damit bestätigte sie Informationen des „Tagesspiegels“.

    Derzeit liefen Gespräche mit der Staatsanwaltschaft, jüdischen und islamischen Gemeinden sowie Verbänden und Ärzten. Es solle eine Übergangsregelung erarbeitet werden, betonte die Sprecherin. Die Überlegungen seien noch ganz am Anfang.

    Nach Angaben der Justizverwaltung liegen keine Strafanzeigen gegen Ärzte oder Beschneider vor. Betroffene Familien und Ärzte wollten aber wissen, was erlaubt sei und was nicht. …

    Das Landgericht Köln hatte Ende Juni eine religiös motivierte Beschneidung für rechtswidrig erklärt. Das erste Urteil dieser Art ist eine Einzelfallentscheidung und nicht bindend für andere Gerichte. Dennoch herrscht Verunsicherung. Viele Ärzte bieten diese Eingriffe seither nicht mehr an.

    Der Bundestag macht sich nun für ein Neuregelung stark, um medizinisch fachgerechte Beschneidungen aus religiösen Gründen zu erlauben. Nach einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur vom Wochenende sind den deutschen Strafverfolgungsbehörden bislang keine weiteren Strafanzeigen wegen der Beschneidung von Kindern bekannt.

    Die meisten Staatsanwaltschaften haben sich noch nicht festgelegt, wie sie in solchen Fällen vorgehen wollen. Eine Ausnahme ist Baden-Württemberg. Dort soll die rituelle Beschneidung von Jungen weiter grundsätzlich straffrei bleiben, wenn sie medizinisch korrekt ausgeführt wird.

    http://www.welt.de/regionales/berlin/article108558332/Justizsenator-will-Beschneidung-einheitlich-regeln.html

    Quelle: dapd
    in: WELT 09.08.12

    „Wir hoffen, in den nächsten Wochen eine Regelung für Berliner Strafverfolgungsbehörden zu finden“

    Berlin (dapd-bln). Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) strebt für die Hauptstadt übergangsweise eine einheitliche Regelung im Umgang mit religiösen Beschneidungen an. „Wir hoffen, in den nächsten Wochen eine Regelung für die Berliner Strafverfolgungsbehörden zu finden“, sagte Heilmann dem „Tagesspiegel“ (Freitagausgabe). Diese Lösung solle nur für den Zeitraum gelten, bis eine bundeseinheitliche Regelung gefunden sei, bestätigte eine Sprecherin der Justizverwaltung.

    Heilmann unterstrich gegenüber der Zeitung, dass die juristische Einordnung ein schwieriges Thema sei. Die Verwaltung sei derzeit in Gesprächen mit Verbänden und Interessengruppen. Mit einer Handlungsanweisung für Strafverfolger könnte sichergestellt werden, in welchen Fällen zu ermitteln oder aber ein mögliches Verfahren einzustellen ist.

    Das Kölner Landgericht hatte Ende Juni die Beschneidung von Jungen als strafbare Körperverletzung gewertet, selbst wenn die Eltern einwilligen.

    http://www.welt.de/newsticker/news3/article108558723/Justizsenator-will-Beschneidung-uebergangsweise-einheitlich-regeln.html

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  8. Manfred Schneider says :

    Hier alle Argumente in der Beschneidungsdebatte auf einen Blick:

    http://bloganddiscussion.com/argumentevonfemastasen/1370/maennliche-beschneidung-vs-weibliche-beschneidung/

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  9. Cees van der Duin says :

    Eva Quistorp (Theologin) hat auf Jacques Auvergne (Sozialarbeiter) geantwortet, heute nachmittag. Beschneiden will die Theologin das betäubte männliche Kind nach wie vor, hier zwei Zitate aus ihrer Begründung; alle Denk- und Rechtschreibfehler sind geistiges Eigentum der Pazifistin und Feministin. Auch ich habe mich eingemischt.

    Quistorp: „Wenn ich es als wohl schwer zu ändernden Fakt aus verschiedenen Grünen anerkenne, dass wohl bei der Lage der Debatte und der Aufregung des Zentralrates der Juden und der Muslime, die mit SChlagworten wie Vertreiben und Verbieten Panikmache gemacht haben,das KÖlner Urteil nicht zu bundesweitem Recht werden wird ,habe ich nur eine Realität beschrieben und mir das nicht gewünscht. … Ich glaube, das judentum hat in seiner prophetischen udn liberalen Tradition mehr zu bieten als die bisherige BEschneidungsdebatte und der ISlam mit IBn Rushd und ABu Zaid mehr als KOpftuch, Burka, Beschneidungszwänge und gar SCharia in Europa“

    http://schariagegner.wordpress.com/uber/#comment-1900

    ::

    Eva Quistorp (August 23, 2012 um 3:27 nachmittags, kommentiert auf dem Blog Schariagegner) windet sich wie ein Aal – und hat schon wieder nicht gesagt, dass sie die rituelle Vorhautamputation nicht will. Sie ist unsachlich genug, dem Sozialpädagogen Jacques Auvergne öffentlich zu unterstellen, ihren Beitrag falsch gelesen zu haben, entkräftet dessen prinzipiell beschneidungsgegnerische Argumente aber mit keiner Silbe.

    Theologin Quistorp verbreitet vielmehr einen amorphen Wortschwall aus irgendwelchem reformerischen Potential in den Hochreligionen verwirbelt mit irgendwie bedauernswerten bundesdeutschen Sachzwängen, implizit und wenig zufällig gipfelnd im sinngemäßen Fazit: „An einer Legalisierung der Jungenbeschneidung kommt die BRD nicht vorbei!“ Wie öffentlichg bekannt billigt Quistorp auch heute die nicht medizinisch indizierte Beschneidung. Und nichts anderes hat der pazifistische Sozialpädagoge und Beschneidungskritiker der pazifistischen Theologin und Beschneidungsfreundin vorgeworfen.

    Die beschneidungsbegünstigende Feministin könnte jetzt entweder so ehrlich sein, wiederholt sinngemäß: „Ja, ich will die MGM, aber nur mit Betäubung!“ zu sagen, das ist schließlich die nachweisbare Essenz ihres Essays Wider die postmoderne Religionspolitik, oder aber müsste endlich die Seite wechseln und öffentlich dafür eintreten, dass es in der kulturellen Moderne kein Elternrecht auf operative Mutilation des Kindergenitals gibt, aber eine Pflicht des Staates, dem Kind ein Selbstverständnis, Körperwahrnehmen und Sexualitätserfahren mit unversehrten eigenen Genitalien zu ermöglichen.

    Vielleicht um Halacha und Scharia zu entsprechen oder um Halacha und Scharia nicht zu widersprechen weicht Quistorp hingegen aus; wie eingangs gesagt: sie windet sich wie ein Aal. Das ist argumentativ unredlich und für mich als Naturschützer, Pazifist und Jungenarbeiter, der einmal geglaubt hat, sich in der Partei der GRÜNEN wieder zu finden, ziemlich enttäuschend.

    Immerhin ist klar, wer hier die Debatte zwischen dem Sozialpädagogen und der Theologin zum Thema Beschneidung gewonnen hat – argumentativ, ethisch und vielleicht schon bald ja auch juristisch.

    Cees van der Duin

    ::

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  10. Cees van der Duin says :

    Bundestagspetition. Von Edward von Roy am 20. Juli 2012

    Text der Petition

    Der Deutsche Bundestag möge beschließen, Personensorgeberechtigten jede rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung eines Jungen (Zirkumzision) oder eines Mädchens (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) im Hinblick auf die Verwirklichung der körperlichen Unversehrtheit des Kindes oder Jugendlichen bis zu dessen Volljährigkeit zu untersagen. Um dem Individuum die Option auf ein Leben mit unversehrten Genitalien und mit der Option auf eine selbstgeschriebene Biographie zu ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidung, ob eine lebenslange Sexualität mit oder ohne Präputium (Junge) oder Klitorisvorhaut (Mädchen) verwirklicht wird, möge der Bundestag beschließen, in das Bürgerliche Gesetzbuch Buch 4 Familienrecht Abschnitt 2 Verwandtschaft Titel 5 Elterliche Fürsorge § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge einzufügen:

    § 1631d
    Verbot der rituellen Genitalmutilation

    Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.

    Begründung

    Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR, Paris 10.12.1948) und das auf ihr beruhende Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (23.05.1949) richten sich zuallererst an den Menschen als Individuum und nicht, wie in der von Stammesreligion, Rechtspluralismus und Initiationsriten geprägten kulturellen Vormoderne, an den Menschen als Angehörigen eines ethnoreligiösen Kollektivs,

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  11. Escort Frankfurt says :

    KLASSE BEITRAG zu einem Thema, dass leider SO zu selten in der Vergangenheit beleuchtet wurde. Ich habe das so nicht gewusst. Hochinteressant und hochinformativ…
    Danke dem Ersteller des Beitrags.
    Liebst
    Ines

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  12. Manfred says :

    Was soll damit überhaupt ausgesagt werden ?

    Beschneidung von Säuglingen aus religiösen Gründen irgendwie doch noch legitimiert ?
    Ja klar – die haben ja auch schon riskanten Sex !
    Schließlich kommen ja sogar schon Säuglinge mit HIV auf die Welt, die treiben’s wohl schon im Mutterleib!

    Wenn mündige Erwachsene das für sich entscheiden ist das deren Sache, aber bei Wehrlosen ohne jegliche (echte !) medizinische Indikation ist das – auch wenn man es noch so zu beschönigen versucht – massive Körperverletzung. Auch noch von völlig Wehrlosen …

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  13. Harald Stücker says :

    In der GEO 7/2015 ist ein sehr informativer Artikel zu der Beschneidungskatastrophe in Afrika erschienen:
    http://www.urologenportal.de/fileadmin/MDB/PDF/GEO_07_15_Beschneidung.pdf

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