Der absolute Nullpunkt der Ultra-Orthodoxie

Viele empören sich, wenn der Mohel zum Abschluss einer jüdisch-orthodoxen Beschneidung das Blut vom Penis saugt. Das Ritual Metzitzah B’peh kommt inzwischen sogar in Israel unter Druck. Es ist allerdings Bestandteil des orthodoxen Beschneidungsrituals. Die Tatsache, dass es von den allermeisten Juden abgelehnt und nur noch von sogenannten „ultra-orthodoxen“ Juden praktiziert wird, ist der Beweis dafür, dass sich auch religiöse Rituale wandeln können. 

Bei der Metzitzah können Herpesviren übertragen werden, für den Säugling eine tödliche Gefahr

Was bedeutet eigentlich „ultra-orthodox“? Wie kann jemand rechtgläubiger als rechtgläubig sein? Ist das nicht eigentlich Unsinn? Vielleicht nicht. Wenn wir uns Überzeugungen als Moleküle vorstellen, dann können sie mehr oder weniger reaktionsfreudig sein. Je wärmer es ist, desto beweglicher sind sie, was bedeutet, dass sie öfter mit Daten oder benachbarten Überzeugungen in Kontakt kommen und sich daraufhin ändern können. Normale, alltägliche Überzeugungen, die sich an der Peripherie unseres Weltbilds befinden, haben eine angenehm warme Temperatur, sie ändern sich immer dann, wenn sich die Gründe ändern, die wir haben, um sie für wahr zu halten. Religiöse Überzeugungen sind spürbar kälter. Orthodoxe Überzeugungen sind eiskalt, und ultra-orthodoxe Überzeugungen sind nahe am absoluten Nullpunkt. Da bewegt sich nichts mehr. Sie sind unempfänglich für den Einfluss anderer Überzeugungen.

Das Ritual Metzitzah B’peh ist in Verruf geraten, weil sich herausgestellt hat, dass das Risiko einer Syphilis- oder Herpesinfektion für das Kind sehr groß ist. Gerade tobt in New York eine Diskussion über die Metzitzah. Der Bürgermeister reagiert auf die Häufung der Todesfälle, die durch das Ritual verursacht wurden. Selbst die israelische Vereinigung der Kinderärzte hat sich jetzt gegen die Metzitzah ausgesprochen.

Tatsächlich wird dieser Teil des Rituals inzwischen nur noch selten durchgeführt. Auch die meisten Juden empfinden ihn als eklig und gefährlich. In der Oktober-Ausgabe 2007 der Zeitschrift familienmentsch, einem jüdischen Familienmagazin, geht es um die „Operation Beschneidung“. Darin warnt die ratgebende Ärztin ausdrücklich vor der Metzitzah:

Fragen Sie Ihren Mohel, ob er bei seinem Ritus Blut vom frisch beschnittenen Penis mit dem Mund absaugt. Sollte er das bejahen, wechseln Sie den Mohel!

Allerdings: Die Metzitzah ist ein vorgeschriebener Bestandteil des Rituals, daher weigern sich die Ultra-Orthodoxen auch, ihn aufzugeben.

Aber weniger orthodoxe, beweglichere Juden haben das Ritual in diesem Punkt geändert, ohne dass irgendjemand behauptet, sie seien keine Juden mehr. Damit haben wir hier einen Fall, in dem eine moderne wissenschaftliche Erkenntnis zu einer Änderung am Ritual führte. Welche Auswirkungen hat diese Änderung auf das jüdische Leben, in Deutschland und anderswo? Offenbar wird es dadurch nicht unmöglich gemacht. Die Metzitzah ist der Beweis, dass sich religiöse Rituale jenseits des absoluten Nullpunkts der ultra-orthodoxen Erstarrung ändern können.

Man wird einwenden, dass die Metzitzah erst später im Laufe der rabbinischen Tradition hinzugefügt wurde, nicht aber in der Torah erwähnt sei. Die Milah, also die Beschneidung selbst, stehe allerdings unmissverständlich in der Torah. Mag sein, allerdings ist Beschneidung nicht gleich Beschneidung. Denn auch die sogenannte Periah entstammt nur der rabbinischen Tradition. Die Periah ist das Gebot, nicht nur die überstehende Spitze der Vorhaut, sondern die gesamte Vorhaut vollständig abzutrennen.

Der Zweck der Periah ist es, eine Restauration der Vorhaut zu verhindern. Denn die Technik, um eine Vorhaut wieder nachwachsen zu lassen, ist keine moderne Erfindung. Sie war schon in der Antike bekannt. Als die Juden etwa um das 2. Jh. u.Z. in der Diaspora in Griechenland lebten, waren sie mit einer ausgeprägten Freikörperkultur konfrontiert. Sport z.B. wurde grundsätzlich nackt betrieben. Vorhäute galten im alten Griechenland als das, was sie tatsächlich sind: natürlicher Bestandteil des Penis. Juden wurden wegen ihres entstellten Penis‘ verlacht. Um dem Spott zu entgehen, entschieden sich einige dazu, an dem Rest ihrer Vorhaut so lange zu ziehen, bis sie wieder einigermaßen normal aussah.

Damit verleugneten sie aber natürlich ihre Zugehörigkeit zum Judentum, und das erregte den Zorn der Rabbiner. Daraufhin nahmen diese eine folgenschwere Änderung am Beschneidungsritual vor.

Leonard Glick schreibt dazu (Marked in your Flesh, S. 44; meine Übersetzung):

Wie ich schon sagte, wandten hellenisierte jüdische Männer Stretch-Techniken an, um den Anschein einer intakten Vorhaut zu erwecken. Aus offensichtlichen Gründen war dies Anathema für die Rabbiner: gleichbedeutend mit einer Zurückweisung des Judentums und einer Missachtung rabbinischer Autorität.

Irgendwann im späten ersten oder frühen zweiten Jahrhundert fügten sie der traditionellen Beschneidungstechnik einen radikalen Zusatz hinzu. Bis dahin erforderte eine Beschneidung (milah) nur das Abtrennen des vorderen Teils der Vorhaut; beim kindlichen Penis ist dies loses Gewebe, das nicht mit der empfindlichen Schleimhaut der Eichel verklebt ist.

Ab jetzt würde es eine zweite Prozedur geben, die peri’ah („Öffnung“ oder „Freilegung“) genannt wurde: die verbleibende Vorhaut und das darunter liegende Gewebe wurden erfasst, gewaltsam (mit Hilfe geschärfter Daumennägel) von der Eichel getrennt und weggerissen. Falls nicht jedes „Fitzelchen“ des Vorhautgewebes entfernt werde, entschieden die Rabbiner, so sei die Beschneidung ungültig. Wahrscheinlich um die gleiche Zeit fügten sie noch eine dritte zwingende Prozedur hinzu: Metzitzah („Saugen“), das Saugen von Blut aus der Wunde – vielleicht in Reaktion auf den übermäßigen Blutfluss, der durch peri’ah verursacht wurde.

Vor diesem Erlass war es also offensichtlich so, dass die Vorhaut am Penis einfach lang gezogen und vor der Eichel abgeschnitten wurde, so dass aber immer noch ein funktionaler Rest übrig blieb, der damals schon als Grundlage für eine Wiederherstellung der Vorhaut dienen konnte.

Man muss sich klar machen, wie folgenschwer dieser rabbinische Erlass war. Zwar ist jeder unnötige Schnitt in kindliche Vorhäute einer zuviel, aber es macht gerade bei einem Kinderpenis, bei dem Vorhaut und Eichel noch miteinander verklebt sind, einen großen Unterschied, ob nur der überstehende Teil abgeschnitten wird, oder ob zunächst die Vorhaut gewaltsam von der Eichel abgetrennt wird, damit sie restlos entfernt werden kann. Dieser zweite Schnitt, die Periah, ist eine ungleich massivere Verletzung.

Das Interessante daran ist allerdings, dass ein schon damals Jahrtausende altes Ritual durch rabbinischen Beschluss geändert werden konnte. Es konnte verschärft werden. Warum sollte es dann nicht möglich sein, es wieder zu entschärfen?

Wer als Jude religiös für die Beschneidung argumentiert, erweckt oft den Anschein, als befände er sich in einem Befehlsnotstand: „Gott hat befohlen, dass wir unsere Säuglinge beschneiden, wir können nicht anders.“ Im Lichte der Ausführungen von Leonard Glick sollten aber auch gläubige Juden zugeben können, dass der Befehl zu Periah und Metzitzah nicht von Gott stammt, sondern von eifersüchtigen Rabbinern im zweiten Jh. u.Z.

Wohnt hier vielleicht die Chance auf einen Kompromiss? Wohlgemerkt, ich setze keinerlei Hoffnung auf die erstarrte Ultra-Orthodoxie. Aber die Beweglicheren unter den Rabbinern und unter den Gläubigen sollten nachforschen: Wo kommen die einzelnen Bestandteile des Rituals her? Für gläubige Eltern ist es wichtig zu wissen: Welcher Teil des Rituals stammt aus der Torah, und welcher wurde später hinzugefügt? Selbst wenn Milah, die Beschneidung selbst, ein göttliches Gebot sein sollte, Periah und Metzitzah B’Peh sind es sicher nicht.

Vor allem aber die ungläubigen Eltern, die nur einer identitätsstiftenden Tradition folgen möchten, sollten die Geschichte des Rituals kennen. Nur wenige werden dann noch bereit sein, ihre Söhne für das historische Gezänk verunsicherter Rabbiner einen hohen Preis zahlen zu lassen.

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Harald Stücker

22 responses to “Der absolute Nullpunkt der Ultra-Orthodoxie”

  1. Niels Dettenbach says :

    Ich nehm mal an, das das orthodoxe „Pimmel-Lutschen“ demnächst auch durch das neue „Beschneidungsgesetz“ gedeckt sein dürfte.

    Man stelle sich bloß vor, man würde einen nichtreligiösen Vater dabei erwischen, wie er seinem Kind mit Gewalt die Vorhaut von der Eichel reißt um diese dann gänzlich abtrennen zu können, während er dann das Blut vom Penis saugt.

    Der bekäme nur unwahrscheinlich seine Kinder nochmal persönlich zu Gesicht – er würde wohl auch nicht um einen Anstaltsaufenthalt herumkommen, wenn er behauptete, Frau Holle und die seiben Zwerge hätten’s ihm befohlen…

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    • Detlef Bosau says :

      Nun, wenn dem „man stelle sich bloß vor“ auch Taten folgen würden, könnte ich in der Tat ruhiger schlafen. Aber bisher ist die Beschneidungskritik derart verhalten und von einem „Bitte entschuldigen Sie, daß ich dagegen bin“ dominiert, daß ich sie mittlerweile nicht mehr ernst nehme.

      Wenn wir alle unsere Meinung a) ernst meinen (und nicht nur so tun) und b) auch in angemessener Weise zum Ausdruck gebracht hätten, dann wäre uns der Par. 1631d BGB nicht passiert.

      Beweis durch Gegenteil: Der Paragraph ist uns passiert, es wurde bisher von keinem Beschneidungsgegner ein Weg aufgezeigt, den Pagraphen weg zu bekommen.

      Also meinen wir unser Meinung nicht ernst und/oder bringen sie nicht in angemessener Weise zum Ausdruck.

      Und das macht mich nur noch wütend.

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  2. Cees says :

    Ungefähr 200 Rabbiner haben eine Petition unterschrieben … Eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde wollte sich zur Petition der Rabbiner nicht äußern. Sie meinte aber: »Es ist wichtig, dass Eltern die Risiken kennen, die mit dieser Praxis, also der Metzitzah B’peh, verknüpft sind.«

    Von Hannes Stein, Jüdische Allgemeine 06.09.2012

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/13952

    Some 200 rabbis have signed a statement alleging that the department “printed and spread lies … in order to justify their evil decree. It is clear to us that there is not even an iota of blame or danger in this ancient and holy custom,” the New York Post reported.

    The Forward
    JTA 03.09.2012

    http://forward.com/articles/162164/rabbis-organize-against-metzitzah-bpeh-forms/#ixzz27ryn1H4q

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  3. Cees says :

    Kinder sind Grundrechtsträger – und über Grundrechte wie das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit können wir nicht verhandeln. Es darf keinen Kompromiss geben à la „Ein bisschen verstümmeln darf sein, ein bisschen Beschneidung darf sein.“

    Die angeblich vom Himmel herabgekommenen Gesetze von Halacha und Scharia (einschließlich Beschneidungsbefehl) beinhalten ein totales System mit religiöser Eheschließung und systematischer Frauenbenachteiligung (islam. Talaq, jüd. agunot = ‚chained‘ women), das für den Bürgerbegriff kultureller Moderne keinen Raum lässt und dem Individuum keine selbst bestimmte Sexualität lässt (irreparable Veränderung am Penis; durch religiösen Tugendterror gebotene lebenslange sexuelle Kontrolle der Frauen).

    Die Beschneidung an nicht Einwilligungsfähigen (Minderjährigen) muss endlich ganz verboten werden – weltweit, also selbstverständlich auch in Mekka und Jerusalem. Allgemeine Menschenrechte sind unteilbar.

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    • Detlef Bosau says :

      Die Beschneidung musste nicht verboten werden, sie war es. (Und das Gesetz, das sie erlaubt ist verfassungswidrig und daher nichtig.) Das Problem ist nicht die Beschneidung. Das Problem ist, daß wir Deutschen es nicht schaffen, unsere Verfassung durchzusetzen.

      Wir waren „damals“ „Hitlers willige Vollstrecker“, heute sind wir „willige Vollstrecker“ von Großrabbi Metzger und ähnlichen religiösen Fanatikern.

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  4. rs says :

    Ich schätze Ihre Blogs sehr, insbesondere die sachliche und auch die Gegenposition berücksichtigende Argumentation. Das Vorhaut-Thema erscheint mir allerdings weit überstrapaziert. Das, was sie ausführen, erscheint wohl dem „normalen“ Menschen absolut absurd. Es gibt offensicht nichts, was nicht zu blöd ist, um als Ritual ausgeführt und damit für sakrosant erklärt zu werden.
    Wegen mir können solche Menschen ja machen, was sie wollen, solange sie keine anderen Menschen in Mitleidschaft ziehen, was aber hier der Fall ist. Trotzdem, glaube ich, haben wir, hat die Welt andere Probleme, um seine Zeit mit solch hirnverbrannten Ritualen zu beschäftigen.

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    • Harald Stücker says :

      Vielen Dank, rs, und Entschuldigung für die späte Antwort.
      Das Vorhaut-Thema ist überstrapaziert, schreiben Sie. Ja, das kann man durchaus so empfinden, wenn man in ihm nur das Vorhaut-Thema sieht, und wenn man Vorhäute, wie leider immer noch die meisten, für alles in allem entbehrlich hält.
      Ich habe allerdings jetzt in mehreren Artikeln zu zeigen versucht, dass Vorhäute mitnichten entbehrlich sind, und ich habe versucht, darzulegen, warum weit mehr hinter diesem Thema steckt. Erlauben Sie der Einfachheit halber, dass ich mich selbst zitiere:

      Die Frontlinie verläuft zwischen denjenigen, die in den Menschenrechten eine ärgerliche und zu überwindende Ablenkung vom göttlichen Gesetz sehen, und denjenigen, die eben genau in diesen Menschenrechten die epochale Überwindung eines jahrtausendealten Kollektivismus sehen, die Befreiung des Individuums vom Zwang durch Kollektiv, Volk, Sippe und Religion.

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      • Detlef Bosau says :

        Rein zur Komplettierung sei ergänzt, daß das Recht in Deutschland ein Naturrecht ist. Spätestens seit der Aufklärung ist schon die Formulierung „göttliches Gesetz“ ein Kategorienfehler. Und ein Kategorienfehler ist der schlimmstmögliche Fehler überhaupt.

        Das Problem ist, daß wir mit der Beschneidungsdiskussion und deren Ergebnis die Grundlage unseres Staates, nämlich Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit, geopfert haben.

        Der Zentralrat der Juden, der einsehen muß, daß diese beiden Prinzipien in den 1000 Jahren von 1933 bis 1945 sechs Millionen Juden das Leben gerettet hätte, hat es für sinnvoll erachtet, diese beiden Prinzipien in Deutschland zu untergraben – und damit die aus Auschwitz gezogenen Konsequenzen unserer Politik zu annulieren.

        Das ist der eigentliche Zynismus in der ganzen Debatte.

        Angeblich sind eine Vertreter des genannten Gremiums promoviert. Da die Damen und Herren offenbar für nicht aufklärerisches Denken offen sind ,und einen gesunden Rationalismus ablehnen, halte ich diese Promotionen für unter falschen Voraussetzungen erfolgt, die betreffenden Fakultäten sollten die Aberkennung der akademischen Titel betreiben.

        Im übrigen kann und darf niemand einen akademischen Grad oder Titel behalten, der sich zu Kategorienfehlern hinreißen läßt.

        Wir kämpfen hier einen Kampf, den ich seit Kant und den Brüdern Humdoldt für erledigt gehalten habe.

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    • Detlef Bosau says :

      Nach dem Beschneidungserlaubnisgesetz vom 12. Dezember 2012 ist das Thema erst dann überstrapaziert, wenn das Gesetz vom Tisch und die rituelle Verstümmelung endgültig verboten ist. Sollten Sie das anders sehen, billigen Sie eine Straftat, denn ein verfassungswidriges Gesetz kann keine Straftat legalisieren, und leisten damit ggf. Beihilfe zu schwerer Körperverletzung.

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      • Niels Dettenbach says :

        Hallo Herr Bosau,

        1.) Wie kommen Sie auf die schmale Spur der Autor „billige“ hier eine Straftat? Vor allem welche?

        2.) Soweit es Ihnen bisher entgangen sein mag: Wir leben in einer FDGO, in der das stete hinterfragen von Gesetzen durch Bürger wesentliches Grundprinzip der Rechts- und Gesellschaftsordnung darstellt.

        3.) Der Billigung konkreter Straftaten macht sich u.U. jeder mitverantwortlich, der – wider den erheblichen Bedenken wie Kritiken höchster Verfassungsrechtler, Mediziner usw. an dem aktuell gültigen Verstümmelungserlaubnisgesetz mitgewirkt haben, ohne hierbei die erforderliche Sorgfalt walten zu lassen, was sich spätestens dann bewahrheiten dürfte, wenn das Gesetz durch betroffene vor’s Verfassungsgericht gebracht wurde. Da es bereits in anderen Ländern inzwischen ähnliche Klagen gibt, dürfte dies auch bei uns lediglich eine Frage der Zeit sein.

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        • Detlef Bosau says :

          1.: Entweder lehnt man die MGM kategorisch ab. Oder man billigt sie. Damit ist Ihre Frage zu 1 vollumfänglich beantwortet.

          2.: Falsche Zeitform. Bis zum 12. Dezember 2012 lebten wir in einer FDGO. An diesem Tag hat der Bundestag ein verfassungswidriges Gesetz beschlossen und damit das BGB in einem inkonsistenten, nicht verfassungsgemäßen Zustand versetzt. Dies geschah formal dem Buchstaben der Verfassung entsprechend – das war bei Hitlers Ermächtigungsgesetz auch der Fall. Es ändert nichts daran, daß nach meinem Verständnis die Bundesprepublik Deutschland am 12. Dezember 2012 als Staat de facto erloschen ist, der Mangel kann nur dadurch geheilt werden, daß das BVerfG den Par. 1631d BGB für nichtig erklärt und damit das BGB wieder verfassungskonform ist.

          FDGO heißt im Klartext: Grundgesetz. Und das Grundgesetz enthält Ewigkeitsklauseln und Wesensgehaltsgarantien, die sind am 12. Dezember 2012 aufs gröbste verletzt worden. Wer das mit der FDGO abdeckt, erklärt auch Hitlers Ermächtigungsesetz von 1933 für verfassungskonform und damit Hitler zum lupenreinen Demokraten. Ich denke nicht, daß das Ihre Intention ist.

          3.: Ich habe nicht die Frage diskutiert, wer hier alles „noch“ mitverantwortlich ist. Ich stelle fest: Wer nicht ausdrücklich (und erweislich erkennbarer Aktionen) aktiv gegen die religiöse Genitalverstümmelung ist, billigt sie und macht sich zum Mittätter.

          Ich bin Baujahr 1963, fast 18 Jahre nach Kriegsende geboren – laut Daniel Goldhagen gehöre ich zu Hitlers Willigen Vollstrreckern.

          Wir haben in Deutschland einem zweiten Ermächtigungsgesetz zugesehen, alle Leute, die sich nicht aktiv dagegen einsetzen, sind also nach Goldhagens Logik als „willige Vollstrecker“ einzuordnen.

          Falls Sie mich immer noch nicht verstanden haben: Haben Sie sich mal den Artikel von Antje Yael Deusel durchgelesen? Wenn Sie sich ausgekotzt und Ihren Blutsturz überwunden haben (da bin ich gestern fast gelandet, als ich diesen Dreck zur Kenntnis genommen habe) verstehen Sie vielleicht, wovon wir gerade reden.

          Bis dahin sollten Sie Zeit und Gelegenheit nehmen, Ihre offensichtliche Kenntnisarmut zu korrigieren.

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        • Detlef Bosau says :

          Zu 3. möchte ich noch konkret die Aufforderung knüpfen, daß Sie sich mal mit den rechtlichen Möglihckeiten einer Klage gegen Par. 1631d BGB befasen. Was Sie als „Frage der Zeit“ betrachten, ist de facto ausgeschlossen. Es wird hier auch kein Betroffener das Gesetz vor’s Verfassungsgericht bringen, vermutlich haben Sie vom Gruppendruck nichts verstanden. Nur soviel: Der israelische Arzt Gil Yaron, der hier in der Zeitung groß den Hals hatte, er lasse seinen Sohn nicht beschneiden, ist mittlerweile eingeknickt, offenbar hat die Schwiegermama geflennt, sie hätte sich so auf den Kaffee gefreut.

          Auch sind Ihnen die Klagen von Beschneidungsgegnern in San Francisco bekannt, das ist ausgegangen wie das Hornberger Schießen.

          Ich kann dieses Pfeifen im Walde nicht mehr hören.

          Entweder tun wir etwas gegen die Beschneidung, oder wir haben den Anstand offen zu sagen, daß Brian Morris etc. recht haben und wir die allgemeine Pflichtbeschneidung fordern.

          Eins von beiden geht nur. Der gegenwärtige Eiertanz ist inakzeptabel.

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  5. Barkai says :

    die Tatsache, dass juedische Rituale mit der Zeit geaendert werden koennen, ist schon damit demosntriert, dass es verschiedene Aufspaltungen des Judentums gibt (von Haredim/ultra-orthodoxie, (Neo-)Orthodoxie, Masortim/konservativ, Reform/progressiv/liberal und recht neu humanistisch). die sich zum Teil massiv unterscheiden.

    Desweiteren gibt es allerdings einige orthodoxe Rabbiner, die der Meinung sind, dass das Reformjudentum kein richtiges judentum mehr sei und die bsplw den Giur (Uebertritt ins Judentum) vor einem Reform Bin Dei (Rabbinatsgericht) nicht anerkennen und solche Konvertiten weiterhin als nicht-juedisch ansehen. Desweiteren verlangen eingie orthodoxe Rabbiner auch eine symbolsiche Beschneidung mit Blutlassen (bsplw. durch Einstich in den penis) von bereits beschnittenen Maennern, die ins orthodoxe judentum konvertieren wollen, weil eine nicht-orthodoxe Beschneidung nicht die Anforderung einer orthodoxen brit mila erfuellt.

    Allerdings bin ich der Meinung, dass ein moderner Rechtsstaat sich nciht solchen religioesen ueberlegungen higneben sollte, sondern einfach die koerperliche unversehrtheit von Minderjaehrigen durchsetzen sollte. Alles andere waere einem Rechtsstaat ncith wuerdig.
    Wer sich auch als Erwachsener immer noch sehr mit juedischen Orthodoxie identifiziert, kann sich dann auch als Erwachsener beschneiden lassen.

    Desweiteren zeigt das bestehen der Ultraorthodoxie auf ihrer Beschneidungsform und auf das symbolisch beschneiden von bereits beschnittenen zeigt doch, dass die med. „Gruende“, die einige vertreter des Zentralrats anfuehren, einfach nur vorgeschoben sind.

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    • Detlef Bosau says :

      Das ist interessant zu wissen und auch richtig. Es ist nur leider nicht relevant. Wenn wir in Deutschland zusammen leben wollen, kann dies nur auf der Grundlage eines gemeinsamen Kanons von Werten und Normen geschehen, dieesr umfaßt seit Bestehen der Republik das Grundrecht eines Kindes ab seiner Geburt (ab da ist es Grundrechtsträger) auf körperliche Unversehrtheit. Punkt.

      Man hatte auch auf jüdischer Seite Zeit, genau genommen seit Bestehen der Republik bis zum Kölner Urteil etwa 63 Jahre, um dieses „AGB“ der „Deutschland AG“ zu lesen.

      Und auch um zu lesen, daß die AGB der Deutschland AG keine gesonderten Rechte für Juden oder Muslime oder wehn auch immer umfassen.

      Statt dies zu tun hat man uns erklärt, die Beschneidung sei keine Körperverletzung und wollte unsere Sprache umdefinieren.

      Wenn ich bei einer Bank ein Konto habe und die AGB der Bank sagen mir nicht mehr zu, dann suche ich mir eine Bank, deren AGB mir besser gefallen.

      So ist es auch mit den Juden. Entweder leben Juden – wie alle übrigen Menschen auch – in Deutschland auf der Basis der AGB der Deutschland AG, oder, wenn ihnen diese nicht gefallen (und das gilt nicht nur für Juden sondern für Nichtjuden gleichermaßen) sie müssen sich die Frage gefallen lassen, warum sie hier leben.

      Der innerjüdische Streit ist hier nicht von Belang. Entscheidend sind die Grundregeln, die sich die Bundesrepublik Deutschland für ihr Zusammenleben gegeben hat. Und mit diesen ist die religiöse Zwangsbeschneidung nicht vereinbar.

      Wie die Herren Rabbiner das umsetzen, ist ist nicht wichtig, das ist nicht Konzeption, das ist Implementierung, dafür haben wir Personal, das kann das machen.

      Richtigerweise hätte Mutti seinerzeit an Herrn Graumann ein GG geschickt, evtl. Art. 2 GG angestrichen, und dann einen Aufkleber drangetan und Cpt. Picard gespielt: „Make it so!“

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  6. Max Kuckucksvater says :

    In diesem Video berichtet ein jüdischer Professor, wie er dazu kam, sich mit der Beschneidungsfrage auseinander zu setzen und welche Erkenntnisse er bei seinen Forschungsarbeiten gewinnen konnte. Es ist in Englisch, jedoch sehr deutlich gesprochen und auch mit einfachen Englischkenntnissen verständlich.

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    • Harald Stücker says :

      Ja, danke für den Link, Max, das ist Leonard Glick, aus dessen Buch ich im Text oben auch zitiere. Sehr empfehlenswerte Lektüre!

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    • Detlef Bosau says :

      Darf ich dazu nur mal aus dem Artikel von Antje Yael Deusel zitieren, der hier sogar verlinkt ist?

      Familienmentsch 01/2007 Seite 9 rechts unten:

      „In der Regel sieht der rituell frisch beschnittene Penis erschreckend roh aus, so als wäre der halbe Penis gehäutet.“

      Die promovierte Medizinerin und Fachärztin für Urologie und kinderurologische Oberärztin Deusel sollte wissen, daß genau das geschehen ist. Aber sie löst dann die kognitive Dissonanz auf: „Dieser Anblick ist allerdings normal und bessert sich innerhalb weniger Tage.“

      Ich brauche hier keinen Professor, der dummes Zeug schwallt. Ich brauche 200 Leute für einen offenen Brief an das Krankenhaus, in dem Frau Deusel Oberärztin an einer Kinderurologie ist, um diese Person dort rauszuschmeißen und ihr die ärztliche Approbation zu entziehen.

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  7. Detlef Bosau says :

    Wie kriegen wir jetzt das Kind, nachdem es in den Brunnen gefallen ist, wieder heraus?

    Will heißen: Haben wir langsam mal einen Plan, wie wir Par. 1631d BGB vors Bundesverfassungsgericht kriegen? Es ist einfach unerträglich, was hier passiert und erlaubt worden ist.

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  8. oogenhand says :

    Reblogged this on oogenhand and commented:
    Richtig. Blut saugen und beschneiden sind zwei verschiedene Sachen.

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