Wer zu Fuß geht – Feministische Sprachmagie

Die Entgenderung der Sprache ist reine Symbolpolitik. Wer wirklich die Situation von Frauen verbessern möchte, sollte den Spielplatz der feministischen Linguistik verlassen und im wirklichen Leben gegen die historischen und brandaktuellen Ursachen der Frauenfeindlichkeit kämpfen: die fortdauernde Förderung und Finanzierung der monotheistischen Religionen.

fußgänger

In den letzten Tagen haben sich die Menschen in Deutschland sehr über eine neue Verordnung amüsiert. Wir haben gelernt, dass „der Fußgänger“ ein im Grunde sexistischer Ausdruck ist, denn sein Genus ist männlich. Damit Frauen ab jetzt von der verkehrspolitischen Amtssprache mitgemeint sind, heißt es jetzt nicht mehr „Fußgänger“, sondern „wer zu Fuß geht“.

Die Theorie dahinter: Wer die Sprache entgendert, macht Sexismus unmöglich. Das Problem mit dieser Annahme verdeutlicht sehr schön das folgende Video [eine Persiflage eines Spots aus der Reihe Der 7. Sinn, der inzwischen zurecht als sexistisch wahrgenommen wird. Das Video stammt aus der Sendung Quer vom BR und ist leider aus dem Netz verschwunden]:

„Und helfen Sie besonders Tragenden von Röcken mit Brüsten, denn wer nichts von Technik versteht, ist besonders auf Hilfe angewiesen.“

„Wer zu Fuß geht“. Wir scheuen Substantive, weil sie ein Genus haben. Lieber drücken wir einfache Substantive durch Relativsatzkonstruktionen aus. Aber welches Genus hat das Pronomen „wer“? Ist „wer“ etwa geschlechtsneutral? Dazu ein paar Beispielsätze.

„Wer hat seinen Bleistift liegen gelassen?“

Wir könnten auch fragen: „Wer hat ihren Bleistift liegen gelassen?“ Aber damit deuten wir an, dass wir die Besitzerin des Bleistifts schon kennen und nach ihr nicht gefragt wird. Das heißt, „wer“ und „seinen“ beziehen sich auf dieselbe (unbekannte) Person, „wer“ und „ihre“ beziehen sich auf verschiedene Personen.

Daher sind auch folgende Sätze grammatikalisch korrekt:

„Wer hat seinen Lippenstift/BH/Tampon liegen gelassen?“

Das Genus von „wer“ ist klar maskulin. Daher können Gender-Änderer auch mit dieser lebensfremden Verkomplizierung der Sprache den Genderteufel nicht austreiben. Trotzdem lassen sich auch Frauen problemlos von „wer“ mitmeinen. Der beste Beweis dafür ist diese Verordnung zur Änderung von „Fußgänger“ zu „wer zu Fuß geht“, deren Verantwortliche das Genus von „wer“ offenbar übersehen haben.

Die Vorstellung, dass wir mit der Sprache eine effektive Stellschraube für gesellschaftliche Prozesse hätten und eine Veränderung der Sprache allein einen sozialen Wandel bewirken könnte, ist eine sprachmagische Vorstellung. Das generische Maskulinum ist Folge einer Jahrtausende alten patriarchalen Gesellschaftsstruktur. Wenn Frauen im Laufe der Evolution einer Sprache als Aktanten, als eigenständig handelnde Individuen kaum vorkommen, so wirkt sich das auf die Struktur der Sprache aus. Aber diese Sprachstruktur determiniert nicht die soziale Realität von Frauen, wie die feministische Linguistik implizit behauptet. Könnte aber eine Änderung der Sprache per Verordnung einen solchen Wandel nicht zumindest unterstützen? Ich glaube nicht. Drei Argumente, warum dieser Einfluss der Sprache maßlos überschätzt wird:

1. Wenn die Überzeugungen der feministischen Linguistik von den Ministerien übernommen und nach und nach umgesetzt werden, sollte man davon ausgehen können, dass sehr viele Frauen daran maßgeblich beteiligt sind. Wenn also eine Änderung der Sprache per Verordnung von oben möglich ist, dann ist der allgemeine Bewusstseinswandel, der dadurch angestoßen werden soll, bereits fast vollendet.

2. Hier ist ein Rätsel, dessen entscheidende Stelle nur auf Englisch funktioniert:

Ein Vater fährt mit seinem Sohn zu einem Fußballspiel, als auf einmal das Auto auf einem Schienenübergang stehenbleibt. In der Ferne ertönt der Warnton eines Zuges. Voller Panik versucht der Vater, den Motor zu starten, schafft es aber nicht, und das Auto wird von dem heranrasenden Zug erfasst. Eine Ambulanz eilt herbei und nimmt die beiden auf. Auf dem Weg zum Krankenhaus stirbt der Vater. Der Sohn lebt noch, aber sein Zustand ist ernst, er muss sofort operiert werden. The surgeon came in, expecting a routine case. However, on seeing the boy, the surgeon blanched and muttered, „I can’t operate on this boy―he’s my son.“

hofstadter_metamagicalDas Rätsel stammt von Douglas Hofstadter, der es 1982 in Scientific American und 1985 in dem Buch Metamagical Themas (Kap. 7, „Changes in Default Words and Images“) veröffentlicht hat. Warum ist das überhaupt ein Rätsel? Weil damals wohl höchst selten Frauen Chirurgen waren. (Das war einige Jahre vor der Serie Emergency Room, in der viele doctors und surgeons Frauen waren.) Das innere Bild, das sich jeder von diesem Chirurgen machte, war das Bild eines Mannes. Somit hat es bei den meisten sehr lange gedauert, bis sie auf die nächstliegende Lösung kamen: Der Chirurg ist die Mutter des Jungen!

In unserem Zusammenhang ist dieses Rätsel deshalb interessant, weil es (im Englischen) keinerlei sprachlich kodierte Hinweise auf das Geschlecht des Chirurgen enthält. Das bedeutet also, dass auch nach jeder magischen Gender-Änderung das Rätsel immer noch genauso bestünde. Denn die stillschweigende Annahme „Chirurg, Geschlecht männlich“ wird hier nicht sprachlich kodiert. Wenn wir inzwischen leichter auf die Lösung kommen, dann liegt das nicht an der Sprache, sondern nur daran, dass inzwischen mehr Frauen Chirurgen sind. Die stillschweigenden Annahmen, die Frauen ausschließen, werden nicht durch das generische Maskulinum verursacht. Solche Annahmen sind einfach erfolgreich. Verändert sich aber die Gesellschaft, werden sie immer wieder falsifiziert und immer seltener bestätigt. Wenn also unser Ziel ist, dass mehr Frauen Chirurgen, Abgeordnete oder Firmenchefs werden, dann sollten wir die Strukturen von Ausbildung, Beruf und Leben verändern, aber nicht sprachlichen Hokuspokus treiben.

3. Wenn wir nicht einen immer größeren Eiertanz vollführen wollen, um möglichst alle genusanzeigenden Informationen aus unseren Äußerungen zu entfernen, dann wäre vielleicht eine radikale Änderung der Struktur unserer Sprache geboten. Es könnte mit einigem Recht dafür argumentiert werden, dass das Problem der feministischen Linguistik nicht die eine oder andere generisch verwendete männliche Form ist, sondern das Genus selbst. Also weg mit dem Genus!

Weg mit dem Genus? Geht das denn überhaupt? Es wurde wahrscheinlich noch nie versucht, ein Genussystem ganz abzuschaffen, aber größer als bei der letzten Rechtschreibreform kann der Aufstand kaum werden. Im Prinzip ist das aber kein Problem, denn es gibt Sprachen ohne Genus, nach Wikipedia ist das sogar die Hälfte aller Sprachen. Nach der Logik der Gender-Änderer sollte wohl gelten: Wenn eine Sprache kein Genussystem kennt, leben Frauen in den Ländern, in denen diese Sprachen gesprochen werden, freier und emanzipierter.

Schauen wir uns einige Beispiele für Sprachen ohne Genus an. In Klammern die Länder, in denen sie gesprochen werden:

Armenisch (Armenien), Assamesisch (Bangladesch), Georgisch (Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Griechenland, Iran, Russland, Türkei), Persisch (Iran, Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan, Bahrain, Irak), Zentral- und Südkurdisch (Iran, Irak), Malaiisch (Indonesien)

Das sieht ernüchternd aus. Wenn die Sprache wirklich den Einfluss auf die soziale Realität von Frauen hätte, den die Gender-Änderer vermuten, sähe diese Realität in diesen Ländern sicher anders aus.

Die soziale Realität der Frauen in den meisten dieser Länder hat mit einer patriarchalen Struktur zu tun, die überall außerhalb der aufgeklärten westlichen Welt noch offen religiös begründet wird. Aber auch wir haben immer noch mit diesem Erbe zu kämpfen. Anstatt symbolische Siege zu feiern, sollten Feministen also lieber vehement gegen die fortdauernde Förderung und Finanzierung der monotheistischen Religionen vorgehen. Man sollte dagegen protestieren, dass unsere Medien tagelang auf einen Schornstein starren und auf erschütternd unkritische Weise die vielleicht stärkste reaktionäre Macht der Welt in Sondersendungen feiern, nur weil ein Reaktionär dem nächsten die Klinke in die Hand gibt. Was die katholische Hegemonie für Frauen bedeutet, hat nicht zuletzt die Affäre um die katholischen Kölner Kliniken im Januar 2013 gezeigt. Man sollte lieber mutige Frauen wie Necla Kelek, Seyran Ates, Ayaan Hirsi Ali und andere unterstützen, die die offenkundige Frauenverachtung des Islams anprangern. Und gerade diejenigen, die politische Verantwortung tragen, sollten mit aller Macht und Entschiedenheit vorgehen gegen Ehrenmorde, Zwangsehen, Jungfrauenkult, Geschlechtersegregation (nehmt Euch ein Beispiel an Lawrence Krauss); die Liste der wirklichen Probleme ist lang. Aber gerade diejenigen, die sich mit der immer weitergehenden Entgenderung der Sprache immer lächerlicher machen, wünschen sich hoffnungslos naiv einen „Reformpapst“ oder heißen den Islam „zu seinen eigenen Bedingungen“ am herzlichsten willkommen.

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Harald Stücker

66 responses to “Wer zu Fuß geht – Feministische Sprachmagie”

  1. Stefan Schritt says :

    Ich muss sagen .. dieses Artikel spricht das ein oder andere Wahrheit an. Das Autor hat sich viel Mühe gegeben, das Irrsinn, das hinter dem Gendering steckt, klar und deutlich darzulegen.
    Vermutlich werden andere, der die das wo hier lesen tun, mir da zustimmen. Außer freilich, das Papst liest hier auch mit.

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  2. Stefan Dietrich says :

    Der neue Schluss gefällt mir sehr gut!

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  3. yerainbow says :

    naja, Luise Pusch und andere haben den Verdienst, auf Denkmuster hingewiesen zu haben, die die Sprache wunderbar transportiert.
    Eine Lösung in der Sprache selbst zu schaffen, muß natürlich nur Surrogat sein.
    Das ist logisch, denn die Theorie vom Essen zu verändern (Menü-Karte) ändert erst mal am Essen selbst nix…

    Ich habe schon mal das Statement einer Psychologin gehört, die recht deutlich sagte: machte es tatsächlich einen Unterschied in meiner Expertise, ob ich PsychologIN oder PsychologE bin, so wäre das sehr bedenklich…

    Tommasello ist überzeugt davon, daß Sprache nicht nur symbolisch auf Denkmuster hinweist, sondern sogar selbst Denken IST, also der praktische Ausdruck dessen, was im Kopf sowieso vor sich geht.
    Muster zu verändern ist nicht so einfach.
    Indem man so tut „als ob“, ändert man nix.

    Und die kruden Formulierungsknoten zeigen ja wunderbar, daß es immer nur um Surrogate geht, daher sind sie auch so sinnentstellend.

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  4. ratiogeraet says :

    Ich wünsche mir, dass viele diesen interessanten Beitrag lesen. Als weibliche zu Fuß Gehende habe ich keinerlei Problem damit, mich als mitgemeint zu betrachten, wenn von Fußgängern (Studenten, Arbeitnehmern, Autofahrern, Zeitungslesern…..) die Rede ist.

    Sicherlich gibt es einen Einfluss der Sprache auf die Wahrnehmung, aber angesichts des Ausmaßes der realen Benachteiligungen von Frauen in den wirklich wichtigen Bereichen ist ersterer doch vernachlässigbar. Anders ausgedrückt: es gibt immer noch keine gesetzliche Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten, aber ich soll mich bitte damit trösten, dass ein Gesetzestext jetzt noch ein bisschen umständlicher formuliert wurde. Vielen Dank auch.

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  5. Nic says :

    Lieber Harald (klingt wie die Bierwerbung, wenn man so anfängt ;-)
    Kann ich den Artikel ins Bloghaus übernehmen? Komplett? Der gefällt mir nämlich richtig gut – vor allem ja auch, weil das ein Thema bei den Piraten ist :-)

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  6. libertador says :

    Zwei Argumentationsergänzungen:

    1. Ein allgemeiner Punkt: Weil etwas nicht alle Probleme löst, muss es nicht überflüssig sein. (Sie nennen ja kein Argument, wieso Sprachänderung schlecht wäre, sondern nur, dass sie nicht gut genug sei)

    Zwei Möglichkeiten wie:
    Die sprachliche Struktur allein kann eine Diskriminierung sein und sollte deswegen unabhängig von anderen unterdrückenden Strukturen geändert werden.
    Vielleicht ist die Änderung der Sprache Symbolpolitik, dann sind die Änderungen eben symbolisch, trotzdem kann so auf Unterdrückung hingewiesen werden und die Forderung nach Änderung sinnvoll sein.

    2. Deine 3 Punkte sind relevant aber eben keine Argumenten gegen Sprachänderung:
    zu1: Die Änderung käme erst wenn die Gesellschaft schon verändert ist.(deine Aussage) Das könnte für Sprachänderung sprechen, indem sie als Gradmessen genutzt werden kann und ein Teil von Forderungen, die als Symbol die Tür zur politischen Bühne offen halten.
    zu2: Es gibt andere Unterdrückungsmechanismen(nicht überraschend). Sagt wenig über Unterdrückung durch Sprache aus.
    zu3: Eine Sprachänderung sei keine Garantie für eine Gesellchaftsänderung(von dir). Abgesehen davon, dass ich die genannten Sprachen nicht kenne, ist dies auch nur ein Argument dafür, dass Sprachänderung Diskriminierung nicht allein beseitigt.

    Dein einziges Argument gegen Sprachänderung ist, dass es wichtigere Felder von Unterdrückung gebe. Das mag sein, aber man sollte nicht veschiedene Forderungen gegen Diskriminierung gegeneinander ausspielen, da die Änderung der sexistischen Praxis nicht auf einem einzigen Feld zu führen ist. Mit solchen Texten erreicht man, dass argumentativ unversierten, etwas als nicht sinnvoll erscheinen könnte, das aber nur kein Allheilmittel ist.

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    • Harald Stücker says :

      Es stimmt, ich habe kein explizites Argument gebracht, warum die Änderung der Sprache auch schaden könnte. Implizit steckt allerdings eins drin. Hier ist es:

      Angesichts der tatsächlichen Probleme, denen Frauen sich gegenübersehen, beschrieben vor allem im letzten Absatz, wirkt eine rein symbolische Politik lasch und auch schnell lächerlich. Stark vereinfacht: Jetzt haben sich Frauen ihre Abgeordnetensessel erkämpft, sind gewählt worden von Frauen als Frauen, damit sie den Kampf gegen patriarchale Strukturen aufnehmen. Und dann kommt eine Verordnung, über die das Land lacht!

      M.a.W.: Das Beharren auf Entgenderung der Sprache erweist dem berechtigten Anliegen des Feminismus einen Bärendienst. Denn wer in der Politik lächerliche Prioritäten setzt, wird langfristig nicht mehr ernst genommen.

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      • Statistiker says :

        „über die das Land lacht“?????

        Das ist ein Allquantor. Ich hab nicht gelacht, das ist ein Existenzquantor und widerlegt den Allquantor.

        Durch fehlerhafte Benutzung von Allquantoren erweist man seinem Anliegen einen Bärendienst. Das wusste sogar Sarazzin….

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        • Harald Stücker says :

          Ja, sehr schöne Antwort :)
          Tatsächlich ist es eine rhetorische Figur, eine Metonymie. Eine Redensart.
          (Und ich glaube, der Sarrazin wusste das eben gerade nicht. Er hat’s höchstens inzwischen gemerkt …)

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          • Statistiker says :

            Doch, das wusste er sehr gut. Daher hat er immer Formulierungen benutzt wie „die meisten“, „die überwiegende Mehrheit“, „fast alle“ etc.

            Eklig, rassistisch und widerlich, aber sprachlich und mathematisch nicht dumm. Und damit hat er sich in den Medien durchgesetzt, weil er jede Kritik als „das sind ja die Ausnahmen“ bezeichnen konnte.

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    • elmardiederichs says :

      Obwohl ich anders als libertador weder der Meinung bin, daß eine genderte Sprache bewirkt, was sie zu bewirken beansprucht, noch seinen Standpunkt teile, daß eine gegenderte Sprache solange toll und wirksam ist, bis das Gegenteil belegt wurde, noch daß die Wiederholung einer Aussage, diese Aussage auch begründet, muß ich ihm doch in zwei Punkten recht geben:

      i) Wenn ein gesellschaftlicher Zustand ohne eine gegenderte Sprache in gewünschter Weise geändert wurde, dann folgt daraus nicht, daß er nicht – zusammen mit anderen Faktoren – durch eine ungenderte Sprache (mit-) erzeugt wurde. Symmetrieannahmen sind bei vielen technischen Prozessen sinnvoll, weil der Physik die Richtung des Zeitflußes egal ist, aber bei vielen
      nicht-linearen Abängigkeiten oder bei soziologischen Prozessen sind Symmetrieannahmen fehl am Platz.

      ii) Was deine Beispiele belegen, ist, daß eine gegenderte Sprache auf einer Skala „großer“ Effekte keine Rolle spielen. „groß“ kann hier verstanden werden als ‚gesellschaftsweit‘ oder ‚langfristig‘ oder vielleicht auch im Sinne einer Begrenzung. Was deine Beispiele aber nicht belegen, ist eine Unwirksamkeit auf „kleiner“ Skala – z.B. wie eine Diskussion zwischen einer oder einem Richter und einer oder einem Angeklagten in gegenderter Sprache verläuft, ob das Strafmaß oder die Verurteilungswahrscheinlichkeit beeinflußt werden, wie Vertragsverhandlungen oder private Streiteren verlaufen usw..

      Meine Vermutung ist, daß eine gegenderte Sprache die Leute nur nervt, und die Idee einfach Blödsinn ist, weil dahinter ein völlig mißverstandener Sprachidealismus steckt.

      Aber das zu vermuten und es auch akzeptabel zu begründen, sind natürlich zwei Sachen. So sympathisch ich auch deine Ambitionen finde, würde ich klarerweise ein sprachphilosophisches Argument vorziehen.

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      • Harald Stücker says :

        Elmar, ich weiß jetzt nicht, was Du für meine Ambitionen hältst. Ich wollte nur ganz bescheiden darauf hinweisen, dass einige ihre Prioritäten neu sortieren sollten.

        Es dürfte schwer sein zu erforschen, welche psychologischen Effekte eine Diskussion in geschlechtergerechter Sprache haben würde, solange diese Sprache nicht natürlicherweise über die Lippen kommt, sondern jede Äußerung eine Folge eines sehr bewussten Hindernislaufs ist.

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        • elmardiederichs says :

          Na ja, ich dachte, du wolltest dafür argumentieren, daß der Unterschied, den eine gegenderte Sprache macht, überschätzt wird. Vielleicht ist das ja auch ein Mißverständnis, denn an irgendwelche Leute habe ich beim Lesen deines postes teher nicht gedacht.

          Jedenfalls wollte ich darauf hinweisen, daß das man für diese Einschätzung bessere Gründe braucht und auch, wo ich sie (im Moment) suche. Ich dachte, daß dich das eventuell interessiert, da du ja auf deinem blog sagst, daß du mal Kontakt zur analytischen Philosophie hattest.

          Ich hatte jetzt nicht den Eindruck, daß mein erster Kommentar über die Stränge schlägt.

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          • Harald Stücker says :

            Ja, klar interessiert mich das, Elmar, und klar schlägt Dein Kommentar über keine Stränge. Ich glaube, wir haben uns einfach missverstanden.

            Mein Satz mit den Prioritäten bezog sich auf das Ende meines Artikels. Das ist eine Variation von „Politisch korrekt und moralisch orientierungslos“.

            Und Du hast Recht. Im engeren Sinn sprachphilosophisch argumentiere ich hier nicht. Wäre eine andere Diskussion. Aber ich lese hier gern Deine Gedanken zum Thema.

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        • elmardiederichs says :

          „Es dürfte schwer sein zu erforschen, welche psychologischen Effekte eine Diskussion in geschlechtergerechter Sprache haben würde, solange diese Sprache nicht natürlicherweise über die Lippen kommt, sondern jede Äußerung eine Folge eines sehr bewussten Hindernislaufs ist.“

          Also … das hätte ich jetzt nicht vermutet. Ich hätte eher versucht, zu zeigen, daß

          a) die sprachlichen Reaktionsmöglichen auf eine Äußerung mit grammatischen Geschlecht

          b) die vertretbaren Schlußfolgerungen aus deinem kommunikativen Akt unter Verwendung des grammatischen Geschlechtes

          c) und das epistemische Vertrauen in einem Sprecher, der ein grammatisches Geschlecht verwendet

          genau denen entsprechen, die man erhält, wenn man in der Sprache alle grammatischen Geschlechter entfernt.

          Der Vorteil wäre, daß man sich mit einer Widerlegung eines Sprachidealismus nicht abquälen muß, indem man einfach eine Invarianzen unter Vernachlässigung des grammatischen Geschlechtes zeigt und – wenn man das geschafft hat – folgert, daß das generische Maskulinum – wie du es vermutest, nur die Folge von etwas, aber niemals eine Quelle von etwas sein kann.

          Ist natürlich nur eine spontane Idee. :-)

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      • Christian - Alles Evolution says :

        „Meine Vermutung ist, daß eine gegenderte Sprache die Leute nur nervt, und die Idee einfach Blödsinn ist, weil dahinter ein völlig mißverstandener Sprachidealismus steckt.“

        Ich denke auch, dass der Mehrwert einer voll durchgegenderten Sprache aus Sicht der meisten Sprechenden nicht besteht. Die meisten Menschen werden davon ausgehen, dass Emanzipation und Gleichberechtigung auch ohne diese aufwändigen Konstruktionen möglich sind und darin schlicht den Vorteil nicht sehen.
        Die poststrukturalistischen Theorien überschätzen insoweit die Wirkung der Sprache. Was genau etwas bedeutet und wie es aufgenommen wird hängt eben auch von dem allgemeinen Verständnis und nicht nur von der abstrakten Formulierung ab. Ein Konsens zur Gleichberechtigung wird nicht durch Sprache untergraben. Um so komplizierter die Neuformulierungen werden, um so weniger Aussicht auf Erfolg haben sie. Das gilt insbesondere, wenn man Schriftsprache und Wo

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    • Heidrun Jänchen says :

      Es gibt schon Argumente gegen die Sprachänderung:
      1. Sie bindet Kraft und Zeit, die anderswo besser aufgehoben wäre. Man erzeugt die Illusion, etwas gebessert zu haben, wenn man statt „Studenten“ „Studierende“ sagt.
      2. Sie nervt viele Leute und macht den Feminismus lächerlich. Man schämt sich, für Gleichberechtigung zu sein, wenn Frauen allen Ernstes das neutrale Wort „Mitglied“ untragbar finden und „Mitgliedsfrauen“ sagen. Hab ich mir nicht ausgedacht; das ist traurige Realität.
      3. Sie schreckt Leute ab, die vielleicht Feministen wären, weil sie sich mit den realen Problemen beschäftigen. Aber wenn sie jedesmal bei einer inhaltlichen Argumentation eingebremst werden, weil das große I fehlte, dann geben sie einfach auf.
      Leute die „BH, Tampon, Lippenstift“ als Sexismus werten, an dem man arbeiten muss, sollten öfter im wirklichen Leben unterwegs sein. Ich habe noch keinen Mann erlebt, der Tampons mit sich rumträgt und würde deshalb auch immer die Frauen fragen. Auf eine Tunte und einen Mann, der den BH seiner Frau rumträgt, kommen etwa hundert Frauen, die BHs rumtragen … Das hat nichts mit Sexismus zu tun, sondern mit Statistik.
      Im Übrigen habe ich nie auch nur vermutet, bei „Studenten“ könnten die Mädels nicht gemeint sein, ehe so ein paar superschlaue Genderisten kamen und mir das einredeten. Ich habe mich naiverweise immer gemeint gefühlt. Heute muss ich mich immer fragen, ob mich gerade jemand diskriminiert. Anstrengend.

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      • elmardiederichs says :

        @Heidrun Jänchen: Ich gebe zu bedenken, daß Feminismus – trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der Protagonisten – weder etwas mit Gleichberechtigung, noch mit einer Verbesserung der Lage von Frauen zu tun hat.

        In vorderster Linie ist Feminismus eine soziologische Konflikttheorie, die ohne ihren eigenen Machtbegriff zu verstehen, sich aus höchst zweifelhaftem Poststrukturalismus bedient, um einen Klassenkampf auszutragen, der voraussetzt, die soziale Welt verstehen zu können, ohne sich um konkurrierende psychologische Ansätze bzw. Sozialwahl- oder Spieltheorie auch nur im entferntesten kümmern zu müssen. Und auch der Gerechtigkeitsbegriff des Feminismus beruht immer noch auf der Gleichheitsvorstellung, obwohl seit den 90ern bekannt ist, daß das Risiko wirklich gleicher Koopertionspartner nicht gleich verteilt sein kann.

        Feminismus IST ebenso dumm wie lächerlich – und in der Regel gilt das auch für Feministen, die das Ignorieren von Tatsachen zum Sport gemacht haben. Gleichberechtigung hingegen ist weder dumm noch lächerlich und Frauen oder Männer sind es auch nicht. Insofern sehe ich da überhaupt keinen Zusammenhang.

        Als Anti-Feminist, der die zerstörerischen Ungerechtigkeiten des Feminismus bekämpft, begrüße ich natürlich eine gegenderte Sprache – weil das ganz Projekt lächerlich ist und Leute davon abuzuhalten, Feministen zu werden, ist für diese Leute ganz klar ein Geschenk.

        Und last not least, geht der ganze Kommentar am Problem vorbei, weil er ja nur die politische Wünschbarkeit der gegenderten Sprache thematisiert, nicht aber deren Konsequenzen im Hinblick auf Gerechtigkeit oder die mentale Verfassung der Leute. Stattdessen wird wird vorausgesetzt, was erst zu zeigen wäre.

        Aber das sind natürlich nur theoretische und logische Spitzfindigkeiten …. und überhaupt, was erkläre ich Feministen schon wieder den Feminismus …. klarer Fall von mansplaining, ich muß mich entschuldigen. ^^

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        • Heidrun Jänchen says :

          Das erinnert mich jetzt ein wenig an eine Aussage eines Freundes, der meinte, Jazz sei unanhörbare Musik. Also habe ich ein paar Gegenbeispiele gebracht, die allgemein unter „Jazz“ abgeheftet werden, und bekam zu hören, das sei überhaupt kein Jazz, denn man könnte es ja anhören.
          Feminismus hat sehr wohl etwas mit Gleichberechtigung zu tun. Er hat mit dem Kampf um Frauenwahlrecht angefangen, er hat etwas mit gleichem Geld für gleiche Arbeit zu tun. Er hat eigentlich nichts mit gegenderter Sprache zu tun. Das ist etwas, das man uns als Feminismus verkaufen möchte, aber es ist schlichter Blödsinn und Beschäftigungstherapie. Feminismus ist grundsätzlich nur Eintreten für Frauenrechte, und das war bitter nötig (Ehefrauen, die die Erlaubnis des Mannes brauchten, um arbeiten zu dürfen – meine Güte!) und ist es in einigen Dingen bis heute. Es steht nirgends, dass Feminismus Bescheuertheit voraussetzt. Aber indem man Feminismus als grundsetzlich bescheuert definiert, kommt man natürlich zu dem Schluss, vernünftige Forderungen könnten notwendigerweise nicht feministisch sein …

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          • elmardiederichs says :

            Ich verstehe schon, daß Widerspruch für Feministen etwas ungewohnt ist und ich weiß auch nicht, wie lange Harald, dessen post ja ein ganz anderes Thema betrifft, mit uns Geduld haben wird …..

            … aber vielleicht kann ich doch sagen, daß Feminismus von mir nicht als bescheuert definiert wird. Seit sich Bertrand Russell und Stanisław Leśniewski über die Frage gestritten haben, ob Axiome und Definitionen wahre Aussagen formulieren, gilt als geklärt, daß es sich um Setzungen und damit Aussagen handelt, die keinen Anspruch auf Wahrheit erheben können. Meine Behauptung ist empirisch und lautet, daß jede Spielart von Feminismus bestimmte Sturktureigenschaften aufweißt, die ein derart simples Modell sozialer Dynamik entwerfen, daß man Feminismen nur als dumm bezeichnen kann. Das ist etwas ganz anderes. Und daß es mehr als eine Feminismusvariante gibt – nach meiner Tählung sind wenigstens 23 – schützt vor dieser Art von Kritik keineswegs.

            Feminismen behaupten tatsächlich durch die Bank, daß sie etwas mit Gleichberechtigung und sogar etwas mit Gerechtigkeit zu tun haben. Leider legt kein Feminismus eine Analyse des Gerechtigkeitsbegriffes oder dessen vor, was Gleichheit in einer Gesellschaft, deren Wirtschaft auf Ungleichverteilung, deren Bildungs- und Forschungsorganisation auf individueller Ungleichheit beruht und deren Sozialstruktur hierarchisch ist, bedeutet soll. In all seinen Jahrzehnten hat das keinen Feminismus interessiert – oder waren vielleicht die Protagonisten nicht fähig oder engagiert genug? Ich weiß es nicht, aber bislang beschränkt sich Feminismus auf eine Lobbybewegung für gut ausgebildete, in ihrer Freiheit zur Selbstgestaltung ihres Lebens gelangweilte und wirtschaftlich gutgestellte Frauen.

            Die in der Tat skandalöse Regelung, daß eine Ehefrau ohne Unterschrift des Ehemann keinen rechtswirksamen Arbeitsvertrag abschließen durfte, wurde mit dem paritätischen Ehemodell 1977 abgeschafft. Leider vergessen Feministen dabei gerne zweierlei zu erwähnen: Weder gab es vor 1977 ein Gesetz, daß Frauen zum Heiraten zwang, woraus folgt, daß nicht die Frauen unterdrückt wurden, sondern ein Ehemodell kodifiziert war, daß es dem Mann erlauben sollte, seinen Alleinernährerpflichten nachkommen zu können, ohne seine Kinder verwahrlosen lassen zu müssen, noch wurde das paritätische Ehemodell vom Feminismus eingeführt. 1977 hat der Feminismus politisch nämlich noch gar nichts gesagt: Die erste feministische Partei waren die Grünen, deren Landesverbände 1979 entstanden und die feministische Partei in Deutschland (Na, kennt jemand deren Namen? Nein? Eben.) „Die Frauen“ wurde 1995 gegründet. Wenn also jemand/etwas das paritätische Ehemodell eingeführt hat, dann war es das Patriarchat – oder ist das vielleicht ein Beweis gegen die Existenz des Patriarchats? Ich weiß es nicht, jedenfalls wurde das paritätische Ehemodell aufgrund eines Gutachtens einer Sachverständigenkommission von 1970 eingeführt und die parlamentarische Prozedur dazu dauerte peinliche 7 Jahre. Und 1970 war Feminismus gerade mal eine elitäre Bewegung, die die Studenten erreicht hatte – nicht mehr.

            Was man daran sieht, ist, daß – und das ist in der Konfrontation von Atheisten mit Religioten nicht anders – Feministen es sich leisten können, weder etwas zu wissen, noch etwas zu verstehen, da ihre Forderungen auch so erfüllt werden – nämlich außerhalb des durch Argumente auszutragen Konfklites sozialer Klassen um Ressourcen und politschen Einfluß. Das ist wahre politische Macht und ein guter Hinweis auf die Inexistenz des Patriarchats. Anti-Feministen – so wie ich einer bin – und Atheisten hingegen müssen etwas können, sie müssen in jedem Einzelfall erneut argumentieren und sich neu durchsetzen – eben weil ihnen die politische Macht fehlt.

            Ich entschuldige mich bei Harald für die Abschweifung, es soll nicht wieder vorkommen. Weitere Diskussion können gerne bei mir im blog erfolgen.

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            • Harald Stücker says :

              Keine Entschuldigung nötig, Elmar. So weit weg vom Thema bist Du gar nicht, und wenn, wäre es nicht schlimm. Die Abschweifung ist eine Form des Müßiggangs, vom dem erstens oft behauptet wird, er sei der Inspiration und Kreativität dienlich, der aber zweitens keine solche Rechtfertigung brauchen sollte. (Auch hier passt wieder Bertrand Russell: In Praise of Idleness) :)

              In diesem Sinne also vielen Dank für Deine Abschweifung. Würdest Du auch die verwegene These wagen, dass nicht nur die feministische Linguistik ein Epiphänomen ist – also eine Folge des sozialen Aufstiegs von Frauen, und nicht etwa seine Ursache – sondern gleich der gesamte Feminismus? Was vielleicht so zu erklären wäre, dass eine allgemeine Emanzipierungswelle durch die westlichen Gesellschaften lief, die zunächst die Sklaverei abgeschafft, dann den Frauen mehr Rechte verschafft hat und momentan gerade dabei ist, Homosexuelle gleichzustellen? Dass wir in den letzten Jahrhunderten mit einer allgemein höheren Bildung – vielleicht infolge der Industrialisierung mit ihrem Bedarf an Fachkräften – und der Betonung von Menschenrechten einen Zug ins Rollen brachten, der unweigerlich zu einer Gleichstellung geführt hat? Demnach wäre diese Bewegung ein Menschheitstrend, ähnlich dem Rückgang der Gewalt, die Pinker beschreibt.

              Diese These würde die großen geschichtlichen Prozesse entpersonalisieren (und wäre in diesem Sinne fast hegelianisch), was den Menschen meist nicht gefällt, denn sie möchten gern selbst zu den ihnen sympathischen Bewegungen beigetragen haben. Zumindest möchten sie Helden bejubeln und ehren können, die zu ihnen beigetragen haben. Geht aber eine seinerzeit euphorisch bejubelte Idee katastrophal schief, dann darf sie gern auf dem Mist eines unpersönlichen Weltgeistes gewachsen sein.

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              • elmardiederichs says :

                Danke erst mal für deine Geduld. :-)

                „Würdest Du auch die verwegene These wagen, dass nicht nur die feministische Linguistik ein Epiphänomen ist – also eine Folge des sozialen Aufstiegs von Frauen, und nicht etwa seine Ursache – sondern gleich der gesamte Feminismus?“

                Ich hab mich da vielleicht nicht völlig präzise ausgedrückt: Natürlich ist es legitim, sich zu fragen und zu untersuchen, welche Rolle das Geschlecht in allen möglichen Bereichen der Wissenschaft oder der Gesellschaft spielt. Das kann man auch in der Linguistik machen, warum nicht? Insofern halte ich feministische Linguistik nicht für ein Epiphänomen. Ich habe das auch nicht von Feminismen behauptet. Meine These war stattdessen, daß Feminismen eine bestimmte Klasse von Frauen stark begünstigt und ansonsten Frauen im allgemeinen keinen Gefallen damit tut, ihnen einen Klassenkampf der Geschlechter einzubläuen, obwohl die allermeisten Zusammenhänge unseres Lebens von ganz anderen Kooperationsgleichgewichten bestimmt sind, die durch einen Klassenkampf erodiert werden.

                Letzteres müßte ich natürlich ausführlich begründen. Könnte ich das leisten, dann hätte man einen guten Grund gefunden, zu behaupten, daß Feminismen zwar glauben, im Interesse der Frauen zu handeln, das aber in Wahrheit gar nicht tun.

                Feminismus selbst hat – soweit ich sehen kann – einige Vorläufer in einer – übrigens von Männer erdachten – Theorie der Weiblichkeit, nach der Frauen in natürlicherweise einen Sinn für das Schöne und Moralische haben, während Männer als Halbwilde geboren werden, die am Wesen der Frau erst Zivilisation erlernen müssen. Um die Wende zum 19. Jhr. hat man sich wohl einfach gefragt, warum soviel in der Industrialisierung schief läuft und da überall die Männer geackert haben, war die Idee, Männlichkeit als Quelle der Probleme auszumachen, gar nicht so fernliegend. Es wundert mich auch nicht, daß sich diese Strömung mit der Forderung der Frauen aus der ersten Welle des Feminismus nach gesellschaftlicher Teilhabe verbunden hat und ich glaube nicht, daß man in dem Fall von einem Epiphänomen sprechen kann.

                Trotzdem muß man natürlich streng unterscheiden zwischen dem, was Frauen wirklich tun und wie die soziale Welt funktioniert, einer Theorie der Weiblichkeit, der viele Frauen mehr oder weniger nacheifern, und den Struktureigenschaften des Feminismus.

                Was feministische Linguistik angeht, so würde ich gerne die Idee deines unbekannten Kommentators aufgreifen und ein Argument entwickeln, das darlegt, inwiefern das grammatische Geschlecht nicht mit dem sexuellen Geschlecht identifiziert werden kann. Das fand ich irre klug und ich würde versuchen, zu zeigen, daß „die semantischen Fähigkeiten“ des grammatischen Geschlechtes nicht für eine semantische Referenz, wie wir sie von indexicals, Eigennamen oder Kennzeichnungen her kennen, ausreichen. Könnte man das zeigen, dann würde sich die Idee einer gegenderten Sprache einfach als Irrtum und überflüssig herausstellen.

                Ob damit auch jede feministische Linguistik erledigt wäre, wage ich aber zu bezweifeln. Ein solches Argument wäre stattdessen einfach ein ganz normaler Betrag zur Linguistik a la „An dieser Stelle spielt das Geschlecht keine Rolle.“. Sowas soll es ja auch geben. ;-)

                „Was vielleicht so zu erklären wäre, dass eine allgemeine Emanzipierungswelle durch die westlichen Gesellschaften lief, die zunächst die Sklaverei abgeschafft, dann den Frauen mehr Rechte verschafft hat und momentan gerade dabei ist, Homosexuelle gleichzustellen?“

                Ja, sowas in der Art würde mir sehr einleuchten, allerdings bin ich nicht sicher, ob es sich um DIESELBE Welle handelt: Abschaffung der Rassentrennung/Sklaverei, Säkularisierung und Teilhaberechte von Frauen sind sicher aufklärerische und emanzipatorische Bewegungen, keine Frage. Ob das auch für die „Bewegung“ innerhalb der feministischen Sphäre gilt … bin ich nicht sicher.

                Meine Vermutung ist im Moment, daß die Abfolge der drei feministischen Wellen als Entwicklung des Feminismus von einer Klassenkampftheorie hin zu einer Theorie über ein erfülltes Leben als Frau in einer modernen Gesellschaft gedeutet werden kann. Denn was Feministen doch über die Jahrzehnte getan haben, ist, den Begriff der Klasse immer mehr zu verfeinern, um mit derselben Idee zur Analyse sozialer Realität, nämlich die der Konfrontation von Klassen, immer mehr soziale Situationen feinkörniger verstehen und in einem Modell abbilden zu können. Differenzfeminismus z.B., der neben Radialfeminismus in der 2. Welle vorherrschte, war auf einmal doof, weil nicht alle Frauen dasselbe wollten und es viel mehr Geschlechter gibt als nur zwei. Und du solltest dir auch mal ansehen, was auf feministischen blogs gerade in Sachen Klassismus los ist … auweia.

                Nur eines bleibt in all dem Durcheinander offenbar erhalten: Personen werden nicht durch die Ätiologie ihrer autonomen Enscheidungen charakterisiert und damit dadurch, wie sie die Welt um sich herum „epistemisch ergreifen“, sondern durch die Konsequenzen ihrer Handlungen (nicht etwa ihrer Entscheidungen) für andere soziale Klassen. Personen aber nur noch als Repräsentanten von Klassen zu verstehen, halte ich für tief irrational: Die Rolle des Akteurs in einer Gemeinschaft wechselt ja schnell auch mal mit dem Wechsel der Präferenzen gegenüber dem Sozialpartner oder auch mit der Person des Sozialpartners selbst, während die eigene klassenzugehörigkeit konstant bleibt. Feministen haben sich dafür das Phänomen der Intersektionalität abgerungen, daß aber in meinen Augen im Hinblick auf die Fähigkeiten einer Personen, Bedingungen für die Entscheidungen anderer Personen zu erzeugen, total unfruchtbar geblieben ist und überhaupt nicht liberal nach dem individuellen Glück der Menschen, sondern nach den Pflichten aufgrund der Klassenzugehörigkeit fragt – ich danke für so eine Aufklärung. (igitt!)

                Also: Ich kann Feminismus im Moment nicht als aufklärerische oder emanzipierte Bewegung sehen – sorry. Entsprechend stehe ich auch deiner Entpersonalisierung geschichtlicher Prozesse skeptisch gegenüber – wie auch Hegel selbst. ;-)

                Ich hoffe, meine argumentfreie Skizze hat alles etwas transparenter gemacht.

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            • Heidrun Jänchen says :

              Was ich schon lange dazu noch losweden wollte: Wikipedia verortet den Beginn des Feminismus im 19. Jahrhundert und bei Themen wie Frauenwahlrecht, politische Gleichstellung und Gleichbezahlung. Feminismus ist zunächst einmal und vor allem ein Eintreten für die Rechte von Frauen, was exakt so lange nötig ist, wie diese eingeschränkt werden. Da würde ich mich eher an Wikipedia halten als an jemanden, der die Grünen für den Anfang des Feminismus hält. Die Suffragetten kann man nicht einfach unter den Tisch kehren, weil sie zum eigenen Vorurteil nicht passen.
              Es mag zwar sein, dass vor 1977 keine Frau zum Heiraten gezwungen wurde, aber es gibt gesellschaftliche Normen, denen man sich nur schwer entziehen kann. Genau das zu thematisieren, halte ich für eine legitime und sinnvolle Sache. Man muss nicht Mitglied irgendeiner explizit feministischen Partei sein, um sich gegen derartige Normen zur Wehr zu setzen.
              Ich halte Frauen nicht für die besseren Menschen, sondern halte es eher mit Clara Zetkin: „Keine Sonder- sondern Menschenrechte“. Ich finde es auch verwerflich, wenn ein eindeutig männlicher Freund schlecht bezahlt wird, weil er in einem typischen Frauenberuf arbeitet – als Krankenpfleger. Jeder akzeptiert irgendwie, dass Frauenberufe halt schlecht bezahlt werden. Regt man sich darüber auf, bekommt man zu hören, man (also frau) könnte sich ja einen Männerberuf suchen.
              Und um eventuelle Fehlannahmen gleich auszuräumen: Ich bin Physiker und arbeite in der Privatwirtschaft. Ich weiß, womit ich mein Geld verdiene.

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              • elmardiederichs says :

                „Wikipedia verortet den Beginn des Feminismus im 19. Jahrhundert.“
                Vergleicht man die deutsche Version mit der englisch-sprachigen Wikipediaversion, dann lernt man ganz schnell, daß man die deutsche Version vor allem, wenn es um Feminismus geht, keinesfalls als Referenz heranziehen sollte: Sie ist einfach zu schlecht.

                Wer tiefer in das Problem einsteigen möchte, kann zusätzlich bei Arne Hoffmann im blog die Geschichte über die Manipulation der Wikipedia nachlesen.

                „Feminismus ist zunächst einmal und vor allem ein Eintreten für die Rechte von Frauen“

                Dieser Mythos ist leider einfach nicht totzukriegen. Frauenbewegungen waren bis in die 70iger hinein inklusiv, was Männer angeht. Anders sind die Veränderungen zugunsten der Frauen in diesem Jahren gar nicht erklärbar. Feminismus hingegen erzählt eine Mächengeschichte des Geschlechterklassenkampfes und versucht sich – wie jede Ideologie – durch seine Standpunktstheorie gegenüber Kritik zu immunisieren. Viele Aktive in der Frauenbewegung scheuen heute das label des Feminismus, der sich in die Nischen der staatlichen Institutionen zurückgezogen hat. Was geblieben ist, sind Radikale, die heute ohne eine breite Unterstützung in der Bevölkerung ihre privaten feministischen Projekte mit den Mitteln des Staates betreiben. Manchmal sagt man auch Staatsfeminismus dazu. Das war gut zu sehen bei der #aufschrei-Affaire, wo die Feministen vor allem auf die Notwendigkeit der Fortsetzung der allgemeinen staatlichen Unterstützung gepocht haben, anstatt die vorliegenden Daten als einzigen Beweis eines sozialen Phänomen genau zu analysieren und konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Lage zu machen: Kein Feminist hat sich für die Daten interessiert, man war zu beschäftigt damit, in die Welt hinauszuposaunen, daß man einen besseren Beweis für feministische Projekte gar nicht haben könnte – die belästigten Frauen haben letztlich keinen Feminsten interessiert.

                „Da würde ich mich eher an Wikipedia halten als an jemanden, der die Grünen für den Anfang des Feminismus hält.“

                Versuchen Sie, meinen Text zu verstehen. ich schrieb „Die erste feministische Partei waren die Grünen, deren Landesverbände 1979 entstanden …“. Schade, daß man auch Physikerinnen immer noch vorlesen muß.

                „Es mag zwar sein, dass vor 1977 keine Frau zum Heiraten gezwungen wurde, aber es gibt gesellschaftliche Normen, denen man sich nur schwer entziehen kann.“

                Welche Norm meinen Sie? Die, nach der männliche Sexualität Männer zu Monstern macht oder die, nach der Frauen zu friedfertig sind, um Männer zu schlagen und daher aum jeden Preis beschützt werden müssen?

                „Jeder akzeptiert irgendwie, dass Frauenberufe halt schlecht bezahlt werden. Regt man sich darüber auf, bekommt man zu hören, man (also frau) könnte sich ja einen Männerberuf suchen.“

                Was Sie verlangen, ist, daß die Wirtschaft anders funktionieren soll: Sie soll nicht mehr nach Produktivität oder Mehrwerterzeugung Berufe pekuniär bewerten, sondern z.B. nach ihrer Nützlichkeit für die Menschen oder die Gesellschaft. Man kann natürlich über sowas reden und vielleicht wäre es sogar schön, das so zu machen. Aber die Sache ist eine Frage der Wirtschaftsorganisation und kein Problem des Feminismus, des Geschlechterkampfes oder des Patriachats. Das haben Sie bei der Sache leider übersehen.

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                • Heidrun Jänchen says :

                  Gegen „Feminismus ist das, was ich als solchen definiere“ komme ich zweifellos nicht an. Es ist weitgehend sinnlos, auf dieser Grundlage zu diskutieren.
                  Nur eines:
                  “Es mag zwar sein, dass vor 1977 keine Frau zum Heiraten gezwungen wurde, aber es gibt gesellschaftliche Normen, denen man sich nur schwer entziehen kann.”

                  „Welche Norm meinen Sie? Die, nach der männliche Sexualität Männer zu Monstern macht oder die, nach der Frauen zu friedfertig sind, um Männer zu schlagen und daher aum jeden Preis beschützt werden müssen?“

                  Wie böswillig muss man eigentlich sein, um diesen Satz misszuverstehen und für ein Frauen-Bashing zu verwenden? Über Jahrhunderte galt es – für Frauen mehr als für Männer – als ausgesprochen unmoralisch, Sex außer der Ehe zu haben. Der Mensch ist nicht unbedingt fürs Alleinsein gemacht. Also wurde geheiratet, auch wenn die Nebenbedingungen idiotisch waren. Die meisten Leute stellen derartige Bräuche nicht in Frage, auch wenn sie dadurch todunglücklich werden. Was ausdrücklich Männer wie Frauen betrifft, wobei Männer mit unehelichen Kindern wesentlich weniger gesellschaftliche Probleme hatten als Frauen, die unter Umständen in Erziehungsheimen landeten, nur weil sie einen „liederlichen Lebenswandel“ hatten.
                  Warum zum Teufel sollte ich Männer für Monster halten? Es gibt ekelhafte Exemplare, aber die überwiegende Mehrheit besteht aus völlig normalen Menschen, und manche sind wirklich nett. Ich habe das Gefühl, Sie leben hier an mir irgendeinen Frust aus, den ich mir mit nichts anderem verdient habe als mit der Behauptung, das Eintreten für Frauenrechte sei zunächst erst einmal das Eintreten für Frauenrechte.
                  Mit den meisten Männern komme ich ziemlich gut klar, und Harald Stückers Argumentation ist meiner so verblüffend ähnlich, dass ich mich frage, ob ich nicht einen unehelichen Bruder habe, von dem ich nichts weiß. Das muss man nicht zur Kenntnis nehmen, wenn man auf jede, die fahrlässig das Wort „Feminismus“ in den Mund nimmt, verbal einschlagen will.

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                  • elmardiederichs says :

                    Daß sie gegen mich nicht ankommen, liegt nicht an mir, sondern ist der Tatsache geschuldet, daß sie Unrecht haben und ihre derailling-Versuche machen es nicht besser.

                    Im übrigens weiß ich nicht, was Sie persönlich denken und es spielt auch keine Rolle, da wir ja über soziale Normen sprachen.

                    Und damit keine Mißverständnisse aufkommen: Meine Freundin heißt Katja und sie ist Lehrerin in Berlin, danke der Nachfrage.

                    Es gefällt mir zudem nicht, daß sie die üblichen Frauenklischees bestätigen und in ihrer argumentativen Niederlage auch noch persönlich und beleidigend werden. Mit ihrem sozial inadäquatem Verhalten tun sie den Frauen nun wirklich keinen Gefallen.

                    Und last not least hat es wohl seine Gründe, daß Harald sich aus unserer Diskussion heraushält. Ich schlage vor, daß Sie seine Entscheidung respektieren – auch wenn er ein Mann ist.

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      • Konstanze says :

        Dem stimme ich zu!

        Außerdem: Sprache ist ja urdemokratisch und die schönsten Änderungen bringen nichts, wenn sie nicht gelebt werden. Und lächerliche Änderungen werden eben nicht gelebt.

        Gleichberechtigung muss in die Köpfe!

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    • Severus.Granger@web.de says :

      die Sprachverschandelung ist ja keine Symbol-, sondern Symptompolitik – Schal um Hals und Kragen rauf statt Türen und Fenster zu.
      ein positives Beispiel des Doppelsprech aber ist »Beamtin«, denn der und die Beamte hat ein Amt inne, ist beamtet – die Beamtin ist bloß 'ne Angestellte; dieser feine Unterschied geht aus der männlichen Form nicht hervor…

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  7. Statistiker says :

    Sprache ist eine Waffe, eine gefährliche Waffe. Wer die Beschäftigung mit dieser Waffe als Nonsens abtut……. naja…. mal so gesagt: man kann auch fragen: „Wer hat DEN Bleistift liegengelassen?“….. erfordert etwas Nachdenken und Reflektion…..

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  8. Melebert says :

    Ich habe letztens einen Vortrag von Eugen Drewermann über den Versuch eines neuen ethischen Ansatzes als den der christlichen Religion gehört. Er geht vom Ansatz des Mitgefühls und des gegenseitigen Respektes aus, was gerade bei den Standardwerken der christlichen Religion an vielen Stellen hinweggefegt wird und der Mensch als Herrscher gegenüber allem anderen und der Mann als Herrscher insbesondere gegenüber der Frau proklamiert wird. Christliche Religion porklamiert also weniger ein gemeinsames Miteinander als ein absolutes patriarchales Herrschaftssystem.

    Worum Feministen ja eigentlich kämpfen ist doch aber gerade der gegenseitige Respekt und ein von Mitgefühl geprägtes gemeinsames Miteinander. Insofern halte ich den Ansatz zu einer anderen Ethik von Eugen Drewermann auch für den Feminismus tauglich und zielführend.

    Sich bei der Umsetzung einer neuen Ethik _allein_ auf die Sprache zu stürzen ist sicher der falsche Weg, selbst wenn man die Verknüpfung von Sprache und Denken ausdrücklich hervor hebt. Es würde (wie in Kommentaren und im Artikel erwähnt) symbolhafte Fassadenreinigung bleiben, weil das Denken halt nicht nur durch Sprache bestimmt wird und Respekt und Mitgefühl durch aktives Vorleben anerzogen werden und nicht durch die Sprache vorgegeben werden.

    Sprache ist nur ein Punkt von vielen, wichtiger ist der tägliche Umgang miteinander, den wir so anderen Vorleben und dies so unseren Kindern mit auf dem Weg geben. Insofern halte auch ich den aktuellen Disput über die Entgenderung der Sprache als ein Scheingefecht, auf dass sich zu viele zu sehr und ausschließlich einlassen.

    Mich stört diese Verbissenheit dabei, diese Gedankenhaken, die man schlagen muß um politisch korrekt zu bleiben (und die nicht als Buhmann dazustehen) und mich stört diese Ausschließlichkeit, die in den Diskussionen drin steckt: Sprache entgendern als Allheilmittel.

    Mir hat der Artikel in vielen Punkten sehr gefallen.

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  9. Max says :

    Deine Argumentation am Anfang des Artikels ist sehr fragwürdig.

    „Wer zu Fuß geht“ hat keinen Genus. „Wer“ hat keinen Genus!

    „Wer hat seinen Bleistift liegen gelassen?“

    Wir könnten auch fragen: „Wer hat ihren Bleistift liegen gelassen?“ Aber damit deuten wir an, dass wir die Besitzerin des Bleistifts schon kennen und nach ihr nicht gefragt wird. Das heißt, „wer“ und „seinen“ beziehen sich auf die dieselbe (unbekannte) Person, „wer“ und „ihre“ beziehen sich auf verschiedene Personen.

    Das ist Ihre Sichtweise und vielleicht die ihres Umfeldes, aber deswegen darf man das nicht gleich verallgemeinern.
    Der daraus abgeleitete Vorschlag eine Sprache ohne Genus einzuführen halte ich auch für Überzogen den wir können im Deutschen solche Dinge sehr gut Geschlechtsneutral ausdrücken!

    „Wer hat einen Bleistift liegen gelassen?“

    Daher sind auch folgende Sätze grammatikalisch korrekt:

    „Wer hat seinen Lippenstift/BH/Tampon liegen gelassen?“

    Diese Worte zeigen sehr deutlich das Sie selbst über ihre Vorurteile reflektieren müssen! Alle diese Dinge kann ein Junge/Mann heute genauso mit sich herumtragen wie ein Mädchen/Frau.

    Habt ihr euch mal Tokio Hotel angeschaut? Jungen sind heutzutage teilweise mehr geschminkt als Mädchen. Und auch Männer greifen immer häufiger zu Beauty-Produkten.
    Pubertierende Jugendliche testen gern mal die Saugfähigkeit von Tampons und etliche Männer bringen diese problemlos beim Einkaufen für Freundin/Ehefrau mit.

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    • Harald Stücker says :

      Ja, „Wer hat einen Bleistift liegen gelassen“ funktioniert tadellos. Ich lasse immer alle Bleistifte liegen, wenn ich in der Schreibwarenabteilung bin und gerade keinen kaufe :)

      Aber im Ernst: Besitz anzuzeigen ist oft relevanter als das Geschlecht anzuzeigen. Leider läuft das Entgendern oft darauf hinaus, solch relevanten Informationen zu unterschlagen oder unökonomisch auszudrücken, nur um sich im Genus nicht festzulegen. Leider kommen wir aber nicht um eine solche Festlegung herum, solange wir noch ein obligatorisches Genus in unserer Sprache haben. Die berühmten „Studierenden“ z.B. funktionieren nur im Plural geschlechtsneutral. Sobald in den Singular gewechselt wird, muss auch der/die Studierende mit einem Genus markiert werden.

      Meine Vorurteile (ein anderes Wort für stillschweigende Annahmen) sind variabel. Momentan ist es noch so, dass ich den Besitz von Lippenstiften, BHs oder Tampons eher bei weiblichen Personen vermute. Noch treffe ich mit diesen Annahmen einigermaßen ins Schwarze.

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      • Statistiker says :

        a) Wieso ist es „unökonomisch“, die Aussage „Wer hat SEINEN Bleistift liegengelassen“ umzuformulieren in „Wer hat DEN Bleistift liegengelassen“?

        Wird hier wieder mensch nur auf reine Verwertungsmasse reduziert?

        b) Studierende: Wenn ich den Singular benutze, bezeichne ich eine konkrete Person. Zu sagen, der/die Stefan ist dämlich, daher geht Ihr Argument ins Leere, wenn Sie sich auf den Singular beziehen. Singulare bezeichnen keine Gruppen.

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        • Harald Stücker says :

          zu a) Diese Umformulierung ist nicht unökonomisch, sie ist aber unpräzise, wenn wir auch noch wissen möchten, wem der Bleistift gehört. Danach wird nämlich extra nicht gefragt, um sich nicht auch auf ein Geschlecht festlegen zu müssen. Unökonomisch sind Doppelformen wie „Bürgerinnen und Bürger“, daher kommen sie eigentlich nur in der politischen Rede und in Talkshows vor, und wenn Sie genau hinhören, können Sie feststellen, dass sie oft verschliffen werden. Interessanterweise wird oft gerade die längere weibliche Form verschliffen, wie z.B. in „Liebe Kommilitonunkommilitonen“.

          Verwertungsmasse? Offenbar haben Sie mich missverstanden. Ich meinte „ökonomisch“ nicht im Sinne von Real- oder Finanzwirtschaft, sondern „sprachökonomisch“. Denn auch die Sprache kennt eine Ökonomie. Das Produzieren von Signalen kostet etwas, das Verstehen auch, nämlich Hirnleistung und Zeit. Wenn wir die Ökonomie völlig außer Acht lassen, wird Kommunikation unmöglich. Ein Umstand, den dieser Sketch von Monty Python eindrucksvoll illustriert:

          zu b) Es gibt noch den Fall der unbestimmten Referenz: „Über den Täter wissen wir nichts, nur dass er ein Studierender ist“ oder „Ich möchte, dass sich ein Studierender freiwillig meldet.“

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  10. Frank Heinze says :

    Wie man in 40 Minuten den Genderismus versenkt

    Norwegen hat die Mittel für Gender-Forschung drastisch gekürzt. Ursache war eine Fernsehsendung des populären Komikers Harald Eia unter dem Titel „Das Gleichstellungs-Paradox“.

    Darin untersucht Eia sehr ruhig und sachlich den Widerspruch, dass nach jahrzehntelanger gendersensibler Erziehung die Mehrheit der Frauen vorwiegend Berufe im Sozial- Pflege-, und Erziehungsbereich anstrebt. Und die technischen Berufe zum allergrößten Teil von Männern gewählt werden. Die Vorliebe für „geschlechtstypische“ Berufe ist in Norwegen erstaunlicherweise viel größer als in Ländern, in denen Frauen durch Tradition und Religion in die klassische weibliche Rolle gedrängt werden.

    Eia stellt bekannten Gender-Theoretikern Fragen und überprüft ihre Antworten anhand der empirischen Forschungsergebnisse von Psychologen und Biologen zum Thema Geschlechterrollen und frühkindlichem Verhalten.

    Die TV-Sendung löste eine heftige öffentliche Reaktion aus. Als Folge wurde unter anderem das „Nordic Gender Institute“ zum Jahresende 2011 geschlossen.

    In Deutschland war diese Wende in der norwegischen Geschlechterpolitik kein Thema.

    Hier die drei ersten Teile der Sendung mit deutschen Untertiteln:

    Teil 1:

    Teil 2:

    Teil 3:

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  11. okasch says :

    Für mich ist es in diesem Zusammenhang ziemlich verwunderlich, wie sich Leute, die eigentlich dem „aufgeklärten“ Lager zuzurechnen sind, so leicht einem Aberglauben hingeben – oder wenn wir es nicht Aberglauben nennen wollen, dann doch zumindest eine recht naive Gläubigkeit. Sie sprechen hier ganz treffend von „Sprachmagie“.
    Ich frage mich, woher die Leute in diesem Zusammenhang eigentlich ihre Überzeugtheit nehmen. Ist da ein einziger dabei, der mit großem psychologischem Feingefühl an sich selbst eine Beeinflussung der Denkrichtung durch etablierte Sprachmuster festgestellt hat? Oder wird diese Theorie eher deswegen geglaubt, weil sie plausibel klingt? Möglicherweise auch, weil sie irgendwie was hippes hat, und man sich selbst dabei sehr weise wähnt?
    Logo, wird es jetzt viele geben, die für sich beanspruchen, die Sprachmagie in ihrer wahren Gestalt gesehen zu haben. Aber das tun Kirchenchristen mit ihrem Heiligen Geist auch.
    Ich kann zwar weder mit Sicherheit belegen, dass es den Heiligen Geist nicht gibt, noch dass es die Sprachmagie nicht gibt, aber ein Beweis dafür ist das ja nicht.
    Viele plappern die These von der Macht der Gedanken und des Glaubens nach, ohne einen wirklich lebendigen Bezug dazu zu haben. In Bezug auf die sprachliche Hülle der Gedanken passiert nun das gleiche. Beides aber sind meiner Meinung nach Thesen, mit denen man – jeder für sich selbst – hart ins Gericht gehen sollte.

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  12. Manfred says :

    Aber dann bitte auch umgehend den „Hebammer“ einführen !

    Und eine dritte Gruppe bliebe in der sprachlich „korrekten“ Form trotzdem noch ausgeschlossen:

    „Mutti, was ist ein Transvestit?“
    „Frag‘ deinen Vater – die kann dir das besser erklären“

    ;-))

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  13. user unknown says :

    Der grundlegende Irrtum ist ja, dass der sprachliche Genus ein sexuelles Geschlecht unterstellt, und das, obwohl von den zigtausend Substantiven mit sprachlichem Geschlecht (der Hammer, die Zange, der Löffel, die Gabel) nur ein Bruchteil mit dem körperlichen Geschlecht zu tun hat (Vater, Onkel, Mutter, Tante…).

    Der zweite Irrtum ist, dass sich Sprache qua Verordnung bildet. Sprache muss im Alltag benutzbar sein und benutzt werden. Wer zu doof ist zu merken, dass ein Studierender etwas anderes ist als ein Student, aber nicht vom Geschlecht her, dem sollte die Sprache nicht als Feld das er regelt überlassen werden.

    Die Beispiele haben mir sehr gefallen.

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    • elmardiederichs says :

      „Der grundlegende Irrtum ist ja, dass der sprachliche Genus ein sexuelles Geschlecht unterstellt“

      Wirklich ein guter Gedanke …. tolle Anregung … danke! :-)

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      • Bombe 20 says :

        Das wirklich absurde ist doch das:

        Ursprünglich bedeutete das englische Wort „Gender“ ja „grammatisches Geschlecht“, bevor es von Soziologisten wie Dr. John Money als Begriff für „soziales Geschlecht“ umdefiniert wurde.
        Und nun können (oder wollen) ausgerechnet diese Leute, die ständig betonen, daß „Sex“ und „Gender“ nicht zwangsläufig deckungsgleich sein müssen, den Unterschied zwischen Sexus und Genus nicht begreifen?

        Deshalb spreche ich bei diesen ganzen Sprachverschandelungen ja auch von „sexualisierender Sprache“:
        Wenn ich zum Beispiel höre, viele Bürger seien zur Eröffnung der neuen Stadthalle gekommen, dann stelle ich mir eine Menge Menschen vor, die interessiert durch einen Neubau streifen. Vermutlich Männer und Frauen, Junge und Alte, Dicke und Dünne, Weiße, Schwarze und Bunte, aber das ist in der Sache einfach nicht relevant.
        Lese ich aber stattdessen von Bürgerinnen und Bürgern, BürgerInnen, Bürger)*/-_InneN oder Bürgernden, dann wird -vollkommen irrelevanterweise- das Geschlecht dieser Menschen hervorgehoben. Die Hälfte dieser Menschen hat Brüste, die andere einen Penis, einige vielleicht sogar beides. Nur: Wieso sollte das wichtig sein? Wäre ich vorher auf die Idee gekommen, nicht eine einzige Frau hätte sich das Gebäude angeschaut? Natürlich nicht. Die einzigen Menschen, deren Denken offenbar den ganzen Tag um den alten, weißen, heterosexuellen Mann kreist, scheinen doch Feministinnen zu sein.

        Bombe 20

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        • elmardiederichs says :

          Ja, verstehe. Ich werde versuchen, diesen Gedanken auszubauen. Ihr Hinweis denkt sich übrigens mit einer Beoachtung aus der Wirtschaft, die ich schon gelesen habe: Wer nach ManagerInnen sucht, der erhält fast nur weibliche Bewerbungen. Wer nach Managern sucht, männliche und weibliche Bewerbungen.

          Eine künstliche Sexualisierung der Sprache ist in der Tat eine gute Erklärung für dieses Phänomen.

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  14. Claus/Claudia says :

    Ihr diskutiert, ob man „Wer hat seinen Bleistift liegen gelassen“ oder „Wer hat einen Bleistift liegen gelassen“ sagen soll.

    Konsequenterweise müsste man aber doch formulieren: „Wer hat den/die Bleistift/-in liegen gelassen“ ;-)

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  15. HansS says :

    wer zu Fuss geht? Das klingt wie aus dem Film wer mit dem Wolf tanzt oder Steht mit einer Faust (richtig?). Die Verlaufsform ist ja auch so ein Dilemma dabei und ich glaube da manchmal, da sollten welche eher zum Psychiater mal gehen. die Phase als Politiker nur mehr Visionen über Deutschland hatten ist ja vorbei. Nur war ja der Normal-Mensch nur den Stigmata ausgeliefert gewesen.

    Dieser Zynismus ist doch längst überzogen und ob das nur mit rationalen Auseinandersetzungen bewältigbar ist, habe ich eher meine Zweifel.

    Bewältigbar bedeutet hier doch, dass es Menschen im Staat über wird, was da alles so geschieht und für viele ja nicht mehr nachvollziehbar wird; und die Weichen sollten mal anders wieder gestellt werden. Nur wieso tut das niemand, sondern da ist die Haltung des Zuschauens und Geschehen-lassens oder der schlechten Prophetie: das wird doch nie etwas und kann nur lachen dazu?

    Mich haben schon vor 20 Jahren zahlreiche MitkommInnen genervt mit ihren Sprüchen; man oder Mann bis hin zu Kleinschreibungen und haben alle auch die Pädagogik studiert gehabt, aren zudem strickend im vorleusngssaal, nannten manche Professoren Opatypen und was wir t den theorien der Alten denn sollen und nebenbei rief jemand den VAMV vor Ort ins Leben mit dem Slogan: Männer sind ja nie zu Hause und tun nichts für die Erziehung.

    Ich sagte jener, sie solle mich mal mit Verlaub geflissentlich nicht so beleidigen.

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  16. janschreiber says :

    Hat dies auf Sprache und so Zeug rebloggt und kommentierte:
    Mhm … erinnert an das, was ich vorgestern versucht habe zu sagen.

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  17. Luc says :

    Hallo Harald,

    ich habe dein Blog schändlicherweise erst vor ein paar Tagen entdeckt und lese seitdem immer mal wieder quer. Daher erst einmal vielen Dank für die offensichtliche Mühe, die du fürs größere Wohl ;-) in die fundierten Artikel steckst. Zum Thema, wenn auch der Post schon etwas älter ist, noch ein grundlegender Aspekt (Repost meinerseits).

    “Generisches Maskulinum” ist bereits ein unglücklicher Begriff und wird in der Linguistik auch kritisiert, und zwar weil es strenggenommen gar kein Maskulinum ist.

    Dass man es überhaupt als solches ansehen kann kommt natürlich vom gefühlten Komplement -innen: “die Studentinnen” beinhaltet die eindeutige Information “weiblich”, und wird dann eben als Komplement zu “die Studenten” gesehen, was folglich männlich sei. Tatsächlich muss ich aber, wenn ich ausdrücklich nur Männer ansprechen und Missverständnisse vermeiden will, auch nach heutigem Sprachverständnis “die männlichen Studenten bleiben bitte noch hier” sagen, weil “die Studenten” für sich genommen nicht eindeutig ist und sich alle angesprochen fühlten. Männer werden hier inhaltlich genauso „mitgemeint“ wie Frauen. Wenn ich sage: “alle Autofahrer” dann geht man sprachlich davon aus, dass Frauen und Männer gemeint sind. Während “alle Autofahrerinnen” definitiv nur Frauen meinen kann.

    Dass dieses Sprachverständnis so existiert und funktioniert kommt natürlich nicht von ungefähr, hat aber, und das ist der Punkt, mit patriarchalen Gesellschaftsstrukturen wenn überhaupt nur mittelbar etwas zu tun.

    Das heute als “männlich” bezeichnete Genus ist sprachhistorisch ursprünglich gar nicht männlich. Im urindogermanischen, aus dem (fast) alle europäische Sprachen entstanden sind, gab es nur zwei Genera: eins für Sachen, und eins für “lebendiges”, ohne nach Geschlechtern zu trennen. Irgendwann vor den alten Griechen kam ein drittes Genus dazu, dass neben der Information “lebendig” noch die Information “weiblich” trug, das klassische Femininum. Erst daraufhin hat sich bei manchen Wörtern (z.b. lat. Amicus/amica Freund/Freundin bzw. die gesamte o/a-Deklination) das “lebendig”-Genus zu einem gedachten Komplement des neuen Femininums entwickelt.

    Die ursprüngliche geschlechtslose Bedeutung hat sich im Sprachverständnis aber insb. im Plural bis heute erhalten, und deshalb muss man eben “alle männlichen Studenten bleiben bitte noch kurz hier” sagen, wenn man nur die Männer ansprechen will, während “alle Studentinnen” eindeutig ist. Der Standardplural auf -en/-er ist geschlechtslos, „-innen“ ist der Spezialfall, nicht das Komplement.

    Dass „liebe Mitbürger“ Frauen unsichtbar machen würden, ist also nicht mehr als eine auf den ersten Blick nicht völlig absurde Behauptung, die man nur durchhalten kann, wenn man sein Sprachverständnis ignoriert und aufs bloße Schriftbild (Bürger – Bürgerinnen -> Gegensatzpaar) abstellt. Wenn man das macht, müsste man aber konsequenterweise auch gleich den gesamten deutschen Plural abschaffen. Der wird bekanntlich ausschließlich aus der femininen Form gebildet:

    der Muskel – “die” Muskeln.

    Das ist nicht das Problem von Heinz und Peter – das ist nicht “ihr” Problem.

    Dass an der Stelle Männer unsichtbar gemacht würden leuchtet jedem sofort als der Quatsch ein, der eine solche antiintellektuelle, Sprachgefühl wie harte Sprachhistorie ignorierende Argumentation nunmal ist.

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    • Harald Stücker says :

      Vielen Dank für den fundierten Kommentar, Luc. Leider ist das von Dir skizzierte Argument zu komplex, um es in die politische Diskussion zu schaffen. Das feministische Argument: „Wir werden nicht mitgemeint!“ ist hingegen einfach genug, um alle zu überzeugen.

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      • Luc says :

        Das ist wohl das ewige Dilemma, wenn man sie lässt, gewinnen immer die Dummen.
        Ich wollte den Aspekt eher zum allgemeinen Interesse hier auf dem fruchtbaren Boden deines Blogs posten. ;)

        Das Schlimme ist ja nicht zuletzt, dass selbst (oder gerade..) an Universitäten die absurden Folgen dieses von Sprachgefühl oder gar Sachverstand ungetrübten Sprachverständnisses immer stärker zu besichtigen sind. Ich habe einen gerade vor seiner Verbeamtung stehenden Bekannten, der aus seinem Studium erzählt, er habe in Seminararbeiten Notenabzug für nicht „gendersensible“ Sprache befürchten müssen. Von Herr Professorin ganz zu schweigen.

        Der Lichtblick daran ist sicher, dass diese Vorgänge nur im größeren Licht des noch mächtigen und mehrheitlich unhinterfragten Gender Mainstreamings überlebensfähig sind. Hoffentlich.

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    • Luc says :

      Für alle interessierten: die bei Klett-Cotta erscheinende (sehr renommierte) Kulturzeitschrift „Merkur“ hat mit der Dezemberausgabe den Anfang einer kritischen Reihe des Sprachwissenschaftlers Daniel Scholten (betreibt http://www.belleslettres.eu) veröffentlicht, die sich fundiert mit den Sprach“neutralisierungen“ der Genderideologie beschäftigt. Der Einzelartikel kostet zwei Euro.

      http://www.klett-cotta.de/ausgabe/MERKUR_Heft_12_Dezember_2013/40767

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      • user unknown says :

        Auf Scholten und seine BellesLettres-Artikel und -Videos, insbesondere eines wollte ich auch noch hinweisen, gratis und in Farbe, Text: http://www.belleslettres.eu/artikel/genus-gendersprech.php , Video: http://www.belleslettres.eu/artikel/der-oder-das-blog_genus.php

        Noch zwei Informationsfetzen: Wenn es so wäre, dass es eine alte Verschwörung gäbe, die beschloss Frauen auszuschließen und auch diesen Effekt gehabt hätte, müsste dann das Wort „Person“ nicht als Ausnahme jedermann sofort ins Auge oder Ohr stechen? Die Person – das Wort ist weiblich. Wie könnten sich Männer mitgemeint fühlen, wenn sie aus purer Selbstverständlichkeit nicht mehr wahrnähmen, dass der Brite, der Fußgänger, der Dieb selbstverständlich eigentlich nur Männer meint und Frauen nur zur Not mitgemeint wären, und je nach Fall?

        Wenn man aber dieses Sprachgendern als politische Maßnahme begreift, Bewusstsein zu schaffen bis Frauen überall selbstverständlich sind – in der Sprache zumindest – dann hat man das Dilemma, dass es in dem Moment, da es selbstverständlich geworden ist, nicht mehr hört, also überflüssig geworden ist.
        Dass das Mitglied sächlich ist hört auch niemand, oder das Weib, das Mädchen.

        2. Die Partizipkonstruktionen haben gerade im Straßenverkehr bereits eine Bedeutung, die nicht deckungsgleich ist mit der generischen Form. Ich war schon oft ein Busfahrender, aber – gerade auch zum Vorteil anderer Busfahrender – niemals Busfahrer. Wenn man sagt, der Busfahrer darf nur 0 Promille Alkohol haben, dann ist das etwas anderes als wenn es für Busfahrende gelten würde.

        Außerdem gibt es Wörter die sich nicht gendern lassen, wie etwa der Prüfling.

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        • Heidrun Jänchen says :

          Es gibt ein noch schöneres Beispiel für ein generisches Femininum: die Fachkraft.
          Dagegen würde ich vehement widersprechen, dass niemand merkt, dass Weib und Mädchen sächlich sind. In der Literatur ist das ein steter Quell des Ärgers, weil es sich spätestens bei zwölfjährigen weiblichen Wesen völlig abartig anhört, sie mit „es“ zu betiteln. Ich wäre sehr dafür, zu „die Maid“ zurückzukehren. Das würde einem diesen Krampf ersparen. Klingt ungewohnt, aber ich finde es echt seltsamer, eine eindeutig weibliche Person als sächlich anzusprechen, als mich bei „die Physiker“ mitgemeint zu fühlen.

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