Staatsschutz für meine Daten

In der Debatte um den Abhörskandal zeigt sich die altbekannte schizophrene Haltung dem Staat gegenüber: Er soll stark genug sein, um uns alle und unsere Daten effektiv schützen zu können, aber so schwach, dass er seine Stärke nicht missbrauchen kann.

Schöne Ironie: „Piraten“ rufen nach dem Datenschutz des Staates – vor der Datenpiraterie des Staatsschutzes

Wer seine Daten vor dem Zugriff von Spähprogrammen schützen möchte, kann das schon heute ziemlich effektiv tun, indem er einfach das Internet meidet, und dort insbesondere die sozialen Netzwerke. Das ist natürlich besonders gemein, denn gerade dort kann man sich ja so schön gemeinsam empören, ohne das Haus verlassen zu müssen. Petitionen gegen den Überwachungsstaat lassen sich auch bequem starten und man kann zusehen, wie sie sich viral verbreiten. Ja, das Internet ist schon eine feine Sache.

Mal eben nachschauen, wer noch alles unterschrieben hat… Moment mal, Deine Unterschrift kann ich gar nicht finden! Bist Du etwa nicht gegen den Überwachungsstaat?!

Wir alle nutzen die Informationen, die das Internet für uns bereitstellt. Und die schnelle Verfügbarkeit von Informationen überall ist genau das, was das Internet zu einer disruptiven Technologie macht. Ja, das Internet hat unsere Freiheit und unseren Horizont auf ungeahnte Weise erweitert, und es wird immer schwieriger für Despoten und Religionsführer, Menschen für dumm zu verkaufen und Informationen zurückzuhalten, Verbrechen zu begehen und Leichen im Keller zu verstecken. Aber natürlich kann das Internet auch von Despoten genutzt werden, um Menschen zu verfolgen. Insofern schränkt es unsere Freiheit auch wieder ein.

Der Rechtsstaat muss immer verteidigt werden, und es ist völlig richtig, die Überwachungsaktivitäten der Geheimdienste von Rechtsstaaten kontrollieren zu wollen und gegen Totalüberwachung zu demonstrieren. Eben weil wir nicht darauf vertrauen können, dass der Staat immer ein Rechtsstaat bleibt. Aber auch das ist wahr: Erst der Angriff am 11. September 2001 hat zur Aushöhlung des Rechtsstaats USA geführt. Erst dadurch wurde Homeland Security zur Top-Priorität, traten Bürgerrechte in den Hintergrund. Genau das wäre auch hierzulande zu erwarten, wenn wir Opfer eines vergleichbaren Terroranschlags würden.

Zugegeben, die Rede des Innenministers vom „Super-Grundrecht Sicherheit“ war mehr als ungeschickt. Denn in dieser Debatte, in dieser Situation, in der Terror zwar im Hintergrund Thema ist, aber emotional keine Rolle spielt, konnte er dafür nur Spott ernten. Politiker in Verantwortung könnten allerdings so etwas wie eine „Super-Grundpflicht“ zur Sicherheit verspüren. Denn sie wissen, dass nach einem Anschlag niemand mehr wird hören wollen, dass ihnen das Grundrecht auf „informationelle Selbstbestimmung“ wichtiger war. Die Sicherheitsbehörden stecken in dem Dilemma, dass sie alles tun müssen, um etwas zu verhindern, was diese Debatte um ihre Legitimation schlagartig beenden würde.

Auch wenn der Innenminister darauf hinweist, dass es für jeden Einzelnen durchaus möglich ist, seine Daten effektiver zu schützen, wird er ausgelacht.

Datenschutz_Umfrage

Umfrage der ARD vom 17.7.2013: Die Sicherung meiner Daten ist Sache des Staates

Dabei hat er einfach Recht. Der Hacker Jacob Appelbaum schreibt im Interview:

Jeder, der einen Computer zu Hause hat, kann sich ein Programm namens Tor Browser Bundle herunterladen. Das klickt man an – und schon wird der zugehörige Browser durch das Tor-Netzwerk geleitet, ohne dass man irgendetwas konfigurieren muss. Und wer tiefer eintauchen will, kann es mit einem Instant Messenger nutzen oder damit E-Mails verschicken. Aber der erste Schritt ist: Es muss dir wichtig genug sein, dass du dich darum kümmerst.

Die Frage stellt sich schon: Warum ist die informationelle Selbstbestimmung allen so wichtig, den meisten aber anscheinend nicht wichtig genug, um ihre Daten selbst zu schützen?

Ich soll E-Mails und Passwörter verschlüsseln? Welch eine Zumutung! Wie geht denn das? Ach, so genau will ich’s gar nicht wissen. Vielleicht gibt’s ja eine App dafür.

Ja, wahrscheinlich gibt es die. Von Google. Anscheinend sehen einige neben ihrem Recht auf informationelle Selbstbestimmung auch noch ein Grundrecht auf informationstechnische Ignoranz. Dazu kommt natürlich noch das Recht auf Besitz eines Hochleistungsrechners im Hosentaschenformat, sowie das Recht darauf, dass dieser Rechner nur Dinge tut, die meinem Recht auf informationelle Selbstbestimmung entsprechen. Wir haben uns daran gewöhnt, dass unsere Supercomputer unglaubliche Leistungen vollbringen können, aber wir wollen dafür nicht verantwortlich gemacht werden. Wir wollen z.B. davor geschützt werden, dass sie unsere Daten, Standorte und Bewegungsprofile einfach so versenden, an Apple oder Google, vermutlich auch direkt an die NSA. Möglicherweise tun die Geräte das alles tatsächlich. Wer das nicht will, sollte keines kaufen. Zumindest sollte er sich dann nicht auf Facebook darüber beschweren.

Wenn die Menschen den Abhörskandal wirklich so skandalös finden, warum trocknen die sozialen Netzwerke dann nicht aus? Warum bricht der E-Mail-Verkehr, das E-Banking, der E-Konsum und überhaupt die E-conomy nicht ein? Warum geht kein Ruck durch Deutschland, und warum versucht nicht jeder frenetisch, seine IT-Kenntnisse auf den neuesten Stand zu bringen, bevor er die nächste E-Mail versendet oder den nächsten Tweet absetzt? Ganz einfach! Weil die Daten zwar „meine Daten“ sind, aber der Schutz dieser Daten gar nicht meine Sache ist, sondern Sache des Staates.

Meine Daten gehören mir. Ich habe das Recht, sie überall auszubreiten, ohne einen Missbrauch fürchten zu müssen. Wer meine Daten liest, speichert, analysiert oder sonstwie auswertet, ohne ihr Adressat zu sein, soll sich dadurch strafbar machen. Und zwar unabhängig davon, wie inkompetent ich mich vorher angestellt habe. Der Staat hat auch alle technischen Vorrichtungen bereitzustellen, die für den Schutz meiner Daten nötig sind. Mit der Infrastruktur und den Einzelheiten dieses Schutzes muss ich mich nicht befassen. Ich fordere mein Grundrecht auf informationelle Ignoranz ein! Die Sicherung meiner Daten ist Sache des Staates.

Na klar, wessen sonst? Im Grunde möchten wir eine Behörde wie die NSA, die aber ihre Kapazitäten nicht für die innere Sicherheit einsetzt, sondern für den Schutz unserer Daten und unseres Grundrechts auf Ignoranz, für unsere „informationelle Selbstbestimmung“. Wir sollten den BND in ein Datenschutz-Superministerium umwandeln, und das mit möglichst vielen Kompetenzen versehen. Um uns vor Missbrauch zu schützen, dürfen dort dann nur noch die Guten arbeiten, die bösen Spione, die jetzt dort arbeiten, kommen ins Gefängnis.

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Harald Stücker

16 responses to “Staatsschutz für meine Daten”

  1. Stefan Schritt says :

    Es gibt ein schönes Sprichwort in Bezug auf Sicherheit – „Wir müssen uns einsperren, damit die Verbrecher frei herumlaufen können“.
    Was seinerzeit für Türschlösser und vergitterte Kellerfenster galt, gilt heute im Internet.
    Natürlich ist E-Mail-Überwachung auch eine direkte Folge unserer Nachlässigkeit in Punkto Verschlüsselung. Aber würde man einem Briefschreiber auch vorwerfen, er wäre selber schuld, wenn ein Agent im Postzentrum seinen Brief öffnet und liest – er hätte ja schließlich auch in einer Geheimschrift schreiben können ?
    Im Prinzip ist er das, denn daß er keine Kontrolle über seinen Brief hat, während dieser unterwegs ist, muß ihm bewusst sein. Aus eben jenem Grunde gibt es das Briefgeheimnis.
    Wenn nun meine häusliche Überwachungskamera schlecht eingestellt ist, und (widerrechtlich) auch Nachbars Garten filmt – oder durch das Wohnzimmerfenster in sein Haus – dann ist der Vorwurf, er hätte ja die Gardinen zuziehen können oder eine hohe Hecke pflanzen können keine Entschuldigung.

    Ich finde es auch interessant, zum einen dem Bürger vorzuwerfen, daß er dem Staat nicht traut, ihm zum anderen vorzuhalten, er würde sich nicht genug vor eben jenem Staat schützen. Auch das ist irgendwo Schizophren.

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  2. TK says :

    Was ist das denn für eine absurde Argumentation?

    Sie nutzen doch selber das Internet, indem Sie jetzt hier einen Blogpost absetzen. Sie empfangen E-Mails und haben keinen Einfluss darauf, ob jemand, der Ihnen eine Mail schickt ihren Public-Key zur Verschlüsselung verwendet. Sie hinterlassen nebst Inhaltsdaten die viel interessanteren Metadaten, schon während sie auf ihre Mails zugreifen. Vielleicht verwenden Sie auch Browser-Plugins wie https-everywhere um sicherzustellen, dass die Kommunikation mit Webseiten verschlüsselt erfolgt und trotzdem können Sie nicht sicherstellen, dass der Betreiber der Website nicht von Geheimdiensten zur Herausgabe des SSL-Schlüssels gezwungen wird. Ähnliches gilt für das VPN, über das Sie vielleicht surfen.

    Die rhetorische Frage, warum nicht jeder seine IT-Kenntnisse auf Vordermann bringt, geht total am Kern vorbei.
    1. Cryptoparties finden immer mehr zulauf. Das Interesse ist also durchaus da.
    2. und viel wichtiger: Nehmen wir mal an, es ginge nicht um das Internet, sondern um das Auto. Und jedes Mal, wenn Sie ihr Auto in die Werkstatt bringen, wird jedes Gespräch, das seit dem letzten Werkstattbesuch im Auto zwischen den Insassen stattgefunden hat über die Werkstatt ausgelesen, über eine Spracherkennungssoftware gejagt und an alle Geheimdienste verteilt.

    Was meinen Sie, wie Menschen sich im zweiten Fall verhalten würden? Sie würden garantiert nicht auf die Nutzung eines Autos verzichten, weil das in bestimmten Lebenssituationen einfach unabdingbar ist. Sie würden also nicht einfach zu Fuß gehen, weil das genausowenig eine Option ist, wie kategorisch das Internet zu meiden. Sie hätten vielleicht auch gar nicht die Zeit und die Expertise, einen Getriebeschaden an ihrem Auto selbst zu reparieren, weil eine abstrakte, nicht greifbare Gefahr besteht, dass eine unbekannte Organisation (NSA = no such agency) irgendwelche vermeintlich belanglosen Informationen über sie zusammenträgt.

    Im Prinzip legitimieren Sie in ihrem Beitrag, wie es mein Vorposter auch schon angedeutet hat, dass ich mit kryptografischer Selbstverteidigung gegen die NSA wehren muss.

    Die allerdings haben ein etwas höheres Budget als ich.

    Übrigens: SSL-Verschlüsselung für diese Seite war nicht drin? Mal an die eigene Nase fassen, wenn man sich schon soweit aus dem Fenster lehnt mit der Eigenverantwortung…

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  3. Gabriele says :

    Das ist eine eigenartige Argumentation.

    Eine E-Mail ist ein Brief. Wer den Brief öffnet und liest verstößt gegen eines der Grundgesetze.

    Ein Gespräch zwischen zwei oder mehr Menschen abzuhören, aufzuzeichnen und auszuwerten ist eine Art die von totalitären Staaten angewandt wird und in der „freien“ Welt geächtet ist (oder besser „war).

    Nach dem obigen Text des Autors ist es wohl auch in Ordnung wenn persönliche Gespräche an welchem Ort auch immer abgehört, aufgezeichnet und ausgewertet werden. Das Problem liegt demnach ausschließlich beim kommunizierenden Menschen!

    Entweder entwickeln die Menschen immer neue Geheimsprachen oder noch einfacher „würde Mensch das kommunizieren lassen hätten die Datensammler keine Chance“.

    Oder wie stellt sich der Autor die Lösung vor?

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  4. Manfred says :

    Diesmal aber starker Tobak !

    Ebensowenig wie ich in die Tiefen der Funktion eine Blackbox beim Auto einsteigen will/muß um selbiges zu nutzen muß ich zum EDV-Spezialisten werden wenn ich kommuniziere !

    Und überhaupt – wie weit müsste ich denn einsteigen um wirklich sicher zu sein ? Sind die von Ihnen erwähnten Programme nicht in Wirklichkeit auch suspekt ? Wer kann dafür garantieren ?

    Nein, diesmal bin ich absolut nicht – nicht mal ansatzweise – Ihrer Ansicht !

    Ist irgendwie so wie „Burka-Tragen“ – sonst „selbst schuld wenn vergewaltigt!“ …

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  5. Harald Stücker says :

    1. Ich hätte nicht gedacht, dass das Prinzip Eigenverantwortung inzwischen derart kontrovers ist. Schizophren nenne ich eine Haltung, die nach dem Schutz des Staates vor dem Staat ruft.

    2. Offensichtlich habe ich mich missverständlich ausgedrückt und meine rhetorischen Fragen nicht ausreichend als solche gekennzeichnet: Die Tatsache, dass die E-conomy nicht einbricht, zeigt meines Erachtens, dass die Menschen den Abhörskandal längst nicht so skandalös empfinden wie er in den Medien erscheint. Wie viele Leute kennt Ihr, die ihr Smartphone nicht mehr nutzen, weil sie ihm nicht mehr trauen?

    3. Legitimieren will ich gar nichts. Nur darauf hinweisen, dass wir in relativ revolutionären Zeiten leben, in denen es so einfach ist wie noch nie, Kommunikationsvorgänge zu überwachen. Und der Trend geht weiter in diese Richtung. Wir leben z.B. immer noch in der Zeit vor der Einführung von Google Glass in den Massenmarkt. Geheimdienste werden diesen Vorteil immer für sich nutzen. Wer das verhindern will, muss sich was einfallen lassen. Ich bin sicher, dass diejenigen, die wirklich nicht überwacht werden wollen, sich – nach Snowdon – eine Menge einfallen lassen. Und sie diskutieren ihre Ideen nicht im Internet.

    4. Rechtsansprüche sind schön und gut. Postgeheimnis ist ein Grundrecht. Ja, geschenkt. Ich schreibe selbst im Text: „Der Rechtsstaat muss immer verteidigt werden, und es ist völlig richtig, die Überwachungsaktivitäten der Geheimdienste von Rechtsstaaten kontrollieren zu wollen und gegen Totalüberwachung zu demonstrieren.“ Ich finde allerdings, dass die Frage nach der Rechtslage nicht wirklich interessant ist. Tatsächlich sind sich darin doch alle einig. Ich habe versucht, eine etwas spannendere Frage zu beleuchten.

    5. Nehmen wir an, der Staat würde in eine riesige Datenschutzinfrastruktur investieren und der Innenminister würde die Sicherheit unserer Daten ab jetzt garantieren. So wie Merkel und Steinbrück vor einigen Jahren die Spareinlagen. Würdet Ihr ihm vertrauen? Warum?

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  6. Gabriele says :

    Menschen die ahnen oder wissen das sie überwacht werden ändern ihr Verhalten. In diesem Fall die Kommunikation indem Meinungen zurückgehalten werden. Das Erste was fällt ist die Freiheit. Menschen beginnen sich selbst zu „beschneiden“. „Pass auf was du sagst (schreibst), du weißt nicht wer mithört (mitliest)“ führt später auch dazu dass sich Menschen bei Missständen abwenden und eben nichts sehen und hören.

    Die Aussagen vieler mit dem Tenor „Ich habe nichts zu verbergen“ zeigt deutlich wie wenig tatsächlich verstanden wurde. Jeder hat irgendwelche Geheimnisse. Und Systeme ändern sich. Es gibt keine Sicherheit. Von demokratisch (oder auch pseudo-demokratisch) über postdemokratisch (die Jetzt-Zeit) zur Diktatur kann es schnell gehen.

    Ich denke die meisten im Land denken nicht weit genug voraus, bzw. haben aus der Geschichte nichts gelernt/ vermittelt bekommen. Aus intensiven Gesprächen mit meiner Großmutter, die zwei Weltkriege überlebt hat, und Anderen über das Entstehen und das Leben in der NS-Zeit habe ich vieles gelernt. Unter anderem dies: Damals wurde sich nicht für „Politik“ interessiert, die Menschen dachten nur an die eigene Familie… alles andere war egal. Die Enkelgenerationen fragen noch immer „Warum habt ihr es nicht gemerkt, warum habt ihr nichts getan“… und diese Enkelgenerationen wiederholen locker das Verhalten der Urgroßeltern.

    Zu mir, ich nutze einiges um mich gegen ausspionieren zu wehren… so gut ich kann. Das Internet ist für mich schon lange kein Neuland mehr. ;-) (Mehr schreibe ich nicht dazu.)
    Ein Smartphone würde ich nicht einmal benutzen wenn es mir finanziell versüßt würde, die Überwachungsmöglichkeiten stören mich enorm. Das normale Handy (ein ganz altes) nehme ich auch nur bei Wanderungen und dann ausgeschaltet mit. Ebenso werde ich niemals eine „Cloud“ benutzen um dort Dateien abzulegen.
    Doch das Internet und hier besonders soziale Netzwerke benutze ich bewusst weiter, denn ich beschneide mich nicht selbst.

    Geheimdienste gab es immer und wird es immer geben. Doch wenn diese dazu übergehen alle und alles zu überwachen mit dem Verweis auf „Sicherheit“ dann werden auch alle unter Generalverdacht gestellt und die rechtsstaatliche Unschuldsvermutung geht den Bach runter.

    Und damit komme ich wieder zu meinem ersten obigen Absatz!

    Würde ich dem Staat vertrauen wenn er „jetzt“ Datensicherheit garantiert? Nein, denn diese unsere Politiker biegen sich alles passend zurecht… postdemokratisch eben.

    Was müsste geschehen damit ich dem Staat wieder vertrauen kann?
    1. Antikorruptionsgesetze für Abgeordnete
    2. Keine Nebenverdienste für Abgeordnete
    3. Kein sofortiger Wechsel von Abgeordneten in die Wirtschaft
    4. kein Fraktionszwang in Parlamenten
    5. endlich eine Verfassung
    6. Volksentscheide

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  7. Florian says :

    Im Ernst, Evidentist? :(

    Sie haben doch sonst immer so gut durchdachte, nüchterne Analysen der Zustände. Und bei diesem wirklich grundlegenden Thema plappern Sie auf einmal in Friedrich’scher Art von „Schützt euch selber“ und „Geht halt nicht ins Internet“?

    Hanebüchen. Unverständlich. Enttäuschend.

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    • Harald Stücker says :

      Vielen Dank für das Lob, Florian, ansonsten verweise ich auf meinen obigen Kommentar und entschuldige mich dafür, dass ich mich offenbar sehr missverständlich ausgedrückt habe.

      Tatsächlich sage ich beides nicht. Mir ist es völlig egal, wer sich wie schützt oder wer das Internet wie nutzt. Ich weise nur darauf hin, dass die Idee eines staatlichen Schutzes für meine Daten, na sagen wir: Schwächen hat. Zumindest kann ich mir keine Form eines staatlichen Schutzes meiner Daten vorstellen, der ich vertrauen würde.

      Ich weise weiter darauf hin, dass es zumindest unbedarft ist, sich einen teuren Peilsender in die Hose zu stecken und sich dann auf Facebook darüber zu beschweren, dass Bewegungsprofile aufgezeichnet werden. Denn diese Profile werden wohl auch dann weiterhin erstellt, wenn mit großem Getöse ein offizielles „Anti-Spionage-Abkommen“ verabschiedet wird.

      Und ich weise darauf hin, dass die Leute das Problem offensichtlich nicht so gravierend empfinden, wie viele schreiben, sonst würden sie das Internet nicht mehr nutzen.

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      • Stefan Schritt says :

        Ich sehe das mit dem staatlichen Schutz als schlecht definiert, und würde mich zudem auch der 6-Punkte-Liste von Gabriele anschließen.
        Meines Erachtens nach müsste der Schutz sich wohl ähnlich gestalten wie die StVO / StVZO: eine Mischung aus Verpflichtung zum Selbstschutz, z.B. durch Virenscanner, analog zur Gurt- und Helmpflicht, und strengen Vorschriften für die Unternehmen – vergleichbar mit den Vorschriften zur Erteilung einer Straßenverkehrszulassung. Der Vergleich hinkt zwar, sollte aber verdeutlichen, was ich meine.

        Wenn ein Unternehmen wie z.B. Vodafone offen zugibt, den Geheimdiensten Software zum besseren Zugriff auf Kundendaten zur Verfügung gestellt bzw. eigens programmiert zu haben, so darf das mEn eigentlich nicht folgenlos bleiben.

        Kein Staat kann seine Bürger vor Datenzugriffen schützen, die im Ausland erfolgen. Rechtliche Konsequenzen für multinationale Unternehmen wären da unter Umständen ein möglicher Ansatzpunkt.

        Mit der Weiter-Nutzung von FB/SMS/GPS etc.pp. ist es wie mit allem im Leben – der innere Schweinehund ist zumeist stärker. Andernfalls hätten wir wohl weder Raucher, Übergewichtige, abgestürzte Freikletterer und verunfallte Motorradfahrer.
        Das Verlangen nach Bequemlichkeit und Genuss wird immer größer sein als die Vernunft.
        Leider ist auch über 20 Jahre nach dem Einzug des Internets in die Wohnzimmer die Materie für unsere gewählten Vertreter in Berlin „Neuland“ – ich denke, in weiteren 20 Jahren wird es auch dort angekommen sein und es werden ähnliche Regelungen, wie sie in anderen Bereichen längst gang und gäbe sind, zu unserem Alltag gehören.
        Vor 100 Jahren waren ja auch Arbeitsschutzgesetze und UVV Dinge, die man sich nicht wirklich vorstellen konnte.

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        • Harald Stücker says :

          Sehr gute Punkte, Stefan, vielen Dank!

          In der Tat muss ich zugeben, dass mein Bonmot „Staatsschutz vor dem Staat“ von der mangelnden Differenzierung lebt. Der „Staat“ ist natürlich kein monolithischer Block und nicht jede Institution möchte das gleiche.

          Der Vergleich mit der StVO hinkt nur in dem Punkt, dass die Aktivitäten von Autofahrern Geheimdienste kaum interessieren und wenig relevant sind für die innere Sicherheit. (Politisch verstanden wohlgemerkt, in absoluten Zahlen sind Autofahrer wahrscheinlich sehr relevant für unsere Sicherheit.)

          Außerdem sind unsere Daten wirtschaftlich interessant, und wir wissen alle, wie kompromissbereit der Staat ist, wenn es um wirtschaftliche Interessen geht.

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      • Manfred says :

        Entschuldigung, ich stecke mir keinen „Peilsender“ in die Hose, sondern prinzipiell ein Mobiltelefon (welches durchaus dafür missbraucht werden kann)

        Und es gibt tatsächlich Menschen und Berufe, die gar keine Wahl haben ob sie das Internet oder ein Handy benutzen (wollen) oder nicht.

        Ich stecke mir auch eine Kreditkarte ins Portemonnaie und keinen „Blankoscheck“, kann damit auch ausgetrickst werden. Vertraue aber (bzw. muß) auch darauf vertrauen dass dies von der Bank systembedingt verhindert wird.

        Wenn ich selbst alle Risiken konsequent ausschliessen will dürfte ich morgens nicht aufstehen (und selbst dann könnte ich aus dem Bett fallen oder einen Herzinfarkt bekommen) Und schon garnicht Auto fahren.
        Aber irgendwie muß ich da abwägen – und auch darauf vertrauen dass die Anderen sich an die Regeln halten.

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  8. lotharson says :

    Wenn man nur seine Meinung äussert und keine dumme oder unmoralische Positionen vertritt, ist es egal, was die Geheimdienste der ganzen Welt über einen finden.
    Dagegen sollte man vorsichtig genug sein, dass seine Identität von einem möglichen Arbeitsgeber mit beschränkten Suchressourcen nicht erkannt werden kann.Tatsächliche aber unbeweisbare Diskriminierungen passieren allzu oft.
    Aber es ist mir völlig wurst, was ein Geheimagent aus den VSA über meine Person wissen kann.

    Als Außenseiter in Deutschland habe ich noch nicht die wahren Absichten dieser Piraten verstanden.

    Liebe Grüsse aus Lothringen.

    Lothars Sohn – Lothar’s son
    http://lotharlorraine.wordpress.com

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    • Stefan Schritt says :

      Das Problem, das Sie hier übersehen ist, dass ja erst ein mal definiert werden muss, WAS denn eine „dumme oder unmoralische Position“ überhaupt ist.
      Die Homoehe vielleicht ? Je nachdem, ob sie Norbert Geis oder Guido Westerwelle fragen, werden sie vermutlich sehr unterschiedliche Antworten bekommen.
      Wie schauts mit Guantanamo aus ? Ist das Camp unmoralisch, oder die Kritik daran ? Was für den einen gerechtfertigtes Beharren auf Menschenrechten ist, ist für den nächsten ein unpatriotischer Versuch, dem Staat den Selbstschutz zu verunmöglichen.
      Für Ihren Arbeitgeber gilt freilich das gleiche – das ist unbestritten.
      Man sollte immer im Auge behalten, dass das, was wir für „normal und uninteressant“ halten, von Anderen als gefährlich und feindlich wahrgenommen werden kann. Ganz egal, ob dieser Andere nun unser Chef oder ein Beamter in einem anderen Land ist.
      Denn was die NSA abhört, kann seinen Weg auch wieder zurück nach Lothringen finden, zu Menschen oder Behörden, mit denen Sie irgendwann einmal zu tun haben.
      Und wenn Ihre „kluge und moralische“ Position in deren Augen dann eben doch „dumm und unmoralisch“ ist, haben die das gezogen, was der Volksmund als Arschkarte bezeichnet.

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  9. Alois says :

    Wir nutzen das Internet und seine Dienste mehr oder weniger umsonst. Jedenfalls habe ich von Google u.a. noch nie eine Rechnung erhalten. Und mit den paar Werbebannern werden die riesigen Rechenzentren und sonstigen Aufwendungen der Internetgiganten nicht zu bezahlen sein.
    Also schlachten sie unsere Daten zu komerziellen Zwecken aus. Wir bezahlen diese Dienst mit unseren Daten. Das haben wir bisher achselzuckend hingenommen. Nun nutzen auch staatliche Organisationen unsere Daten der Sicherheit wegen, so sagen sie. Das wollen viel nicht!
    Warum macht es uns bei privat organisierten Datenkraken nichts aus, wenn unsere Daten in einer uns nicht transparenten Weise benutzt werden? Bei staatlichen Organsationen hingegeben, laufen die meisten Sturm.

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