Politisch korrekt und moralisch orientierungslos

Die politische Korrektheit ist kein Instrument der Erkenntnis, sondern dient der Meinungspflege innerhalb einer Gruppe. Da sie aber die Tabuisierung auch wissenschaftlicher Hypothesen fordert, ist sie ebenso wie Religion und Esoterik der natürliche Gegner einer jeden skeptisch-säkularen Bewegung. Sollte man meinen.

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Meinungspflege politische Korrektheit: Social Grooming für Affen ohne Fell. Foto: Muhammad Mahdi Karim, Licence: GNUFDL, Version 1.2

Aber die MIZ tickt anders. Der Text „Falsche Freunde“ von Malte Jessl offenbart, wie sehr diese sogenannte „säkulare Szene“ im magischen Denken der politischen Korrektheit verfangen ist. MIZ steht für die Zeitschrift „Materialien und Informationen zur Zeit“. Sie ist, so kann man wohl sagen, ohne ihr Unrecht zu tun, das Meinungsblatt der „linken säkularen Szene“.

Politische Korrektheit ist ein religiöses Stratagem

Die politische Korrektheit ist ein Verfahren zur Meinungspflege einer Ingroup, sie dient zur Abgrenzung von der jeweiligen Outgroup. Sie ist die moderne Variante eines uralten Reflexes, nämlich dem, sich der Solidarität der eigenen Ingroup zu vergewissern. Die PC-Tabuisierungen und -Sprachcodes sind also eine Form des Social Groomings, die Meinungspflege ist die Weiterentwicklung der Fellpflege für Affen ohne Fell. Die Empörung über politisch nicht korrektes Verhalten ist ein Ritus der Selbstreinigung. Ein Sündenbock wird in die Wüste geschickt. Es ist ein geradezu paradigmatisch religiöses Stratagem. Eine „Szene“, die sich selbst „säkular“ nennt, sollte darüber einmal nachdenken.

Diese Meinungspflege findet sich offensichtlich in allen religiösen und politischen Bewegungen wieder, egal ob rechts oder links. Auch rechte Ingroups, die sich ostentativ „politisch inkorrekt“ nennen, pflegen ihre Meinungen und sanktionieren Abweichler. Gut für die Bewegung, schlecht für die Wahrheit. Es ist eine interessante Frage, ob eine größere Bewegung überhaupt darauf verzichten könnte. Aber eine skeptisch-säkulare Bewegung, die ihren Gegnern vorwirft, sich nur gut fühlen zu wollen und sich nicht um Tatsachen zu kümmern, muss es versuchen.

Die rechten falschen Freunde der gbs

Seit einiger Zeit wird in der MIZ und auf anderen Kanälen über die rechten Tendenzen in der säkularen Szene debattiert. Dabei geht es jedoch nicht darum, inwiefern die Etiketten „rechts“ und „links“ relevante Kategorien bezeichnen, wenn es um die Trennung von Staat und Religion geht, sondern wie man sich am besten von den rechten, den „falschen Freunden“ distanzieren kann. Prämisse des Artikels von Malte Jessl ist also, dass jemand, dem Rechte zustimmen können, etwas falsch machen muss. Die Welt ist also weiß oder schwarz, links oder rechts.

Jessl kritisiert vor allem die Giordano Bruno Stiftung, weil sie zu wenig darauf achte, ob ihre Positionen auch Rechte gut finden können. Die gbs ist allerdings keine politische Partei, sondern nennt sich selbst „Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung“. Sie hat daher keine direkten und klar definierten politischen Gegner außer der organisierten Religion und Esoterik und denjenigen politischen Kräften, die sich für den starken Einfluss von Religion und Esoterik einsetzen. Das waren historisch vor allem rechte Kräfte, aber diese Zeiten des seligen, weil übersichtlichen Lagerkampfs sind schon lange Geschichte. Heute sitzen die Kirchenfunktionäre in allen Parteispitzen, auch in denen der SPD und der Grünen.

Zwar mag der Evolutionäre Humanismus besser zu rechten Denkschablonen als zu linken passen, sofern „evolutionär“ betont wird, allerdings kaum, wenn „Humanismus“ im Sinne eines Eintretens für Menschenrechte verstanden wird. Das zeigen auch die Beispiele, die Jessl anführt: Das hasserfüllte Geseiere eines Herrn Geiser – wie Jessl ihn zitiert – ist abstoßend. Es wird von Jessl nur deshalb zitiert, weil der Herr Geiser ein gbs-Fördermitglied sei. Das ist peinlich. Aber für wen? Offensichtlich zumindest auch für Herrn Geiser, da er das mit dem Humanismus wohl nicht recht verstanden hat.

Soweit zur Form. Allerdings: Die These, dass ein evolutionärer Prozess ein Prozess der natürlichen Auslese ist, der Gewinner und Verlierer hervorbringt, ist eine biologische Binsenweisheit. Sie zu tabuisieren, bringt überhaupt nichts. Die Frage ist doch, wie relevant sie für uns Menschen ist. Fragen wir doch einmal unvoreingenommen – ohne die Hassrhetorik des Herrn Geiser – ob ein flächendeckender Sexualfrust tatsächlich ein gewaltiges Aggressionspotenzial generiert. Wollen wir das bestreiten? Weil es uns nicht passt? Nie werden wir die brutale Dynamik in Haftanstalten verstehen, nie den Horror von Massenvergewaltigungen in Kriegen, wenn wir das einfach leugnen, weil es uns nicht gefällt.

Messer und Scheren: die Karikaturen von Jacques Tilly

SONY DSCJessl kritisiert zusammen mit dem politisch-religiösen Mainstream die ursprüngliche Karikatur von Jacques Tilly zum Thema Beschneidung. Das Urteil lautet: „äußerst verunglückt“. Die „entschärfte“ Version der Karikatur zeigt keine blutigen Messer, sondern nur noch Scheren. Ist das besser? In Großbritannien ist gerade ein Kind verblutet, das mit einer Schere beschnitten wurde.

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Natürlich werden die blutigen Messer kritisiert, weil auch Nazis in ihrer antisemitischen Propaganda Juden mit blutigen Messern dargestellt haben, seltener mit Scheren. Aber gerade darin zeigt sich die ganze Oberflächlichkeit der Kritik. Politisch unklug waren die blutigen Messer sicher, denn jetzt konnten die Befürworter der Beschneidung auf die Form der Kritik abheben und den Inhalt ignorieren. Warum aber macht die „linke säkulare Szene“ bei diesem Ablenkungsmanöver von der Sache mit? Tatsächlich kommen bei der rituellen Beschneidung scharfe Messer zum Einsatz, und es geht um Blut. Aber man will sich mit den Fakten gar nicht erst befassen. Eine klare moralische Positionierung wird vermieden, aus Angst vor den „falschen Freunden“. Menschenrechte, Kinderrechte, alles einerlei. Es geht nur um den größtmöglichen Abstand zu den „falschen Freunden“. Merkt eigentlich niemand, wie viel Macht diesen „falschen Freunden“ dadurch zugestanden wird? Deutungsmacht! Es gibt tatsächlich Leute in der „säkularen Szene“, die ein religiöses Recht auf Beschneidung befürworten, eben weil auch antisemitische und antimuslimische Rechte gegen Beschneidung sind, damit niemand behaupten kann, man sei Antisemit. Oder schlimmer noch: „islamophob“.

Biologismus

Und dann der Biologismus. Die GBS erhält zwar von Jessl die Absolution. Sie habe sich „glaubwürdig [vom Biologismus] distanziert“. Allerdings gilt dieser Freispruch nicht für jedes einzelne Beiratsmitglied. Für Thomas Junker, Sabine Paul und Ulrich Kutschera lautet das Urteil: Schuldig des Biologismus!

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E.O. Wilson, Foto: Jim Harrison, CC BY 2.5

„Biologismus“?! Ja: „Biologismus“! Wir befinden uns im politischen Time Tunnel. Wir schreiben das Jahr 1975. Edward O. Wilson hat gerade sein Buch On Sociobiology veröffentlicht. Das letzte Kapitel dieses Buches beschäftigt sich mit dem Menschen als biologischem Wesen. Die ungeheuerliche These: Die Biologie des Menschen hat Auswirkungen auf soziale Tatsachen. Was nun folgt, ist ein Shit-Tornado gegen Wilson, zu einer Zeit, als es das Wort „Shitstorm“ noch nicht gibt. Die Thesen, die gegen ihn ins Feld geführt werden, könnten platter nicht sein: Die Biologie spiele keine nennenswerte Rolle. Es gebe keine biologisch relevanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen, und schon gar nicht zwischen Menschen verschiedener …äh, regionaler Herkunft. Jeder Mensch werde als unbeschriebenes Blatt geboren, und erst die soziale Umwelt und die Erziehung machten ihn überhaupt zum Menschen. Umwelt sei alles, Anlage nichts. Der Grund für diese paranoide Leugnung unleugbarer Tatsachen? Die Angst vor den falschen Freunden. Die Rechten glauben, dass die Biologie des Menschen eine Rolle spielt. Also muss das falsch sein.

In der Zwischenzeit hat sich aus den grundlegenden Überlegungen von E.O. Wilson die Evolutionspsychologie entwickelt. Inzwischen ist klar, dass die Leugnung der menschlichen Natur intellektuell auf der gleichen Stufe wie der religiöse Kreationismus anzusiedeln ist. Ohne die Hypothese der Evolution wären Biologie und Medizin immer noch im 18. Jahrhundert. Die Annahme, dass der menschliche Geist einen anderen Ursprung hat als die Biologie des Gehirns, dass er ohne ein Verständnis der Biologie des Menschen verstanden werden kann, ist eine weitere paradigmatisch religiöse Annahme. Von diesem Niveau aus wäre ein „Abrutschen in einen Biologismus der Warum-Frauen-immer-Schuhe-kaufen-Schublade“ (Jessl) tatsächlich kein Abrutsch, sondern ein Aufstieg.

darwincodeSabine Paul und Thomas Junker, so Jessl, „vertreten in ihrem Buch ein stark auf die Biologie reduziertes Menschenbild und versuchen sogar, mit Hilfe der Evolutionstheorie Sinnfragen zu beantworten.“ Nicht sehr überraschend, wenn man bedenkt, dass Paul und Junker als GBS-Beiräte offenkundig – und offen – die Position des evolutionären Humanismus vertreten. Was sollte das „Evolutionäre“ am Humanismus denn sein, wenn gleichzeitig apodiktisch vorausgesetzt ist, dass die Evolutionstheorie für die Beantwortung menschlicher Sinnfragen nicht relevant ist?

Islamkritikphobie

Linke tun oft so, als hätten sie den Humanismus im Sinne des Kampfes für Menschenrechte gepachtet. Das ist aber nicht der Fall. So akzeptieren etwa viele Linke stillschweigend die Ansicht, dass die Androhung der Vernichtung Israels durchaus legitim sei. Warum sonst ist Claudia Roth nach ihrem High Five mit dem iranischen Botschafter nicht politisch tot? Warum sonst ist Andrea Nahles nach ihrer Beteuerung der „gemeinsamen Werte“ mit der Terrororgansiation Fatah nicht politisch tot? Sind solche Leute die richtigen Freunde?

Das Erstarken des politischen Islams ist die größte Bedrohung für unsere freiheitliche Grundordnung – und ganz besonders für jegliche säkulare Bewegung innerhalb dieser Grundordnung. Aber eine Kritik am Islam findet auf dem linken Spektrum kaum statt, im Gegenteil: Sie ist tabuisiert, weil politisch inkorrekt.

[Update: Fairerweise möchte ich diesen Punkt in Bezug auf die MIZ einschränken. Redakteur Frank Welker wies mich darauf hin, dass gerade die MIZ und der Alibri-Verlag sich dafür eingesetzt hätten, dass dieses Thema in der säkularen Szene Beachtung findet. Allerdings sagte er auch, dass sie eben dafür von Teilen der Linken Prügel einstecken mussten.]

Diese Kritik wird den Rechten überlassen. Deshalb kann ja auch jede Kritik am Islam gleich als rechtsextrem neutralisiert werden. Was allerdings in linken Kreisen politisch korrekt ist, ist die kampflose Aufgabe unserer Werte, der Menschenrechte. So möchte etwa Marieluise Beck von den Grünen jüdisches und muslimisches Leben nicht einfach willkommen heißen, sondern „auch zu den Bedingungen der Juden und Muslime […] und nicht nur zu unseren Bedingungen.“ Dazu schreibt Walter Otte sehr zu Recht:

„Es zeigt sich jetzt konkret, wohin eine unreflektierte Akzeptanz solcher Rituale wie der Knabenbeschneidung, wohin aber auch eine Wertebeliebigkeit, eine Werteindifferenz führt: zur Relativierung von Menschenrechten.“

Darin offenbart sich das größte Problem eines linken Säkularismus: der Moralrelativismus, die moralische Orientierungslosigkeit. Sie zeigt sich auch darin, dass in der aktuellen Sexismusdebatte die offenkundigste und eklatanteste Form des Sexismus, nämlich die fundamental-religiös motivierte Frauenverachtung – und speziell die islamische in Form von Zwangsheirat, Ghettoisierung, Jungfrauenkult und Ehrenmord – nicht thematisiert wird, schon gar nicht von der säkularen Bewegung.

Der moralische Relativismus ist selbstwidersprüchlich

Die Moralrelativisten wollen sich nicht anmaßen, einer anderen Kultur vorzuschreiben, „westliche“ Normen zu beachten, auch wenn es sich bei diesen Normen um die Menschenrechte handelt. Aber eine solche radikalrelativistische Position wie die von Frau Beck ist selbstwidersprüchlich. Denn auch die Forderung nach Relativierung von Menschenrechten ist eine starke moralische Position. Frau Beck gibt den Subkulturen völlig freie Hand, mit ihren Menschen das zu tun, was ihnen beliebt. Sie dürfen ihre Kinder beschneiden und indoktrinieren, ihre Frauen aus der Öffentlichkeit entfernen, sie schlagen und zwangsverheiraten. Es würde mich nicht wundern, wenn Frau Beck für Ehrenmörder auf mildernde Umstände plädierte. Frau Beck entscheidet damit, dass diese Menschen nicht in den Genuss der moralischen Fortschritte kommen, die wir wie selbstverständlich in Anspruch nehmen. In der Rhetorik der Moralrelativisten können wir sie fragen: „Wie können Sie sich anmaßen, eine solch weitreichende moralische Entscheidung über andere Menschen zu treffen!?“

Selbstkritik an der eigenen kollektiven Identität ist durchaus positiv zu werten. Die Rechten haben eindeutig zu wenig davon. Aber eine Bewegung, die daraus ableitet, kein Recht darauf zu haben, moralische Werte zu setzen, und keine Pflicht, sie zu verteidigen, hat kein Ziel und keinen Zweck. Eine solche Bewegung kämpft für überhaupt nichts mehr – außer für die Pflege der eigenen Meinung.

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Harald Stücker

47 responses to “Politisch korrekt und moralisch orientierungslos”

  1. Bruder Spaghettus says :

    Ein Artikel, dem ich in fast allen Teilen zustimmen kann und der manches tiefer ausleuchtet und beschreibt, als ich bisher nur dachte.

    Eine Kritik und eine Ergänzung hätte ich aber doch.

    Ich halte es für falsch, die Meinung von Malte Jessl als Meinung der MIZ und damit der säkularen, oder doch zumindest der linken säkularen Szene hinzustellen. Jessls Schreiben ist die Erwiderung auf einen Artikel Gunnar Schedels, den er ausdrücklich kritisiert und der ebenfalls in der MIZ erschienen ist. Es werden also beide Meinungen vertreten und wenn davon eine als maßgeblichere für die säkulare Szene herausgestellt werden müsste, wäre das für mich die von Schedel, dem Geschäftsführer des in der säkularen Szene maßgeblichen Alibri-Verlages.

    Ergänzend möchte ich noch auf die Schlusskonsequenz Jessls eingehen: „Die „falschen Freunde“, so unbedeutend sie zahlenmäßig auch sein mögen, sollten ein deutliches Zeichen dafür sein, dass diese Gratwanderung (der gbs) nicht immer gelingt.“

    Das sehe ich genau anders herum. Ab einer gewissen Größe, die der Förderverein der gbs längst überschritten hat, ist es gar nicht mehr zu vermeiden, unter den Mitgliedern auch Meinungen des politischen Randes vorzufinden.
    Wenn die dann zahlenmäßig unbedeutend bleiben, ist das genau das Zeichen, die beschriebene Gratwanderung ist überaus gelungen.
    Was noch dadurch unterstrichen wird, dass selbst Jessls kritischer Blick in der gbs selbst keinerlei rechte Tendenzen ausmachen konnte.

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    • Harald Stücker says :

      Vielen Dank für Deinen Kommentar, Bruder,

      ich gebe gern zu, dass ich Herrn Jessls Artikel nur zum Anlass genommen habe, um einige Gedanken zu formulieren, die schon länger gärten.

      Allerdings bleibe ich dabei, dass die Angst vor den falschen Freunden die linke säkulare Szene – wie auch die Linke überhaupt – treffend charakterisiert, dass linke Islamkritik die Ausnahme bleibt, dass mit zweierlei Maß gemessen wird und dass die Weigerung, moralische Werturteile zu fällen, tatsächlich dazu führt, dass Linke faktisch bereit sind, manchen Menschen weniger Rechte zuzugestehen als anderen. Trotzdem würden sie jeden kreuzigen, der dies verbal fordern würde.

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      • Bruder Spaghettus says :

        Ich finde es auch überaus vernünftig, Angst vor falschen Freunden zuhaben. Das darf nur halt nicht dazu führen, Wahrheiten nicht aussprechen zu wollen, sondern eher dazu, anders auf Abgrenzung zu achten.

        Ob die Angst vor falschen Freunden nur oder überwiegend bei den Linken zu finden ist, bin ich mir nicht sicher. Beim Nutzen der politischen Korrektheit als Mittel der Meinungssteuerung sieht das schon anders aus, obwohl ich auch da vermute, dass in rechten Kreisen ähnliches, nur unter anderem Namen, läuft.

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  2. ATHMATRIX says :

    Danke für diesen hervorragenden Artikel!

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  3. Stefan Dietrich says :

    Ich mag vor allem deinen Schlusssatz, Harald. Es gibt so viele Themen, die uns Humanisten auf die Straße treiben sollten, die uns wütend machen sollten, die Proteststürme entfachen sollten, viele scheuen aber vor diesen zurück, aus Angst sich angreifbar zu machen. So zementieren wir den Status-quo auf Jahrzehnte hinaus! Wir müssen den Plüsch-Humanismus und den Kuschel-Atheismus hinter uns lassen!

    Ich denke jetzt gerade an den Artikel zur Beschneidungsdebatte von Fehmel & Stölger. In diesem wurde die erreichte „Integration“ höher bewertet, als grundlegende Menschenrechte von Kleinstkindern. Nur nicht anstoßen, nur sich nicht angreifbar machen. „Integration“ in Anführungszeichen, weil es sich nicht um Integration handelt im Sinne, dass diese Gruppen unsere gesellschaftlichen Werte übernommen hätten, sondern dass wir Parallelgesellschaften erlaubt haben/erlauben sollen.

    Wir müssen uns einem bewusst werden, wir haben bei vielen Themen nicht nur „Meinungen“, die wir höflich mit Andersdenkenden austauschen, nein, wir haben Überzeugungen, die tiefer wurzeln, als die jedes Gläubigen, weil wir uns nicht nur auf ein altes „heiliges“ Buch berufen, sondern im besten Falle auf 4000 Jahre Menschheitsgeschichte und zivilisatorischen Fortschritt.

    Und Überzeugungen gilt es nämlich auch gegen massive Widerstände zu verteidigen und wo immer möglich durchzusetzen. Ich würde mir wünschen, wir Humanisten wären überzeugter.

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  4. dpzorn says :

    Vielen Dank für diesen Artikel. – Als jemand, der nicht in die hier ausgeführten ideologischen Auseinandersetzungen eingeführt ist – was die Lektüre bisweilen etwas esoterisch wirken lässt, leider – ein paar Hinweise aus philosophischer Sicht, um den teilweise doch recht deutlichen Geltungsanspruch kritisch und nachvollziehbar zu relativieren.

    – was hier als „pseudoreligiöses Strategem (nicht Stratagem; der Feldherr heißt ja auch strategos) bezeichnet wird, gilt selbstverständlich für jede soziale Praxis. Jede Konvention, die zu einem Merkmal einer Teilgruppe werden kann, erfüllt dann die Funktion eines Strategems. Das ist zu unspezifisch.
    – „Die These, dass ein evolutionärer Prozess ein Prozess der natürlichen Auslese ist, der Gewinner und Verlierer hervorbringt, ist eine biologische Binsenweisheit.“ – Genau genommen ist das eine sozialdarwinistische Binsenweisheit, die offenbar Darwin nicht gelesen hat, aber Kurzschlüsse von einem auf das andere Register für sinnvoll hält. Bekanntermaßen kommt bereits bei Darwin in seiner zweiten Formulierung der Evolutionstheorie das Moment der Interpretation und damit die Grundlage für jede Form von Ästhetik und Vorstellung als wesentlicher Faktor der Evolution ins Spiel. – Sofern Evolution ein blinder Prozess ist, ist sie schlicht die Beschreibung eines fortlaufenden Wechselspiels aus Repetition, Mutation und Selektion; „Gewinner“ und „Verlierer“ gibt es nur im Hinblick auf die Weitergabe der eigenen Gene, d.h.: The winner takes it all. – Was im Sozialdarwinismus gemacht wird war schon lange vor den Nazis Unsinn: Die religiöse Prädestinationslehre wird durch eine biologistische Prädestinationslehre ersetzt; relative Ungerechtigkeit und Ungleichheit zum Naturzustand erklärt. Die Frage: cui bono? Führt hier weiter: Denjenigen, die durch die Berufung auf eine wissenschaftliche Hypothese (!) als (!) Faktizität den Status quo rechtfertigen wollen oder ihrem eigenen Fatalismus frönen. – Der Hauptdenkfehler der meisten Menschen ist, dass sie einen bestimmten Aspekt zum Ganzen erklären, eine bestimmte Perspektive zum Grund erklären und nicht die „Pfadabhängigkeit“ ihres Denkens beachten, die die Geltung ihrer Aussagen zuallererst ermöglicht. – In dieser „Grund“legung, der selbstverständlichen Annahme, eine hochspezialisierte Perspektive sei als Grundannahme von allen anderen Perspektiven zu betrachten, liegt der metaphysische und pseudoreligiöse Drang, die Endlichkeit des Menschen zu überwinden. Damit ist keinem Relativismus von Perspektiven die Sache geredet: Relativismus schließt einfach aus der vermeintlichen Existenz vieler Letztbegründungsstrategien, dass keine richtig sein kann – anstatt das ihnen Gemeinsame zu betrachten. Sondern es geht darum – und das ist erst echte wissenschaftliche Praxis – die Grenzen der eigenen Perspektive als konsistent für dieselbe einzusehen. Nur so ist Wissenschaft als Pluralität von Positionen und die notwendige wissenschaftliche Auseinandersetzung möglich. Ein bisschen weniger Wilson und ein bisschen mehr, zumindest, Wissenschaftstheorie sind ratsam, bevor man sich zu allerlei Behauptungen versteigt.
    – „Die Annahme, dass der menschliche Geist einen anderen Ursprung hat als die Biologie des Gehirns, dass er ohne ein Verständnis der Biologie des Menschen verstanden werden kann, ist eine weitere paradigmatisch religiöse Annahme.“ – In der Tat trifft das Verdikt des letzten Halbsatzes auf den gesamten Absatz selbst zu: Biologie ist, wie andere Wissenschaften auch, eine bestimmte Perspektive auf die Welt, die auf wissenschaftlichen Konventionen und falsifizierbaren Hypothesen basiert. In der Tar stehen aber bis auf Weiteres nur philosophische, keine biologischen Konzepte zur wissenschaftlichen Erklärung dessen zur Verfügung, was hier recht altbacken (und in gut metaphysischer Tradition) „Geist“ genannt wird. Das Konzept des „Ursprungs“ ist ebenso metaphysisch wie die anonyme Unterstellung, jemand würde heute ernsthaft an einen Geist von außen glauben (ernsthaft: wissenschaftlich relevant, vernünftigerweise) einen argumentativen Strohmann darstellt.
    Solange wir nicht einmal hinreichend Begriffen haben, wie die einfachsten Routinen von (wissenschaftlichen, religiösen, alltäglichen, philosophischen, logischen, mathematischen) Geltungsansprüchen logisch funktionieren – was zweifelsohne eine nichtbiologische Einsicht in den menschlichen „Geist“ darstellt und Hinweise darauf geben könnte, wie er „funktioniert“ – sind solche Aussagen, die wissenschaftliche Geltung mit der Meinung der Meisten verwechseln, sie einfach voraussetzen ohne sie erklären zu können, hinfällig. Umgekehrt ist der hier auch an anderer Stelle waltende selbstverständlich Hinweis auf (pseudo)wissenschaftliche „Fakten“ (factum: das Gemachte) selbst eine paradigmatisch religiöse Annahme: Die notwendige Kritik an der Wissenschaft und die kritische Beurteilung ihrer Geltungsansprüche werden mittlerweile nicht mehr nur ignoriert, sondern sogar als „irrational“ und „wissenschaftsfeindlich“ abgetan.
    – „Das Erstarken des politischen Islams ist die größte Bedrohung für unsere freiheitliche Grundordnung.“ – Das ist pure Ideologie und sie tut genau das, was sie anderenorts vorwirft: Sie konstruiert ein Feindbild, „den“ politischen Islam, und ein Identitätsbild, „unsere freiheitliche Grundordnung“ (schon wieder etwas Metaphysisches, sogar im antiken Sinn). Das heißt nicht, dass es keine Bedrohung durch fundamentalistische Formen religiöser Überzeugungen gibt. Sondern das kritisiert das Kategorische in dieser Aussage, das letztlich doch nur die Angstkampagnen der letzten Jahre unkritisch aufgreift. Ich würde ideologiekritisch gewendet sagen: Die größte Bedrohung für unsere Freiheit ist die Ideologie einer „freiheitlichen Grundordnung“, die faktisch nicht so existiert, wie sie behauptet wird und die unbedingt Gegner benötigt. Umgekehrt macht das die realen Gegner, einzelne terroristische Zellen, Lise zusammengehalten durch ein variables ideologisches Konstrukt, erst zu Vertretern einer angeblich geschlossenen Bewegung. Kurz: das ist Populismus in Reinkultur, nichts weiter.

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    • Harald Stücker says :

      Vielen Dank für den langen Kommentar, dpzorn,
      obwohl ich zugeben muss, dass ich ihn stilistisch als Zumutung empfinde.
      Aber ich bin höflich und arbeite mich durch. Ich bitte um Nachsicht, wenn ich nicht alles richtig verstanden haben sollte.

      Die Beckmesserei zu Darwin, geschenkt. Irgendwo lese ich im Kommentar auch den Satz „“Gewinner” und “Verlierer” gibt es nur im Hinblick auf die Weitergabe der eigenen Gene, d.h.: The winner takes it all.“, bin aber nicht sicher, ob Sie diesen Satz behaupten oder kritisieren. Falls Sie ihn behaupten, stimme ich zu. Das ist ungefähr das, was ich auch geschrieben habe.

      Nichts an dem, was ich geschrieben habe, ist allerdings apodiktisch und der Kritik enthoben, Letztbegründungen sind meine Sache nicht. Ich ahne, dass Sie gute Einwände gegen einige der von mir gemachten Punkte haben, leider aber entgleitet mir immer wieder der Sinn. Also: Jeder Satz ist eine Hypothese, die bestenfalls gut begründet ist. Jeder Satz steht der Kritik offen.

      Ich gebe gern zu, dass „unsere freiheitliche Grundordnung“ ein sehr plakativer und in gewissem Sinne auch metaphysischer Begriff ist. Ich habe ihn hier auch der Provokation halber verwendet, da er meist politisch von rechts kommt und historisch auch gegen Kommunisten verwendet wurde (Berufsverbote). Daher sehen gerade auch Linke diesen Begriff mit Skepsis. Und dennoch: So ephemer und problematisch er auch ist, er eignet sich doch wie kein zweiter zur Bezeichnung für das, was unsere Kultur lebenswert und attraktiv macht, und was sich zu verteidigen lohnt. Ich finde daher, dass wir den Begriff nicht den Rechten überlassen sollten. Im Übrigen bekämpfen ja die wenigsten Linken heute noch wirklich unsere „freiheitliche Grundordnung“.

      Das Gegenmodell waren vor einigen Jahrzehnten die kommunistischen Gesellschaften. Und obwohl sie hierzulande massenweise Anhänger hatten, und obwohl die Grenzen von unserer Seite aus offen waren, gab es nie einen Massenexodus in diese Gesellschaften, wohl aber in die andere, in unsere Richtung. Heute ist das Gegenmodell der Islam. Und auch hier zeigt sich dasselbe Phänomen. Großer Andrang von Asylsuchenden aus den islamistischen Terrorregimen. Großes Geschrei milchbärtiger Bubis, die das Pech haben, dass der Islam sich zum Zeitpunkt ihres politischen Flüggewerdens als Protestbewegung anbietet, aber keine Völkerwanderung in islamistische Länder, obwohl z.B. der Iran für Einwanderer offen steht. Und ja, ich bleibe dabei: Der politische Islam ist die größte Bedrohung für unsere freiheitliche Grundordnung. Der Grund ist doch klar: Um uns vor der Bedrohung durch Selbstmordattentäter zu schützen, müssen wir Überwachungssysteme einrichten, die die Freiheit des Einzelnen massiv einschränken. Populismus? Wem rede ich denn nach dem Mund? Mein Text richtet sich an Leute, die das – wie Sie – mehrheitlich für populistisch, also für falsch halten.

      Das „Stratagem“ darf bleiben, weil auch der Duden nichts gegen diese geläufige Schreibweise hat, aber danke für den Hinweis.

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      • dpzorn says :

        Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. – Sehen Sie, an eben dieser Antwort lässt sich meine Kritik an der Perspektive Ihres Beitrags vielleicht pointierter zeigen, als an diesem selbst:

        – Zunächst stellen Sie fest, mein Kommentar sei stilistisch eine „Zumutung“, dann betonen Sie, sie wollen aber höflich bleiben. Nun: Eine solche Einleitung mit einem ästhetischen Argument, das mit dem Inhalt nichts zu tun hat, ist bereits eine Unhöflichkeit, deren Rücknahme dann nur noch rhetorisch erscheint. Ihr gesamter Beitrag ist in seiner – sagen wir mal „höflich“ – aus verschiedenen rhetorischen Versatzstützen zusammengebosselten Art eine Zumutung, allerdings eben nicht nur ästhetisch, stilistisch, sondern argumentativ. Insofern habe ich mir da nicht viel vorzuwerfen.
        – Wenn Sie die Unterscheidung zwischen dem biologischen Paradigma der Evolutionstheorie (von der es, um das weiter zu differenzieren, ja auch allerlei verschiedene Ausprägungen, historischer wie systematischer Art, gibt) und einer sozialdarwinistisch gewendeten vulgären Inanspruchnahme dieses Paradigmas als Beckmesserei empfinden, dann muss ich stark in Frage stellen, dass „jeder Satz der Kritik offen steht“. Offensichtlich muss man sich, übt man Kritik, auf allerlei Ausweichbewegungen einstellen: Es handle sich nur um Hypothesen, Kritik an ihrer Inanspruchnahme von Darwin sei kleinlich und pedantisch und man könne auch nicht alles, was ich geschrieben habe, verstehen. Das sind rhetorische Mittel, um das Gegenüber zu verunglimpfen und/oder das eigene Gerede zu relativieren, weil man nicht gut genug nachgedacht hat.
        – Ihr Denkschema, dass sich offensichtlich an dem polaren Gegensatz von „rechts“ und „links“ orientiert, verstellt Ihnen möglicherweise die Sicht auf eine doch etwas komplexere Wirklichkeit, als Sie darstellen. Zuzugeben, es sei „etwas einfach“, „diene aber dem provokanten Zweck“, macht noch nicht deutlich, was dadurch alles verstellt wird: Begriffe werden von der einen oder der anderen Seite verwendet und man könne sie dieser oder jener nicht „überlassen“. Ihr agonistisches Bild einer Debatte steht in krassem Gegensatz zu der „freiheitlichen Grundordnung“, die für Sie das Leben so lebenswert macht; die Kampfrhetorik, die nur das Maß der Polemik kennt, steht in keinem Verhältnis zu Ihrem Anspruch, Ihre „Hypothesen seien bestenfalls gut begründet“. Ihre bisherigen Begründungen fand ich wenig überzeugend und, aus dargelegten Gründen meinerseits, hinsichtlich der vermeintlichen Selbstverständlichkeiten, auf die Sie sich beziehen, auch falsch.
        – Sie wundern sich, dass es keinen Massenexodus in kommunistische Gesellschaften gab. Nun, sogar im marxistischen Paris war spätestens in den 60er Jahren klar geworden, dass der Stalinismus eine Diktatur ist. Unsere freiheitliche Grundordnung hier, der „Kommunismus“ dort – das ist dieselbe bivalente Logik, die auch ihrer vermeintlich politischen Argumentation zugrundeliegt. Haben Sie sich mal ernsthaft mit „dem Kommunismus“ und „der freiheitlichen Grundordnung“ beschäftigt? Und den Zusammenhängen, den Bedingungen der einen für die anderen? Wissen Sie, dass diese geschichtstheoretische „bipolare Störung“ selbst ein Relikt aus dem kalten Krieg ist? Dass Sie hier im selben ideologischen Fahrwasser dümpeln wie Ihre marxistischen Kollegen?
        Genau hier liegt das Hauptproblem Ihres Ansatzes: Sie übertragen die eine geschichtliche Faktizität, die Sie ihrer Komplexität beraubt haben, auf eine andere (Islam) und entdecken allerorten nur „islamistische Terrorregimes“, äußern sich von Ihrem freiheitlich-grundgeordneten Standpunkt zynisch über die von der Geschichte weniger Begrünstigten (die „Milchbubis“) und schließen daraus: Wenn das eine nicht das Gute ist, weil da ja keiner hin will, dann muss das andere die Wahrheit sein. Sehen Sie? Sie entdecken nur Ihre eigenen Voraussetzungen: (1) Es gibt nur zwei Seiten, die eine und die andere. (2) Die andere Seite ist per se eine Bedrohung, ist assoziiert mit Terror, Regime usw. – Daraus schließen Sie dann keck: Die eine Seite – nämlich Ihre – ist die richtige. Nun, das haben Sie mit ihrer Voraussetzung (2) allerdings schon impliziert. Vor allem deswegen ist Ihr Beitrag, vor dem Hintergrund noch Ihrer Antwort, eigentlich nur ärgerlich. Denn Sie sagen: „Wenn es keine Bedrohung gibt, gibt es auch keinen Grund für uns, unsere Freiheit einzuschränken. Deswegen müssen wir die Bedrohung loswerden.“ – Dass die Bedrohung möglicherweise konstitutiv ist für die von Ihnen hochgelobte freiheitliche Grundordnung, dass sie nicht nur aus Selbstmordattentätern, sondern auch aus Schuldenkrisen, Währungszusammenbrüchen, wachsenden Schwellenländern und deren Volkswirtschaften, Psychopathen und Kinderschändern auf den Straßen, dem eigenen inneren Schweinehund, der nicht leistungsbereit auf Abruf ist, dass sie also aus all dem besteht, was wir so als „Bedrohung“ unserer Illusion wahrnehmen, die wir unsere gesellschaftliche Wirklichkeit nennen und wie selbstverständlich hinnehmen. Darin ist ihr Ansatz populistisch, oder ich habe Sie grundlegend missverstanden: Er ist schlicht zu einfach. Er sieht einfache Grenzen, er zieht einfache (und fallible) Schlüsse. Und er etabliert sich als rhetorischer Vollzug mit dem Anspruch, irgendeine Begründungsleistung zu bringen. – Wie gesagt: Ihr Ansatz und nicht Sie und Ihre ganze Rede. Mir geht es nicht darum, Sie zu korrigieren, sondern ich weise Sie auf Probleme in Ihrer Argumentation hin.

        Überlegen Sie mal Folgendes: Was ist, wenn es keine islamischen Attentäter mehr gibt? Welche Argumente gibt es dennoch, eine die private Freiheit massiv einschränkende Überwachung schrittweise einzuführen? Was ist eine freiheitliche Grundordnung wert, die allerorten lobbyistisch strukturiert ist? Haben Sie nicht auch vergessen, worauf unsere freiheitliche Grundordnung de facto beruht? Denken Sie wirklich, auf sozialer Marktwirtschaft? – Ich bin der Meinung, man kann, darf und muss diese Fragen stellen, ohne sich einer Ideologie verdächtig zu machen –

        Gerade wenn Sie moralische Orientierungslosigkeit stört, sollten Sie (das ist jetzt nicht moralisch gemeint) sich auf einen festen und gut begründeten Standort stellen. Etwas weniger Effekt und Reaktionsroutine und etwas mehr Bereitschaft, auch die kritischen Leser Ihres Blogs zu irritieren. Das ist, was ich „dazu denke“. Vielen Dank für Ihre Geduld.

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        • Harald Stücker says :

          Vielen Dank für Ihre sehr lange Antwort, jetzt habe ich alles verstanden. Ich wollte wirklich nicht unhöflich sein, aber Ihr erster Kommentar war aus stilistischen Gründen wirklich schwer zu verstehen.

          Noch mal zur Evolutionstheorie. Sie schrieben in ihrem ersten Kommentar, dass die Lektüre bisweilen esoterisch wirke, eben weil sie nicht genau nachvollziehen können, worauf ich mich beziehe. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Natürlich kann ich von meinen Lesern nicht verlangen, dass sie all meine Links anklicken und lesen, aber der erste Link ist der Artikel, auf den ich mich hauptsächlich beziehe, und dessen Inhalt setze ich an manchen Stellen – auch aus Platzgründen – voraus. In diesem Fall beziehe ich mich auf jemanden, der in menschenverachtender Rhetorik die Verlierer im evolutionären Wettkampf verhöhnt, weise dann darauf hin, dass auch, wenn wir keinen Grund haben, sie derart zu verhöhnen, es diese Verlierer (im evolutionstheoretischen Sinn) tatsächlich gibt. Das ist kein „Sozialdarwinismus“ (der eigentlich „Spencerismus“ heißen sollte), sofern wir nicht behaupten, die „Verlierer“ hätten es verdient zu verlieren oder wir hätten keine Veranlassung, uns um die „Verlierer“ zu kümmern. Natürlich sind „Verlierer“ im evolutionstheoretischen Sinn nicht unbedingt soziale „Verlierer“, man denke nur an die hoch angesehenen katholischen Würdenträger.

          Gegen Ende wird Ihr Kommentar zu einem etwas unübersichtlichen Rundumschlag gegen unsere Gesellschaftsordnung, sie schreiben von Währungskrisen, Kinderschändern (?!) und Lobbyisten. Soll das vielleicht heißen, bei uns sei nicht alles in Ordnung? Wir seien auch durch innere Widersprüche, nicht nur durch externe Feinde existentiell bedroht? Ja, ich stimme zu. Dennoch: Die – wie immer relative – Freiheit und die Menschenrechte sind ein Trumpf und ein historischer Fortschritt.

          Im Übrigen gebe ich Ihnen sofort zu, dass es durchaus sein kann, dass ich „nicht gut genug nachgedacht“ habe. Die Wirklichkeit wird auch immer komplexer sein, als ich oder irgend jemand sie darstellen kann.

          Es tut mir Leid, dass Ihnen mein Artikel zu unterkomplex ist. Aber Ihren Satz „Ich bin der Meinung, man kann, darf und muss diese Fragen stellen, ohne sich einer Ideologie verdächtig zu machen“, den unterschreibe ich, er drückt die einfache Botschaft meines platten Artikels schön aus.

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      • user unknown says :

        Um uns vor der Bedrohung durch Selbstmordattentäter zu schützen, müssen wir Überwachungssysteme einrichten, die die Freiheit des Einzelnen massiv einschränken.

        Glauben Sie wirklich, dass die Systeme angeschafft werden, um uns zu schützen? Glauben Sie auch, dass die Systeme dazu taugen?

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  5. mj says :

    Mit einer Reaktion dieser Art habe ich ehrlich gesagt gerechnet. Auffällig ist, dass Sie vor allem mit Strohmännern agieren. Denn an keiner Stelle habe ich etwa erwähnt oder auch nur angedeutet, ich würde ein religiöses Recht auf Beschneidung von Jungen befürworten. (Ich habe die Beschneidung tatsächlich bereits vor Jahren kritisiert, lange bevor die große „Debatte“ überhaupt los ging.) Es geht mir hier um die FORM der Kritik. Und da sehe ich ein grundlegendes Problem im Auftreten der gbs, die regelmäßig in solche Fettnäpfchen tritt (Tilly-Karikatur, Veranstaltung mit Udo Ulfkotte…) und so der prinzipiell richtigen Sache einen Bärendienst erweist. Sie meinen, das Abheben auf die Form lenke von der Sache ab. Ich sage: die falsche Form lenkt von der Sache ab. Sie zieht nicht nur falsche Freunde an, sondern verspielt auch Sympathien.

    Ich habe auch nirgendwo (ich meine, das habe ich genügend deutlich gemacht) einen Einfluss der Biologie auf das menschliche Verhalten geleugnet. Ich bin Biologe, ich halte nichts von der Vorstellung des Menschen als „unbeschriebenes Blatt“. Was ich kritisiere, sind die Auswüchse der evolutionären Psychologie, vor allem in ihrer populärwissenschaftlichen Version, die sich in wilden, weitgehend von der Empirie losgelösten, Spekulationen ergehen und jede nur erdenkliche menschliche Lebensäußerung vom Verhalten am Pinkelbecken bis zum Selbstmordattentat in Israel auf genetische Programme zurückführen.

    Da Sie ausdrücklich auf Junkers und Pauls Aussagen zum Sinn des Lebens eingehen, ein paar Worte dazu. Junker/Paul sagen – vereinfacht ausgedrückt – dass der „hedonistische Wunsch nach Lebensfreude“ der in der Evolution entstandene Sinn des Lebens sei. Das „biologische Lust-Unlust-Prinzip“ zeige, was im Sinne der Gene richtig oder falsch sei. Das ist lächerlich. Mir persönlich ist Hedonismus ja ganz sympathisch, aber es gibt Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen, die Hedonismus gerade NICHT als sinnstiftend ansehen und unter „Sinn“ etwas verstehen, das über den Hedonismus hinausweist. Im selben Buch behaupten die AutorInnen, die Selbstaufopferung für das Kollektiv sei ebenso evolutionär entstanden – ein weniger hedonistisches Verhalten ist wohl kaum vorstellbar. Das ist ein Grundproblem der Evolutionären Psychologie: Sie erklärt zu viel und damit nichts – Popper lässt grüßen.

    Ich gebe allerdings zu, dass der eine Absatz, den ich zum Biologismus geschrieben habe, viel zu kurz ist, um das Thema erschöpfend zu behandeln und daher fast zwangsläufig Missverständnisse produziert. Ich arbeite gerade an einem Artikel, in dem ich meine Kritik genauer und differenzierter ausführe. Ich möchte Ihnen so lange die von mir erwähnten Bücher von Illies und Dupré ans Herz legen, die ich das Thema betreffend für sehr aufschlussreich halte.

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    • Harald Stücker says :

      Vielen Dank für Ihren Kommentar, Herr Jessl,

      ja, ich gebe zu, ich agiere mit Strohmännern. Ich habe Ihren Artikel nur zum Anlass genommen für diesen Rundumschlag, und ich gebe auch gern zu, dass das Ihnen gegenüber nicht unbedingt fair ist. Ich hoffe aber, dass es deutlich wird, wo ich mich von Ihrem Artikel entferne und wo ich direkt auf ihn Bezug nehme. Zu meiner Verteidigung möchte ich aber betonen, dass ich keinen der Strohmänner frei erfunden habe. Es gibt sie wirklich.

      Nun zum Inhalt: Das Ablenken von der Sache ist ein rhetorischer Schachzug, die man einem Gegner durch die falsche Form erlaubt. Das schreibe ich auch in Bezug auf Tilly. Aber, wenn es jetzt darum geht, zur Sache zurückzukehren und in der Sache fest zu bleiben, dann macht es doch von Seiten der Beschneidungsgegner keinen Sinn, diesen „Formfehler“ auch anzuprangern und dann auch über die Form und über Antisemitismus zu reden. Dann müssen wir doch darauf hinweisen, dass es tatsächlich um Messer und Blut geht, und wir müssen uns darüber beschweren, dass hier das Thema gewechselt werden soll.

      Ihre Kritik am Biologismus erscheint jetzt in diesem Kommentar tatsächlich differenzierter als in Ihrem Artikel. Aber auch hier wieder der Hinweis: Die Strohmänner, die an das unbeschriebene Blatt glauben, auch die gibt es wirklich.

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  6. mj says :

    Die Kritik an der Form bezieht sich ja vor allem auf die Zukunft. Es geht darum, zu reflektieren, wie man Situationen wie mit der Tilly-Karikatur in Zukunft vermeiden kann. Da besteht offenbar nicht genügend Problembewusstsein. Denn seien wir mal ehrlich: Alle Reaktionen auf die Karikatur (Antisemitismusvorwurf, Applaus von PI) waren absolut vorhersehbar. Gut – die Empörung über die Preisverleihung an Singer war nicht weniger vorhersehbar, aber der Preis hat wenigstens etwas bewirkt, das Great Ape Project ist wieder ins Gespräch gekommen. Was aber hat die Karikatur positives bewirkt? Was bewirken missverständliche Formulierungen wie „Meldungen, die in deutschen Medien nicht erschienen“ positives? Das ist alles absolut verzichtbar.

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    • Harald Stücker says :

      (Tut mir Leid, Ihr Kommentar ist zunächst im Spamfilter gelandet, unverständlicherweise.)

      Ich glaube, die Beschneidungsdebatte hat sehr deutlich gemacht, dass es sowieso fast unmöglich ist, gegen die rituelle Beschneidung zu sein und nicht gleich als Antisemit beschimpft zu werden. Ich glaube auch nicht, dass es die Messer waren. Jegliche Karikatur, auf der ein orthodoxer Jude mit kritischer Intention abgebildet wird, gilt in Deutschland als antisemitisch. Siehe Ferkelbuch.

      Hätte man Ihrer Meinung nach auch den Preis an Singer nicht verleihen dürfen? Wegen erwartbarer Kritik?

      Und was gibt’s an den „Meldungen, die in deutschen Medien nicht erschienen“ auszusetzen? Das waren Meldungen über sogenannte „Komplikationen“ nach Beschneidungen, im Rahmen der Kampagne gegen Beschneidungen. Hinter jeder einzelnen dieser „Komplikationen“ verbirgt sich ein absolut unnötiges grausames menschliches Schicksal, das durch diesen Euphemismus übertüncht wird. Jede dieser Meldungen war im Rahmen dieser Debatte höchst relevant, eben weil sie Mainstream-Medien keine Meldung wert war.

      Nach diesen Beispielen wird mir immer weniger klar, welche Art von Öffentlichkeitsarbeit die gbs Ihrer Meinung nach eigentlich machen sollte.

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      • mj says :

        Sicher wäre der Antisemitismusvorwurf auch ohne die Karikatur aufgetaucht, aber dann hätte man ihn glaubwürdiger abwehren können. Wenn ich mir mal vorstelle, ich wüsste nichts über die gbs und mir würde jemand diese Karikatur vor die Nase halten, würde ich spontan tippen, dass sie aus der extrem rechten Ecke kommt, und das geht mit Sicherheit den meisten so. Selbst, wenn kein Jude darauf abgebildet wäre: Die Dämonisierung des Gegners durch ein bluttriefendes Messer ist keine Satire sondern ein Merkmal von Propaganda, das geht grundsätzlich nicht. Und „Meldungen, die in den deutschen Medien nicht erschienen“ klingt nach einem schlechten Buch aus dem Kopp-Verlag. Es suggeriert, da werde etwas bewusst verschwiegen und die Medien manipuliert, auch wenn das wohl nicht so gemeint war. Das sind beides Assoziationen, die sich mir sofort aufdrängen, obwohl ich die Sache eigentlich unterstütze und sicher nicht krampfhaft nach dem Haar in der Suppe suche. Welche Öffentlichkeitsarbeit ich mir von der gbs wünschen würde? Eine, die mir nicht so peinlich wäre!

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        • derdiebuchstabenzaehlt says :

          Werden bei Beschneidungen Messer benutzt oder nicht?
          Und sind diese Messer dann blutig
          oder nicht?
          Wie macht denn die erste Zeichnung
          mich als Menschenrechtler unglaubwürdig?
          (Ich denke die Karikatur hätte
          auch nicht geändert werden
          müssen.)

          Sind die Meldungen nun erschienen
          oder nicht?
          Wenn nicht erschienen, warum nicht?

          Warum darf oder soll das nicht
          gesagt werden?
          Oder sogar nicht gesagt werden dürfen?
          Weil es Dir peinlich ist?

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          • mj says :

            Nein, bei einer Beschneidung wird ein Skalpell oder eine chirurgische Schere benutzt und kein Dolch mit einer 20 cm langen Klinge. Zu dem würde man greifen, wenn man jemanden abstechen wollte, und nicht einmal dann wäre so viel Blut an der Klinge.

            Wieso die Meldungen nicht erschienen sind, liegt auf der Hand. Man liest aus dem selben Grund nichts über Todesfälle bei Beschneidungen, aus dem man auch nie von überfahrenen Kindern in Timbuktu und ertrunkenen Fischern vor den Färöer-Inseln hört: Es sind Nachrichten, die keine internationale Relevanz haben. Und nicht wegen einer „politisch korrekten Meinungsdiktatur“ oder weil eine jüdische Lobby die deutschen Medien kontrollieren würde.

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            • Fritz Stein says :

              >Nein, bei einer Beschneidung wird ein Skalpell oder eine chirurgische Schere benutzt und kein Dolch mit einer 20 cm langen Klinge.

              Das nennt man Übertreibung und das ist zentrales Element jeder Karrikatur. Wenn dort ein Skalpell maßstabsgetreub abgebildet worden wäre hätte man es nicht als solches identifizieren können.

              Bei der letzten Aussage stimme ich in soweit zu dass es einfach keine Nachichten sind. Aber bei der Lobby muss ich widersprechen: In den Rundfunkräten sitzen Vertreter der Religionen (vermutlich eher Christen als Juden). Sitzen dort auch vertreter von Konfessionslosen? So weit ich weiß nicht. (Ich würde mich freuen über ein besseres belehrt zu werden).

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    • user unknown says :

      Ich habe vor Jahren mal eine Handvoll Artikel auf PI gelesen, aber seither nicht mehr. Damals hat man sich dort überraschend deutlich von Antisemitismus abgegrenzt, was mir allerdings nicht glaubwürdig erschien, denn von Auftreten, Argumentationsweise und allgemeiner Ideologie erinnerte es sehr an andere Personen und Gruppen, die durchaus antisemitisch waren.

      Auch während der Beschneidungsdebatte habe ich PI nicht wieder besucht – deswegen frage ich hier nach: Gab es eine politische Stellungnahme zur Beschneidung auf PI? Mir scheint, das Thema müsste den dortigen Spagat arg belastet haben.

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  7. barbacum says :

    Wunderbar, bitte weiter !
    Es macht (mir) großes Vergnügen, Ihnen beim Denken zu zu schauen (das Wort zu zu lesen gibt es ja -noch- nicht…).

    Bitte fügen Sie sich möglichst wenige Wunden zu – damit das gegenseitige Interesse bestehen bleiben möge. Gegen seitig – welches starke Wort.
    Und dabei kann man sich (muss ich schreiben „…man/frau sich…“) doch gegenseitig auch helfen, erfreuen,ernähren usw.
    Aber vom Wort her ist jeder andere eine Gegenseite.
    Gegenüber ist etabliert.
    Gegenunter nicht.
    Ist das ENT – TÄUSCHEND ?
    Enttäuschte sind oft traurig.
    Ist „Enttäuschung“ dann das emotional falsche Wort für die eigentlich moralisch bessere Position „Näher an der Wahrheit“ ?

    Bitte hören Sie nicht auf, sich gegenseitig das Gegenüber und Gegenunter wechselseitig zu zu muten (wieder so ein starkes Wort…) und enttäuschen Sie so viel wie es geht.
    Aber nicht nur beim realen Sport realer biologischer Entitäten freuen sich viele, wenn sich Kombatanten fair verhalten – und dem Unterlegenen beim wieder hochkommen die Hand entgegenstrecken.
    DER SACHE DER EVIDENZ-ORIENTIERUNG tut es gut, wenn die Streitkultur in Denkerkreisen einerseits offen, ehrlich, problem- und lösungsorientert und fern der parteidisziplinierten Schleimkriecherei stattfindet (so kann sie auch den Denk-ungeübteren wie mir als eine echte Verheißung gezeigt werden: eine mögliche Heimat, wo fast grenzenlos Raum und Gelegenheit gegeben scheint, sich als Hörer, Leser, Frager oder Redner/Schreiber mit anzusiedeln, ohne andere verdrängen oder versklaven zu müssen), andererseits immer wieder konkrete Positionen erkennen lassen, um aus dem virtuellen Raum leichter Anregungen für die Umgangsweise mit den TAT-SACHEN unseres bio-psycho-sozialen Alltags herausfiltrieren zu können.
    Wichtig für solche wie mich – tätig als Kinderarzt – ist es , bei vielen Gedankengängen der in der Disziplinierung der Gedankenwelt besser Geübten gut mitzukommen.
    Dass dabei „Komplex-Sätze“ entstehen, ist sicher für die geübteren und disziplinierteren Blogger oft auch eine Zumutung.
    Und auch hier ist eine schöne Sinnhaftigkeit dieser Bloggs zu sehen: denen, deren Ausdruck und Grammatik so belastend hinken, die sich aber oft mit Tatsachen konfrontiert sehen, welche eine feste Position in der Brandung der Pluralität einzunehmen erfordert, macht Ihr Blogg möglich, „fremd zu denken“ und dann, „ausdrucksmäßig gekeltert“ sozusagen, eigene Überzeugungen besser verwendbar formuliert zu erkennen.
    Danke und bitte weitermachen!
    Maju aus L. in S.

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    • Amen Ronald Oberhollenzer-Paternoster says :

      Nun ja, ich sehe Du bezeichnest Dich als Kinderarzt. Also mit Worten bist Du flink … wenn auch das eine und andere doch eher „Spielerei mit Worten“ gleicht. Aber da Du nun eben ein Kinderarzt bist, beantworte Dir doch mal auch die Frage:

      „Wie kann es denn sein, dass ich als Kinderarzt dem Verbrechen der tagtäglich und bundesweit auch in Krankenhäusern begangenen Zwangsbeschneidung mit keinem einzigen Wort, mit keiner einzigen Handlung entgegengetreten bin. (z.B.: Eine Meldung an die Klinikdirektion; an den Ärzteverband; Strafanzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft … oder damals noch als Medizinstudent zumindest eine Anfrage zur Klärung an den Professor … u.ä.) ?

      … und wenn Du eine Antwort auf Deine Frage hast, dann teilst Du sie mir möglicherweise mit?

      Mir war es zudem auch schon als Kind und somit lange vor meinem Medizinstudium ein Unmögliches im Akt des Entfernens eines gesunden Körperteils vom Kind nicht sofort die Grausamkeit, den Wahnsinn, die Unsinnhaftigkeit zu erkennen, und nicht unverzüglich gagegen vorzugehen.

      In diesem Sinne: Primum Non Nocere. Amen
      (kannst Dir auch mal http://www.intacthumanity.org ansehen und möglicherweise hast Du eine Idee wie wir die Ärzteschaft dazu bringen können sich endlich und rechtsstaatlich (nicht nur mit „petitionen“ / „Bittbriefchen“ zu ERHEBEN … )

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  8. Amen Ronald Oberhollenzer-Paternoster says :

    Lieber Harald Du schreibst: „Die These, dass ein evolutionärer Prozess ein Prozess der natürlichen Auslese ist, der Gewinner und Verlierer hervorbringt, ist eine biologische Binsenweisheit. Sie zu tabuisieren, bringt überhaupt nichts. Die Frage ist doch, wie relevant sie für uns Menschen ist.“

    Antwort: Die These ist zwar eine allgemein bekannte, weitverbreitete und leider immer noch anerkannte, aber eben nur eine These (eine Aussage, deren Richtigkeit behauptet wird, aber nicht offensichtlich ist)… deren Beweisführung von der axiomatischen Identität des Wertes „evolutionärer Prozess“ so weit entfernt ist, wie die behauptete Legalität der Legalisierung der Zwangsbeschneidung von der Realität des Sinnes der inneren Rechtfertigung der demokratisch rechtsstaatlichen Staatsform entfernt ist.
    Die These: „Ein evolutionärer Prozess ist ein Prozess der natürlichen Auslese [der Gewinner und Verlierer hervorbringt]“, ist eine Falschbehauptung(= Realitätsfremd).

    Der eigentliche evolutionäre Prozess hat mit „natürlicher Auslese“ und „Gewinnern / Verlieren“ und so mit der „Darwinischen Evolutionstheorie“ genauso nichts zu tun, wie der Wert Gesundheit / gesunde Intelligenz / gesunder Hausverstand / gesunde Vernunft / gesunde Empfindsamkeit / Zurechnungsfähigkeit (der Fähigkeit Recht von Unrecht unterscheiden und nach dieser Erkenntnis korrekt handeln zu können) mit dem Abschneiden der gesunden Vorhaut und der ganzen „Diskussionskultur drum herum“ nichts zu tun hat.

    Dieses nie enden wollende „Herumdiskutieren“ hat den Kindern überhaupt nichts genützt und wird auch weiterhin nichts zur Beendigung dieses Verbrechens beitragen.
    Auf Grund der offensichtlichen Nutzlosigkeit dieser Diskussionen [denn effektiver Kinderschutz sieht eben ganz anders aus], sind diese schon eher „Hinterwäldlerisch“ aber eben in keinster Weise „evolutionär“. Dieses mal so von der Sicht der Kinder gesprochen. Und eigentlicher Kinderschutz spricht immer von der Sicht der Kinder.

    Eine Sichtweise, welche auch das Deutsche Volk noch nicht im Stande ist nachvollziehen zu können, sonst wäre es ja unmöglich, dass Tatenlos zugesehen wird wie das Verbrechen der Zwangsbeschneidung tagtäglich und bundesweit begangen wird.
    Hierzu ein Exposé so zur Förderung der Erlangung des Willens zur Selbstreflektion:

    Grausame Realität.
    Oh wie ist das Deutsche Volk Grausam.
    Es legalisiert das Verbrechen der Zwangsbeschneidung.

    A) Seit jeher schon – und somit lange schon vor dem Kölner Urteil – wird das Verbrechen der Zwangsbeschneidung an männlichen Kindern im Rechtsstaat Deutschland tagtäglich und bundesweit und im Wissen der Bevölkerung und dessen Behörde OHNE jeglichen juristischen – medizinischen – sozialen – ethischen – moralischen – bürgerlichen – behördlichen RECHTSSTAATLICHEN WIDERSTAND begangen.

    Kinder werden tagtäglich und bundesweit verstümmelt und das gesamte „Deutsche Volk“ sieht schweigend zu.

    Vor dem Kölner Urteil hat niemand, nicht eine in Deutschland ansässige Person, nicht eine Kinderschutzorganisation, nicht die Giordano Bruno Stiftung, nicht Amnesty International, nicht eine politische Fraktion, nicht die Polizeibehörde und auch keine andere Bundes- oder Landesbehörde, nicht eine Universität, nicht ein Journalist, nicht ein Künstler, nicht ein Schriftsteller, und auch nicht Harald Stücker und auch nicht der sich „auch plötzlich so ins Rampenlicht stellende“ Prof. Holm Putzke, jemals Strafanazeige gegen das Verbrechen der Zwangsbeschneidung an männlichen Kindern erstattet, oder sonstige rechtsstaatliche Schritte zum Schutz der männlichen Kindesbevölkerung vor Erleidung dieser offensichtlichen KÖRPERVERLETZUNG nach § 223 StGB unternommen.

    B) Aus Jerusalem (und Österreich) werden seit dem Jahre 2004 und bis zum Kölner Urteil 2012 in Deutschland und Österreich zahlreiche und wiederholte Strafanzeigen gegen das Verbrechen der Zwangsbeschneidung an männlichen Kindern erstattet.

    TV- und Druck-Medien, Kinderschutzverbände, Künstler, Schriftsteller, Universitäten, Ärzte, Juristen, Landes- und Bundespolitiker, der Bundesrat, der Bundestag, der Bundespräsident … alle politischen Fraktionen, Amnesty International … wurden zur unverzüglichen rechtsstaatlichen Beendigung des Verbrechens aufgefordert.

    ABER: Die STRAFANZEIGEN werden in Deutschland VERTUSCHT und in Österreich mittels „Ministerial-Dekret“ der Justizministerin an die Staatsanwaltschaften, und per Anordnung der Innenministerin an die Polizeibehörden „Anzeigen gegen Zwangsbeschneidung NICHT anzunehmen“ NIEDERGESCHMETTERT.

    Im Jahre 2004 – und als Antwort auf die [auch] an ihn gerichtete Strafanzeige – „betont“ Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel in einer österreichischen Tageszeitung (Kurier): „In Österreich werden keine Kinder am Genital verstümmelt“ und „Für Hassprediger ist in Österreich kein Platz“.
    (soll heißen: „In Österreich gibt es die Zwangsbeschneidung an männlichen Kindern NICHT“).

    Auch Prof. Holm Putzke wurde im Jahre 2008 über diese Strafanzeigenerstattungen und deren VERTUSCHUNG informiert, und zur Erstattung von Strafanzeige gegen dieses Verbrechen, aber auch gegen das Verbrechen der Strafvereitelung seitens der Behörde (Amtsmissbrauch durch Vertuschung von Strafanzeigen) aufgefordert.

    ABER: Auch – der sich nach dem Kölner Urteil so hervorgehobene – Prof. Holm Putzke hat es im Jahre 2008 abgelehnt Strafanzeige – gegen die von ihm im selben Jahr (2008) als STRAFTAT beschriebene nicht-therapeutische Beschneidung Minderjähriger – zu erstatten.

    Auch hat Prof. Holm Putzke die ihm seit dem Jahre 2008 bekannte Tatsache der Jahrelangen Strafanzeigeerstattungen und deren Vertuschung in keinem seiner Medienauftritte und auch in keiner seiner Publikationen erwähnt.

    Hier stellen sich folgende Fragen von selbst:

    a) Wie kommt es, dass das gesamte Volk und seine Behörde das tagtäglich und bundesweit begangene Verbrechen der Zwangsbeschneidung an männlichen Kindern VERSCHLÄFT?

    b) Wie kommt es, dass die Behörden / politischen Fraktionen, aber auch die Vielzahl der darüber informierten Privatpersonen / Organisationen / Medien / Universitäten usw. … die seit dem Jahre 2004 wiederholten Strafanzeigeerstattungen IGNORIERT / VERTUSCHT haben?

    c) Wie kommt es, dass sogar der Strafrechtler Prof. Holm Putzke – der sich ja nach dem Kölner Urteil als „Strafrechtexperte in Sachen Zwangsbeschneidung“ küren lässt – es trotz Aufforderung dazu im Jahre 2008 und all die Jahre bis zum Kölner Urteil UNTERLÄSST selbst Strafanzeige gegen das Verbrechen der Zwangsbeschneidung zu erstatten? … und WARUM VERTUSCHT auch Prof. Holm Putzke die ihm seit Jahren bekannte Tatsache der auch in Deutschland wiederholten Strafanzeigeerstattungen und deren Vertuschung? … WARUM VERSCHWEIGT dieser Strafrechtler diese Tatsache in seinen Medienauftritten und Publikationen?

    d) Warum (zu welchem Zweck) WARTETE Prof- Holm Putzke VIER JAHRE bis jemand anderer (nicht er) im Jahre 2012 eine Strafanzeige gegen die Zwangsbeschneidung erstattet, wenngleich dieses Verbrechen ja seit jeher schon tagtäglich und bundesweit und in seinem vollen Wissen begangen wird?
    B) Dann ergeht das Kölner Urteil.

    Das vorher in aufgesetzter psychopatischer Blindheit … in psychopatischen Tiefschlaf versetzte „Deutsche Volk“ weiß – jetzt endlich aus dieser aufgesetzten psychopatischen Ignoranz gerissen – nichts anderes zu tun, als – im symptomatischen Selbstverteidigungsreflex – auf „Unwissenheit“, auf „Oh, ich habe nichts darüber gewusst“ … auf „Rechtsunsicherheit“ … zu plädieren, und – anstatt zumindest jetzt endlich gegen dieses Verbrechen mit den vorhandenen rechtsstaatlichen Mitteln vorzugehen – lediglich mit „diskutieren und diskutieren und diskutieren“ zu reagieren.

    Tagtäglich und bundesweit werden Kinder verstümmelt, und das Volk weiß nichts anderes zu tun als zu PLAPPERN … sonst nichts. Effektiver unverzüglicher rechtsstaatlicher Kinderschutz? NULL!

    „Rechtsunsicherheit“? … „Es muss „Rechtssicherheit geschaffen werden“? … so ein Blödsinn!
    … und wer hat diesen auf Grund der bestehenden Gesetze völlig aus der Luft gegriffenen und dem Volkskopf indoktrinierten aber vor allem ja den Kinderverstümmlern als „Kampfspruch“ vorbereiteten Unsinn-Begriff „Rechtsunsicherheit“ als Erster aufgestellt? … wiederum kein anderer als dieser Prof. Holm Putzke!

    Auch war es dieser Holm Putzke, der als Erster das Kölner Urteil als „Bundesweit NICHT anwendbar“ bezeichnete, wenngleich das Urteil auf Basis des Bundesgesetzes § 223 StGB gefällt wurde und es wohl zumindest jedem wirklichen Strafrechtler bekannt sein muss, dass Bundesgesetze und somit auch der Körperverletzungsparagraph 223 StGB BUNDESWEIT ANWENDUNG FINDET und anzuwenden ist!

    Das Zufügen vermeidbarer Körperverletzung, also auch das Abschneiden eines gesunden Körperteils vom Kind, egal welchen Alters und Geschlechts, ist ein OFFIZIALDELIKT! Da kommt es nicht darauf an was da abgeschnitten wird und wer das Gesunde vom Kind abschneidet und wer das tut und aus welchem Grund das Gesunde Körperteil vom Kind abgeschnitten wird! Es kommt nur darauf an OB etwas Gesundes vom Kindeskörper entfernt wird!

    Es kommt auch nicht darauf an, ob das Abschneiden der gesunden Vorhaut beim Kind in der Vergangenheit schon strafrechtlich verfolgt und verurteilt wurde. Für die Verurteilung eines offensichtlichen OFFIZIALDELIKTES ist ein Präzedenzfall (ein vorangegangenes Urteil) nicht erforderlich!

    Es kommt nur darauf an OB die am Kind begangene Körperverletzung den Straftatbestand des Zufügens vermeidbarer – also nicht-therapeutischer – medizinisch nicht indizierter – Körperverletzung verwirklicht!

    Dass die Zwangsbeschneidung an männlichen Kindern diesen Straftatbestand verwirklicht, steht aus rechtsstaatlicher Sicht und eben auf Grund der bestehenden Rechtsordnung außer Zweifel!

    http://www.intacthumanity.org/empiric-evidence.html

    So wie das Abschneiden der gesunden Vorhaut vom HUND im Rechtsstaat Deutschland ein OFFIZIALDELIKT nach dem Tierschutzgesetz verwirklicht, so verwirklicht das Abschneiden der gesunden Vorhaut beim KIND ein OFFIZIALDELIKT nach dem Strafgesetzbuch.

    Ob da jemand in Köln oder in München oder sonstwo im Bundesgebiet dem HUND die gesunde Vorhaut abschneidet … ob dieser jemand dies aus „religiösen“ / „traditionellem“ oder einem anderen Grund dem HUND die gesunde Vorhaut abschneidet, und ob schon jemals zuvor jemand dem HUND die gesunde Vorhaut abgeschnitten hat und deswegen verurteilt wurde, ist für die Feststellung der Gesetzwidrigkeit dieser Tat und die Verurteilung des Täters irrelevant!

    Auch dass Eltern / Religionen / Traditionen … kein rechtsstaatliches Recht zur Entfernung eines gesunden Körperteils vom Kind haben, ist so KLAR, wie auch KLAR ist, dass JEDER RICHTER im gesamten Bundesgebiet das Abschneiden eines gesunden Körperteils vom Kind – egal welcher Körperteil auch immer und egal von wem und aus welchem Grund auch immer begangen – als Gesetzwidrigkeit erkennen und dem BUNDESGESETZ NACH VERURTEILEN MUSS!

    Das Abschneiden der gesunden Vorhaut vom HUND ist im Rechtsstaat Deutschland ein OFFIZIALDELIKT und die Behörde MUSS im Wissen um die Begehung dieser Tat SELBSSTÄNDIG DAGEGEN VORGEHEN!!!

    C) Die FALSCHEN JUDEN und die anderen KINDERVERSTÜMMLER verlangen „Rechtssicherheit“.
    Ihre KNECHTE – die Zwangsbeschneidungsbefürworter – legen ein „Beschneidungsgesetzt“ zur „Legalisierung“ dieses Verbrechens vor und beschließen die „Legalisierung“.

    OH SCHANDE DEUTSCHLAND!!!
    Da hat jetzt der offensichtlich seelisch und geistig abartig gestörte „Gesetzgeber in Deutschland“ das Abschneiden der gesunden Vorhaut vom Kind „LEGALISIERT“!

    Und das nicht weniger seelisch und geistig abartig gestörte Deutsche Volk hat dem NICHTS anderes entgegengesetzt als eben WEITER DRAUF LOS DISKUTIERT. Sonst nichts! Absolut nichts!

    Beim HUND ist das Abschneiden der gesunden Vorhaut verboten!
    … darüber gäbe es auch im deutschen Volk überhaupt keine „Diskussion“.
    Eine Regierung welche das Abschneiden der gesunden Vorhaut vom HUND „legalisiert“, wäre vom Deutschen Volk unverzüglich abserviert!!!

    Aber beim Kind ist dem Deutschen Volk das Abschneiden der gesunden Vorhaut EGAL … gar noch „LEGAL“? …

    Das TOTALVERSAGEN der deutschen Behörde und des deutschen Volkes ist dies ALLEMAL!!

    Ja es gibt innerhalb der 50 Millionen Erwachsenenbevölkerung Deutschland NUR und maximal 5000 Bürger – also maximal 0.1% der Erwachsenenbevölkerung – welche sich gegen dieses Verbrechen aussprechen … und es gibt bis Dato NUR 3 Personen welche Strafanzeige gegen dieses Verbrechen erstattet haben … und sonst wurde und wird immer noch „diskutiert und diskutiert und diskutiert“.

    Tagtäglich und bundesweit wird dieses Verbrechen – erst ignoriert, jetzt sogar „legalisiert“ – begangen, und das VOLK IM NETZ DER KINDERVERSTÜMMLER GEFANGEN – sieht zu und diskutiert. Sonst nichts.

    Deswegen ist es ein VOLKSVERSAGEN! Schon wieder!
    So wie auch die 1935 Nürnberger Gesetze und die daraus entstandene Katastrophe ein VOLKSVERSAGEN war!

    Ich bezeichne die von der deutschen Bundesregierung am 10. Oktober 2012 beschlossene Gesetzesvorlage zur Legalisierung der medizinisch nicht indizierten Beschneidung an männlichen Kindern als verfassungswidrig; als Aushebelung der Rechtsstaatlichkeit; als Travestie der Rechtsstaatlichkeit; als Missbrauch der Rechtsstaatlichkeit das Verbrechen zu verrechten; als politisches Ausnahmegesetz mit „sexualpathologischem Charakter“, durch das der männlichen Kindesbevölkerung eine Stellung „außerhalb der Menschheit“ zugewiesen wird. Die Bundesbehörde ist der „Gefangene der Kinderverstümmler“ und beugt sich dem von diesen tagtäglich und bundesweit begangenen Verbrechen und deren weiterer Perversität der allemal gesetzwidrigen Forderung zur Legalisierung des Verbrechens.

    http://de.scribd.com/doc/111301513/1935-Nurnberger-Gesetze-2012-Zwangsbeschneidung-Legalisierungs-Gesetz-Expose

    „Die Intelligenz, die Vernunft, der Wert einer Gesellschaft ist einfach daran zu erkennen, wie sie ihre Kinder schützt.“

    Auch das Deutsche Volk hat offensichtlich NICHTS von der Vergangenheit gelernt … stolziert herum wie wenn … aber die verbrecherische Realität der Legalisierung der Zwangsbeschneidung, die Entrechtung der männlichen Kindesbevölkerung, die Degradierung der männlichen Kindesbevölkerung zu Menschen minderen Rechts ist Evidenz seiner Zurechnungsunfähigkeit.
    Wer kann da schon stolz darauf sein.

    Selbstreflektion ist prädominantes Mittel zur Selbstkorrektur.
    Leider ist vom Willen zur Selbstreflektion auch im Deutschen Volk keine Spur (zu erkennen).

    Amen Ronald Oberhollenzer
    Schule der Menschheit
    Globales Symposium für eine Intakte Menschheit
    http://www.intacthumanity.org
    intact.humanity@gmail.com

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  9. A.G. says :

    Reine Formsache wider dem Revisionismus: Die antisemitische Postkarte “Beschneidung” erschien vor genau 100 Jahren im austro-faschistischen “Kikeriki” Verlag (1912) und zwar MIT SCHEREN. http://resources.ushmm.org/inquery/uia_doc.php/photos/1262?hr=null

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    • Harald Stücker says :

      Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe den Text geändert.

      Es sei allerdings der Hinweis gestattet, dass sich diese Karikatur wohl nicht auf die Beschneidung von Kindern bezieht – die für rechtsradikale Judenfeinde nie ein Problem war, sondern von ihnen allenfalls benutzt wurde, um ihre Judenfeindschaft plausibel zu machen. Nein, „Beschneidung“ (die selbst ja schon ein gärtnerischer Euphemismus ist) wird hier als Metapher verwendet für die schleichende Inflation, die mit dieser Karikatur natürlich den Juden in die Schuhe geschoben wird. (Wenn ich das richtig erkenne, „beschneidet“ der Jude auf dieser Karikatur ein Geldstück.)

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    • Fritz Stein says :

      Kleine Nebenbemerkung: Wikipedia sagt dasss das Blatt nationalsozialistisch und damit anti-austrofaschistisch war.

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  10. Bruder Spaghettus says :

    Ich finde es sehr interessant, welche Aspekte des Artikel für die Kommentatoren im Vordergrund stehen.

    Für mich waren das vor allem zwei: Der Umgang mit „falschen Freunden“ und die blockierende Wirkung der politischen Korrektheit.

    Zu letzterem hat sich niemand geäußert. Ich deute das mal so, dass sich alle dieser schädlichen Wirkung bewusst sind und berechtigte Hoffnung besteht, dass alle die, die nicht bereit sind, um politisch korrekt zu sein, mit ihrer Meinung hinter dem Berg zu halten, zukünftig nicht mehr als Nazis, Antisemiten, Rassisten und ähnliches bezeichnet werden, sondern nur noch die, die durch ihre Gesamthaltung wirklich als solche zu erkennen sind.

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    • Harald Stücker says :

      Ein schöner, aber vielleicht frommer Wunsch, Bruder :)

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    • xomhill says :

      Ich bedaure fast, die anderen Kommentare gelesen zu haben, bevor ich jetzt meinen eigenen formuliere. Einerseits. Andererseits sind sie, losgelöst von den Inhalten, schöne Beispiele für das im Artikel kritisierte unfreie Denken.

      Es ist, wie gerade aus Wilsons Arbeit hervorgeht, ein genetisches Merkmal des Menschen, zwanghaft „Gruppe“ denken zu müssen, wenn er sich nicht penibel vorsieht. Wir sind nackte Affen.

      Und so kam es denn auch: Die Frage, ob man Rechter, Linker, Grüner, GBS-Mitglied oder MIZ-Autor sei drängte sich in den Vordergrund, bevor jemand „piep“ sagen konnte. Dabei gibt es Inhalte, über die man reden könnte.

      Ich habe selbst einmal zu einer Beschneidungskarikatur, die jemand (erfolglos) vor den Presserat gezerrt hatte, weil sie ihn an den „Stürmer“ erinnerte, gesagt: Regt euch ab, seht euch andere Karikaturen des Zeichners an. Seht nicht mehr, als zu sehen ist. Vergeblich.

      Am Ende war auch ich als Nazi-Sympathisant überführt, während die Diskussion um das eigentliche Thema ausblieb. Es war wichtiger, wo die Karikatur erschienen war; ob diese Zeitung „mitte“ oder „rechts“ sei und welche Gesinnung man den „Diese-Zeitung-Lesern“ unterstellen muss. Nackte Affen.

      Vielleicht hat mein Lebensweg Besonderheiten, die mich manchmal naiv machen. Zu mehr als einer (Zwangs-)Mitgliedschaft in der betrieblichen Sterbekasse habe ich es nie gebracht. Schon ADAC und Schulförderverein sind mir wegen der absehbaren Wege, die solche Unterfangen nehmen, suspekt. Ich lese einen Artikel, sehe eine Karikatur, höre eine Rede wie ein Besucher von einem fremden Stern, weil ich mich dazu zwinge, und lasse mich gerne „überführen“ nicht zu wissen, was der Urheber in diesem oder jenem Umfeld schon anderes gesagt oder geschrieben haben mag.

      Politische Korrektheit ist Daseinsberechtigung der Grünen (ich darf doch auch mal?) und der Höhepunkt des Gruppendenkens. Von meiner Warte aus: „Rassismus at its best“. Kann man sich bei Religionen noch das geistige Hintertürchen offenhalten, nicht an Gott glauben zu müssen, ist diese Art von Ideologie „alternativlos“. Was sie verkündet ist nicht das interpretierte Wort eines höheren Wesens, sondern unverfälschte Wahrheit, mit im doppelten Wortsinn „nichts dahinter“ – deshalb auch, wie im Artikel herausgearbeitet, moralisch orientierungslos.

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    • mj says :

      „Die blockierende Wirkung der Politischen Korrektheit“ ist eine Formulierung, die es durchaus in sich hat. Ich unterstelle dir jetzt mal nur die besten Absichten und vermute, dass du damit meinst: Man darf Minderheiten nicht nur als „Opfer“ sehen und aus einem „Minderheitenschutzreflex“ auf Kritik am Islam verzichten. Wenn das so ist, meine ich, muss man für die von dir kritisierte Haltung andere Begriffe finden. „Political Correctness“ ist ein Kampfbegriff der US-amerikanischen Konservativen und diente eben immer auch dazu, den Einsatz gegen Diskriminierung an sich zu diskreditieren. Guck dir doch mal an, in welchem Zusammenhang er verwendet wird – am offensichtlichsten ist das wohl bei dem allseits bekannten Blog, dass sich stolz selbst „Politically Incorrect“ nennt. Auch die Ablehnung von Thilo Sarrazins Thesen wurde gerne auf die „politische Korrektheit“ zurückgeführt, was impliziert: „das ist nur künstliche Aufregung und Überempfindlichkeit“. Menschen in Höher- und Minderwertige einzuteilen, bedeutet aber nicht „Klartext reden“ und „Probleme beim Namen nennen“, sondern verdient eben tatsächlich energischen Widerspruch.

      In meinem Artikel sage ich übrigens nicht – das ist ein weiterer von Harald Stückers Strohmännern – wir sollten jetzt mal alle schön politisch korrekt sein. Ich problematisiere die Verwendung des Feindbildes PC, das als Brücke zum Rechtspopulismus dient. Das PC-Bashing hat längst ein beängstigendes Ausmaß an Irrationalität und Hysterie erreicht. Oder wie soll man es sonst nennen, wenn eine Lappalie wie die Änderung von ein paar Wörtern in einem Kinderbuch umgehend mit Nazi-Vergleichen attackiert wird?

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      • Bruder Spaghettus says :

        Es geht mir nicht um den konkreten Begriff, deshalb ist mir auch völlig egal, woher der kommt, sondern um das, was ich dahinter sehe: Verbote, aus politischen, religiösen, weltanschaulichen oder sonst welchen Gründen bestimmte Themen nur in einer Richtung betrachten zu dürfen. Diese nicht rechtlich begründeten Äußerungsverbote, die ihre Begründung lediglich durch eine Mehrheitsmeinung beziehen blockieren, egal auf welchem Gebiet, immer notwendige gesellschaftliche Entwicklung.

        PI geht auch mir auf den Geist. Aber gerade dessen Existenz zeigt doch, wie völlig wirkungslos PC darin ist, solche Erscheinungen zu vermeiden. Es ist sogar zu vermuten, dass diese Korrektheit eher dazu beträgt, sie zu befeuern.

        „Oder wie soll man es sonst nennen, wenn eine Lappalie wie die Änderung von ein paar Wörtern in einem Kinderbuch umgehend mit Nazi-Vergleichen attackiert wird?“

        Völlig in Ordnung, jedenfalls wenn dort nicht die Menschen als Nazis bezeichnet worden, sondern auf Nazimethodik abgestellt wurde.

        Denn erstens ist das keine Lappalie, sondern der Anfang von NeuSprech und zweitens haben die Nazis hervorragend verstanden, über Sprachgebrauch öffentliche Meinung zu steuern. Die Kommunisten allerdings auch, weshalb man die genau so hätten nennen können.

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        • mj says :

          Du kannst nicht einfach die Herkunft und vor allem die Funktion, die ein Begriff im politischen Diskurs hat, ignorieren. Es sind ja unter anderem solche Sprachcodes, die für den fließenden Übergang zwischen PI-Spektrum und säkularer Szene sorgen.

          „Diese nicht rechtlich begründeten Äußerungsverbote, die ihre Begründung lediglich durch eine Mehrheitsmeinung beziehen…“

          Jetzt mal konkret: Was genau ist „verboten“ und inwiefern spiegelt „PC“ die „Mehrheitsmeinung“ wieder? Meiner Meinung nach reproduzierst du hier munter die Lebenslügen der „Anti-PC-Fraktion“ die sich immer gerne „bedroht“ und in der Minderheit sehen möchte und versucht, daraus ihre Rechtfertigung zu beziehen.

          Zur verlogenen Aufregung über die Änderungen in der „Kleinen Hexe“ hat Jörg Sundermeier eigentlich schon fast alles Notwendige gesagt : http://jungle-world.com/artikel/2013/04/46991.html
          Ich bleibe dabei: Nazi- und Taliban-Vergleiche sind in diesem Zusammenhang nicht nur hysterisch und irrational, sondern auch eine Frechheit. Und diese Vergleiche kommen bezeichnenderweise von den Leuten, die ihrerseits ihren Gegnern gerne Hysterie vorwerfen und sich darüber beschweren, „in die rechte Ecke gestellt“ zu werden.

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          • xomhill says :

            So hätten wir es gerne, nicht wahr?

            Das erinnert mich doch stark an einen Sketch von Fry & Laurie: Zwei Duellanten stehen sich im Morgengrauen gegenüber. Man hat die Wahl zwischen Säbeln und Pistolen. Der erste Kontrahent wählt, nach höflicher Diskussion über den Vortritt, schließlich „Säbel“. Darauf hin greift der zweite zur Pistole und schießt …

            Die politische Korrektheit rekurriert in jeder Diskussion schon nach wenigen Sekunden, jedenfalls hier in Deutschland, auf die Nazizeit. Das mag wohlfeil sein, ist aber meist Ausdruck dessen, keine wirklichen Argumente für sein Ansinnen zu haben oder nicht die geistigen Mittel, sie vernünftig zu formulieren.

            Bei der Debatte um Astrid Lindgren wurde sofort in den Raum gestellt, sie habe nicht im Untergrund gegen die Nazis gekämpft und sei deshalb von braunem Gedankengut durchdrungen. Ergo müsse man ihre Bücher säubern. So einfache Gemüter sind mit dem Bauchladen PC unterwegs, aus gebildeteren Kreisen hört man solche unsinnigen Simplifizierungen nicht.

            Der Grundgedanke, man könne durch Sprachregelung Verhaltensänderungen bewirken, ist einfach zu naiv, um wahr zu sein. Viel gravierender ist aber die durchaus faschistoide Art, mit der sie durchgesetzt werden soll. Und das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

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          • Bruder Spaghettus says :

            Islamophobie ist eindeutig ein Begriff der zunächst ähnlich im Iran und konkret von einer englischen fundamentalen Muslimgemeinschaft geschaffen wurde, um Islamkritiker zu diskreditieren. Trotzdem wird er ohne Bedenken vor allem sogar von politisch Korrekten benutzt. Dennoch beurteile ich auch dort den Begriff nicht nach der Herkunft, sondern nach dem Inhalt und lehne ihn deshalb ab.

            Die Funktion eines Begriffes im politischen Diskurs ist schon wichtig. Aber wenn er tatsächlich etwas Reales beschreibt oder zusammenfasst, warum sollte man ihn nicht verwenden und ggf. aneignen? Sonst bliebe nur, sich für die gleiche Sache einen eigenen Begriff zu schaffen oder die Sache, die er beschreibt, aus dem Diskurs zu halten. Ersteres halte ich für verwirrend, zweiteres für gesellschaftsschädlich.

            Du willst wissen, was genau verboten ist? Na, z.B. Begriffe zu verwenden, die nicht vom richtigen Lager stammen, wie politische Korrektheit. :)

            Es ist weiter nicht gestattet Begriffe zu verwenden, die politisch Korrekte als böse, rassistisch, reaktionär oder ähnliches ausgemacht haben. Das ist aber nicht der Kern. Der Kern ist, dass alle, die sich deren Definition nicht anschließen wollen, als Rassisten, Reaktionäre usw. hingestellt werden. Nur, weil sie einen bestimmten Begriff gebrauchen und ohne überhaupt daran zu denken, mal ihr Gesamtverhalten in Betracht zu ziehen.

            Ein Verhalten, das nur schief gehen kann. Es führt immer zu Gegenreaktionen. Bei mir manchmal sogar dazu, dass ich, für den sowohl Neger als auch Zigeuner nie rassisstisch sondern eher romantisch besetzt waren, diese Begriffe besonders gern benutze. Die Grenze ist für mich erst da, wo ich damit jemand persönlich beleidigen könnte. Deshalb würde ich einen Neger nicht persönlich als solchen anreden, weil ich nicht weiß, ob er inzwischen nicht auch schon davon gehört hat, dass der Begriff beleidigend sein soll.
            Mit Zigeunern hatte ich oft und viel Kontakt. Als ich nachgefragt habe, ob Zigeuner beleidigend ist, haben die nur erstaunt geguckt. Für sie, die sich selbst genau so bezeichnen, war das völlig normal. Total albern fanden sie Sinti und Roma und wollten auf keinen Fall so genannt werden.

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            • mj says :

              Den Vergleich der Begriffe „Political Correctness“ und „Islamophobie“ finde ich sehr passend, denn beides sind politische Kampfbegriffe, die der Denunziation des Gegners dienen und eine echte Diskussion in der Regel verhindern. Und in beiden Fällen geht es nicht nur um den Begriff, sondern damit ist meist eine bestimmte Ideologie verknüpft. Im Falle von „Islamophobie“ ist es die Annahme von eindeutigen und unveränderbaren Identitäten, der Glaube, Muslime seien mit ihrem Muslimsein restlos identisch. Mit der Kritik von „Political Correctness“ geht in der Regel ein Weltbild einher, das den „Politisch Korrekten“ uneingeschränkte Macht und Dominanz unterstellt und die Kritiker selbst marginalisiert und zur unterdrückten Minderheit stilisiert, obwohl sie normalerweise ganz klar in der Mehrheit sind. Stammtischparolen können so als „mutiger Tabubruch“ inszeniert werden. Seine deutlichste Ausprägung zeigt dieses Weltbild in Portalen wie PI, aber in abgeschwächter Form ist mir diese Ideologie immer wieder bei Diskussionen im Umfeld der gbs begegnet. DAS ist das eigentliche Problem – nicht die paar Figuren, die ich in dem Artikel erwähnt habe.

              Und so finde ich es auch gnadenlos überzogen, wenn du von „Verboten“ und „Nazimethoden“ sprichst. Natürlich ist ein Begriff wie „Neger“ verpönt, aber bestimmt nicht „verboten“. Ich kann mich erinnern, wie einer meiner Professoren den Begriff mal in einem Seminar verwendet hat, das war bei den Studenten überhaupt kein großes Thema.

              Ich fühle mich ehrlich gesagt auch ein bisschen unwohl, weil es hier jetzt so rüberkommt, als würde ich Partei für die „Sprachhygiene“ ergreifen. Ich glaube nämlich nicht, dass es den Antirassismus groß weiterbringt, wenn man sich an Begriffen abarbeitet. Mit „Negern“ in Kinderbüchern kann ich ganz gut leben. Leute, die endlos debattieren, ob „Behinderter“ noch akzeptabel ist, oder ob man nicht stattdessen „Mensch mit Behinderung“ sagen sollte (nur mal als Beispiel) gehen mir auch auf die Nerven. Aber sie sind eben nur das: nervig. Sie stellen keine „Verbote“ auf, sie sind ganz bestimmt nicht in der Mehrheit und sie sind ganz, ganz sicher nicht „faschistoid“ oder „talibanesk“. Wenn man sich so ein Feindbild aussucht, darf man sich nicht wundern, Beifall von der falschen Seite zu bekommen. Lies dir mal den Jungle-World-Artikel durch, den ich verlinkt habe: Die Änderung des Wortes „wichsen“ interessiert niemanden, während die Streichung des „Negers“ den Leuten scharenweise den Schaum vor den Mund treibt. Macht dich das nicht ein kleines bisschen nachdenklich?

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              • Bruder Spaghettus says :

                Wenn ich mich recht erinnere, ich war zu faul jetzt noch mal alles durchzulesen, habe nicht ich die Nazimethoden eingeführt, sondern nur verteidigt, dass man es durchaus so sehen kann, weil die sehr gut verstanden haben, mit Sprachformung ideologische Muster aufzubauen. Natürlich nicht nur die.

                Natürlich ist kein Begriff wirklich verboten, d.h. mit Strafe bewährt. Ich kann dir aber versichern, dass viele mit riesengroßen Nazikeulen versuchen die tot zu schlagen, die sich nicht an ihre Begriffsskala halten wollen. Sicher wirst du selbst schon solche Beispiele erlebt haben.
                Genau diese Leute, die du nur als nervig empfindest, versuchen kräftig diese Skala nach ihren Meinungen zu verschieben und zeigen dabei Intoleranz höchster Güte nach dem Muster: Wer nicht spricht wie wir, ist böse.

                Ansonsten muss ich sagen, es stört mich echt nicht, wenn Beifall von der falschen Seite kommt, wenn ich nur die Sache, die ich vertrete, für richtig halte. Falls ich diesen Beifall überhaupt registriere, ist er schon ein Anlass, meine Haltung nochmals zu überprüfen. Aber ganz gewiss keiner, sie deshalb zwingend zu ändern.

                Ansonsten denke ich, wie schon öfter wenn wir mal tiefer in die Diskussion gegangen sind, zeigt sich, in den meisten Positionen sind wir gar nicht so weit auseinander.

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              • Harald Stücker says :

                Was mich an dem von Ihnen erwähnten Artikel und an Ihrer Haltung zur Aktion „Saubere Kinderbücher“ stört, habe ich an anderer Stelle schon länger ausgeführt. Es sind dies vor allem der arrogante Paternalismus den Kindern und die Geringschätzung der Kinderliteratur gegenüber. Ein Buch ist ein zeitgeschichtliches Dokument. Da schmiert man nachträglich nicht drin rum, es sei denn, die Sprache wird nicht mehr verstanden. In diesem Fall ist eine Überarbeitung wie eine Übersetzung zu sehen. Wer aus Nostalgie seinen Kindern unbedingt historische Kinderbücher vorlesen muss, soll ihnen gefälligst die Welt und die Sprache von damals erklären. Früher sagte man „Neger“, heute gilt es für viele als beleidigend. Kinder können so etwas lernen. Sie müssen so etwas sogar lernen, das gehört zur notwendigen sozialen Kompetenz.

                Sie fragen nach dem Unterschied zwischen dem Aufregungsgrad über „Schuhe wichsen“ und über „Neger“. Er liegt auf der Hand: Nur „Neger“ wird aus Gründen der politischen Korrektheit entfernt. Denn „Neger“ wird immer noch verstanden. Wenn „Schuhe wichsen“ gegen „Schuhe putzen“ ausgetauscht wird, ist das eine Reaktion auf den Sprachwandel. Das entspricht einer Anpassung des Simplicissimus, dessen ursprüngliche Fassung sich heute tatsächlich wie ein fremdsprachlicher Text liest.

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                • mj says :

                  Na ja, diese Unterscheidung der Ausdrücke „Neger“ und „Schuhe wichsen“ ist doch arg haarspalterisch. Veraltet und ungebräuchlich sind sie beide. Ich verstehe beide problemlos, ob ein sechsjähriges Kind jetzt den einen weniger versteht als den anderen – darüber möchte ich mir kein Urteil erlauben. Aber Sie schreiben ja schon, dass es Ihnen vor allem auf die Motivation hinter der Änderung ankommt, und das ist sicher bei allen Kritikern so. Dann sollte man aber nicht so tun, als ginge es um die „Rettung des Weltkulturerbes“, denn das wäre von jeder Änderung betroffen, ganz egal, wie sie denn motiviert ist – vom Streichen des Wortes „Wichsen“ bis zur Neuübersetzung des „Herrn der Ringe“, wo sicher tausende Stellen geändert wurden, ohne dass das außerhalb der Tolkien-Fangemeinde große Wellen geschlagen hätte.

                  Die Aufregung über die Streichung des „N-Wortes“ ist deshalb so groß, weil sich so viele auf die „Political Correctness“ als Feindbild eingeschossen haben – und das sollte man durchaus mal hinterfragen. Um auf den Anfang Ihres Textes zurückzukommen: Eine skeptisch-säkulare Bewegung sollte den Glauben, man könnte durch Sprachsäuberung das Bewusstsein der Menschen ändern, genauso als irrational kritisieren wie die paranoide Vorstellung, überambitionierte „Antirassisten“ seien die Vorhut der nächsten Diktatur.

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                  • user unknown says :

                    Ich weiß nicht ob „Schuhe wichsen“ ein so günstiges Beispiel ist. Manchem mag der Begriff peinlich sein, so dass er dankbar ist, wenn er seinen Kindern diesen nicht erklären muss. Andere werden darin einen Sonderfall sehen, wo sie demonstrieren können, dass sie keine Spießer sind.

                    Man bräuchte etwas unverfänglich veraltetes wie „Oheim“ um zu prüfen, ob veraltete Begriffe überarbeitet werden dürfen, wenn das Wort nicht als Lackmustest dient, ob wir immer noch Rassisten sind, ob immer noch verklemmte Spießer.

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            • Harald Stücker says :

              Zur Geschichte des Wortes „Zigeuner“ ist der folgende Ausschnitt aus dem alten Text von Dieter E. Zimmer sehr aufschlussreich (aus der Zeit vom 23.2.1996, Leuchtbojen auf einem Ozean der Gutwilligkeit):

              Während politische Korrektheit im Fall Afroamerikaner ausnahmsweise einmal einen begrüßenswerten Zuwachs an sprachlicher Genauigkeit brachte, hat die Tabuisierung des Wortes Zigeuner die betreffende Bevölkerungsgruppe praktisch der Nennbarkeit entzogen, zumindest im Singular. Seit 1979 bestehen einige ihrer Vertreter – nur in Deutschland – darauf, Zigeuner müsse durch „Roma und Sinti“ ersetzt werden. Ein einzelner aber kann nicht „Roma und Sinti“ sein, nur oder. Wie aber soll ein Außenstehender wissen, ob er es mit einem aus der Gruppe der (seit Generationen in Deutschland ansässigen) Sinti oder mit einem aus der Gruppe der (meist in diesem Jahrhundert aus dem Balkan zugewanderten) Roma zu tun hat? Zudem weiß fast niemand, ob die beiden Namen Plural oder Singular sind, also ob man „ein Sinti“ überhaupt sagen kann. (Man kann es nicht, es heißt „ein Sinto“ und „ein Rom“.) Und sind es auch Feminina? (Sie sind es nicht; die weiblichen Formen lauten „Romni“ und „Sintiza“.) Schließlich fühlen sich andere Gruppen desselben Volkes, die weder Roma noch Sinti sind, von der scheinkorrekten Bezeichnung ausgegrenzt – und die Furcht vor bewußten oder unbewußten Ausgrenzungen ist doch gerade eine der Triebkräfte hinter der politisch korrekten Sprachrevision.

              Was aber sprach denn gegen Zigeuner? Angeblich, daß das Wort „jahrhundertelang zur Stigmatisierung gebraucht wurde“. Nur zu wahr, daß die, die früher Zigeuner hießen, jahrhundertelang mißachtet und dann in Deutschland nicht nur stigmatisiert, sondern in unbekannt großer Zahl ermordet wurden. Aber das Wort als solches war nicht pejorativ. Es bedeutet keinesfalls „Ziehgauner“ und wurde auch nicht so verstanden. Die Volksetymologien, die das Grimmsche Wörterbuch verzeichnet, besagen alle nur soviel wie „Zieh einher“.

              Auch sie sind natürlich falsch. Secanen nannten sich selber die Nachkommen jener nordwestindischen Volksgruppe, die, seit sechshundert Jahren auf der Flucht, um 1500 in Mitteleuropa eintrafen. Andere bezeichneten sie irrtümlich als Egypter – ein Name, der schließlich das englische gypsy, das spanische gitano, das französische itan hergab. Den Namen Secanen hatten sie vom Balkan mitgebracht. Das gleiche Wort („tsigan“) bürgerte sich in vielen osteuropäischen Sprachen ein, aber auch im Französischen (tzigane) und im Portugiesischen (cigano). Jedesmal paßte es sich dabei den Laut- und Schreibregeln der Landessprache an; im Deutschen ergab es Zigeuner. Woher „tsigan“ stammte und was es bedeutete, ist unbekannt. Die gängigste Erklärung leitet es aus dem byzantinischen Griechisch ab: ath’inganoi oder dann ts’inganoi wurden die unberührbaren Anhänger einer phrygischen Ketzersekte genannt, und vermutlich wurde das Wort von ihr auf die rätselhaften Islam-Flüchtlinge aus Kleinasien übertragen. Es war jedenfalls kein Schmähwort. Seine Abschaffung macht frühere Schmähungen nicht ungeschehen und verhindert keine für die Zukunft.

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  11. Diehl says :

    Neben „falschen Freunden“ gibt es auch „falsch etikettierte Freunde“, d.h. Freunde, die zwar im selben politischen Lager stehen, aber wegen der ihnen mangelnden political correctness dem falschen Lager zugeordnet werden. Ich selbst habe keinerlei Berührungsängste mit politisch extremen, nicht einmal mit Rechtsextremen, auch wenn mein Bedarf an Kontakten dorthin und Infos von dort recht überschaubar ist.

    Bezüglich Islamkritik konnte ich feststellen, dass die politisch Rechten an inhaltlicher Kritik am Islam garnicht interessiert sind, im Gegenteil! Die betrachten den Islam als einen Verbündeten gegen das „Welt-Judentum“. Die eigentlichen Islamkritiker sind zwar oft konservativ, oft auch religiös, aber eben nicht unbedingt rechts. Ausserdem oft erstaunlich gut informiert, im Gegensatz zu den Islamapologeten (zumindest den nicht-islamischen). Bei Linken/Liberalen/Säkularen gibt es Islamkritik auch, aber fast nur im kleinsten Kreis, ganz selten in der Öffentlichkeit.

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  12. Holger says :

    Ein kurzer Hinweis zu Frau Paul: mittlerweile hat sie sicher den Bogen in Sachen Biologismus überspannt – man schaue sich auf psiram.com dazu einmal um – sie versucht, über die Ernährung alle möglichen Erkrankungen zu „erklären“ und zu „heilen“ (durch die „richtige“ Ernährung) – wobei man natürlich dazu sagen muss, dass einiges beim Menschen tatsächlich evolutionär vorgegeben ist, er aber allgemein sehr breit aufgestellt ist (was eines „seiner“ Erfolgsgeheimnisse ist).

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    • mj says :

      Als „biologistisch“ würde ich Frau Pauls Ernährungsthesen jetzt nicht bezeichnen, denn wie sollte man die Frage nach einer gesunden Ernährung anders betrachten als biologisch? Aber „biologisch“ bedeutet eben nicht zwangsläufig „evolutionsbiologisch“. Hier zeigt sich eine Überhöhung der Evolutionstheorie, der universelle welterklärende Allmacht zugetraut wird. Dafür sind gbs-Anhänger offenbar äußerst anfällig, wieso viele den „PaläoPower“-Zirkus auch nicht hinterfragen und sämtliche wissenschaftlichen Argumente abprallen lassen.

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  13. Ingo Bading says :

    Vielen Dank für Ihren sehr wertvollen Artikel. Auf den ja erfreulicherweise neuerdings auch durch den „Humanistischen Pressedienst“ verwiesen wird. Auch ich habe heute zu Malte Jessl’s Artikel Stellung genommen, nachdem mir ja das längste Zitat darin eingeräumt wurde.

    Dabei habe ich zu Remigius Geiser womöglich wohl noch einen etwas differenzierteren Standpunkt eingenommen als Sie. Allerdings habe ich auch selbst noch kein abschließendes Urteil. Geiser’s Text ist ja sehr lang.

    http://studgenpol.blogspot.de/2013/06/sakularer-humanismus-kleinkarriert-und.html

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  14. Ingo Bading says :

    Ich sehe grade, daß hier auch Malte Jessl selbst mitdiskutiert. Vielleicht kann er mir ja mal an dieser Stelle oder auf meinem Blog sagen, worin er meine „geistige Verwirrung“ zu erkennen glaubt. Und was er zum Thema Gruppenselektion zu sagen hat, das die Grundlage bildet des größten Teil des von mir Zitierten.

    Daß der Begriff „völkisch“ von manchen nur als rotes Tuch wahrgenommen wird und werden kann, auch wenn er in Verbindung mit dem Begriff „Humanismus“ verwendet wird, habe ich verstanden. Geschenkt.

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