Gender Gaps und Pay Gaps

Vor einigen Tagen wurde wieder der Equal Pay Day begangen. Ist der Gender Pay Gap eine Folge sexistischer Diskriminierung? Oder ist er die Folge von Entscheidungen, die Frauen und Männer autonom treffen? Wenn ja, taugt er dann immer noch als Skandal?

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Der Gender Pay Gap widerspricht Prinzipien der Marktwirtschaft

Es sind wenig überraschend vor allem die linken Parteien, die den Gender Pay Gap als Problem erkannt haben. Also genau die Parteien, die den Kapitalismus als gewissenlose Hure zeichnen, der es immer nur ums Geld geht; Firmensitze wandern ab in Niedrigsteuerländer, Fabriken dorthin, wo die niedrigsten Umweltstandards gelten, Arbeitsplätze werden in Niedriglohnländer verschoben. Aber wenn die These vom diskriminierenden Gender Pay Gap stimmte, dann wären die kapitalistischen Kernländer ja schon zur Hälfte Niedriglohnländer. Wenn Männer immer teurer wären, müssten die meisten inzwischen arbeitslos sein.

Wenn Frauen tatsächlich bei gleicher oder besserer Qualifikation, bei gleicher oder höherer Leistung und Motivation billiger wären, dann wären alle Führungsetagen, in denen nun wirklich Geld verdient wird, voller Frauen. Das ist aber nicht der Fall. Es muss hier also eine Ausnahme von einem universellen gnadenlosen Prinzip des Kapitalismus vermutet werden. Gleich hoch qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, die genauso viel für das Unternehmen leisten, aber 25% weniger kosten, wären ein gigantischer Wettbewerbsvorteil für jedes Unternehmen. Ein Gender Pay Gap als Ergebnis von Diskriminierung würde also eine Absprache in der gesamten Wirtschaft voraussetzen, dass hier das Prinzip der Profitmaximierung auszusetzen sei. Eine solche Absprache widerspräche jeder marktwirtschaftlichen Vernunft. Der Gender Pay Gap ist also eine feministische Verschwörungstheorie.

Gender Pay Gap wäre Wettbewerbsvorteil für Frauen

1561_A4_Email_Poster.inddEinerseits will die feministische Politik über Quoten mehr Frauen in lukrative Sektoren oder in Führungspositionen befördern, andererseits aber möchte sie eine echte Chance dafür nicht nutzen. Denn das wäre ein solcher Pay Gap. Würde der Feminismus marktwirtschaftlich denken, wäre er entzückt über einen Wettbewerbsvorteil, den nur Frauen haben. Mit dem Pfund, 25% weniger zu kosten, könnte jede Frau selbstbewusst im Vorstellungsgespräch auftrumpfen. Hätte sie dann den Job, könnte sie ihren Pay Gap durch Leistung und Verhandlung nach und nach schließen. Aber der Feminismus denkt nicht marktwirtschaftlich, sondern moralistisch und sozialistisch.

Pay Gaps, wohin man schaut

Der Gender Pay Gap als Skandal profitiert stark von der Availability Bias, der Verfügbarkeitsheuristik. Das ist der Denkfehler, der uns die verlorenen Schlüssel unter der Laterne suchen lässt, nicht weil wir sie dort verloren hätten, sondern weil es dort heller ist. Das Merkmal Geschlecht ist in allen Lohn- und Gehaltsstatistiken ausgewiesen. Es ist einfach, darauf zurückzugreifen. Aber wenn wir nicht vorher die Gehaltsunterschiede unabhängig vom Geschlecht analysieren, sagen die Unterschiede zwischen den Geschlechtergruppen eher wenig aus.

So verdienen in vielen Branchen ältere Menschen deutlich besser als jüngere. Das ist der Age Pay Gap. In anderen verdienen attraktive Menschen mehr als weniger attraktive, wenn sie überhaupt in solchen Branchen arbeiten können. Look oder Beauty Pay Gap. Extrovertierte Menschen haben es in vielen Berufen einfacher. Wer nicht geschickt und selbstbewusst verhandeln kann, wird weniger verdienen, unabhängig vom Geschlecht. Personality Pay Gap. Und der wichtigste Pay Gap besteht wohl zwischen Karrieristen und Nicht-Karrieristen, also zwischen Menschen, die ihrer Karriere und der Steigerung ihres Marktwerts alles andere unterordnen, und solchen Menschen, die in ihrem Leben nicht nur Karriere machen wollen. Commitment Pay GapPay Gaps, wohin man schaut!

Gender Gaps, wohin man schaut

Es gibt nicht nur Pay Gaps zwischen allen möglichen definierbaren Gruppen, sondern auch unzählige Unterschiede zwischen den GeschlechternGender Gaps. So sind weibliche Autisten sehr viel seltener als männliche. Gender Autism Gap. Männer sind häufiger aggressiv und antisozial. Gender Jerk Gap. Allerdings ist der größte Gender Gap wohl der zwischen Mutter und Vater. Die hormonellen Veränderungen durch Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit wirken sich auf die Präferenz- und Motivationsstrukturen von Frauen anders und intensiver aus. Und diese Unterschiede verschwinden nicht, indem man sie tabuisiert oder sprachliche Strukturen zerstört. Frauen können (noch) nicht entscheiden, ob sie bei der Geburt ihres Kindes dabei sein wollen, oder ob sie stattdessen vielleicht doch lieber dieses total wichtige Jobprojekt in trockene Tücher bringen sollten. Das Gender Mainstreaming steckt in der Sackgasse, solange die Frau nicht von der Reproduktion getrennt wird (wie z.B. in diesem Szenario, in dem es um künstliche und vor allem externe Gebärmütter geht). Dieser Gender Birth Gap bleibt der Skandal einer jeden Gleichstellungsutopie.

Natürlich sind all diese Gaps – bis auf den Gender Birth Gap – eher statistischer Natur. Aber das gilt eben auch für den Gender Pay Gap. Es werden nicht einzelne Frauen schlechter bezahlt, weil sie Frauen sind, sondern Frauen treffen zumeist berufliche und private Entscheidungen, die zur Folge haben, dass sie im statistischen Mittel weniger verdienen als Männer. Es ist also zwar richtig, dass Frauen weniger verdienen als Männer, aber insofern dies keine Folge von Diskriminierung ist, ist der Gender Pay Gap kein Skandal.

„Hört endlich auf, Euch wie Frauen zu verhalten!“

In einem bemerkenswerten Kommentar in der taz hat die Feministin Heide Oestreich dies vor kurzem zugegeben

[Die] GleichstellungskritikerInnen […] vertreten die These, dass der Pay Gap gar kein Skandal sei. Schließlich würden die Frauen freiwillig in schlechter bezahlten Berufen und in Teilzeit arbeiten.

Das ist wahr und das muss auch immer bedacht werden.

Frauen verdienen tatsächlich weniger, weil sie freiwillig entweder weniger arbeiten oder meist – ebenfalls freiwillig – in Berufen arbeiten, in denen auch Männer weniger verdienen als andere Männer in anderen Berufen. Beides müsste dem Gender Pay Gap eigentlich den Skandalstachel nehmen. Aber das will Frau Oestreich nicht. Sie will das Problem retten: 

Dagegen ist nichts zu sagen, außer: es hilft gar nicht weiter. Weiter hilft zu gucken, wie diese ganzen autonomen Entscheidungen der Frauen ein System ergeben. Und wie sie in diesem System abgewertet werden.

Tragisch: Frauen entscheiden einzeln autonom, aber in der Summe erschaffen sie ein System, das sie abwertet.

Es ist gut, wenn die Autonomie der Frauen betont wird. Noch besser ist es, wenn diese autonomen Frauen sich zusammen tun, das System durchschauen und etwas dagegen tun.

Aber durchschaut ist das System ja bereits! Es ist das „Ergebnis autonomer Entscheidungen von Frauen“! Es liegt damit auf der Hand, wer allein dieses System nur ändern könnte: Frauen, die autonom andere Entscheidungen treffen. Wie könnten solche Entscheidungen aussehen?

Nun, Frauen könnten vermehrt Fächer studieren, die ihnen weniger liegen. Sie könnten stärker um Karrieren kämpfen, in denen sie weniger zufrieden sind. Sie müssten dafür endlich den Ehrgeiz entwickeln, der ihnen offensichtlich bislang noch fehlt. Und sie könnten aufhören, sich für ihre Familien und Kinder so verantwortlich zu fühlen, wie sie es heute noch tun.

Wenn Frauen endlich aufhören würden, sich wie Frauen zu verhalten, wie Frauen zu wünschen, zu entscheiden, zu studieren, zu arbeiten, dann wäre der Gender Pay Gap endlich Geschichte. Es liegt an Euch, Ihr Frauen! Falls Euch dieses Ziel nicht wichtig genug erscheint, um die zentralen Präferenzen in Eurem Leben zu ändern, dann überprüft sie noch mal! Immerhin geht es um Geld. Und um finanzielle Gleichstellung mit den Männern in der Statistik. Was könnte wichtiger sein?!

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Harald Stücker

14 responses to “Gender Gaps und Pay Gaps”

  1. Moni says :

    Hat doch keinen Sinn. Das können wir noch 9000 Mal runterbeten und erklären – interessiert die meisten Medien, Politiker und Kulturschaffenden nicht.

    Die Weltverschwörung Patriarchat bleibt ein Verkaufsschlager.
    Wen interessieren da Fakten, Zahlen, Statistiken.

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  2. user unknown says :

    Es gibt ja den korrigierten Gender-Pay-Gap, bei dem berücksichtigt wird, dass viel mehr Frauen in schlechtbezahlten Berufen arbeiten als Männer und dass so viel mehr Frauen in Teilzeit arbeiten oder wegen Auszeiten wegen der Familie bei der Karriere zurückbleiben.

    Dieser soll noch 7% betragen, nicht 22%, aber kommt mir immer noch sehr hoch vor. Im öffentlichen Dienst etwa herrscht doch eine gesetzlich/tariflich geregelte Bezahlung die Diskriminierung verbietet und auch derart formalisiert ist, dass eine Umgehung kaum möglich scheint. Auch in anderen Branchen sind Tarifverträge keine Seltenheit.

    Für jeden Beruf, in dem 2 Personen zu gleichem Lohn arbeiten müssen dann andernorts 2 Personen arbeiten, wo der Absand 14% beträgt um auf 7% im Schnitt zu kommen.

    Kann es sein, dass die Unterschiede v.a. aus den Führungsetagen kommen, wo die Löhne individuell verhandelt werden? Gerade dort dürfte es aber schwierig sein die objektive Vergleichbarkeit von Leistungen nachzuweisen – womit ich nicht behaupten will, dass diese auch meist gegeben sind. Es nährt aber in mir den Verdacht dass es – ähnlich wie bei der Quote für die Top-Dax-Unternehmen – um Minderheiten in der Upper Class geht.

    Im sozialen Bereich sind die zwei großen Kirchen der größte Arbeitgeber. Herrscht da Geschlechtergleichheit oder nicht? Jedenfalls herrscht dort ein Diskriminierungsprivileg und eingeschränkte Arbeitnehmerrechte. Da traut sich aber noch niemand ran.

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  3. frankheinze says :

    Die Grundfrage ist doch, warum sind „schlechter bezahlte Berufe“ denn „schlechter bezahlte Berufe“ ?

    Zur Erinnerung: Zumindest im nichtkirchlichen Bereich haben wir ein Arbeitsrecht, ein Streikrecht und ein Organisationsrecht.

    Allen Angestellten und Arbeiter/innen steht es frei, sich gewerkschaftlich zu organisieren und mittels Arbeitskampfmaßnahmen Forderungen durchzusetzen.
    So wurden alle Errungenschaften zB. der Metaller und Chemieindustrie erstritten.

    Aus eigener Erfahrung muss ich leider sagen, dass die Kampf- und Organisationsbereitschaft von Frauen einfach erschreckend gering ist.
    Umgekehrt proportional zur Jammerbereitschaft allerdings.

    Im Pflegebereich, einem der typischen „schlechter bezahlte Berufe“ sind etwa 85% Frauen, 15% Männer. Die Quote an Gewerkschaftsmitgliedern beträgt in etwa 10% und davon nehmen etwa 10% an (Warn)Streiks teil.
    Beim Streik allerdings ist die Geschlechterquote mindestens ausgeglichen.
    Was bedeutet: Fast alle Männer gehen streiken und nur sehr, sehr wenige Frauen.

    Die Nachteile dieser Unsolidarität, ja Streikbrecherschaft als grundlegenden Wesenszug weiblicher Angestellter liegt auf der Hand:
    Man spart sich Gewerkschaftsmtgliedsbeiträge sowie Ärger mit Vorgesetzten (Nahezu alles Frauen!), partizipiert aber gerne an den nach langen Kämpfen erstrittenen Leistungen.

    Eine grundsätzliche Infragestellung dieser Haltung ist leider nicht in Sicht.

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  4. KaRa says :

    Vergessen wurde noch der regionale Pay Gap zwischen Nord-Ost- und Süddeutschland sowie der Pay Gap zwischen Stammbelegschaft und Leiharbeitern.

    Bei Pflegeberufe muß auch der historische Hintergrund bedacht werden:
    Früher wurde die Menschen von Nonnen und Mönchen gepflegt, die mit einem „Vergelt´s Gott“ entlohnt wurden. Auch hatten hatten die Bewohner der Klöster keine Kosten für ihren persönlichen Lebensunterhalt.

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  5. ropow says :

    Sie haben schon recht, Herr Stücker: Da fährt Ministerin Schwesig eine Verdummungsoffensive, die aus dem, vom Statistischen Bundesamt jeweils über alle Berufe gemittelten 22% niedrigerem Durchschnittseinkommen von Frauen gegenüber Männern irrwitziger Weise eine geschlechtsspezifische Diskriminierung konstruiert – und Sie antworten auf dem gleichen Niveau mit der einzig richtigen Schlussfolgerung, die man aus dieser Fehlinformation logischerweise ziehen kann: dem marktkonformen Wettbewerbsvorteil für Frauen.

    Was diese Kampagne antreibt, ist natürlich nicht der „geschlechtsspezifische Entgeltunterschied“ durch schlechtere Bezahlung von Frauen bei gleicher Qualifikation und Leistung, der per Gesetz und Tarifverträge ohnedies kaum mehr existiert, sondern der Wunsch diesen „Gender Pay Gap“ durch monetäre Aufwertung typischer Frauenberufe zu schließen – also Berufe ausschließlich deshalb finanziell besser zu stellen, weil sie überwiegend von Frauen ausgeübt werden. Das widerspricht zwar dem Grundgesetz, aber davon hat man sich bei der Frauenquote ja auch nicht weiter stören lassen.

    Mich würde interessieren, wie weit sich ein Intelligence Pay Gap mit dem Gender Pay Gap typischer Frauenberufe deckt. Ich fürchte nur, eine derartige Untersuchung wird es nie geben, weil nach derselben abstrusen Logik, mit der man nun argumentiert, dass Frauen „ein Viertel weniger wert“ als Männer wären, man dann möglicherweise zugeben müsste, dass sie auch „ein Viertel weniger intelligent“ wären.

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  6. Helmut E. says :

    Ich bin schwer enttäuscht, wie sich dieses Blog entwickelt hat. Als Wissenschaftsfan, Skeptiker und Atheist habe ich die Beiträge hier eigentlich immer gerne gelesen.

    Aber neuerdings soll wohl eher der ultrarechte Rand der Gesellschaft als Zielgruppe gewonnen werden. Neben undifferenzierter Islamhetze und neoliberaler Marktgläubigkeit darf natürlich auch Gender-bashing nicht fehlen. Der Boden der Evidenz muss dabei freilich verlassen werden. Aber dem durchschnittlichen Pegida- oder Afd-Anhänger ist Evidenz ohnehin nicht so wichtig. Für den ist nur wichtig, wenn er irgendwo lesen kann, dass gewisse Studienfächer Frauen „weniger liegen“ und Frauen mal endlich ein wenig Ehrgeiz entwickeln sollen. Wahrscheinlich liegt es an den Genen, dass Frauen ständig die falschen Entscheidungen treffen.

    Vielleicht lässt sich ja Thielo Sarrazin als neuer Gastautor gewinnen? Der hat da auch einige interessante Ansätze in diese Richtung. Selbstverständlich ebenso evidenzfrei wie jene des Blogautors.

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    • Harald Stücker says :

      Schade, dass Sie enttäuscht sind. Dabei versuche ich durchaus immer, differenziert zu hetzen und zu bashen.

      Bei aller Marktgläubigkeit muss ich leider sagen, dass ich mit meinem Blog kein Geld verdiene. Das ist zwar schade, aber es hat den Vorteil, dass ich mir keine rechte [pun intended] Vorstellung von meiner Zielgruppe machen muss.

      Zu den Einsprengseln inhaltlicher Kritik: Wenn Sie nur einmal auf diesen Artikel zum Thema Quote klicken wollen und etwa bis zur Mitte scrollen, dann finden Sie die Videodokumentation des Norwegers Harald Eia zum Thema Gleichstellung der Geschlechter. Wenn Sie „Gender-Bashing“ auf höherem Niveau vorziehen, kann ich Ihnen diese Serie sehr empfehlen.

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      • Helmut E. says :

        Wenn Sie eine derartige Doku als „höheres Niveau“ bezeichnen, wird mir vieles klarer. Ich habe diese Banalitäten leider nur 10 Minuten lang ertragen.

        Immerhin hat der investigative Dokumentarfilmer tatsächlich aufgedeckt, dass Männer und Frauen unterschiedliche Interessen haben! Na echt jetzt?

        Und das kann natürlich nicht daran liegen, dass unsere gesamte Gesellschaft darauf ausgerichtet ist, unsere Kinder bei deren Heranwachsen geschlechtsspezifisch zu prägen. Dass gewisse Alltagsmythen in der Gesellschaft einfach nicht totzukriegen sind. Wie beispielsweise die falsche Annahme, dass Buben mehr Talent für Mathe und Mädchen mehr Talent für Sprachen in die Wiege gelegt wäre. Es liegt auch sicher nicht an der Ungleichbehandlung, die Buben und Mädchen an Schulen von den Lehrkörpern erfahren. Es liegt auch sicher nicht an den fehlenden Rollenvorbildern für Mädchen. Nein, damit hat das nichts zu tun. Frauen wissen halt einfach, dass sie Frauen sind und was für Frauen normal ist. Sie können nicht anders. Das ist doch der Tenor ihres gesamten Artikels, oder etwa nicht? Als ich gerade Ihr Pamphlet vom 14. Dezember gelesen habe, habe ich ständig darauf gewartet, diese eine noch fehlende Aussage zu finden, die das Bild endgültig abrundet: „Frauen gehören an den Herd weil es Gott für sie so vorgesehen hat.“ Aber dann habe ich mich doch noch daran erinnert, dass es sich hier eigentlich um ein Atheistenblog handelt.

        Ich weiß nicht, ob Sie Familie haben. Ich vermute mal nein, sonst würden Sie Frauen weniger als Konkurrenten und mehr als Partner sehen. Meine Frau und ich haben bewusst die Entscheidung getroffen, dass ich weiter arbeite, während sie sich um die Kinder kümmert. Es war eine ökonomische Entscheidung. Mir fällt es als Mann nun einmal erheblich leichter, mit wenig Aufwand viel Geld zu verdienen. Ich kenne viele Paare, bei denen sich das ganz genauso verhält. Ein zynischer Mensch kann daraus natürlich messerscharf schlussfolgern, dass es sich hierbei doch um die „individuellen Entscheidungen der Frauen“ handle. Redlich wäre so eine Schlussfolgerung natürlich nicht. Und schon gar nicht evidenz-basiert. Wahrscheinlich haben Sie auch keine Kinder. Sonst hätte Ihnen schon auffallen müssen, welchem Priming unsere Kinder tagtäglich ausgesetzt sind und wie viel Energie es einem als Vater kostet, diesen Einflüssen entgegenzuwirken. Und damit ist nicht nur Diskriminierung sondern auch der vermeintlich harmlose „wohlmeinende Sexismus“ gemeint. Wenn der eigenen Tochter bereits im Kindergarten erklärt wird „Mach dir nichts draus, dass du das nicht kannst. Das ist etwas für Buben“ während der eigene Sohn angehalten wird, es doch noch einmal zu versuchen.

        Übrigens: falls Sie tatsächlich keine Vorstellung von Ihrer Zielgruppe haben sollten, dann schauen Sie sich doch einmal in den Kommentarfeldern um. Ich entdecke auf den ersten Blick einen Lobbyisten für Schusswaffen. Und jemanden, der ernsthaft zu glauben scheint, dass Frauen „ein Viertel weniger intelligent“ wären als Männer, was man auch sofort herausfände, wenn es entsprechende Untersuchungen gäbe. Ist das pure Verblendung? Oder kann es im 21sten Jahrhundert tatsächlich noch Menschen geben, die nicht wissen, dass Intelligenztests bereits erfunden wurden und diese auch geschlechtsspezifisch auswertbar sind? Meine Gratulation zu dieser Leserschaft.

        Begeistern Sie also ruhig weiter ihre Fans aus den Reihen der NPD, AfD und Pegida. Einige vom rechten Flügel der CSU werden Sie bestimmt auch noch abgreifen. Kurz gesagt alle notorisch Zukurzgekommenen, die sich über Feindbilder definieren. Sozi-Bashing, Genderbashing, Islambashing, garniert mit neoliberaler Marktgläubigkeit, ist in diesen Kreisen immer gerne gesehen. Ich lese dann lieber bei der GWUP, den Scienceblogs oder bei Psiram weiter. Diese Seite ist mir zu esoterisch angehaucht.

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        • Harald Stücker says :

          Ich habe diese Banalitäten leider nur 10 Minuten lang ertragen.

          Das ist schade, denn dadurch werden die ganzen beiden nächsten Abschnitte Ihres Kommentars irrelevant. Denn all diese Fragen werden dort eingehend behandelt. In den ersten 10 Minuten sind zwar schon ein paar Gender-Theoretiker aufgetreten, aber noch kein richtiger Wissenschaftler.

          Aber das hier ist nicht wirklich zielführend. Ich kann meine Gedanken und Argumente nur aufschreiben und interessante Quellen nur verlinken. Lesen und anschauen müssen Sie sie schon selber. Oder es eben lassen.

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        • ropow says :

          Helmut E., nun beruhigen Sie sich, lehnen Sie sich erst mal zurück, atmen Sie tief durch – und dann lesen Sie meinen Kommentar noch einmal. Wenn Sie es diesmal schaffen, nicht nur Text, sondern auch Kontext zu lesen, dann wird Sie das Gelesene glücklich machen. Versprochen.

          Falls Ihre Beklemmung aber wider Erwarten trotzdem nicht nachlässt, hier ein paar Ausstiegshilfen:

          Notausgang 1: Von der Stelle „ein Viertel weniger intelligent“ eine sinngemäß vorwärtsstrebend Linie zu „nach derselben abstrusen Logik“ ziehen und beide Stellen verbinden. Na, dämmert’s?

          Notausgang 2: Würden Sie einen Menschen als „weniger wert“ ansehen, nur weil er einen schlechter bezahlten Beruf ergriffen hat? Würden Sie jemanden als „weniger intelligent“ ansehen, nur weil er einen Beruf ergriffen hat, der weniger intellektuelle Anforderungen an ihn stellt? Eine Logik, die aus derart unvollständigen Prämissen (es fehlen schließlich die Gründe für eine solche Berufswahl, z. B. persönliche Neigung) derart alberne Schlussfolgerungen zieht, ist abstrus. Genau das sagt dieser Teil meines Kommentars.

          Notausgang 3: Ersetzen Sie meine Formulierung „… man dann möglicherweise zugeben müsste, dass …“ durch „… man dann genau so irrig (falsch, fehlerhaft, grundverkehrt, inkorrekt, irrtümlich, regelwidrig, unrichtig, unzutreffend, widersinnig) schließen müsste, dass …“ – vielleicht finden Sie dann den Weg ins Freie.

          Objektive Wahrnehmung ist ein Hund, stimmt schon, aber mit etwas Mühe überwindet die jeder irgendwann. Und wenn auch Sie es dereinst geschafft haben, dann lesen Sie als erste Übung noch einmal Ihre eigenen Kommentare hier zum Thema „Gender Gaps und Pay Gaps“ – Sie werden sich danach mit ganz anderen Augen sehen. Und Herrn Stücker.

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          • ropow says :

            Das sollte natürlich „Subjektive Wahrnehmung“ heissen statt „Objektive Wahrnehmung“. Hoffentlich habe ich Sie in Ihrer Entwicklung nun nicht wieder zurückgeworfen…

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      • Helmut E. says :

        Noch ein Nachtrag zum undifferenzierten Islambashing:
        Als Atheist lehne ich grundsätzlich alle Religionen ab. Aber bedrohen mich nun alle Religionen gleich stark? Natürlich nicht.
        Ein Beispiel von vielen: noch nie hat ein Moslem meine Kinder gezwungen, im Kindergarten oder in der Grundschule religiöse Lieder einzustudieren (im Musikunterricht wohlgemerkt, nicht in Religion!). Nein, dazu sind hierzulande nur die Christen in der Lage. Die Religion mit der größten Machtfülle ist auch jene, die für mich die größte Bedrohung darstellt: das Christentum. Vielleicht sollten Sie einmal darüber schreiben.

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