Der Preis der Vorhaut

In einem historisch einmaligen Urteil hat ein rabbinisches Gericht in Israel eine Mutter dazu verurteilt, ihren Sohn beschneiden zu lassen oder aber für jeden Tag, den ihr Sohn seine Vorhaut behält, 140 US-Dollar Strafe zu zahlen.

Dieses Urteil ist in gewisser Weise das Spiegelbild des Kölner Urteils vom Mai 2012, das in Deutschland die Beschneidungsdebatte ausgelöst hatte. Es wurde im Rahmen eines Scheidungsprozesses gefällt, daher war das geistliche Gericht überhaupt zuständig. Der Vater will die Beschneidung, die Mutter, inzwischen unter dem Namen Elinor Daniel bekannt geworden, will ihren Sohn intakt lassen. Die Einzelheiten sind hier nachzulesen, und in diesem Interview erklären Elinor selbst und ein israelischer Experte für Familienrecht den Fall genauer.

Das Verhalten des Gerichts bietet genügend Anlass für Empörung, nicht nur bei Gegnern der Beschneidung, sondern auch bei weniger orthodoxen und säkularen Juden. Die Mutter ist verständlicherweise verzweifelt und bemüht sich darum, eine Revision zu erwirken. Die nächsthöhere Stelle hat das Urteil allerdings bestätigt, und zwar ausdrücklich mit der Begründung, dass dieses Urteil einen Dammbruch verhindern solle und als klare Positionierung gegen die aktuellen beschneidungskritischen Bewegungen in Europa und den USA zu verstehen sei. Worum es dem Gericht wirklich geht, verrät dieser Satz in der Urteilsbegründung:

„How will the world react if even here the issue of circumcision is given to the discretion of any person, according to their own beliefs?“

Während also in Europa für das Recht auf Beschneidung mit der Religionsfreiheit argumentiert wird, wird eben diese Religionsfreiheit hier durch die Pflicht zur Beschneidung verwehrt. Insofern ist das Urteil nicht nur als Spiegelbild, sondern sogar als späte Reaktion auf das Kölner Urteil zu verstehen. Es soll ein Exempel statuiert werden.

Elinor weigert sich nicht ohne Grund. Ihr Sohn ist bereits ein Jahr alt und war zunächst zu krank für seine Beschneidung. In der Zwischenzeit hat sich seine Mutter informiert und wurde daraufhin zur Intaktivistin:

„I’ve been exposed to a lot of information about circumcision and decided not to proceed with the circumcision. I have no right to cut at his genitals and to maim him, and the court has no authority to force me to.“

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Genau das ist der Dammbruch, den das Gericht mit seinem harten Urteil verhindern will. Es sieht allerdings so aus, als würde es genau das Gegenteil erreichen. Die hohen Wellen, die dieses Urteil in den sozialen Medien schlägt und die breite Unterstützung für Elinor tragen wohl eher dazu bei, dass sich auch andere Mütter informieren werden. Das ist ein sehr ermutigendes Signal für alle Intaktivisten weltweit! Ihre Arbeit ist nicht umsonst, sondern hat wichtige positive Auswirkungen.

Es könnte sein, dass sich dieser Schritt des Gerichts noch in einer weiteren Hinsicht  als strategischer Fehler erweist. Das rabbinische Gericht wollte mit der Festsetzung eines Strafmaßes sicher die Beschneidung erzwingen, aber gleichzeitig hat es damit der Vorhaut ein Preisschild angehängt. Wir wissen jetzt, welchen monetären Wert ein hohes rabbinisches Gericht einer lebendigen, funktionsfähigen Vorhaut zuweist: 140 US-Dollar pro Tag. Gehen wir von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren aus, so würde ein Leben mit Vorhaut in Israel nach den Vorstellungen der Rabbiner also etwa vier Millionen US-Dollar kosten.

pricetagNur eine hohe rabbinische Stelle konnte eine solche monetäre Bewertung vorschlagen, ohne gleich unter den orthodox Religiösen einen Sturm heiliger Entrüstung loszutreten. Stellen wir uns vor, Kritiker der Beschneidung hätten den Vorschlag zur Güte gemacht, dass gläubige jüdische Eltern, die ihre Kinder intakt lassen möchten, stattdessen vielleicht eine Ablösesumme zahlen könnten. Was hätten sie wohl zu hören bekommen?

Wie könnt Ihr es wagen, ein heiliges Ritual monetarisieren zu wollen?! Das Herzstück des Judentums, den Bund mit Gott, …, das Heiligste mit Geld besudeln?! Blasphemische Profanisierung! Sich freikaufen von einem göttlichen Gebot?! Mit Gott lässt sich nicht handeln!

Diese ganze Debatte konnte nur vermieden werden, weil der Vorschlag nicht von den Befürwortern intakter Genitalien, sondern von ihren Gegnern kommt, wenn er auch ganz anders gemeint war.

Eine Ablösesumme für religiöse Pflichten zu verlangen, die wie die Beschneidung eine Verletzung von Menschenrechten implizieren, ist eine kreative Idee, und sie birgt die Chance auf einen zivilisatorischen Fortschritt. Sie bringt irrationale kultische Rituale in einen rationalen, einen wirtschaftlichen Kontext. Der Handel war schon immer ein starker Motor für die Zivilisierung. Könnte sich jetzt vielleicht eine zivilisierte Alternative eröffnen? Werden in Zukunft auch gläubige Juden ihren Söhnen eine Zukunft mit intakten Genitalien kaufen können? Vielleicht. Die Frage wird aber auch sein, ob sie es sich leisten können.

Bei finanziellen Lösungen dieser Art taucht immer die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit auf. Elinor kann sich zum Beispiel den geforderten Betrag gar nicht leisten. Natürlich nicht, denn das Gericht wollte ihr und ihrem Sohn ja keine Option eröffnen, sondern das Ritual erzwingen. Aber unwillkürlich hat das Gericht damit einen Denkanstoß gegeben. Vielleicht sollten die NoCirc-Bewegungen in Israel und weltweit diesen Anstoß aufnehmen und die Strafe zahlen?! Erste Crowdsourcing-Aktionen zur Unterstützung von Elinor laufen bereits an. Natürlich geht es zunächst vor allem darum, ihr zu helfen. Aber man sollte auch die Chance sehen, die sich hier eröffnet, und deutlich machen, dass dieses rabbinische Gericht sich mit seinem Urteil gleichsam bereit erklärt hat, dem Kind Lebenszeit mit intakter Vorhaut zu verkaufen!

Sicher ist die Strafe, die das rabbinische Gericht festgesetzt hat, zu hoch. Aber sobald wir sie als Preis für einen intakten Sohn uminterpretieren, verwandelt sie sich in einen Preisvorschlag. Sollte die Idee erst einmal Fuß gefasst haben, dass gläubige Eltern die Genitalien ihrer Söhne auch zurückkaufen können, wird sich wohl eine gesellschaftliche Debatte über einen angemessenen Preis anschließen. Dabei scheint es unvermeidbar, dass dieser Preis anfangs hoch angesetzt wird. Als Argument für einen hohen Preis dürfte vorgebracht werden, dass die finanzielle Ablösung des religiösen Opfers selbst wieder ein Opfer sein müsse. Vielleicht würde auch ein prozentualer Anteil vom Einkommen der Eltern angesetzt. Aber es wäre auch vorstellbar, dass man sich langfristig schließlich auf eine symbolische Ablösesumme einigt.

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Denn ein solcher symbolischer Betrag würde nicht nur soziale Härten vermeiden. Er hätte auch den Vorteil, dass damit die biblische Geschichte der Beschneidung auf einer neuen Ebene reinszeniert würde. Damals hatte sich die Gesellschaft moralisch so weit entwickelt, dass die rituelle Tötung von Kindern als religiöses Opfer nicht mehr toleriert wurde. Diese Entwicklung spiegelt sich in der Geschichte von Abraham und Isaak. Gott verzichtet schließlich auf die Opferung Isaaks, fordert aber die rituelle Beschneidung als symbolisches Opfer. Heute steht eben dieses Ritual in der Kritik. Die Zeit scheint reif für eine weitere Stufe der Symbolisierung.

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Harald Stücker

35 responses to “Der Preis der Vorhaut”

  1. user unknown says :

    Man könnte den Satz „Gehen wir von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren aus, so würde ein Leben mit Vorhaut in Israel nach den Vorstellungen der Rabbiner also etwa vier Millionen US-Dollar kosten.“ auch so wenden: „… so würde ein Leben mit Vorhaut in Israel nach den Vorstellungen der Rabbiner also etwa vier Millionen US-Dollar wert sein.“ :)

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  2. Guy Sinden says :

    Wie immer, brillant!

    Wenn auch die Religion für einige heilig ist,so ist es dennoch nicht Aufgabe des Staates sie zu heiligen, wegen einiger Anhänger.
    Religion ist für einige ein Plus und darf nicht wehrlosen oder unwilligen Menschen aufgezwungen werden.

    Das Gesetz ist der kleinste gemeinsame Nenner einer Gesellschaft.
    Und, in dieser Sache, wird in D das recht gerade gebeugt.

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  3. Maria Werner says :

    Bei den Geldbeträgen handelt es sich um Zwangsgeld oder Ordnungsgeld. Man kann davon keine Werte für irgendetwas ableiten. Wir kennen diese Maßnahme im deutschen Recht auch; der Betrag soll hoch genug sein, um die Vornahme einer bestimmten Handlung zu erzwingen. Eratzweise kann Ordnungshaft angeordnet werden.

    Besonders schön und gelungen finde ich diese Anmerkung:

    „Es sieht allerdings so aus, als würde es genau das Gegenteil erreichen. Die hohen Wellen, die dieses Urteil in den sozialen Medien schlägt und die breite Unterstützung für Elinor tragen wohl eher dazu bei, dass sich auch andere Mütter informieren werden. Das ist ein sehr ermutigendes Signal für alle Intaktivisten weltweit!“

    Eleanor zieht Sympathien auf sich, das halte ich für ein ganz wichtiges Momentum. Durch den gerichtlichen Druck wird Empörung bewirkt, und zwar auch bei Leuten, die die Beschneidung ihrer Jungen eigentlich ganz gut finden. Ich wünsche Eleanor anhaltende mediale Aufmerksamkeit. Denn ihre Worte sind unmissverständlich, wenn sie sinngemäß sagt: „niemand darf über den Körper meines Sohnes Entscheidungen treffen außer mein Sohn selbst“ oder wenn sie unverhohlen das Wort „Verstümmelung“ in den Mund nimmt.

    Eleanor ist keine „Fremde“, sie kommt nicht von außen, sie ist einfach nur eine Mutter, die ihr Kind verteidigt.

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  4. Stefan Schritt says :

    Wie war das doch gleich mit der Einmischung in Familie und Erziehung ? Ich dachte, das wäre ein absolutes no-go, wenn ich die vielen Rabbiner in der Beschneidungsdebatte richtig verstanden habe ?!
    Vermutlich ist es wohl nur ein tabu, wenn es nicht-Rabbiner sind, die sich einmischen.
    Es ist also nicht zu ertragen, wenn Eltern sich das selber aussuchen können … tja, dann gehört Beschneidung wohl plötzlich doch nicht zur Personensorge, was ?
    Sieh mal einer an.

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  5. Tilman Tarach says :

    Es sollte allerdings angemerkt werden, dass Elinor Daniel den (weltlichen) Obersten Gerichtshof anrufen wird, und die Chancen für einen Erfolg stehen meines Erachtens recht gut.

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    • Maria Werner says :

      Ja, darum wäre es m.E. ganz gut, Eleanor finanziell zu unterstützen, bis es zum Verfahren dort kommt – was hoffentlich wirklich passieren wird. Rechtsexperten dort sagen ja, dass das Rabbinergericht gar nicht für die Entscheidung zuständig gewesen sei. Sollte es dort zu einem Verfahren vor der ordentlichen Gerichtsbarkeit über die Beschneidungsfrage kommen, könnte es möglicherweise nochmal richtig spannend werden.

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  6. Max Kuckucksvater says :

    Der Artikel ist so gut, dass ich ihn gerne via twitter & FB geteilt habe. Bin gespannt, ob und wie die Reaktionen in meinem Umkreis sein werden.

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  7. man.in.th.middle says :

    Ist jeder Staatsangehörige Israels zu diesem partiellen Menschenopfer, mit dem die Götter besänftigt werden müssen, verpflichtet? Auch z.B. Christen oder Moslems?
    Falls nicht: Warum tritt sie nicht einfach aus dieser Kirche aus?

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    • Tilman Tarach says :

      „Ist jeder Staatsangehörige Israels zu diesem partiellen Menschenopfer, mit dem die Götter besänftigt werden müssen, verpflichtet? Auch z.B. Christen oder Moslems?“

      Nein, natürlich nicht.

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    • Harald Stücker says :

      Das ist tatsächlich das erste Mal, dass ich von einer Beschneidungspflicht im juristischen Sinn höre. Ein rabbinisches Gericht ist aber ja kein weltliches, und auch der Sachverständige im oben verlinkten Interview glaubt nicht, dass dieses Urteil wirklich Bestand haben kann. Ich glaube, das ist ein Akt der Verzweiflung. Diese Verzweiflung kommt sehr gut in dem verräterischen Zitat oben zum Ausdruck: Was sollen die anderen denken, wenn wir bei uns Religionsfreiheit gewähren? Und sie kommt auch in der Story überhaupt zum Ausdruck. Auch diese Richter müssen wissen, dass sie einen öffentlichen Sympathiewettbewerb im Kampf gegen eine Mutter, die ihr Kind gegen sie verteidigt, nur verlieren können.

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      • Feuerwächter says :

        Ein rabbinisches Gericht ist aber ja kein weltliches, …

        Offenbar ist es aber weltlich genug, um Verurteilungen mit selbst erfundenen, aber dennoch eintreibbaren Geldstrafen verhängen zu können. Das eine höhere Instanz es evtl. kippen kann, sagt hierbei nicht allzuviel aus. Darüberhinaus ist es, wie @Maria Werner bereits schrieb, tatsächlich problematisch aus Ordnungsgeldern u.ä Werte ableiten zu wollen.

        Die Wertberechnung des Ablasshandels scheint mir außerdem einen Denkfehler zu enthalten. Sie müsste meines Erachtens nicht über ein durchschnittliches Männerleben errechnet werden, sondern nur bis zum Eintritt der (religiösen) Mündigkeit des männlichen Nachkommens, also max. 18 Jahre × 365 Tage × 140 USD = 919.800 USD.

        Nichts desto trotz sollte dieser konstruierte Ablasshandel aus ethischen Gründen schnellstens gedanklich entsorgt werden, denn es kann nicht angehen, daß die körperliche Unversehrtheit eines Menschen, hier noch dazu eines Unmündigen, vom Vermögensstatus abhängig ist. Damit ließe dann rein prinzipiell auch Sklaverei und Anderes wieder rechtfertigen. Die Zeiten sollten eigentlich vorbei sein.

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    • Stefan Schritt says :

      Das Problem liegt – wenn ich es richtig verstanden habe – darin, daß Ehen und Scheidungen in Israel nicht von staatlichen Stellen gemanaged werden, sondern religiösen.

      Aus dem Interview:
      „“Elinor: The fact that the rabbinical court is the only institution through which a couple can get married in Israel, does not grant it the power to include any religious thing and force it upon secular people.““

      Eine rein standesamtliche Ehe wie hierzulande scheint es dort also nicht zu geben, und scheinbar auch keine säkulare Scheidung.
      Somit würde ihr ein Austritt (sofern das überhaupt geht) nicht weiterhelfen – sie ist und bleibt bei ihrer Scheidung der religiösen Gerichtsbarkeit ausgeliefert.

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  8. Peter says :

    Vielen Dank für den Bericht, den ich gerne ge-flattr-t habe. Ich habe außerdem eine Mail an die Redaktion der Süddeutschen Zeitung geschickt und darum gebeten, über den Fall zu Berichten (mit Link auf diesen Artikel hier und einen in der „The Jewish Press“. Schließlich habe ich 140 USD über den o.g. Link gespendet – das ist zwar nur ein Tag Selbstbestimmtheit, aber jeder Tag zählt.

    Nochmals vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag!

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  9. Fred Frenzel says :

    Artikel 3 „Recht auf Leben und Freiheit“ (der HUMAN RIGHTS seit 10.12.1948!)
    :Jeder Mensch hat das Recht auf Leben,Freiheit und Sicherheit der Person.
    Erzwungene Körperverletzungen stehen eindeutig der Sicherheit der Person entgegen;jeder beteiligte Richter sollte also gezwungen werden,sich ein Exemplar der „HUMAN RIGHTS“ auf Hebräisch übersetzen zu lassen,zu kaufen
    oder in einer Bibliothek nachzulesen-Frist dafür 140 Tage! Israel ist doch
    UN-MITGLIED!!

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  10. rahab says :

    also… wenn man schon meint, es ginge darum, dem vater/dem rabbinatsgericht/dem volk Israel die vorhaut des sohnes abzukaufen, dann kann dieser kauf nur wirksam bis zu dem zeitpunkt abgeschlossen werden, zu dem der sohn/knabe bar mizva wird, also 13/14. dann entscheidet er selbst so, wie ihm beliebt.
    ich meine aber, es geht um etwas anderes. ich habe versucht, es bei http://treueliebe.wordpress.com/2013/11/26/oi-ja-broch/#comment-9244
    zu erklären.

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  11. eva braun says :

    Da wird ihr aber Pech haben ihr Kleingeister…!

    Die Beschneidung bleibt unumstösslich in Europa in USA und In der ganzen Welt.

    Könnt ihr euch in eurem Vorhaut Dreck wälzen wie Ihr wollt.

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  12. Gabriele Childs says :

    Und das Unwissen lebt und überlebt.
    Meine Gynäkologin sagte mir beim letzten Termin: Die Auswirkungen der männlichen Beschneidung mit einer später nichts sexuell empfindenden Eichel plus die Auswirkungen auf die Vaginahaut, die sich durch Irritationen, wundsein bis hinzu Entzündungen aufgrund der erhöhter Reibung des beschnittenen Mannes zeigt… sind das letzte große Tabu!

    Die Zahl der Beschneidungen in D ist seit Jahrzehnten sehr hoch. Dies liegt auch an Fehlinformationen des Fachpersonals die von dem Müttern unhinterfragt übernommen werden. Die Anzahl der rein religiös bedingten dagegen ist viel geringer.

    Das Hauptargument ist Hygiene und hier vor allen das Smegma. Davon haben Frauen allerdings viel mehr als Männer. Frauen werden aufgefordert für ein gutes Intimklima zu sorgen, die dort anwesenden Bakterien bloß nicht mit Chemie zu beseitigen. Doch beim Mann sollen diese Bakterien plötzlich nur böse, schlecht und von übel sein? HPV Übertragung lautet dann das Stichwort. Doch HPV sitzt ebenso auf der Haut der Frau, kommen diese dann in die Vagina, das geht auch ohne Geschlechtsverkehr, kann es zum Gebärmutterhalskrebs führen. Dies nun ausschließlich dem Mann in die Schuhe zu schieben… ist einfach unfassbar.

    Die Diagnose Phimose, die eine Diagnose für ausgereifte männliche Menschen ist, wird unangebracht bei Jungen eingesetzt. Es ist so vorgesehen, dass sich die Vorhaut/Eichel-Verklebung erst löst wenn der unreife Penis so weit ist.
    Analog dazu hat das Mädchen die Korona, die fälschlicherweise immer noch „Häutchen“ genannt wird… aber eine Verklebung zum Schutz der inneren Sexualorgane darstellt. Diese löst sich ebenfalls meistens von allein, das sind dann die Frauen die eben nicht nach Penetration bluten. Niemand kommt auf die Idee innerhalb der Vagina waschen zu wollen, obwohl die Harnröhre direkt am Eingang liegt.
    Nur beim Jungen wird noch immer der Unsinn propagiert unbedingt darunter waschen zu müssen, wenn das dann nicht geht weil Vorhaut/Eichel noch immer eine Einheit bilden wird manipuliert. Entweder es kommt dadurch zu Entzündungen oder gar zur Paraphimose.

    Das Unwissen der jungen Frauen/Mütter ist beängstigend. Die Propaganda der überflüssigen Haut greift in D immer weiter um sich. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Mütter keinerlei Erfahrung haben, sie kennen teilweise nur beschnittene Partner, oder haben von den erogenen Zonen des Mannes Null Ahnung.

    Bei sogenannten aufklärenden Sendungen wie „Make Love“ wird zudem der beschnittene Penis als völlig intakt dargestellt, ohne Einbußen. Und der intakte hat einfach nur zusätzliche (überflüssige?) Haut. Warum, frage ich mich, mit welchem Ziel? Soll den jungen beschnittenen Pubertären verheimlicht werden wofür die Vorhaut gut ist, wie viel erogenes spezialisiertes Gewebe entfernt wurde? Und auch den Mädchen wird dadurch Wissen vorenthalten.
    Selbst in dem Buch „Make Love“ das auch bei Ärzten ausliegt wird die Vorhaut, mit äußeren und dem inneren (hocherogen) Vorhautblatt, dem Bändchen (ebenfalls hocherogen) und der Vorhautlippe (hochspezialisierter Tastsinn) und so weiter nicht erklärt.

    Und noch schlimmer, den Frauen wird suggeriert „die Frau merkt den Unterschied nicht“, sogar von Fachfrauen. Manche Frau wundert sich ggf. einfach nur über Irritationen, wundsein oder Entzündungen und meint es läge an ihr. Jede Frau merkt den Unterschied! Wenn der Gleiteffekt, das Gleitlager des Mannes fehlt, dass sich sonst an die Vaginahaut schmiegt, kommt es zur Reibung. Je länger Mann dann muss (kann?) desto stärker der Effekt, von unangenehmen Gefühlen (mit Verlust der Lust) bis hin zu Wundsein und auch Entzündungen. Frau ahnt nicht woran es liegt und selbst Frauenärzte klären nicht auf, sondern verordnen Gleitmittel u.a. statt z.B. auf Femidom als Hilfsmittel zu verweisen.

    Die verordneten Salben sollen in der Frau die Empfindlichkeit herabsetzen. Doch will ich als Frau das, will ich weniger fühlen? Ich kann nur vermuten, dass dem beschnittenen Mann die Akzeptanz der Beschneidung erhalten werden soll. Er darf nicht die Ursache der Probleme in der Frau sein. Und daher wird Femidom nicht beim Arzt benannt.

    Will der betroffene Mann dann retten was noch zu retten ist… wird er von Ärzten allein gelassen. Abschneiden können Urologen und andere… aber helfen wieder eine erogene Eichel zu bekommen. Fehlanzeige, nicht mal der Hautarzt hat Ahnung.

    Und auch Frauen haben eine Vorhaut. Bei der FGM TYP1 A Beschneidung der Frau wird diese abgeschnitten (Fachbegriff Zirkumzision). Das nennt man dann Verstümmelung. Die dann freiliegende ungeschützte Klitoris stellt nach Jahren, manchmal auch nach Monaten ihre Hauptaufgabe ein. Es bildet sich Epithelgewebe (eine Schutzschicht, dickere Haut. Ergebnis: Die Frau fühlt dort nichts mehr. Die betroffenen Frauen sehen sich selbst meist nicht als verstümmelt, wie auch viele Männer. Auch Männer bilden Epithelgewebe an der Eichel! Doch männlichen Menschen wird suggeriert, es ist überflüssiger Hautlappen.

    Infos:
    Die Vorhautlippe: hochspezialisierte Tastzellen
    Das Bändchen: hocherogene Zone
    Inneres Vorhautblatt: hocherogene Zone
    Vorhautaufgaben:
    – Schutz der sensitiven Eichel
    – Hautreserve für den erigierenden Penis
    – Gleitlager in der Vagina
    In all den erlesenen Studien zu den Auswirkungen der Beschneidung fehlen grundlegende Fragen wie z.B.:
    Warum keine Grafiken die diese Penisstellen darstellen?
    Reste der inneren Vorhautblattes, erkennbar an der helleren Hautfarbe, sind meist vorhanden.
    Reste des Bändchens sind meist vorhanden. Es ist dann ein kleiner Knubbel, bzw. eine flache Linie.
    Warum keine Fragen nach dem Lustempfinden in diesen Bereichen?
    Warum keine Fragen nach dem Beschneidungsstil, der spätestens am erigierten Penis ersichtlich ist? Fehlt den Fragenden dieses Wissen?
    Warum keine Fragen zum Einsatz von Gleitmitteln?
    Warum keine Fragen zu den Partnerinnen? Sind diese wegen vaginaler Beschwerden, Trockenheit in Behandlung? Was wird den Frauen verordnet?
    Und so weiter.

    Je nachdem wie viel abgeschnitten wird vom inneren Vorhautblatt und ob Reste des Bändchens verbleiben, ergibt dies einen Beschneidungsstil. Im Extremfall kommt es dann zu extremen Schmerzen bei einer Erektion! Kein Arzt, kein Mensch weiß wie sich der Penis entwickeln wird. Keiner kann im voraus sagen wie sich wie sich diese Beschneidung auf das spätere Erleben auswirken wird. Doch wenn alles innere und das Bändchen komplett abgeschnitten sind und die Eichel über die Jahre ihre ursprüngliche Aufgabe einstellt… wie soll dieser Mann dann Lust empfinden? Mit der Prostata möglicherweise.

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  13. Alois says :

    Sorry – Ich finde das Thema nur noch ätzend. Gibt es nichts anderes auf der Welt, worüber sich diskutieren lässt?

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    • Stefan Schritt says :

      Da wären noch Fußball, Autos, der wöchentliche Speiseplan der englischen Königsfamilie, die Kartoffelpreise und welcher Nachbar wieder was in die Mülltonne geworfen hat, was eigentlich in den gelben Sack gehört.

      Wobei ich für meinen Teil da allerdings lieber bei Kinder- und Menschenrechten bleibe. Denn das, was an dem Thema „ätzend“ ist, ist daß wir mit §1631d BGB ein Gesetz haben, welches eben jene mit Füßen tritt. Sobald dieser Missstand behoben ist (und noch ein paar dutzend andere), können wir gerne über Kartoffelpreise bloggen.

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  14. Kim Karlstein says :

    es gibt Neuigkeiten in dem Fall. Das naechst Gericht hat das Bussgeld gegen die Mutter aufgehoben. Der Anwalt des Rabbinats argumentierte in einem Brief, dass es das Recht des Kindes sei gegen den Willen der Mutter beschnitten zu werden.
    [http://www.israelhayom.com/site/newsletter_article.php?id=14627]

    Zu den hier von verschiedenen leuten geaeusserten Fragen:
    Standesamtliche Trauung/Scheidung.
    Gibt es in Israel nicht. Die jeweiligen Religionsgemeinschaften sind fuer die Trauungen zustaendig (und auch fuer ihre Aufloesung, duerfte bei christlicher Trauung schwer werden).
    Paare, die aus religioesen Gruenden nicht heiraten koennen (bsplw Cohner und Mamser) koennen in Israel nicht heiraten. Das einzige Schlupfloch ist im Ausland zu heiraten.

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    • Harald Stücker says :

      Vielen Dank für das Update, Kim.

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    • user unknown says :

      Nur am Rande: Katholische Trauungen können aufgelöst werden und werden auch aufgelöst. Im Zuge der Diskussionen über kirchliche Arbeitgeber und Wiederheirat nach Scheidung habe ich davon gehört und gelesen – es gibt offenbar Gründe, die man anführen kann, um zu behaupten, die Heirat wäre ungültig gewesen. Bei braven Christenmenschen wird dann wohl ein Auge zugedrückt bei der Frage, ob solche Gründe wirklich vorliegen – es könnte auch mit Spenden nachgeholfen werden, wenn die Kirche sich schwertut. Mit Links u. schriftlichen Belegen kann ich nicht dienen; es ist quasi nur die Ermunterung die Ohren und Augen offen zu halten, wenn einen das Thema interessiert.

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  1. Der Preis der Vorhaut « gbs Köln - 29. November 2013

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