#Prism #NSA #Naivität #Heuchelei

 „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ In diesem Zitat von Benjamin Franklin steckt eine große Wahrheit, allerdings ist es nur die halbe. Denn auch wer die Sicherheit um der Freiheit willen aufgibt, riskiert beides. Zusammen ergibt sich daraus ein Dilemma. 

© F.d.W, CC BY-NC-ND 2.0

Menschen beim Vertrauen auf Sicherheit, © F.d.W, CC BY-NC-ND 2.0

Die Debatte über #Prism und die #NSA hat erhebliche Schlagseite. Das Dilemma scheint den Kritikern überhaupt nicht bewusst zu sein. Meist wird nur das Grundrecht auf Datenschutz und Privatsphäre gesehen, die Erhöhung der Sicherheit wird entweder gering geschätzt oder grundweg geleugnet. Diese einseitige Empörung auf nahezu allen Kanälen finde ich erstaunlich.

Auch wenn sich das Folgende wie ein Plädoyer für eine flächendeckende Überwachung liest, sehe ich doch durchaus auch die Monstrosität der Überwachung und die Bedrohung durch einen Missbrauch der Daten. Ich will aber für zwei Thesen argumentieren:

  1. Die Entwicklung zur Überwachung folgt einer evolutionären Logik und ist unvermeidlich, daher zeugt der Ruf nach einem Ende der Überwachung von #Naivität.
  2. Wir alle profitieren erheblich von der erhöhten Sicherheit durch die Überwachung, daher zeugt diese Empörung auch von #Heuchelei.

1. #Naivität

Was unsere Privatsphäre in der Vergangenheit vor allem geschützt hat, waren weniger Gesetze als vielmehr die analoge Natur unserer Kommunikation. Jetzt sind wir alle im Internet, das aber ist vollständig digital. Damit eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten in allen Bereichen des Lebens, und vieles wird revolutioniert. Begeistert nehmen wir die Vorteile in Konsum und Kommunikation an, achtlos vernichten wir damit gewachsene wirtschaftliche Strukturen. Überall verstreuen wir Datenspuren und schaffen so die Möglichkeit, diesen Spuren nachzuspüren.

Es ist in der Geschichte der Menschheit – ja in der Geschichte der Evolution – noch nie vorgekommen, dass ein solcher Vorteil nicht genutzt worden wäre. Datenschutzgesetze können einen gewissen Schutz bieten gegen den Datenmissbrauch durch Privatpersonen, einen geringeren gegen den durch Unternehmen, aber wer kann so naiv sein und glauben, dass auch Geheimdienste durch ein Gesetz daran gehindert werden könnten, solche Datenspuren zu sammeln und auszuwerten? Ein Geheimdienst trägt seine Bezeichnung nicht umsonst. Spionage, auch Industriespionage, gehörte immer zu den Aufgaben der Geheimdienste, und sie war im ausspionierten Land immer illegal. Alan Posener schreibt dazu:

Glaubt also irgendjemand, der Bundesnachrichtendienst etwa halte sich bei seinen Auslandseinsätzen immer an Recht und Gesetz der Länder, in denen er operiert? Natürlich tut er das nicht. Das Sammeln von Informationen etwa über das Atomprogramm des Iran ist per se verboten. Man will hoffen, dass der BND es dennoch tut – oder dass er zumindest mit Geheimdiensten wie dem Mossad oder der CIA zusammenarbeitet, die das nachweislich tun.

Statue von Alan Turing in Bletchley Park, © Jon Callas, CC BY 2.0

Und Spionage war es im Übrigen auch, die unsere digitale Informationstechnik entscheidend vorangebracht hat. Als Alan Turing mit seinem Team in Bletchley Park die deutsche Enigma knackte, war dies nicht nur ein Meilenstein für den Sieg der Alliierten, sondern auch für die Entwicklung der IT. Das Internet selbst ist aus militärischen Gründen entwickelt worden, und es wird natürlich auch weiterhin intensiv militärisch genutzt. Wie könnte es anders sein? Jetzt nutzen wir es auch im zivilen und in unserem sehr persönlichen Leben, und verlangen, dass alle anderen Nutzungen unterbleiben. Aber die allgemeinen evolutionären Prinzipien hören nicht auf zu wirken, nur weil ein Status Quo uns gerade so gefällt, wie er ist. Das Wettrüsten geht immer weiter. Der Ruf nach einem Ende von Spionage und Überwachung ist daher wie der Ruf nach einseitiger Abrüstung: grenzenlos naiv. Und genauso gefährlich.

Tatsächlich bestehen mindestens zwei Parallelen im Sinne meiner beiden Thesen zwischen Atomwaffen und Überwachung. 1. Die Entwicklung von Atomwaffen war – so wie die Entwicklung jeder Waffengattung, die technisch möglich wird – militärisch unvermeidlich. Seitdem müssen wir mit dem Gleichgewicht des Schreckens leben. 2. Unsere Sicherheit, unser gegenwärtiger Frieden wird nur durch den Schutz der Sprengköpfe garantiert. Eine Proliferation von Massenvernichtungswaffen in einer asymmetrischen Kriegssituation kann dieses Gleichgewicht des Schreckens zerstören.

2. #Heuchelei

Terrorabwehr ist eine asymmetrische Kriegssituation. Die Feinde verschanzen sich auch in der eigenen Bevölkerung und sind nicht ohne weiteres identifizierbar. Viele Anschlagspläne sind durch statistische Datenauswertungen verhindert worden. Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass Deutschland einem Anschlag mit Sprengstoff-Modellflugzeugen entgangen ist. Jetzt hört man die seltsamsten Argumente, um diese Erfolge klein zu reden. Z.B. in der Süddeutschen:

Durch die großangelegte Internet-Überwachung um Prism seien 45 Terroranschläge vereitelt worden, davon allein fünf in Deutschland, sagte [Innenminister Friedrich]. Auf der Regierungspressekonferenz am Montag schien nun durch, dass offenbar nicht ausschließlich konkrete Anschläge verhindert, sondern teilweise auch nur „Überlegungen“ dazu durchkreuzt wurden.

Das soll ein Gegenargument sein? Es stimmt schon, in einem Thriller macht es sich immer gut, wenn der Zünder in der letzten Sekunde gezogen wird, aber in unserer Realität ist eine frühe Aufdeckung nicht etwa ein Versagen, sondern der größtmögliche Erfolg eines Anti-Terrorprogramms!

Im Übrigen kann das Argument nicht lauten: „Es wurden ja noch gar keine Anschläge durch Prism vereitelt!“, auch nicht: „Es können nicht alle Anschläge vereitelt werden!“, sondern, damit es überhaupt als Argument zählen kann, muss es lauten: „Es können gar keine Anschläge durch Prism vereitelt werden!“ – Das aber ist sicher falsch.

Ein ähnlicher Konflikt zwischen Freiheit und Sicherheit findet sich im Falle der Prophylaxe gegen Epidemien, bei der Impfung. Die Impfung mag Nebenwirkungen haben, aber ihre größte und wirkungsmächtigste Nebenwirkung ist ihr Erfolg. Wer die Seuche nicht mehr selbst erlebt hat, verliert die Angst und damit die Motivation zum Schutz. Wissen allein reicht offenbar nicht aus.

Wenn keine Anschläge stattfinden, wähnt sich die Bevölkerung in Sicherheit, und die Akzeptanz von Sicherheitsmaßnahmen sinkt. Dabei wissen wir doch alle, dass es Menschen gibt, die planen, uns zu töten. Aber offenbar reicht das Wissen allein nicht aus, um die Gefahr auch zu spüren. Dabei geht es nicht nur um Kofferbomben (nur?!), es geht auch um die Proliferation von Massenvernichtungswaffen. Diese Gefahr geht nicht von den USA aus. Gegen diese Gefahr schützen uns auch Programme wie Prism. Wer soll eigentlich die Verantwortung dafür übernehmen, wenn die NSA wegen der Proteste die Überwachung mit Prism jetzt tatsächlich einstellen sollte? Dazu schreibt Jan Fleischhauer sehr treffend:

Wenn demnächst in Hamburg oder Frankfurt eine Kofferbombe explodiert, weil wir zu spät die Verbindungsdaten der Täter gesichtet haben, wäre es schön, wenn die Justizministerin den Mut fände, den Leuten zu erklären, dass solche Anschläge nun einmal der Preis sind für das informationelle Selbstbestimmungsrecht, auf das wir im Augenblick so große Stücke halten.

Auch für die Terrorabwehr gilt also, dass gerade ihr Erfolg ihre schwerwiegendste Nebenwirkung ist.

Neue Technologien führen oft genug dazu, dass sich Unglück in Ungerechtigkeit und Ohnmacht in Schuld verwandelt. Sie schaffen neue Optionen und werfen uns damit neue moralische Probleme vor die Füße. Ein Beispiel:

Die Fernsehserie Person of Interest (2011) spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft. Nach 9/11 wurde ein riesiges Spionagesystem aufgebaut, das alles und jeden ausspioniert. (Bis hierhin ist es noch keine Fiktion.) Aus all diesen Daten erstellt das System eine Prognose darüber, wer in unmittelbarer Zukunft von einem Gewaltverbrechen betroffen sein wird. Da die Behörden nur daran interessiert sind, medienwirksame Terrorattacken zu verhindern, teilen sie die Daten in zwei Gruppen ein: relevant und irrelevant. Die relevanten Daten, die eine große Opferzahl vorhersagen, werden an die entsprechenden Stellen weitergeleitet, die irrelevanten Daten sagen gewöhnliche Straftaten mit einzelnen Opfern vorher. Sie werden jeden Abend gelöscht.

Einer der Programmierer empfindet diese Löschung als moralisch falsch. Schließlich eröffnen diese Daten eine Möglichkeit, Verbrechen direkt zu verhindern. Er zapft diese „irrelevante“ Liste an und versucht mit seinem Team auf eigene Faust, das wahrscheinlich bevorstehende Verbrechen zu verhindern.

Im Gegensatz zu der ähnlichen Plotline in Minority Report von Philipp K. Dick kommt dieses Szenario ohne parapsychologische Elemente aus. Es ist realistischer. Es spitzt die Frage der Rechtfertigung einer generellen Überwachung auf einen Punkt zu, an dem unsere Intuitionen kippen könnten. Wenn das Unvermeidliche vermeidbar wird, wird es moralisch relevant. Das Löschen der „irrelevanten“ Liste ist eine aktive Handlung, ein aktives Wegschauen. Damit bietet es auch einen guten Test in der gegenwärtigen Diskussion: Was würden Sie tun? Würden Sie die „irrelevante“ Liste löschen? Oder würden Sie den Hinweisen nachgehen wollen?

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

About Harald Stücker

Harald Stücker

16 responses to “#Prism #NSA #Naivität #Heuchelei”

  1. Kniffes says :

    Was mich an der ganzen Geschichte stört ist weniger die Tatsache, dass (halb)öffentliche (Meta)daten abgegriffen und ausgewertet werden. Dass das passiert, konnte man sich ja im Grunde wirklich denken. Google macht im Grunde für ihre personalisierte Werbung ja nichts anderes, nur aus kommerziellen Gründen. Was mich dann aber doch ein bisschen frustiert ist die Tatsache, dass große Softwarehersteller wohl direkt mit der NSA zusammenarbeiten. Was ein ausländischer Geheimdienst macht, lässt sich eh nie so genau überprüfen geschweige denn zur Rechenschaft ziehen. Microsoft und Google lassen sich aber sehr wohl vor Gerichte zerren.

    Gefällt mir

  2. lawgunsandfreedom says :

    Soweit es sich um die Aspekte Freiheit und Sicherheit dreht, die gegeneinander aufgerechnet werden, bin ich ganz bei Ihnen.

    Mein Problem mit Schnüffeldiensten ist, daß sie intransparent sind. Geheimdienste sind nicht kontrollierbar, sie bilden einen Staat im Staat, sind streng hierarchisch aufgebaut und agieren oft mit höchst undemokratischen und menschenrechtsfeindlichen Methoden. Meist nach dem Motto: „Wir dürfen das, sonst sind wir nicht effektiv“.

    Geheimdienste schaffen sich ihre Existenzberechtigung selbst, indem sie die Gefahr, vor der sie die Bürger und den Staat eigentlich schützen sollen, selbst erzeugen. Klassische Beispiele:

    – RAF -> Peter Urbach http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Urbach
    – „Sauerlandbomber“ -> scharfgemacht von FBI/CIA-V-Mann http://de.wikipedia.org/wiki/Sauerland-Gruppe
    – „Celler Loch“ -> Staatsterrorismus http://de.wikipedia.org/wiki/Celler_Loch
    – Unterstützung diverser Nazigruppierungen
    – Gladio -> Staatsterrorismus http://de.wikipedia.org/wiki/Gladio

    In den USA sollen von 508 vereitelten Terroranschlägen nur 3 nicht vom FBI eingefädelt worden sein. http://www.motherjones.com/politics/2011/08/fbi-terrorist-informants

    Geheimdienste sind daher sowohl ein Teil des Problems, als auch Teil der Lösung. Wenn die Dienste aber mehr Probleme schaffen, als sie lösen, dann ist das eine Gefahr für Demokratie und Bürger.

    Es ist wahr, daß Sicherheit und Freiheit sich gegenseitig beeinflussen. Absolute Freiheit kann zu Anomie führen und kann deshalb als unsicher betrachtet werden. Absolute Sicherheit führt zu Totalitarismus. Deshalb müssen Freiheit und Sicherheit fein abgewogen und gegeneinander abgestimmt und ausgeglichen werden.

    Was nun das Beispiel mit der „Verbrechensliste“ angeht. Wer die Abläufe innerhalb von Polizei und Justiz ein bisschen kennt, der weiß, daß trotz einem hohen Sicherheitsbedürfnis der Bürger (egal wie realistisch/unrealistisch) immer wieder gefährliche Straftäter auf freien Fuß gesetzt werden, obwohl sie eigentlich in Sicherheitsverwahrung gehören. Bekannte Intensivtäter lässt man laufen, oder fasst sie gar nicht erst an – obwohl man die Handhabe dazu hätte (z.B. Miri-Clan in Bremen). http://de.wikipedia.org/wiki/Miri-Clan

    Man lässt also schon lange bekannte Straftäter auf den Bürger los, ohne diesen davor zu schützen. Bei „Terrorismus“ dagegen werden oft keine Mittel und Ausgaben gescheut, obwohl Terrorismus weit seltener ist, als gewöhnliche Gewaltverbrechen.

    Offensichtlich kann man gut damit leben, daß man seine Bürger Raub, Körperverletzung, Mord und Totschlag aussetzt, solange es von Seiten der Verbrecher kommt. Im Falle des Terrorismus, der grade in Deutschland bisher nur extrem wenige Opfer gefunden hat, scheint das nicht zu gelten. Islamische Terroropfer gibt es sogar genau „Null“. Dafür einige, die auf das Konto linker Gruppen (RAF) und rechter Gruppen (NSU) gehen, und vermutlich etliche Opfer, die dem Staatsterrorismus zum Opfer gefallen sind. (Wobei das noch zu Beweisen wäre. Es gibt nur Hinweise darauf – zumindest in Deutschland. Für andere Länder sind diese Beweise schon erbracht).

    Die Effizienz/Effektivität der Dienste ist auch so ein Thema. Einerseits kann man nicht wirklich beurteilen, wie effizient die Datensammelwut ist, weil … das ist ja geheim und man kriegt ja nur die Infos, die die Dienste herausgeben, ohne tatsächlich prüfen zu können, ob das Material der Wahrheit entspricht. Man muß blind Vertrauen und Glauben. Andererseits, wenn ein Aufwand von vielen Milliarden Dollar nun einige Anschläge verhindert hat … wo ist die Kosten-/Nutzen-Rechnung?

    Der beliebte Spruch: „Wenn nur ein einziger Anschlag verhindert werden kann, dann ist das den Aufwand wert!“, ist ja erwiesenermaßen Unsinn. Wir begeben uns jeden Tag in weit gefährlichere Situationen und sterben weit öfter an anderen, selbst- oder fremdinduzierten, Ursachen, als uns Terroranschläge jemals zugefügt haben.

    Da fehlt es ganz massiv an Risikowahrnehmung und Risikokompetenz.

    Ach ja … wer sich aktiv der Schnüffelei entzieht um seine Privatsphäre zu schützen … der ist per se schon verdächtig. Auch das ist eine pauschale Vorverurteilung des Bürgers. Denn … wer verschlüsselt, hat anscheinend was zu verbergen und muß ja deswegen ein Verbrecher sein. Zumindest verdächtigt man ihn dessen.

    Fazit:
    Geheimdienste arbeiten nicht transparent.
    Geheimdienste arbeiten erwiesenermaßen oft außerhalb der Legalität (Folter, Agent Provokateurs, etc.)
    Geheimdienste bespitzeln unterschiedslos jeden.
    Geheimdienste können nicht kontrolliert werden.

    Die Massenschnüffelei ist nur ein Aspekt von vielen innerhalb des ganzen Themenkomplexes. Aktuell sind, meiner Meinung nach, viele Aktionen der Geheimdienste für die Demokratie schädlicher als ihr Nutzen. Denn die „versprochene (virtuelle) Sicherheit“ kann trotz gigantischer Datenbanken und ausgefeilter Such-Algorythmen nicht hergestellt werden. Weder 9/11 noch der Anschlag in Boston konnte dadurch verhindert werden. Auch die Rasterfahndung gegen die RAF in den 70ern hatte eher klägliche Ergebnisse – dafür wird ganz pauschal die Unschuldsvermutung aufgehoben. Jeder ist verdächtig, jeder ist ein potenzieller Verbrecher, Terrorist oder Staatsfeind.

    Wir dürfen gespannt sein, wie es weiter geht.

    Gefällt 1 Person

  3. Stefan Schritt says :

    Das Problem ist noch tiefer, als dieser Artikel geht.

    Freilich können wir viele Verbrechen – seien es Terror, Entführungen, Betrug oder Kinderpornoringe – durch eine vollumfängliche Überwachung sehr wirkungsvoll verhindern.
    Die Frage muss aber gestellt werden, wo die Grenze liegt, und welcher Kollateralschaden der schwerwiegendere ist. Ist das eine oder andere „irrelevante“ Verbrechen ertragbar, obwohl es – zumindest theoretisch – hätte verhindert werden können ? Und wie schaut es im Gegenzug mit der Selbstbestimmung über persönliche Daten aus ? Sind wir bereit, uns ggf. lückenlos überwachen zu lassen, zu Gunsten der polizeilichen Arbeit ?

    Die Erfahrung lehrt uns, daß im Zweifelsfalle eher mehr als weniger gespeichert wird. Fühlen wir uns noch wohl, wenn ein Server bei irgendeinem Geheimdienst alles über uns archiviert ? Wann morgens der Wecker klingelt, wo wir uns wann aufhalten, und was wir dort tun ? Mit wem wir sprechen – und den Wortlaut jedes Telefonats und jeder Mail ? Was wir kaufen, welche Dienstleistung wir in Anspruch nehmen, mit welchen Problemen wir zum Arzt oder Anwalt gehen ?

    Es gibt einen Spruch – „Überall Polizei … man fühlt sich so unsicher“. Und so weit hergeholt ist das nicht.
    Die fehlende Kontrolle über die Geheimdienste kommt dann nur noch als i-Tüpfchelchen daher.

    Die Frage ist, wie viel asymmetrische Transparenz wir zu ertragen bereit sind. Gläserne Bürger in einem verschleierten Staat werden sich nicht sicher fühlen, ungeachtet möglicher sinkender Kriminalitätsraten.
    Dann werfen wir noch eine Prise „Zweck heiligt die Mittel“ in den Topf (Guantanamo z.B.), und fertig ist eine brisante Mischung aus dem Gefühl, ständig überwacht zu werden, und der Angst, plötzlich unter falschen Verdacht zu geraten – mit allen zweckheiligenden Konsequenzen.

    Ein Leben in Freiheit bringt immer auch ein Risiko mit sich – nämlich das der Freiheit des anderen. Wer dieses Risiko nicht auf sich nehmen will, macht sich zur Verfügungsmasse „des Systems“.

    Gefällt mir

  4. bertfritz says :

    Sicherheit ist wichtiger als die „Möglichkeit“, dass irgendjemand durch Zufall eine email von mir an XY lesen kann. Die Leute interessieren sich nicht für meine Daten und verkaufen sie auch nicht an American Express, sondern sie werten die umfangreichen Filter aus, um an böse Buben zu kommen. Für mich ist das in Ordnung.

    Gefällt mir

    • Stefan Schritt says :

      Vielleicht sollte man das Thema noch ein wenig erweitern. Denn die Überwachung wird ja gerne und oft mit dem Terrorismus begründet, und da ist es ja nicht von der Hand zu weisen, daß der ein oder andere „böse Bube“ gar kein Problem wäre, wenn er nicht von eben jenen Geheimdiensten, die ihn zur Strecke bringen wollen, in der Vergangenheit erst in seine Position manövriert oder zumindest unterstützt worden wäre – frei nach dem Motto „der Feind meines Feindes ist mein Freund“.

      Eventuell sollte man die Überwachung durch die Geheimdienste mehr im Kontext dessen betrachten, was die Geheimdienste eigentlich so alles tun. Wir schieben weltpolitisch immer noch viele Restbestände des kalten Krieges vor uns her, und einige davon sind zum Klotz am Bein derer geworden, die sie vormals noch als strategisch wichtig erachteten.

      Gefällt mir

  5. Siggy Sauter (@Syggiy) says :

    Herr Stücker hier muss ich aufs schärfste widersprechen und bin doch irritiert welche Argumente sie anbringen. Insbesondere der Vergleich mit Impfungen hinkt gewaltig. Wenn sie diesen Vergleich heranziehen wollen, dann unterschlagen sie dass im Vergleich zu Impfungen bei einer anlasslosen Überwachung auch Impfschäden (zu unschulig Verdächtige) auftreten.
    Nicht dass sie mich falsch verstehen, ich bin absolut für Impfungen (und gegen Überwachung), aber genau hier liegt die Diskrepanz. Impfschäden gibt es in Relation zu Impferfolgen so gut wie keine.
    Geschädigte aufgrund falscher Schlüsse aus Überwachung gibt es Tausende. Die Verhältnismäßigkeit (Verhinderte Anschläge) gegen zu unrecht Verdächtigte ist gigantisch groß – wird aber immer unter den Teppich gekehrt – auch weil die zu unrecht Überwachten oft gar nicht den Grund ihrer Misere kennen.
    Wenn Sie schon so einen Text schreiben (und ich bin da weitaus besseres von Ihnen gewohnt), dann bitte recherchieren sie zum vergleich einmal die „Überwachungsschäden“. Ich gebe auch gerne mal eine gute Quelle mit an: http://www.moechel.com (wobei das sicherlich nur die Spitze des Eisberges ist).

    Gefällt mir

    • Harald Stücker says :

      Ich habe versucht, nicht für die Überwachung zu argumentieren, sondern gegen die Verharmlosung der Gefahr durch Terrorismus. Ich schrieb „Dilemma“, und ein solches hat keine einfache Lösung.

      Im Übrigen ist die Verhältnismäßigkeit schwer zu bestimmen, und zwar deshalb, weil niemand weiß, wie schwerwiegend die Folgen eines Anschlags wären. Es besteht auch die Gefahr der nuklearen Proliferation.

      Gefällt mir

      • Stefan Schritt says :

        Das mit der potentiellen Gefahr ist ein sehr gewagtes Argument. Man kann mit einfachsten Mitteln sehr, sehr viel Schaden anrichten. Man benötigt nicht einmal verdächtige Materialien, um z.B. einen Zug entgleisen zu lassen oder einen Tanklaster zu sabotieren.
        Grade die „Dirty Bomb“ ist ein sehr mächtiges Schreckgespenst, daß die Überwachung im Vergleich harmlos erscheinen lässt – und immer wieder gerne angeführt wird.

        Man muss sich eines vor Augen halten – wer Terror verbreiten will, wird das auch immer tun können – aller Überwachung zum Trotze. Die funktioniert nämlich nur dann, wenn sich die Täter ausreichend dumm anstellen, und z.B. unverschlüsselt kommunizieren oder in großen Mengen gängige Zutaten für Selfmade-Sprengstoff kaufen.
        Das Wettrüsten zwischen den Terroristen und den Überwachungsdiensten verursacht eine ganz eigene Art des Terrors, der die Gesellschaft zermürbt, ohne daß es je zu einem Anschlag kommt.

        Mal etwas weit ausgeholt – um die Bürger davor zu schützen, im Straßenverkehr umzukommen oder verletzt zu werden, *könnte* man viele durchaus wirkungsvolle und auch logische Vorschriften erlassen.
        Helm- und Schutzkleidungspflicht beim Verlassen des Hauses, Tempo 20 oder 30 auf allen Straßen, ein Verbot von kippgefährdeten Fahrzeugen (sprich: Zweirädern), oder auch weiträumige Sperrungen im Falle von Gefahrguttransporten wie z.B. Benzin oder Heizöl – und so weiter und so fort. Jedes einzelne davon lässt sich überzeugend begründen, und hätte auch mit Sicherheit eine statistisch nachweisbare Wirkung.
        Daß man damit dem Bürger so massiv das Leben schwer macht, daß das unmöglich durchzusetzen wäre, ist der einzige Grund, warum wir derartiges noch nicht haben. Bis irgendwann der Zweck die Mittel heiligt, versteht sich.

        Gefällt mir

      • Siggy Sauter (@Syggiy) says :

        Natürlich ist die Verhältnismässigkeit schwer zu bestimmen, aber die Diskrepanz zwischen anlassloß überwachten Milliarden von Bürgern ist so groß, dass es offensichtlich ist, dass die Verhältnismäßigkeit nicht gegeben ist. Darüberhinaus zeigen die Fakten, dass eine noch stärkere Überwachung nutzlos ist. Die Toten durch die NSA-Terroristen wurden TROTZ massivster Überwachung NICHT verhindert. Auch 9/11 wurde NICHT verhindert, OBWOHL man Daten von den Terroristen hatte und das schon VOR der völlig überzogenen Überwachung von heute!!!

        Es ist einfach nicht wahr, dass Überwachung verhältnismässig und effizient ist.
        Da gibt es auch genügend nachvollziehbare Studien dazu, welche sie entweder nicht kennen oder einfach negieren.

        Darüber hinaus sprechen noch einige weitere Gründe gegen Überwachung, welche sie ebenfalls unterschlagen.
        Was ist mit Missbrauch? Es gab und gibt sehr viele Fälle, wo Überwachungsdaten von Kriminellen, aber auch von offizieller Stelle missbraucht wurden. Ich gab ihnen dazu einen Anhaltspunkt (nochmal: http://www.moechel.com einfach mal anschauen und reinlesen).

        Gerade dass eine EXTERNE Firma bei #Prism beauftragt wird, Systeme zu betreuen, aufzubauen und zu administrieren zeugt meines erachtens von einem Dilletantismus allergrößten Ausmaßen. Es war wirklich nur eine Frage der Zeit, bie einer der ZehnTausenden Zugriffsberechtigten an die Öffentlichkeit geht – im Grunde muss man davon ausgehen, dass weitaus detailliertere Informationen (Beispielsweise Abhörprotokolle Einzelner oder sogar gezielt Überwachter) an Kriminelle verkauft worden sind – das ist für so einen Administrator mit weniger Risiko und besserer Bezahlung weitaus lukrativer!

        Gefällt mir

  6. lawgunsandfreedom says :

    Nettes Video zum „Überwachungsstaat“:

    Gefällt mir

  7. Harald Stücker says :

    Die Einwände, die ich hier lese, haben alle Hand und Fuß, sind oft sehr informiert und informativ, und ich möchte gar nicht groß gegen sie argumentieren. Vielen Dank dafür! Wie schon im Artikel selbst gesagt: Ich habe versucht, nicht der flächendeckenden Überwachung das Wort zu reden, sondern darauf hinzuweisen, dass wir es hier mit einem Dilemma zu tun haben, für das ich keine einfache Lösung sehe.

    Bislang habt Ihr vor allem meine zweite These angegriffen, nämlich die, dass wir tatsächlich von der Überwachung profitieren. Sie ist naturgemäß einfach anzugreifen, da sie spekulativ ist. Um sich verhinderte Anschläge und ihre Folgen auszumalen, braucht man Fantasie. Die können wir aber auch absichtlich im Zaum halten. Das Motto lautet dann: „Wird schon nicht so schlimm werden.“

    Allerdings sollte man die Schwere eines Anschlags nicht einfach an den Opferzahlen messen. Die Anschläge vom 11. September hatten viel weniger Opfer, als gleichzeitig auf der Welt im Straßenverkehr umkamen, aber sie stellten eine Zäsur in der Weltgeschichte dar. Die Anstrengungen, Terror zu verhindern, mögen als irrational und überzogen erscheinen, aber sowohl unsere Ängste vor Terroranschlägen als auch ihre Folgen können dramatisch sein.

    Andererseits wird immer wieder einfach geleugnet, dass die Überwachung überhaupt dazu führt, dass Anschläge verhindert werden. Auch hier tappen wir im Dunkeln, was die Erfolgsrate angeht. Allerdings glauben wir normalerweise nicht, dass Überwachung vollkommen sinnlos ist.

    Nehmen wir mal eine alltägliche Situation: die Flughafenkontrolle. Jeder, der fliegen möchte, wird untersucht, alles wird durchleuchtet. Aber niemand beschwert sich. Niemand empört sich, weil er unter Generalverdacht steht. Im Gegenteil! Würde die Kontrolle unterbleiben, wären wir empört und würden vielleicht gar nicht ins Flugzeug einsteigen wollen. Warum ist das so? Wahrscheinlich ist die Vorstellung, in einem entführten Flugzeug zu sitzen, so schrecklich, dass wir bereitwillig unsere Koffer durchleuchten lassen. Und diese Vorstellung ist uns allzu bewusst, weil uns das Szenario Flugzeugentführung als Topos allzu vertraut ist. Wir kennen die Situation, wir haben eine Vorstellung von dem, was passieren kann. Es ist schwer, sich dieser Vorstellung am Flughafen zu entziehen. Daher lassen wir uns dort bereitwillig durchleuchten.

    In unserem täglichen Leben fühlen wir uns sicher. Wir vertrauen auf Sicherheit. Wir haben kein Bedrohungsszenario im Bewusstsein präsent, wir wähnen uns im Frieden, und das ist ja auch sehr gut so, das macht ja auch unsere Lebensqualität aus. Aber wir leben nicht in einem unbeschwerten Frieden. Wir leben in einer asymmetrischen Kriegssituation. Wer die Überwachung abstellen will, wird wohl auch diese Einschätzung kaum teilen. Erst dann, wenn er sich wieder in einer Situation befindet, die Bedrohungsszenarien triggert, wie am Flughafen, wird er wieder bereit sein, sich durchsuchen zu lassen. Allerdings profitiert auch die Sicherheit am Flughafen davon, dass im gesamten Datenverkehr nach Hinweisen auf Bedrohungen gesucht werden kann.

    Jetzt noch ein paar Anmerkungen zu meiner ersten These: Die Überwachung folgt einer evolutionären Logik und ist unausweichlich. Dazu noch mal das Beispiel Flughafen: Wir könnten die Überwachung am Flughafen nicht beenden, selbst wenn wir wollten. Eine Fluglinie, die damit werben würde: Keine Wartezeit durch Kontrollen!, wäre schnell pleite, weil die Fluggäste sich dort nicht sicher fühlen würden. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Flughafen und Datenverkehr: Am Flughafen wollen die Menschen überwacht werden, im Internet nicht. Das ist aber nicht das Entscheidende: Entscheidend ist die Wettbewerbs- und Konkurrenzsituation, und die herrscht überall und ist unausweichlich.

    Ein erfolgreiches Unternehmen wird immer Konkurrenten haben, die entweder an seinem Erfolg teilhaben wollen (Marktanteile erobern, Produktideen kopieren) oder den lästigen Konkurrenten loswerden (in den Konkurs treiben) wollen. Es wird immer Betriebsgeheimnisse geben, und diese Geheimnisse werden immer wertvoll und begehrt sein. Für Staaten und Gesellschaften gilt das gleiche, und zwar umso mehr, je offener ihre Grenzen und je freier ihre Bürger sind. Die freien Bürger hinterlassen Datenspuren, und die sind wertvoll und begehrt. Wie soll nun der Akt des moralischen Heroismus, auf die Auswertung solcher Spuren zu verzichten, langfristig in Wettbewerbsvorteile münden?

    Gefällt 1 Person

    • Siggy Sauter (@Syggiy) says :

      Was mich in ihren Ausführen stört, ist die Überschrift: EVIDENZBASIERTE Ansichten. Das passt einfach nicht zusammen und es passt auch nicht zu ihren anderen Texten.
      Sie versucht etwas zu rechtfertigen, was nicht zu rechtfertigen ist und machen sich leider die unbelegbare Argumentation der Profiteuteure (Geheimdienste, Hersteller von Überwachungs- und Sicherheitstechnik) zu eigen.
      So sieht keine kritische Reflektion aus.
      In diesem zusammenhang stört natürlich besonders ihr Vorwurf der #Heuchelei.

      Um mal einen konkreten Satz aufzugreifen (Zitat):
      „Meist wird nur das Grundrecht auf Datenschutz und Privatsphäre gesehen, die Erhöhung der Sicherheit wird entweder gering geschätzt oder grundweg geleugnet. Diese einseitige Empörung auf nahezu allen Kanälen finde ich erstaunlich.“
      Wie kommen sie darauf?
      Das ist faktisch völlig falsch, denn alle nachvollziehbaren (=evidenzbasiert) Studien und Untersuchen haben ergeben, dass Überwachung NICHT zu mehr Sicherheit führt. Schauen sie nur nach London. Das am meisten überwachte Volk – dort ist die Kriminalität nicht geringer als in anderen Städten ohneflächendeckende Videoüberwachung.
      Wenn sie also Überwachungskritikern Heuchelei vorwerfen, dann werfen sie gleichzeitig den Verfassern aller Studien vor, die Unwahrheit zu schreiben.
      Woher nehmen sie diese Erkenntnis?
      Woher die „Erlaubnis“ auch noch „Evidenzbasierte Ansichten“ darüber zu schreiben?

      Gefällt mir

    • Siggy Sauter (@Syggiy) says :

      Um noch einen weiteren Satz aufzugreifen (Zitat):
      Ich habe versucht, nicht der flächendeckenden Überwachung das Wort zu reden, sondern darauf hinzuweisen, dass wir es hier mit einem Dilemma zu tun haben, für das ich keine einfache Lösung sehe.

      Ich sehe kein Dillema, ich sehe, dass eine Milliardenschwere Industrie zu Lasten der Allgemeinheit (in monetärer, Freiheitlicher und auch persönlichen Belangen) ihre weitgehend unnütze Technik an den Staat verkauft.

      Ich sehe eine einfache Möglichkeit das Dillema aufzulösen, indem die Geheimdienste zu physischer Überwachung zurückkehren.

      Der „Markt“ und der „Preis“ wird dann von alleine für ein Gleichgewicht sorgen. Denn nur tatsächlich Verdächtige dürften mit dieser Personalintensiven Überwachung überwacht werden und nicht Milliarden von harmlosen Bürgern.

      Der ganze Quatsch ist nur aus folgenden Gründen Entstanden (keine evidenzbasierte Ansicht):

      * Angst
      * Sparzwang
      * Möglichkeit der „billigen“ (pro-Kopf-Rechnung) Überwachuung ohne reale physische Präsenz
      * Uninformiertheit
      * Geheimhaltung vor demokratischen Repräsentanten und Kritikern

      Gefällt mir

  8. lawgunsandfreedom says :

    Bruce Schneier on Security

    In diesem Talk zerlegt Bruce Schneier dieses „gefühlte Sicherheit gegen reale (aber relative) Sicherheit recht treffend.

    Denn wer sagt uns, daß die Erfolgsmeldungen der polizeilichen und geheimdienstlichen Überwachung der Realität entsprechen? Transparenz bekommt man da nicht. Wenn man weiß, daß von 508 vom FBI aufgedeckten und verhinderten Terroranschlägen nur ganze 3 nicht von FBI-Agent-Provocateurs eingefädelt wurden, dann fragt man sich, ob die Dienste nicht eine komplizierte Form von Existenzsicherung und Arbeitsbeschaffung betreiben.
    Beleg: http://www.motherjones.com/politics/2011/08/fbi-terrorist-informants

    Natürlich zeitigt Überwachung – bzw. Auswertung von Metadaten längst diverse meß- und belegbare Erfolge – nicht nur im kommerziellen Bereich. Aber auch die bergen einiges an Gefahr und diese Programme laufen ebenfalls schon seit Jahren.

    Beispiel für kommerzielle Auswertung:
    http://www.forbes.com/sites/kashmirhill/2012/02/16/how-target-figured-out-a-teen-girl-was-pregnant-before-her-father-did/

    Beispiele für Predictive Policing:
    http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2011-08/predictive-policing
    http://www.techradar.com/news/world-of-tech/police-using-minority-report-prediction-705621
    http://www.dailymail.co.uk/news/article-2128666/The-REAL-Minority-Report-LA-cops-using-computers-predict-crimes-happen.html
    http://www.fbi.gov/stats-services/publications/law-enforcement-bulletin/2013/April/predictive-policing-using-technology-to-reduce-crime

    Soll ich jetzt mein Verhalten ändern, damit ich nicht in das Raster der Algorithmen falle? Wie kann ich zulassen, daß eine Maschine beurteilt, was gutes und richtiges Verhalten ist? Wenn ich mit fieser Grippe Richtung Apotheke schleiche und dabei kurz vor der Bank stehenbleibe um mich zu orientieren, oder vielleicht mal Luft zu holen, dann kann das schon reichen, daß mich ein Einsatzkommando einsackt, weil der Computer sagt: „Crime in progress“.

    Das ist keine Utopie – das ist da, wo „predictive policing“ betrieben wird, schon Realität. Ähnliches droht durch die Auswertung und Verknüpfung von Geheimdienstdaten. Da Algorithmen unflexibel und die Operatoren maschinengläubig („ein Computer kann sich nicht irren) sind, sehe ich da übles auf uns zukommen. Schon jetzt verändern Menschen im öffentlichen Raum unbewusst ihr Verhalten, wenn Überwachungskameras installiert sind. Da gibt’s schon einige Studien drüber.

    Die „Predictive Policing“-Projekte melden tolle Erfolgsquoten. Über die Fehlalarme und Verhaftungen von den falschen Leuten, erfährt man offiziell aber nichts. Da muß man schon auf interne Informationen zugreifen und dann klingt das Ganze schon gar nicht mehr ganz so überwältigend.

    Projekte wie Prism und Tempora habe ich schon um 2000 rum beschrieben und davor gewarnt. Ein Jahr später wurde Echelon bekannt. Ich wurde noch als Phantast ausgelacht. Jetzt ist das phantastische Realität.

    Als ich die Vorlage für den Film „Minority Report“, geschrieben von Philip K. Dick in den frühen ’80ern, in die Hände bekam, hätte ich auch noch nicht gedacht, daß das mal Realität werden würde – ganz ohne übersinnliches – nur auf Basis von Technik und Algorithmen.

    Gefällt mir

Was denken Sie zum Thema?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: