Weg mit der „Jungfrau“

Die Sexismus-Debatte hat einen zentralen Aspekt vernachlässigt, nämlich den der religiös motivierten Frauenverachtung. Im Zentrum dieser systematischen Diskriminierung von Frauen liegt das Konzept der „Jungfrau“. Es ist ein Konzept der Unterdrückung, der Scham und des Hasses. Wir sollten es ersatzlos streichen.

Virgina

Vagina, Virgina!

Der Begriff der „Jungfrau“ ist eine mächtige Waffe im Kampf gegen die weibliche Sexualität, damit gegen alle Frauen, und damit auch gegen alle Männer. Das Ideal der Jungfrau ist repressiv und brutal. Es ist ein Jahrtausende altes religiöses Ideal. Es lässt sich zwar evolutionsbiologisch erklären und verstehen, aber das gilt auch für Mord und Vergewaltigung. Wenn die „Jungfrau“ rein ist, dann ist Sex unrein. Der Wert der „Jungfrau“ entwertet den Sex und damit das Leben selbst, vor allem aber die Frauen, die Sex und Lebenslust genießen.

Die katholische Verklärung der Jungfrauengeburt ohne Sex als Idealform der Fortpflanzung ist eine Verunglimpfung des normalen weiblichen Lebens. Wenn die Empfängnis ohne Sex das unerreichbare Ideal der Reinheit ist, dann ist jede irdische, sexuelle Empfängnis moralisch minderwertig. Die religiöse Hierarchie der Möglichkeiten sexuellen Verhaltens (einschließlich einer Unmöglichkeit) sieht folgendermaßen aus:

  1. rein geistliche Empfängnis, ohne Sex (möglich nur im Mythos)
  2. rein geistliches Leben ohne Sex, dafür aber auch ohne Empfängnis
  3. minimaler Sex, nur zum Zweck der Zeugung
  4. Sex zum Zweck der Zeugung, mit der zusätzlichen Motivation, Lust zu erzeugen oder gar zu maximieren, mit angemessenen Scham- und Schuldgefühlen
  5. Sex zum Zweck der Zeugung, mit der zusätzlichen Motivation, Lust zu erzeugen oder gar zu maximieren, ohne Scham und Schuld
  6. Sex mit dem primären Zweck, Lust zu maximieren, ohne Verhütung (Zeugung nicht ausgeschlossen)
  7. Sex mit dem primären Zweck, Lust zu maximieren, mit Verhütung (Zeugung unerwünscht)
  8. Sex, der gar nicht auf Zeugung abzielen kann, der nicht mal verhüten muss (Homosexualität)

sex-and-god-darrel-rayIm religiösen Verständnis ist dies eine Treppe, die vom Himmel direkt in die Hölle führt. Jede Stufe, die wir uns mit unserem sexuellen Verhalten vom Ideal der „jungfräulichen“ Empfängnis entfernen, bedeutet eine schwerere Sünde. Dabei gibt es das Ideal der Stufe 1 nur im Mythos. Stufen 2 und 3 versuchen, ihm so nah wie möglich zu kommen. Sehr viele religiöse Menschen, insbesondere Frauen, empfinden sich als ungenügend, als „sündig“. Sie halten ihre Sexualität für ein Unglück, für einen Grund zur Scham. Darrel Ray beschreibt in seinem Buch Sex and God den Unterschied zwischen Schuld und Scham:

Scham ist eine tiefere Emotion. Sie umfasst die gesamte Identität einer Person und das Urteil anderer Menschen. Es ist die Idee, dass ein bestimmtes Verhalten aus Ihnen eine schlechte, beschädigte oder moralisch kranke Person macht. (S. 62, meine Übersetzung)

Viele denken vielleicht, dass dies alles hinter uns liegt, dass dies ein Kampf ist, den unsere Vorfahren schon für uns gewonnen haben. Aber das ist leider Wunschdenken. Dieser Kampf ist so lange nicht gewonnen, so lange wir den Religionen zugestehen, ihre Werte als für uns alle geltende Werte zu formulieren und zu verbreiten.

In den USA wie in der Türkei kippen religiöse männliche Abgeordnete vor Entsetzen in Ohnmacht, wenn eine Frau das Wort „Vagina“ ausspricht. Gerade erst haben alle Journalisten ihre Mikrofone mit devoter Spannung einem Sprecher der Bischofskonferenz hingehalten, in Erwartung einer moralischen Sensation: Ist Verhütung in Ausnahmefällen jetzt vielleicht doch erlaubt? Man mag dieses öffentliche Interesse an den Verlautbarungen alter asexueller Männer als morbides Interesse abtun. Tatsächlich kümmert sich kaum jemand wirklich darum.

Keuschheitsbewegungen wie „Wahre Liebe wartet“ haben Zulauf. Manche sehen darin eine positive Entwicklung, da sie glauben, dass Keuschheitsgelübde ungewollte Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten verhindern helfen. Leider ist das Gegenteil der Fall. Denn es ist wohl unmöglich, Sex bewusst und umsichtig vorzubereiten und Verhütungsmaßnahmen zu treffen, wenn man sich gleichzeitig geschworen hat, keinen Sex zu haben. Wenn „es“ dann doch passiert, war es der Alkohol oder der Teufel.

Im Gespräch mit Richard Dawkins erläutert Darrel Ray, dass sich das Sexualverhalten zwischen religiösen und ungläubigen Menschen im Wesentlichen nur in einem Aspekt unterscheidet: den Gefühlen von Schuld und Scham, die es begleiten [ab Min. 3:10]:

Mit dem Erstarken extrem reaktionärer Versionen von Religion sind all die überwunden geglaubten Probleme wieder auferstanden. Jetzt stehen wir Phänomenen gegenüber wie weibliche Genitalverstümmelung, Hymenrekonstruktion und Ehrenmord. Und ohne eine klare moralische Positionierung stehen wir ihnen hilflos gegenüber. Alle basieren auf dem Mythos der „Jungfrau“:

  • Mädchen werden verstümmelt, damit sie von sich aus nicht auf die Idee kommen, Sex zu haben.
  • Frauen lassen sich ihr Hymen rekonstruieren, um vor ihrem neuen Ehemann und ihrer Familie als unberührt zu gelten.
  • Schwestern und Töchter werden von ihrer eigenen Familie getötet, weil sie keine „Jungfrauen“ mehr, sondern Frauen sind, die selbst entscheiden wollen.

Die Hymenrekonstruktion ist sicher in jedem Einzelfall nachvollziehbar. Jede einzelne Frau ist zu schwach, um einen Kampf gegen ihre frauenverachtende Kultur zu führen. Aber gleichzeitig bekräftigt und stärkt jede einzelne chirurgische Wiederherstellung eines Jungfernhäutchens die Kulturen der Genitalverstümmelung und des „Ehrenmords“.

Ehrenmord“ ist ein widerwärtiger Euphemismus. Er konnotiert ein ehrenwertes Motiv. Ein „Ehrenmord“ ist kein gewöhnliches Familiendrama mit tragischem Ausgang, ein „Ehrenmord“ ist vorsätzlicher, oft kaltblütiger Mord. Ein „Ehrenmord“ ist ein Angriff auf unsere Werte, auf Menschenrechte, auf Gleichberechtigung, auf Individualismus, auf die Lust am Leben, auf den Wert des Lebens selbst.

Es wird Zeit, dass der Begriff der „Jungfrau“ mit seiner Konnotation der Reinheit stirbt. Wir sollten ihn öffentlich hinrichten. „Jungfrau“ ist ein gutes Beispiel für einen Begriff, der sterben muss, damit Menschen in Frieden und freier Selbstbestimmung leben können. Schicken wir die „Jungfrau“ auf den Müllhaufen der Sprachgeschichte. Dort, neben dem „Fräulein“, dem „Jus primae Noctis“ und dem „Kranzgeld“ ist noch viel Platz.

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Harald Stücker

49 responses to “Weg mit der „Jungfrau“”

  1. Florian says :

    Ich kannte die Skulptur oben nicht – gibts dazu auch ne erklärende Bildunterschrift?

    Das Wort „Jungfrau“ zu entsorgen halte ich für überflüssig. Es hat ja durchaus eine biologische Bedeutung. Die Konnotationen müssen sich eben wandeln.

    Das trifft aber auf so viele Gedankenkonstrukte zu, die die eine oder andere Religion in unserer Welt verankert hat.

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    • Harald Stücker says :

      Leider habe ich auch keine genaueren Angaben zu der Abbildung.

      Die Bedeutung von „Jungfrau“ ist ausschließlich gesellschaftlich, nicht biologisch. Die Veränderung, die eine Frau bei ihrem ersten Geschlechtsverkehr durchmacht, ist rein psychologisch und sozial. Ich verstehe nicht, was die biologische Bedeutung von „Jungfrau“ sein könnte. Die biologisch einschneidende Veränderung im Leben einer Frau ist das Einsetzen der Periode. Ab jetzt „erwartet“ der Körper Sperma. Aber gesellschaftlich gilt sie dann immer noch – oder gerade erst ab dann – als Jungfrau.

      Welche biologische Veränderung tritt ein, wenn tatsächlich Sperma in den Körper fließt? Sie muss ja nicht gleich schwanger werden. Das wäre die zweite große biologische Veränderung. Außerdem, käme es auf den Spermafluss an, würden Kondome die Jungfräulichkeit bewahren. So wird der Begriff aber nirgendwo verwendet.

      Vielleicht meinst Du aber mit biologischer Bedeutung das Vorhandensein des Hymens? Das Hymen ist vielleicht das einzige körperliche Gewebe, das eine größere soziale als biologische Bedeutung hat. Die Entjungferung, die Defloration, ist ein Mythos. Schweden schaffte daher 2009 den Begriff „Jungfernhäutchen“ ab. Na also!

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  2. Stefan Dietrich says :

    Der letzte Absatz ist das beste, was ich diesen Monat gelesen habe… mit Abstand!

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  3. Manfred says :

    Mich kotzt (sorry!) schon die Bezeichnung „unbefleckte“ (!) Empfängnis an.

    Andererseits würde ich gerne mal all die Islamisten fragen was eigentlich mit all den Jungfrauen nach „Gebrauch“ passiert, die ihnen nach ihrer Meinung nach dem Martyrertod so zustehen.
    Werden die dann entsorgt ?

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    • Harald Stücker says :

      Zur „unbefleckten Empfängnis“ gibt es übrigens ein gängiges Missverständnis. Alle an katholischer Theologie, Dogmatik und Virginistik Interessierte werden es wissen, allen anderen dürfte es ziemlich egal sein. (Ist aber vielleicht gut zu wissen bei Trivial Pursuit):
      Als „unbefleckt“ gilt die Empfängnis Mariae (Mariens, Marias), nicht die Empfängnis Jesu. Diese war zwar unbefleckt von gewöhnlichem Sperma, Marias Empfängnis aber soll unbefleckt von der Erbsünde gewesen sein. Demnach kann es durchaus sein, dass Maria mit wildem hemmungslosen Sex, tollen Orgasmen und vielen Sperma- und Vaginalsaftflecken auf den Laken gezeugt wurde. Aber eben ohne Erbsünde.

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      • Koon says :

        Wenn Maria bei ihrer Orgie unbefleckt, also frei von einer Erbsünde war (was auch immer das sein mag), so heißt das doch, dass auserehelicher Verkehr mit anschließender Schwangerschaft vor dem eigentlichen Ehemann, in diesem Fall ja wohl „Josef“, durchaus nicht anstößig wäre – oder doch? Ich bin in Sachen religiöser Logik nicht so ganz auf der Höhe, aber war das, was Maria und Josef damals abgezogen haben nicht so etwas wie die Spielart, die man heutzutage als Cuckold bezeichnet? Somit könnte man Jesus dann möglicherweise als Bastard bezeichnen – oder sehe ich das ganz falsch?

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  4. Stefan Schritt says :

    Die Keuschheitsbewegungen vermitteln ein unnatürliches Weltbild, indem sie die Formalität Ehe moralisch über die biologische Notwendigkeit der Fortpflanzung stellen. In Verbindung mit den eingepflanzten Schuld- und Schamgefühlen geht das in die gleiche Richtung wie Sektentum und Gehirnwäsche.

    @Manfred: der amerikanische Comedian und Bauchredner Jeff Dunham lies seine Puppe Walter einmal sinngemäß sagen: „72 Jungfrauen wären die Hölle. Warum nicht 72 Verdorbene, die auch wissen, was sie tun !“

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  5. tine says :

    Wilde, hemmungslose Zustimmung.

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  6. Nic says :

    Hallo Harald,
    ein toller Artikel wieder!

    Sag, kann ich den bei mir übernehmen?

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  7. Nele Abels says :

    Das ist ein sehr guter Artikel. Danke schön!

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  8. Schorscherl says :

    Für mich hat das Jungferntum in vergangenen – verhütungsmittelfreien – Zeiten nur einen Sinn: wenn ein Mann eine Frau heiratete, konnte er nur sicher sein, der Vater der von ihr geborenen Kinder zu sein, wenn sie ein unbeschädigtes Hymen hatte. Sonst hätte ja noch ein Nebenbuhler in den Nächten vorher zeugen können. Heut zu tage sollte so etwas aber einfach vergessen werden…. zumal ein Samenerguss auf die Scheide auch bei unbeschädigten Hymen zur Schwangerschaft führen kan…

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    • Enrice says :

      Nochmal (siehe oben): wenn sich die weibliche Physiologie in den letzten Jahrhunderten nicht massiv verändert hat, dann konnte er eben nicht sicher sein, das Erkennen vorehelichen Geschlechtsverkehrs am Zustand des Hymens ist ein Mythos!

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    • Inge says :

      Es war immer schon Unfug – das Häutchen wuchs ja auch früher nicht nach nach jeder Geburt wieder zusammen, die „erste Nacht“ führte ja auch damals nicht zur garantierten Schwangerschaft etc. „Sicher sein“ ging auch früher nur durch Einsperren, physisch und psychisch. Dahinter (und hinter vielen Diskussionen bis heute) stehen Unsicherheiten und Ängste zum Thema Sex/Geburt/Leben/Sterben – emotionale Herausforderungen, die Kontrollwünsche wecken. Erfreulicherweise sind sich ja inzwischen viele (endlich) darüber einig, dass Macht und Kontrolle nicht der Weg zum Umgang damit ist, uns nichts nützt.

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  9. Hubert Popp says :

    Kleiner Nachtrag zum Tag der Frau in dieser ,Welt :::

    Wir Männer können uns wenden wie wir wollen , es bleibt die fortschrittliche Erkenntnis und das im Gegensatz zum fiktiven Schöpfungsbericht aus der Genesis ::: Die Frau war die Erste in dieser Welt des menschlichen Lebens , denn bis zum 2. Lebensmonat im Schöpfungsgemach der Mutter ist jeder heranwachsende Mensch ein Mädchen , erst dann beginnt das fast vergessene Hormon Testosteron zu wirken und macht so aus den “ XY „- Mädchen , Jungen ! Hierbei sollten wir aber auch nicht die Gruppe transgender Mitmenschen vergessen , die es ja ein wenig schwerer haben in unserer Welt zu leben ! Was nun allen Menschen wieder gemein ist , ist die Tatsache , daß jeder Mensch ein Christ ,also ein Gesalbter ist , ob er es nun will oder nicht , denn schon beim Verlassen des mütterlichen Leibes wird jeder junge Mensch durch den Geburtsbalsam gesalbt um der Regel nach schmerzlos in diese unsere Welt zu gleiten ! Was gibt es Größeres und Wertvolleres als diese gottgewollte Salbung die uns alle zu Gesalbten , zu Christen werden läßt ! Dieses natürliche und gottgewollte Christentum durch die mütterliche Salbung , ist durch noch so wohlgeformte theologische Spitzfindigkeiten nicht mehr zu überbieten ! Machen wir Christen , ob nun Prostestanten , Katholiken , Buddhisten , Hinduisten , Atheisten , Moslems ..usw .. das Beste daraus … und denken wir immer daran ::: Die Frau …. und nicht der Mann ist somit wider vieler biblischer Aussagen die “ Rechte Hand Gottes “ ………

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  10. Roman Schrittwieser says :

    Mit der sogenannten natürlichen Scham hängt ja auch das Verbot der Nacktheit zusammen. Als überzeugter Naturist finde ich jede unnötige Verhüllung des menschlichen Körpers schon an sich widerllich.

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  11. dea says :

    sehr guter Artikel, aber ob die Abschaffung des Wortes viel am Denken ändern würde, ist auch hier die Fragen – genau wie bei den anderen Worten, die man lieber nicht mehr hört – zumindest bringt es zum Nachdenken.
    Die jungfräuliche Geburt war für mich schon früh ein Beweis dafür, wie gut gerade Christen sich in die Tasche lügen können und wie sehr sie den fadenscheinigsten Ausreden Glauben schenken können – nur weil Maria einen Fehltritt begangen hat – mit jemandem namens Gott, aber außerehelicher Verkehr hat ja dann doch irgendwie stattgefunden, oder?

    ich sah letztens einen auf die Spitze getriebener Ausspruch, der von „satanischen“ Aufreissern benutzt werden könnte:
    „Tu alles, damit du nicht als Jungfrau stirbst – denn sonst erwarten dich da oben nur Terroristen!“
    Was kriegen eigentlich weibliche Selbstmordattentäter angeboten? Kostenlose Kinderversorgung? Schuhe?

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    • Harald Stücker says :

      Ich merke inzwischen an einigen Reaktionen, dass ich mich leider offenbar unklar ausgedrückt habe. Es geht nicht darum, das Wort „Jungfrau“ zu verbieten oder ähnliches, das wäre ja ähnlich lächerlich wie die PC-„Neger“-Diskussion.

      Es geht darum, das Konzept anzugreifen – und, ja, letzten Endes abzuschaffen – dass Frauen durch vaginalen Kontakt mit einem Penis ihr Wesen und ihren Wert verändern. Als gehörten sie auf einmal einer anderen Kategorie Mensch an. Als würden sie damit auf einmal wertlos, wie eine abgerissene Kinokarte.

      Die Abschaffung des Wortes ändert sicher nichts am Denken. Aber wenn überhaupt etwas das Denken ändert, dann wohl die Thematisierung und Diskussion des Konzepts und des ihm zugrundeliegenden Menschenbilds.

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  12. Darrel Ray says :

    Glad you found Sex and God informative. I think you are correct in asserting that the very idea of virginity is oppressive and is certainly a social construct, not a biological concept.
    Dr. Darrel Ray, author of Sex and God

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    • Harald Stücker says :

      Dear Darrel, I am very glad you found this post (and lucky that you obviously read German). Thank you for your comment.

      Some time ago I have found a funny meme that states something like this: „Virginity is the ludicrous idea that your penis is so awesome that it can change the very essence of a woman.“

      Your book has been greatly inspirational to me. Keep up the good work!

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      • Darrel Ray says :

        Harald: Unfortunately, I don’t read German, but Google does and the translation was adequate for me to understand your excellent argument. I would like to find a German publisher interested in the translation rights for Sex and God or for my earlier book, The God Virus. If you have any recommendations or contacts, I would appreciate your good word.
        Thanks,
        Darrel

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  13. Benjamin says :

    Hello Harald. First of all, my German understanding is far from being perfect (I’m French). However, what I understand is that your vision of Sex in the Catholic religion dates back to the XXth century. Not so long ago, but believe me or not, things have evolved since! I recommend you a reading of Benedict XVI’s encyclical DEUS CARITAS EST which deals very explicitly with the place of Sex in a Christian life. As you will read, if you take the time to, we are very far from the obscure vision only linked to reproduction that you present in your article.

    Best regards (from India).
    Benjamin

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    • Harald Stücker says :

      Merci, Benjamin, for your comment. Yes, I know that the pope had written about things he cannot possibly understand as a vowed asexual. But this is completely besides the point I am making. Even if recreational sex may suddenly have a place in catholic ideology, this place would still be only within marriage. It is an intrinsic part of the dehumanizing concept of virginity that women are supposed to lose it within marriage. Guilt and shame for sex outside of marriage remains, especially for virgins.

      And by the way, recreational sex within marriage (my step 6 above) is still far from intently non-reproductive sex (my step 7). And, let’s face it: there are times in every life, where recreational fun sex depends very much on the use of contraceptives.

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  14. Esmeralda says :

    In diesem Zusammenhang empfehle ich immer wieder gern die Lektüre des Buchs „Eunuchen für das Himmelreich“ von Uta Ranke-Heinemann; dort ist die Wurzel der Sexual- und Körperfeindlichkeit vor allem der katholischen Kirche sehr gründlich erklärt.

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  15. Raphaela Langenberg says :

    Wieder ein sehr guter Artikel! Werde ihn gleich teilen…

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  16. Brigitte Schilling says :

    Nun, tatsächlich war ja die „Jungfrau“ bzw. „Jungfer“ das Gegenstück zum Junggesellen, also eine unverheiratete weibliche Person……..
    Natürlich kann und konnte die Kirche nicht zu lassen, daß Jesus „unehelich“ geboren wurde ;)

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    • Harald Stücker says :

      „Junggeselle“ bezeichnet allein den Familienstand und trägt keine moralische Konnotation.

      Wenn eine Jungfrau einfach nur eine unverheiratete Frau wäre, hätten wir kein Problem. Dann wäre es wie beim Junggesellen völlig entspannt. Der Junggeselle kann heiraten oder nicht, sein Sexleben ist davon völlig unberührt.

      Außerdem zeigt uns bereits ein kurzer semantischer Ersetzungstest, dass „Jungfrau“ nicht das Pendant zu „Junggeselle“ ist: „Ich hoffe, Du bist noch Junggeselle!“, „Ich möchte als Junggeselle in die Ehe gehen.“, „Ich heirate nur einen Junggesellen.“, „Wenn Du kein Junggeselle mehr bist, bring ich Dich um.“ Absurde Sätze, die auf wundersame und perverse Weise einen Sinn erhalten, wenn wir „Junggeselle“ durch „Jungfrau“ ersetzen.

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      • Brigitte Schilling says :

        deshalb schrieb ich „WAR“ und nicht ist

        Wenn Du ein Wort oft genug in einer „verdrehten“ Bedeutung benutzt, nimmt es diese irgendwann an

        So ähnlich wie eine Lüge, die oft genug wiederholt, zur „Wahrheit“ wird

        „Richtig“ lesen hilft manchmal ;-)

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  17. HAL9000 says :

    Guter Artikel!

    Leider ist die Diskriminierung von Frauen in der Gesellschaft tief verankert. Oft wundere ich mich, dass sich so wenige (auch Männer) dagegen wehren.
    Beispiel: Fast alle Frauen träumen von einer Hochzeit im weißen Kleid, statt sich dem Jungfrauenwahn zu widersetzen.

    Andere Beispiele zur Diskriminierung: In Bayern wird bei Eltern neu geborener Mädchen ein Schild mit der Aufschrift „Büchsenmacherei“ an Haus oder Gartenzaun gehängt und mit jeder Menge leerer Dosen dekoriert. Ich wundere mich immer sehr, dass das die Väter lustig finden und bei den Müttern ist es mir völlig unverständlich.
    Auch die in Bayern traditionelle Brautentführung während einer Hochzeitsfeier ist im Grunde diskriminierend.

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  18. dea says :

    Vielleicht interessanter Link zum Thema:

    http://www.virginitymovie.com/about/
    About the film: The US government has spent 1.5 billion dollars promoting it. It has fetched tens of thousands of dollars at auction. And 50 years after the sexual revolution, it continues to define a young woman’s morality and self-worth. Using her own path out of ‚virginity‘ to guide the narrative, filmmaker Therese Shechter creates a far-reaching and very personal dialogue with women along the sexuality spectrum, revealing the myths and misconceptions behind this so-called precious gift.

    Interessant finde ich vor allem die Berichte über Jüngfräulichkeits-Auktionen.

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  19. Inge says :

    Seufz – bei dem Thema haben wir immer die privilegierte Chance, uns lächerlich zu machen – aber was soll’s, hinein ins Vergnügen: Ich stimme Ihnen zu – aber der Artikel reicht nicht.
    Der Begriff Jungfrau gehört gestrichen – absolut. Er beleidigt nämlich JEDE Frau, nicht nur die (hetero-)sexuell aktive. Trotzdem, bzw. genau darin greift der Artikel zu kurz. Wie Frauen sich zu Sex verhalten, wann, wo, wie etc., gehört generell dieser Art Wertung entzogen, das Thema anzugehen, ohne allgemein patriarchale Strukturen zu sehen, nützt nichts, es ersetzt eine Form „richtigen“ Verhaltens durch eine andere, und egal, was die Frau dann will oder tut, sie kann es nicht in Freiheit tun, weil die (männliche) Bewertung ihres Verhaltens immer dominiert. Die Kirche ist nur ein Teil davon. Die Beleidigung liegt in der Bewertung an sich. Kurzfassung: Die Wahl zwischen „schmutzig“ (weil Sex genossen, kirchliche Wertung) und „verklemmt“ (weil Frechheit besessen, Nö zu sagen oder Pornos nicht für befreiend zu halten) ist ebenso deprimierend wie Alltag.
    Nehmen wir Ihren Kommentar: „Es geht darum, das Konzept anzugreifen – und, ja, letzten Endes abzuschaffen – dass Frauen durch vaginalen Kontakt mit einem Penis ihr Wesen und ihren Wert verändern. Als gehörten sie auf einmal einer anderen Kategorie Mensch an. Als würden sie damit auf einmal wertlos, wie eine abgerissene Kinokarte.“
    Absolut korrekt, und trotzdem – „verklemmt“ oder nicht, „lächerlich“ oder nicht – bitte dazu schreiben: Es erhöht ihren – meinen – „Wert“ auch nicht. Vielleicht „versteht sich das doch von selber“, aber da bin ich nicht so sicher. Wiederholen: Sie alleine entscheidet, was es für sie bedeutet – soweit wir unabhängig von gesellschaftlichen Wertungen überhaupt entscheiden können. Mir fällt es schwer und daher vielleicht mein Hass auf sämtliche Definitionen zum Thema, nicht nur die der Kirche.
    „Reinheitsideen“ der Kirchen oder analoger religiöser Organisationen angehen – jederzeit. Genitalverstümmelung abschaffen – jederzeit und ungedingt. „Ehrenmorde“ als Morde aus niederen Beweggründen wahrnehmen und bestrafen – jederzeit. Daher guter und toller Artikel. (Andere Familienverbrechen zu „gewöhnliches Familiendrama mit tragischen Ausgang“ umdefinieren: NEIN! Nicht toll. Daher:) Bitte gleichzeitig das Thema Macht und Definitionsmacht grundsätzlich mit reflektieren – sonst lindern wir nur die dümmsten oder brutalsten Symptome der Machtstrukturen dahinter, nicht die Strukturen selber.

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    • Harald Stücker says :

      Ich stimme zu: Der Artikel reicht nicht. Wäre ja auch zu schön. Aber ich bin bescheiden. Mir würde es schon reichen, wenn er dazu beitragen könnte, dass dann, wenn bei der nächsten Sexismus-Debatte wieder mal eine kleine Maus durch die Medien getrieben wird, der riesige Elefant der religiösen Diskriminierung von Frauen etwas mehr Beachtung fände.

      Ich kann nicht finden, dass ich mich an irgendeiner Stelle einer ungebührlichen Wertung weiblichen Sexualverhaltens schuldig gemacht hätte.

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      • Inge says :

        Nun ja – sind es Mäuse und Elefanten oder nicht eher Elefanten unterschiedlicher Größe, im Sinne eines graduellen Unterschiedes, keines kategorischen? Ob Sexismus oder Kirche, dahinter steht ja der Anspruch, weibliche Sexualität (und sonstiges Verhalten/Lebensentwürfe) zu bestimmen, die Alltagsauswirkungen hängen nur von der konkreten Macht derjenigen ab, die das wollen.

        Und nein – ich sehe in meinem Komentar auch keine Unterstellung einer ungebürlichen Wertung weiblichen Sexualverhaltens – die ist da nicht drin, habe ich auch nicht gefunden. Mir geht es eher um die grundsätzliche Perspektive: Haben wir sozusagen „freie“ weibliche (und männliche) Sexualität und die Kirche als Gegnerin, die diese Freiheit unterbindet? (Letzteres sicher.) Oder haben wir generell zu viel Anspruchshaltung an die Sexualität anderer bzw. besonders die von Frauen – samt impliziter Definition: „Freiheit“ zu erkennen daran, dass sie so ausgelebt wird, wie wir uns das vorstellen, also sichtbar ausgelebt… diese Dimension des Themas habe ich eben auch nicht gefunden.

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  20. die Tante Jensen says :

    Schöner Artikel. Möchte nur darauf hinweisen, dass es recht wahrscheinlich ist, dass es das „Jus primae noctis“ nie gegeben hat (schließlich ist auch nie abgeschafft worden). Das steht auch in dem verlinkten Wikipedia-Artikel. Ansonsten: weiter so!

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  21. Harald Stücker says :

    Laci Green haut mit folgendem Video in dieselbe Kerbe wie mein Artikel. Der Titel gefällt mir sogar noch besser, wegen seines schönen Doppelsinns: „Let’s lose „Virginity““.
    „We should get rid of the term „virginity“, because it’s actually bullshit!“

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  22. Frank says :

    In den High-Schools Amerikas schützen sich christliche Mädchen für die Ehe.
    Viele dieser „Jungfrauen“ haben Analsex, weil die Bibel es ihnen nicht ausdrücklich verbietet.
    Diese religiotische Praktik nennt man „Gottes Schlupfloch“.
    Über diese scheinheilige Ausübung des Christentums singen Garfunkel und Oates. (www.garfunkelandoates.com)

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