Wir sind nicht Charlie Héros!

Nach dem islamfaschistischen Terroranschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo hat sich schnell der Slogan „Je suis Charlie“ zum Ausdruck der Solidarisierung mit den Opfern durchgesetzt. Sympathisch zwar, aber eine Anmaßung. 

jesuischarlie

Weiße und graue Schrift auf schwarzem Grund. „Je suis Charlie“ ist nicht nur eine Solidaritäts- sondern auch eine Kondolenzadresse. Es ist schon beeindruckend, wie schnell sich dieses Mem verbreitet hat. Aber es ist nicht weniger beeindruckend, wie viele jetzt Charlie sind, die niemals bereit wären, so zu handeln wie Charlie. All die Berufsopportunisten, die jetzt auf den Zug aufspringen und beteuern, sie seien Charlie – Bundespräsident, Regierung, SPD, Grüne – die aber unweigerlich in ihrer Betroffenheitsrede nachschieben, dass dieses Attentat nichts mit dem Islam zu tun habe, sie alle sind Hochstapler. Charlie Hebdo ist zu einem Ehrentitel geworden, und die Hingerichteten wussten genau, dass unter den „Opfern“ ihrer Karikaturen es nur der Islam war, der sie mit dem Tod bedrohte, nicht Sarkozy, nicht Hollande, nicht die Front National, nicht der Papst. Sie wussten auch, dass die „überwiegende Mehrheit der Muslime friedlich ist und Gewalt ablehnt“. Und sie wussten, dass ihnen das nicht helfen würde, weil es vollkommen egal ist. Sie wussten wohl auch, dass nicht wenige Muslime ihre Ermordung als „Rache des Propheten“ feiern würden. (Hier ganz offen in Pakistan, hier klammheimlich in Paris.) Und sie wussten sicher, dass dies direkt „etwas mit dem Islam zu tun hat“.

„Je suis Charlie“ ist eine Anmaßung – und sie ist wohlfeil, denn sie ist zu einem Herdenphänomen geworden. Wer das Schild in der Masse hochhält, kann sich durch eben diese Masse geschützt fühlen. Wenn jetzt alle Charlie sind, ja, dann kann ich vielleicht auch Charlie sein?! Aber was bedeutet es eigentlich, Charlie zu sein? Dazu schreibt Denis Yücel in der taz:

Die ermordeten Zeichner und Journalisten von Charlie Hebdo sind – man muss das so pathetisch formulieren – Helden. Nicht durch die Umstände ihres Todes sind sie dazu geworden, sie waren es vorher schon. Weil sie, im wahrsten und im schrecklichsten Sinne des Wortes, unerschrocken für liberté, égalité, fraternité gekämpft haben. Dieser Kampf wird bleiben, und er findet in Frankreich, in Deutschland und anderswo an mehreren Fronten statt. Und noch etwas wird bleiben: ihr Werk.

Ich verneige mich.

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Stéphane Charbonnier: Never, never, never give up!

Charlie Hebdo hat entschieden, den Kampf zu führen für unseren wichtigsten Wert, die Freiheit – vor allem die freie Presse, die freie Meinungsäußerung, für unsere kulturelle Identität, auch gegen die Drohung, auch hier bei uns das islamische Bilderverbot durchzusetzen, entweder durch den Appell zum „Respekt vor den religiösen Gefühlen“ der moderaten Muslime, oder, wenn das nicht hilft, mit Terror und Gewalt. Vor dieser Drohung kuscht die westliche Welt seit zehn Jahren in Angststarre. Aber Charlie Hebdo hat die islamistischen Barbaren unablässig provoziert, um den Preis der unablässigen Morddrohung. Charlie Hebdo hat nach dem verheerenden Brandanschlag auf die Redaktion im Jahre 2011 nicht aufgehört zu provozieren, sondern die Faust zum Trotz erhoben und da weitergemacht, wo es aufgehört hat. Sie haben nach dem Motto Winston Churchills gehandelt: „Never, never, never give up!“

Wer von uns kann jetzt noch behaupten: „Je suis Charlie“?!

Salman Rushdie kann das behaupten. Kurt Westergaard. Theo van Gogh. Ayaan Hirsi Ali kann das behaupten. Aber waren wir jemals Salman, als er sich wegen seines harmlosen Romans verstecken musste? Waren wir Theo, als er wegen seines harmlosen Films ermordet wurde? Waren wir Kurt, als er 2010 wegen seiner harmlosen Zeichnung einem Mordanschlag nur knapp entkommen konnte? Oh nein, wir haben ihm und seinen Kollegen damals, im Streit um die dänischen Karikaturen, implizit die Schuld daran gegeben, dass Botschaften brannten und Menschen getötet wurden. Waren wir Ayaan, als sie sich wegen ihrer Mitarbeit an Theo van Goghs Film wie Salman Rushdie verstecken musste oder als sie unter fadenscheinigen Gründen aus den Niederlanden ausgebürgert wurde? Oder auch nur, als ihr auf Betreiben islamfaschistischer Studenten von der jüdischen (!) Brandeis-Universität doch kein Ehrendoktor verliehen wurde? Wer hat damals aufgeschrien: „Ich bin Ayaan!“?!

RaifBadawi

Und sind wir auch bereit zu sagen: „Ich bin Raif!“?! Raif Badawi ist ein „liberaler Araber“. Gerade erhielt er die ersten von insgesamt 1000 Peitschenhieben, weil er schrieb, dass Moslems, Christen, Juden und Atheisten gleichberechtigt sind. Das ist ein Verbrechen. Nicht im „Islamischen Staat“, sondern im islamischen Staat Saudi-Arabien. Unserem Verbündeten. Dass dieser Verbündete die Morde von Paris offiziell verurteilt hat, erscheint vor diesem Hintergrund als groteske Heuchelei.

Charlie Hebdo hat gegen das bleierne Abkommen verstoßen, das die dhimmihaften, feigen Appeaser stillschweigend mit der islamfaschistischen Barbarei geschlossen haben, und das in etwa so aussieht: „Wir beschränken unsere Freiheit der Meinungsäußerung, wir veröffentlichen keine Bilder, Filme oder Romane über euren Propheten und eure Religion, die auch nur im Ansatz als provokant oder beleidigend empfunden werden könnten, wir mischen uns nicht in die inneren Angelegenheiten Eurer Theokratien ein, dafür liefert Ihr uns bitte weiter Euer Öl und verschont uns bitte mit Terroranschlägen.“

Charlie Hebdo hat sich gegen diese Feigheit aufgelehnt. Auch hier hielten sie sich wieder an Winston Churchill:

Ein Appeaser ist ein Mensch, der ein Krokodil füttert, in der Hoffnung, dass es ihn ganz zuletzt fressen wird.

Sie haben instinktiv verstanden, dass dieses Appeasement nicht funktionieren wird, dass dies der Weg ist in die „Unterwerfung“ („Islam“ wörtlich übersetzt), in „ein Leben auf Knien“. Stéphane Charbonnier, Chefredakteur von Charlie Hebdo und einer der Hingerichteten, sagte im Interview nach dem Brandanschlag 2012:

„Es klingt vielleicht etwas pompös, aber ich sterbe lieber im Stehen als auf Knien zu leben.“

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Wer von uns stirbt lieber im Stehen als auf Knien zu leben?! Wer von uns steht nach einem Brandanschlag, einem versuchten Mordanschlag, wieder auf, schüttelt sich den Staub aus den Haaren, reckt die Faust – und macht weiter?!

Seht Ihr, deshalb sind wir nicht Charlie Hebdo. Denn Charlie Hebdo sind jetzt Charlie Héros.

Ich verneige mich.

Charlie_Heros

Charlie Héros: Bernard Maris, Georges Wolinski, Jean Cabut, Stéphane Charbonnier, Bernhard Verlhac

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About Harald Stücker

Harald Stücker

9 responses to “Wir sind nicht Charlie Héros!”

  1. Stefan Schritt says :

    Du hast Recht Harald, ich bin nicht Charlie. Aber ich gelobe Besserung.

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  2. tinta says :

    Muss den Winston Churchill mit Kriegsrhetorik erwähnt werden?
    Gibt’s doch sicher andere Persönlichkeiten die never never give up von sich gaben…

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    • Stefan Schritt says :

      Ich finde Winston Churchill gar nicht so unpassend. Denn ein Konflikt ist ein Konflikt, ob er nun zwischen Staaten oder Ideologien stattfindet.
      Aber bitte … wie wäre es mit Galaxy Quest? Wobei, auch im Scifi geht es ja um Konflikte …

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    • Harald Stücker says :

      Ja, aber warum soll ich jemand anderen zitieren, der „Never give up“ „von sich gab“, wenn es doch Winston Churchill gibt, der „Never give up“ nicht nur „von sich gab“, sondern es auch genauso meinte, und der durch diese Haltung fast alleine dafür verantwortlich ist, dass England Hitler den Krieg erklärt hat und also dafür, dass wir heute nicht unter einer Naziherrschaft leben?

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  3. Florian says :

    Du weißt schon, dass Richard Dawkins in den letzten Monaten vorallem durch Nähe und Unterstützung rechtspopulistischer Islamfeinde aufgefallen ist…?

    JihadistJoe ist so einer davon. Dessen Konto wurde inzwischen geschlossen wegen rassistischer Hetze.

    Auch Charlie Hebdo mit seinen Zeichnungen von Juden, Schwarzen und Moslems, die so auch 1:1 im Stürmer erschienen wären, ist sicher nicht das, was wir als Vorbild bezeichnen sollten.

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  4. Manfred says :

    Das alles habe nichts mit dem Islam zu tun ?
    Ich kann es nicht mehr hören !

    Natürlich wird er missbraucht, Sie haben nichts mit friedlichen/toleranten Moslems zu tun! Das ist der feine Unterschied! Aber er dient den Extremisten doch als Rechtfertigung

    Genau so könnte man behaupten die Kreuzzüge/Hexenverbrennungen/Kindesmissbräuche/Finanzskandale (Limburg) usw. hätten nichts mit der Kirche zu tun !

    Und gab und gibt es etwa keine Christlamisten?

    btw – zum Thema „Mut“: Ich habe versucht bei einer Veranstaltung dieses Pierre Vogel an meinem Heimatort mal ein paar sehr kritische Fragen loszuwerden. Leider bekam ich erst gar nicht die Gelegenheit dazu, da die Sache schon im Vorfeld eskalierte.
    Und von einigen friedliebenden toleranten Moslems (die ich zu meinen engen Freunden zähle!) wurde ich gewarnt solche Fragen wie die Folgenden überhaupt anzubringen.

    So hätte ich gerne mal gefragt was das eigentlich für ein Gott ist der solche Grausamkeiten fordert. Und ob der wirklich dann anbetungswürdig ist ?
    Kommt irgendwo in deren Religionsbild eigentlich auch der Begriff „Liebe“ vor ???
    Und ob, wenn doch alles zu seinem Werk gehört – also logischerweise auch die „Ungläubigen“ – es wirklich in seinem Sinne ist wenn dieses sein Werk von Islamisten vernichtet wird? Und vor allem: Ob er dann wohl so schwach ist dass er sich nicht selbst helfen könnte?
    Oder hat Allah die „Ungläubigen“ – also auch die, die schon alleine aufgrund einer Geburt in ihrem jeweiligen Kulturkreis eben keine Moslems geworden sind – etwa nur dafür erschaffen dass sich die Extremisten ihre Jungfrauen verdienen können ? Das wäre dann allerdings ein sehr sadistischer Gott ! ?

    Und wenn es doch auch nach ihrem Glauben ein Leben nach dem Tod gibt, dann wäre doch für eine entsprechende Bestrafung der Ungläubigen ohnehin gesorgt.

    Und was geschieht eigentlich mit den Jungfrauen, die den Märtyrern zur Verfügung stehen ? Werden die nach Gebrauch entsorgt ?

    Was für ein menschenverachtendes Weltbild !

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  5. Rainer Rosenzweig says :

    „Je suis Charly!“ bedeutet, dass ich mich solidarisch erkläre mit den Opfern des feigen Terroranschlag und mit dem, was ihnen wichtig war. Wir können uns freuen, dass 1,5 Millionen Menschen in Paris und viele weitere in vielen anderen Städten Europas dies tun.

    Wenn jemand zu dir sagt „Zieh Leine!“, dann ziehst du dran?

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  6. ropow says :

    Héros sont pour zéros, je suis désolé.

    In diesem Zusammenhang Churchill zu zitieren ist geradezu beleidigend. Und wenn Sie ihn schon zitieren, dann richtig:

    „We shall go on to the end, we shall fight in France, we shall fight on the seas and oceans, we shall fight with growing confidence and growing strength in the air, we shall defend our Island, whatever the cost may be, we shall fight on the beaches, we shall fight on the landing grounds, we shall fight in the fields and in the streets, we shall fight in the hills; we shall never surrender.“

    Begreifen Sie den Unterschied zu Charlie Hebdo? Churchill hat keine Hitler-Karikaturen gezeichnet, in einer medialen Landschaft, wo man ohnedies nur mehr durch Provokation noch finanziell reüssieren kann und dazu bedrohliche Autoritäten geradezu braucht – und sich dabei auch noch zur vermeintlichen Sicherheit in Redaktionsstuben hinter Wachmannschaften versteckt.

    Wenn Sie schon unbedingt Helden brauchen, dann nehmen Sie bitte Churchill und seine Verbündeten. Diese haben etwas gegen die Bedrohung ihrer Freiheit getan, zuerst den Widerstand organisiert und dann mit ihrem Verteidigungswillen und der Breitschaft ihr eigenes Leben gegen das der Aggressoren einzusetzen, aktiv, unbeugsam und gezielt den entscheidenden Angriff gegen das nationalsozialistische Deutschland unternommen, um die Bedrohung ein für allemal auszumerzen.

    Deshalb war auch der einzige, der dieses alberne „Je suis Charlie“-Geplapper richtig beantwortet hatte ausgerechnet der alte Haudegen und notorische Rassist Jean-Marie Le Pen, indem er sagte: „Mais je ne suis pas Charlie du tout, je suis Charlie Martel si vous voyez ce que je veux dire!“ („Aber ich bin überhaupt nicht Charlie, ich bin Charlie Martel, wenn Sie wissen, was ich meine!“).

    Die einzige Chance, die Europa noch hat, ist doch nicht ein Heer von Karikaturisten, sondern möglichst viele moderne Karl Martells. Also, verneigen Sie sich nicht lange, erheben Sie stattdessen den Kopf und machen Sie sich bewusst, dass der erste Schritt zur Reconquista lautet:

    „Je suis Charlie Martel.“

    http://www.huffingtonpost.fr/2015/01/09/jean-marie-le-pen-front-national-charlie-martel-hebdo-tweet-declarations_n_6443248.html

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