Gender, Pseudowissenschaft und der hpd

Der „Humanistische Pressedienst“, hpd, hat einen Artikel veröffentlicht, in dem der Kreationismus als Pseudowissenschaft diffamiert wurde. Daraufhin haben sich einflussreiche Kreise eingeschaltet, und tags drauf war der Artikel wieder vom Portal verschwunden. Klingt unwahrscheinlich, oder? Ist es wohl auch.

Wie klingt das hier? Der hpd hat einen Artikel veröffentlicht, in dem die Gendertheorie als Pseudowissenschaft, als „Genderismus“, diffamiert wurde. Daraufhin haben sich einflussreiche Kreise eingeschaltet, und tags drauf war der Artikel wieder vom Portal verschwunden. Ebenfalls absurd? Ja. Aber es sieht ganz so aus, als sei das tatsächlich geschehen.

[Update 29.4.2015: Kommentar vom hpd-Chefredakteur Frank Nicolai (siehe unten): „Die genannten “einflussreichen Kreise” gab und gibt es nicht. Die Entscheidung, den Artikel zurückzuziehen, war eine, die die Redaktion gefällt hat.“]

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Ein Klick ins Bild führt zum Artikel im pdf-Format

Am 13. April hat der hpd den Artikel „Universitäre Pseudowissenschaft“ des Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera veröffentlicht, ihn dann aber einen Tag darauf gesperrt. Es war der Bericht über eine wissenschaftliche Tagung in San Jose (USA) zum Thema „Kreationismus in Europa“. Darin berichtete er auch, dass die Gendertheorie dort als ebenso unwissenschaftlich kritisiert wurde wie der Kreationismus.

Auf seiner Seite evolutionsbiologen.de schreibt Kutschera am 22.4.2015:

Humanisten, die der Genderismus-Ideologie nahestehen[, haben sich] beschwert und diesen Beitrag als nicht der hpd-Linie entsprechend kritisiert. Die Redaktion hat sich daraufhin entschlossen, die Publikation des kontroversen Artikels rückgängig zu machen, der hier zur Verfügung steht (PDF). Man möchte sich in Zukunft mit der Genderismus-Problematik auseinandersetzen, was eine akzeptable Strategie und Lösung der „U. Kutschera-/hpd-Kontroverse“ ist.

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Das Thema hat in der gesamten säkularen Szene anscheinend kaum jemanden interessiert. Offenbar glauben die meisten, es sei schon in Ordnung, wenn ihr publizistisches Herzstück dem Druck einer Lobby nachgibt und einen Artikel zurückzieht, weil er ihrer Meinung nach nicht einer „hpd-Linie“ entspreche. „hpd-Linie“?! Ist der hpd jetzt die Prawda der säkularen Szene? Und warum lesen wir darüber auf dem Blog von Ulrich Kutschera statt beim hpd selbst? Statt „Zugriff verweigert“ könnte auf dieser Seite z.B. stehen: „Wir wissen noch nicht, ob wir unseren Lesern den Bericht von Ulrich Kutschera wirklich zumuten können.“ Oder auch: „Triggerwarnung! Der folgende Artikel äußert sich kritisch zur Gendertheorie. Lesen auf eigene Gefahr!“

Was schreibt Kutschera darin so Skandalöses zum „Genderismus“?

Genderisten glauben, dass das „soziale Geschlecht“ des Menschen […] unabhängig vom biologischen Geschlecht (XY- bzw. XX-Chromosomensatz, Testosteron- bzw. Östrogen-Spiegel usw.) zum Ausdruck kommt und als „gesellschaftliches Konstrukt“ interpretiert werden kann.

Darin sieht Kutschera eine Leugnung biologischer Fakten, die ebenso wie der Kreationismus auch auf eine Sonderstellung des Menschen innerhalb des Tierreichs hinausläuft (bislang gibt es noch keine Animal Gender Studies), die allen Erkenntnissen aus Evolutionsforschung und anderen Disziplinen widerspricht und einen ganz eigenen Kreationismus darstellt, nämlich die Theorie von der Schöpfung der Geschlechter durch soziale Prozesse. Daher sieht er insbesondere für Evolutionsbiologen eine Aufgabe darin,

den Genderismus, eine universitäre Pseudowissenschaft, die den deutschen Steuerzahler jährlich viele Millionen Euro kostet, mit demselben Ernst [zu] analysieren und sachlich [zu] widerlegen wie den damit geistesverwandten Kreationismus.

Offenbar hat Kutschera damit mächtige religiöse Gefühle verletzt.

Gender Studies sind ein weites Feld. Die Erforschung der Kategorie Geschlecht quer durch alle Disziplinen kann durchaus fruchtbar sein. Nicht nur in den Geisteswissenschaften, sondern z.B. auch in der Gendermedizin. [Das ist allerdings leider Unsinn. Siehe diesen Kommentar von mir unten: „„Gendermedizin“ ist daher eine fatale Wortschöpfung, und „Gendermediziner“ sollten darauf drängen, dass ihre Disziplin umbenannt wird.“] Insofern könnte man Kutschera hier vorwerfen, stark zu pauschalisieren. Aber der „Genderismus“, von dem er spricht, und den ich im Folgenden als „Gendertheorie“ bezeichne, basiert eben auf der poststrukturalistischen Hypothese der sozialen Konstruktion von Geschlechterrollen und vor allem ihrer Unabhängigkeit von den biologischen Grundlagen.

hacking_social_constructionDie axiomatische Hypothese der Gendertheorie lautet, dass das natürliche Geschlecht [Sex] keinen nennenswerten Einfluss auf das soziale Geschlecht [Gender] habe. Dieses werde den Menschen – bewusst oder unbewusst – anerzogen. Dabei werden Babys aufgrund von beobachtbaren äußeren Merkmalen, den Geschlechtsmerkmalen, in diese Rollen selektiert. (Warum ausgerechnet diese Merkmale zur Selektion herangezogen werden, wurde meines Wissens noch nicht zufriedenstellend erforscht.) Gegenstand der Gendertheorie sind im Grunde nur diese Mechanismen der Selektion, Erziehung und sozialen Beeinflussung. Das „Erkenntnisinteresse“ der Gendertheorie beschränkt sich darauf, diese axiomatische Hypothese immer wieder zu bestätigen, indem diese Mechanismen in möglichst vielen Lebensbereichen gefunden und nachgewiesen werden.

Die Kritik an dieser Gendertheorie hat ein ähnliches Problem wie die Kritik am Islam. Der Kritiker muss sich distanzieren und differenzieren von lautstarken anderen Kritikern, die oft eine ganz andere Agenda verfolgen: Sie bekämpfen das „Gender Mainstreaming“ und meinen damit eigentlich die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Emanzipation von Homo- und Transsexuellen, die gesamte Idee der sexuellen Selbstbestimmung.

Es ist schwierig, im Namen der Aufklärung und der Vernunft gegen ein Projekt zu argumentieren, das selbst im Ruf steht, für Aufklärung und Emanzipation, gegen religiös motivierte Diskriminierung zu kämpfen. Weil niemand dabei erwischt werden will, ein scheinbar emanzipatorisches Projekt zu kritisieren, gilt „Gender“ als heißes Eisen, das man besser nicht anpackt. Offenbar hat sich der hpd an dem Artikel von Kutschera die Finger verbrannt.

Wer die Gendertheorie aus wissenschaftstheoretischen Gründen kritisiert, stimmt damit scheinbar den reaktionären Kritikern zu. Denen aber ist der Vorwurf „Pseudowissenschaft“ sicher ganz egal, da sie zum Teil ja selbst mit dem Kreationismus eine Pseudowissenschaft vehement vertreten.

Nach der Gendertheorie sollten Männer und Frauen gleichberechtigt sein, weil es eigentlich gar keine (Unterschiede zwischen) Männer(n) und Frauen gebe. Dafür wird sie einerseits von reaktionären politischen Aktivisten kritisiert, die behaupten, diese Unterschiede gebe es sehr wohl, da sie ja schon in der Bibel erwähnt werden – wo allerdings von Gleichberechtigung nicht die Rede ist. Andererseits wird sie von Wissenschaftlern wie Kutschera kritisiert, die ebenfalls behaupten, dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gebe, wobei sie auf Daten und Erkenntnisse aus Biologie, Entwicklungspsychologie, Neurowissenschaften und Evolutionsforschung verweisen – und darauf, dass die Frage der Gleichberechtigung unabhängig von all diesen Unterschieden ist, da sie aufgrund der Werte entschieden wird, auf die wir uns einigen.

Für die antiemanzipatorischen Kritiker des „Gender Mainstreaming“ sind die theoretischen Unzulänglichkeiten der Gendertheorie kein Problem. Ganz im Gegenteil. Die Schwäche der Gender-Hypothese macht die Gegner von Gleichberechtigung und sexueller Selbstbestimmung stark. Sie können das Gender-Kartenhaus immer wieder anblasen, bis es einstürzt. Aber wem es ernst ist mit diesen emanzipatorischen Fortschritten, der sollte Wert darauf legen, dass sie nicht auf einem so schwachen Fundament ruhen. Tatsächlich ruhen sie auch nicht darauf, sondern auf unserer Entscheidung zu den Werten Freiheit, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Wenn allerdings immer wieder der Eindruck erweckt wird, dass diese moralischen Fortschritte nur zusammen mit einer hanebüchenen theoretischen Konstruktion zu haben sind, dann können sie beim Niedergang dieser Konstruktion mit einstürzen.

Könnte es sein, dass manche säkulare Humanisten aus Sorge um diese moralischen Fortschritte eine Theorie verteidigen, die sie selbst insgeheim für Unsinn halten? Wo aber läge dann der Unterschied zu Christen, die eigentlich ungläubig sind, aber um der Moral willen „an den Glauben glauben“?

Wer die theoretische Grundlage der Gendertheorie widerlegen möchte, muss nicht etwa behaupten, dass es die erwähnten Mechanismen der Erziehung und sozialen Beeinflussung nicht gebe. Er muss auch nicht etwa behaupten, dass es keine sozialen oder anderen Umweltdeterminanten für geschlechtsspezifische Verhaltensweisen oder Präferenzen gebe. (Beides ist trivial, wenn wir anerkennen, dass wir auch von Umweltfaktoren beeinflusst werden. Und wer bestreitet das?) Er muss lediglich die viel stärkere These widerlegen, dass das natürliche Geschlecht [Sex] keinen nennenswerten Einfluss auf dieses soziale Geschlecht [Gender] habe. Somit aber wird die Gendertheorie von Biologie, Psychologie und Hirnforschung ständig widerlegt. In diesem Sinne ist es nicht ganz richtig, wenn Ulrich Kutschera in dem zensierten Artikel schreibt, dass „eine faktenbasierte, naturwissenschaftliche Analyse dieses destruktiven, quasi-religiösen Glaubens“ derzeit noch ausstehe. Ganz im Gegenteil zeigt gerade die Tatsache, dass diese ständige Widerlegung dem institutionellen Erfolg der Gendertheorie nicht im Wege steht, dass es sich dabei wirklich um eine „quasi-religiöse“ Ideologie handelt, die inzwischen politisch so stark geworden ist, dass sie sich um Daten und Fakten nicht mehr scheren muss.

Genau wie die Theologie.

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Harald Stücker

37 responses to “Gender, Pseudowissenschaft und der hpd”

  1. lawgunsandfreedom says :

    Ich warte ja immer noch drauf, daß Harald Eias „Hjernevask“ endlich mal deutsch synchronisiert wird und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wird. Die Reihe hat dem nordischen Genderinstitut in Norwegen den Todesstoß versetzt. Das könnte auch bei uns einigen Dutzend Pseudo-Akademikern die bequemen Jobs kosten.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Hjernevask

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  2. user unknown says :

    Lieber Herr Stücker,
    Schön, dass Sie sich des Themas noch mal annehmen.

    Ich selbst habe auch lange Zeit den Elefanten im Raum zu ignorieren versucht. Es hilft aber nichts – man kann nicht glaubwürdig für Evidenz eintreten und hahnebüchene Gendertheorien dulden als sei man selbst persönlich haftbar zu machen für tausende Jahre Patriarchat und dürfe deshalb nichts sagen.

    Ähnlich wie Sie sehe ich mich aber vielen Zielen von Feministinnenen zustimmend, von Berufsfreiheit bis zum Recht auf Abtreibung.

    Ich denke die Frauenbewegung selbst war lange Zeit zu pragmatisch. Um möglichst große Zustimmung zu einzelnen Kampagnen zu erzielen wurde, egal welche politische Linie die anderen vertreten, Koalitionen geschlossen und widersprüchliches unter den Teppich gekehrt.

    Ich glaube wenn man bei den meisten Initiativen hinter die Kulissen schaut, dann haben die gar keine (einheitliche) Gendertheorie, und weil sie das nicht haben gibt es auch keine fruchtbare Diskussion.

    Es gibt aber Thesen oder mehr Schlagwörter, die abgelehnt werden (Biologismus!), und aus dieser Ablehnung muss man sich quasi wie bei einem Negativ erschließen, was denn die Theorie hinter den Ansichten, Forderungen und Aussagen ist.

    Auf der anderen Seite haben wir, die Männer, uns zu lange rausgehalten aus Diskussionen und sind zumindest teilweise selbst schuld, wenn die Diskussion so lange ohne uns gelaufen ist.

    Ich sehe aber auch Potential für Fragen, die die Frauenbewegung aufgeworfen hat, dass diese aus radikal evidenzorientierter Sicht neue Diskussionen im Spannungsfeld der Debatten um Freiheit und Gleichheit auslösen werden.

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  3. Brynja says :

    Interessant! War nämlich überrascht und erfreut gewesen, dass es beim hpd möglich ist, auch die Gendertheorie als die Pseudowissenschaft zu bezeichnen, die sie ist. Aber anscheinend doch nicht. Schade.

    Sehe es nämlich genauso wie du: Gleichberechtigung ist zu wichtig, um sie auf diese windige Gendertheorie aufzubauen, die sich von jeglichen Einwänden der Naturwissenschaftlen in wirklich ganz ähnlicher Weise abgeschottet hat wie der Kreationismus.

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    • St. Elmo says :

      Wären wir alle gleich bräuchten wir keine Gleichberechtigung.

      Gleichberechtigung heißt ja das trotz der Unterschied zwischen den einzelnen Individuellen Menschen jeder vor dem Gesetz gleich behandelt werden muss, dass jedes menschliche Individuum die gleichen Rechte (und hoffentlich irgendwann auch Pflichten) hat.

      Die Gender Mainstreaming hat daher nichts mit Gleichberechtigung zu tun da es nicht auf das Individuum zielt, sondern Versucht zufällige, auf Basis eines Merkmals geschaffene, Gruppen gleichzustellen, in dem sie der einen Gruppe etwas wegnimmt und der anderen Gruppe etwas gibt.
      Würde man diese Gruppen allerdings aufgrund eines anderen Merkmals zusammen stellen würde dies zu völlig anderen Maßnahmen führen.

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  4. Harald Stücker says :

    Noch ein Nachtrag zum Thema:

    Gestern lief im ZDF die Kabarettsendung „Die Anstalt“. Thema war der Feminismus, Gender Pay Gap, Quote etc. Es war teilweise sehr witzig, aber an einer Stelle fiel mir doch ein ziemlich geschickter Taschenspielertrick auf:

    Der Kabarettist Wagner erklärt, dass Herzinfarkte bei Frauen anders verlaufen und wir das inzwischen wüssten, weil die „oft so gescholtene Genderforschung das herausbekommen hat“ (sinngemäß). Nur ist es aber so, dass die Gendermedizin, die ich im Artikel ja auch erwähne, mit der Gendertheorie, die ich kritisiere, nur den Namen gemeinsam hat, ihr ansonsten aber diametral entgegengesetzt ist!

    Gendermedizin erforscht die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, während die Gendertheorie bestreitet, dass es diese Unterschiede gibt. Würde sich die Medizin die axiomatische Hypothese der Gendertheorie zu eigen machen, gäbe es keine Gendermedizin, d.h. keine Erforschung der unterschiedlichen Wirkungen von Krankheitsverläufen, Therapien und Medikamenten.

    „Gendermedizin“ ist daher eine fatale Wortschöpfung, und „Gendermediziner“ sollten darauf drängen, dass ihre Disziplin umbenannt wird.

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    • SwA says :

      Damit ist mein Beitrag von vorhin wohl hinfällig, verzeihen Sie bitte.

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    • Wolfgang Tamm says :

      Danisch hat die Sendung treffend analysiert.

      „Mir ist dabei aber aufgefallen, dass die eigentlich selbst nicht wussten, wovon die da eigentlich reden. Etwa ab Minute 31 erzählt da Claus von Wagner davon, dass man herausgefunden hat, dass sich Herzinfarkte bei Frauen anders äußern als bei Männern und man sie deshalb fehlgedeutet habe. Sowas passiert, wenn man sich den Inhalt der Sendung mal eben zusammengoogelt oder von irgendwelche Autoren zusammengooglen lässt.

      Denn solche medizinischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden nämlich nicht von Feministen oder „Gender Studies” gefunden, sondern von der Gegenpartei, den Medizinern. Feminismus und Gender Studies beschimpfen die Medizin ja, aus patriarchalischen Gründen Unterschiede zu erfinden, und in Wirklichkeit gäbe es ja gar keine Geschlechter und keine biologischen, anerzogenen Unterschiede, das wäre alles nur kulturell eingeredet. Jeder, der behauptet, dass es biologische Unterschiede gäbe, würde sich nur solcher „Biologismen” bedienen, die nur dazu erfunden worden sind, Frauen zu unterdrücken und auszugrenzen. “

      http://www.danisch.de/blog/2015/04/29/schlechtes-aus-der-anstalt-propagandasender-zdf/

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  5. Wolfgang Tamm says :

    vor Jahren hätte der hpd eine Diskussion zugelassen! (2008, fitna, http://hpd.de/search/node/Fitna) Warum ist damals der sogenannte Humanistischer Verband Deutschlands (HVD) aus dem hpd ausgetreten und hat danach eigene online Aktivitäten mit gelenkten Journalismus entwickelt ?
    Nach meiner Erinnerung wurden da auch plötzlich Artikel von Herrn Stücker gelöscht.

    Tritt der hvd bei solch einen gelenkten Journalismus wieder ein? Sind öffentlich-Rechtlichen ein Vorbild? http://www.giordano-bruno-stiftung.de/termine?action=cal&id=1090&tab=cal_single

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  6. James Tells says :

    Ich denke, man muss hier zwei Dinge auseinanderhalten: Kritik an Judith Butlers Gender Theory und Kutscheras unsäglichen Artikel. Die Gender Theory haben sie hier auch nicht richtig dargestellt. Deren Aussage ist nicht, dass das „Sex“ keinen nennenswerten Einfluss auf das „Gender“ hätte. Die Frage, wie weitgehend dieser Einfluss ist, halte ich für vollkommen berechtigt (Sozialwissenschaftler reden ihn in der Regel klein, Soziobiologen / Evolutionspsychologen überschätzen ihn). Butler meint, dass das „Sex“ nur scheinbar biologisch und in Wirklichkeit eine soziale Konstruktion sei. Sie trennt gar nicht mehr zwischen Sex und Gender, für sie existiert ein biologisches Geschlecht gar nicht. Das ist in der Tat eine ziemlich fragwürdige These, und gegen eine fundierte Kritik daran hätte ich gar nichts auszusetzen.

    Auf einem ganz anderen Blatt steht Kutscheras Artikel, der nicht sein erster publizistischer Griff ins Klo ist. Es ist echt immer das selbe: Er regt sich über etwas auf und stellt dann einen an den Haaren herbeigezogenen Zusammenhang mit der Evolutionstheorie her, um sich selbst als Fachmann für das Thema präsentieren zu können. In diesem Falle: Er hat sich am Rande einer Konferenz mal über Gender Theory unterhalten („…nur informell geführte Diskussion) und meint dann, er müsste das im Konferenzbericht unterbringen. Inwiefern soll die Gender Theory die selben Wurzeln wie der Kreationismus haben? Dafür gibt es nicht den geringsten Hinweis. Und dazu dann ein polemischer Kampfbegriff wie „Genderismus“. Ich finde es richtig, dass der hpd solche wirren Ergüsse nicht veröffentlicht. Gewisse Qualitätsanforderungen an seine Texte sollte auch der hpd haben.

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    • Harald Stücker says :

      Nur hat der hpd diesen „wirren Erguss“ nun mal veröffentlicht. Was hätte dagegen gesprochen, einen weiteren Artikel zu bringen, der dagegen argumentiert? Außerdem gibt es neuerdings auch auf der hpd-Seite die Möglichkeit, Artikel zu kommentieren.

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      • James Tells says :

        Ja, ein Gegenbeitrag wäre wohl die bessere Reaktion gewesen

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      • Wolfgang Tamm says :

        sehe ich genauso.
        MMS, ein Gründer von hpd sagt.

        Kritik ist ein Geschenk.
        Aus Diskussionen gewinne ich Erkenntnis.

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      • Frank Nicolai says :

        Genau das werden wir tun. Das hat die Redaktion auch Prof. Kutschera mitgeteilt, der dann seine Thesen ausgearbeitet veröffentlichen kann. Andere Autoren werden dazu ebenfalls ihre Stellungnahmen/Artikel veröffentlichen.

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        • Harald Stücker says :

          Sehr gut, genau so sollte das sein. Ist es naiv zu meinen, dass es genau solch eine offene Debattenkultur ist, die Säkulare nicht nur ständig einfordern, sondern auch pflegen sollten?

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        • BasementBoi (@TheBasementBoy) says :

          Die Gemeinsamkeit von Theologie und Gender studies würde ich eher in den philosophischen Grundannahmen beider Disziplinen vermuten.

          Manche Konstruktionisten gehen davon aus, das Beschreibungen von Sachverhalten bzw. Fakten diese Gegenstände, und letztlich die gesamte Welt erst hervorbringen (z.B. Nelson Goodman)
          Etwas beschreiben kann nur ein Bewußtsein.
          Theologie hat als Grundannahme ebenfalls eine idealistische Ontologie, bedeutet hier bringt kein menschliches Bewußtsein die materielle Welt hervor, sondern der Schöpfergott.

          Weitere verbindende Elemente wären vielleicht noch ein extremer antirealismus und Skeptizismus bezüglich Wissenschaft und Wissensproduktion an sich.

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  7. Informierte Auseinandersetzung? says :

    Ich habe folgende Anmerkungen, die auf zwei Dimensionen des Themas verweisen. Erstens die Frage nach der naturwissenschaftlichen Beurteilung von Gender/Sex, zweitens die Frage nach der poststrukturalistischen Annahme, Geschlecht — in dieser Allgemeinheit — sei konstruiert. Kutschera scheint also aus einer sehr engen Perspektive zu argumentieren, die vermutlich gar nicht so recht versteht, worüber sie eigentlich spricht.

    1/

    Es gibt durchaus auch eine naturwissenschaftliche Diskussion über Zweigeschlechtlichkeit, die tief ansetzt und nach der Zweigeschlechtlichkeit als biologischer Grundannahme fragt und zwar nicht auf den Menschen beschränkt. Voß ist da zu nennen, der verschiedene biologische Theorien eingehend diskutiert und schließt, dass Zweigeschlechtlichkeit dort als Voraussetzung vieler Theorien angenommen wird. Ich meine hier seine Monographie „Making Sex Revisited. Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive“ (Link: http://www.transcript-verlag.de/ts1329/ts1329_1.pdf; kürzer äußert sich Voß hier zum Thema: http://dasendedessex.blogsport.de/images/voss2009GIDangeborenoderentwickelt.pdf).

    Kürzlich ist auch ein Artikel in Nature erschienen, der das gleiche Thema biologisch aufgreift: „The idea of two sexes is simplistic. Biologists now think there is a wider spectrum than that.“ (http://www.nature.com/news/sex-redefined-1.16943; deutsch: http://www.spektrum.de/news/die-neudefinition-des-geschlechts/1335086)

    Diese naturwissenschaftliche Diskussion kann ich nicht beurteilen, weil sie mich nicht näher interessiert. Die Behauptung, es gäbe keinen naturwissenschaftliche Diskussion darüber aber ist in dieser Allgemeinheit schlicht falsch, die Theorie von der Sonderstellung des Menschen ebenfalls.

    2/

    Es ist keine triviale Frage, welche Urteile poststrukturalistische Theorien erlauben. In weiten Teilen des Feldes ist aber anerkannt, dass es keine Urteile sind, die Aussagen darüber machen, wie etwas „wirklich“ ist. Es ist eben keine Naturwissenschaft, sondern kulturwissenschaftlich wird danach gefragt, was sichtbar wird, wenn wir — und das ist auf dieser Ebene erst einmal eine Hypothese — davon ausgehen, dass es keine natürliche Geschlechtlichkeit gibt. Es geht also nicht um die Frage, ob es ein natürliches Geschlecht gibt, sondern Brüche sichtbar zu machen, die andere Weisen des Umgangs mit Geschlechtlichkeit thematisiert. Wahrheit wird hier also nicht aus dogmatischen Gründen ausgeklammert, sondern um zu schauen, was dann sichtbar wird. Das ist wirklich nicht trivial und ich bitte sich eingehender mit dieser Diskussion zu beschäftigen, um darüber Urteile fällen zu können.

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    • Brynja says :

      Für mich ist es keine Frage, dass so etwas wie Geschlecht beim Menschen nur im interdisziplinären Dialog erforscht werden kann. Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften haben sich dabei gegenseitig viel zu geben.

      Denn die Naturwissenschaften neigen sonst dazu zu vergessen, dass auch ihr Handeln ein Teil der menschlichen Kultur ist und damit historische und soziologische, politische und ethische Dimensionen hat.

      Und die Geistes- und zum Teil auch die Sozialwissenschaften neigen sonst dazu den Wert von Empirie zu vergessen und sich in immer kleineren Verästelungen des reinen Denkens zu verlieren.

      Wissenschaftszweige, die diesen Dialog komplett aufgeben, weil sie die Erkenntnisse der jeweils anderen Seite für komplett irrelevant halten für die Erklärung des Phänomens, sind meiner Meinung nach gefährdet, sich komplett zu verrennen.

      Wenn Mediziner oder Biologen behaupten, die gesellschaftlichen Dimensionen von Geschlecht seien irrelevant, sind sie genauso auf dem Holzweg wie Genderforscher, die meinen, sie bräuchten sich für die biologische Seite überhaupt nicht zu interessieren. BEIDES ist völlig überholtes, ideologisiertes Lagerdenken, das uns keinen Schritt weiterbringt!

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  8. SwA says :

    Ich weiß nicht ob es wirklich nötig ist das nochmal zu erwähnen, aber ich möchte es trotzdem tun:
    Das was Sie als Gendermedizin verlinkt haben ist meiner Ansicht nach das glatte Gegenteil von dem, was man im allgemeinen unter „Gender-Theorie“ versteht.
    Die Gendermedizin scheint die Unterschiede anzuerkennen, und darauf basierend zu forschen. Daher ist es eigentlich keine „Gender“medizin (da Gender ja etwas soziales, und nichts biologisches sein soll), sondern schlichte Geschlechermedizin.

    Ansonsten schöner Artikel.

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  9. Frank Nicolai says :

    Hallo Harald, die von Dir genannten „einflussreiche Kreise“ gab und gibt es nicht. Die Entscheidung, den Artikel zurückzuziehen, war eine, die die Redaktion gefällt hat.

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  10. Gassenreh says :

    Die einseitig theoretisierende Gender Mainstreaming-Ideologie begeht den fundamentalen Irrtum, die als entscheidende menschliche Gegebenheit vorliegenden deutlichen neurophysiologischen Unterschiede in den Gehirnen von Frau und Mann völlig auszuklammern bzw. fälschlicherweise zu behaupten, diese festgelegten Gegebenheiten um– bzw. dekonstruieren zu können.
    Außerdem wird die falsche Behauptung, Neugeborene kommen als „geschlechtlich unbeschriebenes Blatt“ zur Welt, immer wieder ins Feld geführt (Im Gegenteil: z. B kontrollierte geschlechtsspezifische Reduktion von Neuronen während der letzten 10 Schwangerschaftswochen; Schaltkreisveränderungen bezüglich Wachstumshormonausschüttung im männlichen Foet usw.)
    [Einzelheiten bezüglich unüberbrückbarer, prägender Unterschiede in den Gehirnen von Frau und Mann sind in dem Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erweiterte Auflage, 2014, ISBN 978-3-9814303-9-4 nachzulesen]
    (http://www.amazon.de/Vergewaltigung-menschlichen-Identität-Irrtümer-Gender-Ideologie/dp/3)

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  11. EinFragender says :

    Die Gleichsetzung von Genderismus und Theologie macht keinen Sinn, weil beides nichts miteinander zu tun hat. Man kann den Genderifanatikern ein -sektenhaftes Verhalten vorwerfen, aber es fehlt zum Beispiel das Spirituelle und das Sinnbildende in der Theologie.

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    • user unknown says :

      Sinngebend kann es durchaus sein für eine größere Idee – die Gleichberechtigung oder Gleichstellung des ganzen Geschlechts zu kämpfen.
      Aber dass das Spirituelle fehlt ist festzuhalten, auch das Ritualhafte.

      Der Punkt ist wohl weniger, wie ähnlich verschiedene fem. Strömungen zu Religionen sind, als welche Basis man für Bürger- und Menschenrechte setzen will. Als problematisch sehe ich hier vor allem radikale Positionen, die sich auf eine dogmatische und vereinfachte Weltsicht eingeengt haben und die eher mit Methoden wie Diffamierung als Diskussion arbeiten wollen.

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    • Harald Stücker says :

      „Die Gleichsetzung von Genderismus und Theologie“ ist auch nicht erfolgt, ich habe nur auf die Gemeinsamkeiten hingewiesen, auf die es mir ankommt.

      • Beides sind unwissenschaftliche Disziplinen.
      • Beide setzen bei Berufungen ein Bekenntnis zur dogmatischen Ideologie voraus.
      • Beide haben sich hinreichend gegen Kritik immunisiert.
      • Beide haben eine obszöne politische Macht.

      Im Übrigen bildet die universitäre Theologie ebenso viel Spirit und Sinn wie etwa die Germanistik. Sie verwechseln hier wahrscheinlich Theologie mit Religion.

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  12. Corinna says :

    hpd-Chefredakteur Frank Nicolai: „Die genannten “einflussreichen Kreise” gab und gibt es nicht. Die Entscheidung, den Artikel zurückzuziehen, war eine, die die Redaktion gefällt hat.“

    … vermutlich mal wieder, um „Schaden vom hpd [oder besser: vom deutschen Volk] abzuwenden.“ Prust. Lol!

    Hahaha. Stimmt, ein Chefredakteur ist kein Kreis.

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  13. Thomas Fügner says :

    Gibt es so etwas wie „geistige Esskultur“? Was ich lese, das denke ich, so fühle ich, so werde ich in Werten?
    Dann ist Gender für meine Frau und mich, individuell, als Paar und erotisch, das reine Gift.
    Weswegen ich beschlossen habe, wir beschlossen haben, diesen Schwachsinn im Interesse unseres „Glücklich- Seins“ nicht mehr zu konsumieren.
    Wir haben nur begrenzte Leben, alle, und sollten uns vielleicht mit den Dingen, umgeben, die uns glücklich machen.
    Gender gehört definitiv nicht dazu.
    Und was soll ich sagen: es funktioniert.

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  14. Marcel says :

    Ist es nicht entgegen die Aussage, man sei offen für den kritischen Diskurs (um nicht zu sagen unwissenschaftlich), wenn diese Fragen von Gender-Experten unbeantwortet bleiben?:

    Prof. Dr. Günter Buchholz / Dr. habil. Wulf Krause
    Fragebogen zum Forschungsbereich und zum Thema Gender Studies

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  15. Serizus says :

    Gender heißt erst mal nur, das nicht alles Verhalten das einem Geschlecht zugeschrieben wird, nicht rein biologisch erklärt werden kann, sondern soziale Ursachen hat. Beide verstehen nicht, das unter soziale Geschlecht genau die Merkmale zusammengefasst werden, die einem Geschlecht zugeordnet sind, aber nicht biologisch bedingt sind.
    Aber erst mal zu den Ansichten von Kutschera und Stücker. Beide kommen sehr schnell zu dem Schluss das es bei dem Thema gar nicht um Wissenschaft geht sondern um Glaube, Kutscher definiert Genderisten als Glaubende und Stücker
    vermutete verletzte „religiöse Gefühle“ als Motivation hinter Entfernung des Artikels von Kutscher beim hpd. Deutlich wird das bei Stücker der mit der Gleichsetzung von Gendertheorie und Genderismus, man kann beide Begriff Synonym verwenden, weil eine wissenschaftliche Diskussion sich erübrigt. Besonders deutlich wird Stückers Desinteresse an dem Bergriff axiomatische Hypothese, auf der einen Seite wird anerkannt, das die Gender Studies ein wissenschaftlich diskutierbares Problem betrachten auf der anderen Seite wird gleich unterstellt, das diese es aber nicht für kritisierbar halten.
    Stückers Heroisierung Kutscheras, weil dieser im Namen Namen der Aufklärung und der Vernunft gegen religiös motivierte Diskriminierung kämpft, belegt noch einmal, Stücker assoziiert mit dem Begriff Gender eine Religion.
    Vermutlich ist das Missverständnis bei beiden, das sie meinen das soziale Geschlecht sei so mächtig, das in den Gender Studies die Ansicht vertreten sei das biologische Geschlecht sie nur für anatomische Merkmale verantwortlich und mehr nicht.

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    • lawgunsandfreedom says :

      Es gibt „Gender Studies“ und „Gender Studies“. Die eine Version ist wissenschaftlich und interdisziplinär. Die andere ist dogmatisch, ideologisch und wissenschaftsfern.

      Die wissenschaftlich arbeitenden Gender-Forscher (Biologen, Soziologen, etc.) hört und liest man in der Öffentlichkeit selten bis nie. Die betreiben wichtige Grundlagenforschung, machen aber wenig Aufhebens drum – jedenfalls außerhalb von Fachkongressen und Fach-Veröffentlichungen.

      Die Ideologen dagegen machen Propaganda und Politik auf der Basis von Dogmen und unbewiesenen (oft sogar längst widerlegten) Annahmen.

      Und ja … die ideologischen Genderforscher unterscheiden sich kaum von religiös motivierten Glaubenskriegern. Sie verwenden auch dieselbe manipulativen Methoden. (Noch haben sie niemanden umgebracht, aber die Sprache ist bereits sehr gewalttätig und totalitär.

      Die Unterscheidung von Gendertheorie und Genderismus ist unscharf. Die Genderisten setzen beides gleich. Die ernsthaften Gender-Forscher trennen das. Der normale Bürger, der sich mit dem Themenkomplex wenig beschäftigt, kennt die Unterschiede nicht – genau so wenig wie etliche Journalisten und Politiker.

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  16. Bud says :

    > Für die antiemanzipatorischen Kritiker des „Gender Mainstreaming“ sind die theoretischen Unzulänglichkeiten der Gendertheorie kein Problem. Ganz im Gegenteil. Die Schwäche der Gender-Hypothese macht die Gegner von Gleichberechtigung und sexueller Selbstbestimmung stark.

    Also ich befasse mich jetzt seit 15 Jahren mit Feminismus/Genderismus. Von irgendwelchen „antiemanzipatorischen Kritikern“, die gegen Gleichberechtigung oder sexuelle Selbstbestimmung agitieren, habe ich in der ganzen Zeit nichts bemerkt. Ja gut, es gibt hier und da mal einen durchgeknallten Freak der sowas mal irgendwo geschrieben hat. Nur nimmt solche Leute in der feminismuskritischen Szene niemand ernst.

    Ganz im Gegenteil bei den Feministen: Da ist keine Forderung zu radikal, keine Behauptung zu absurd, um nicht von Feministen auf breiter Front gefeiert zu werden. Typisches Beispiel ist das SCUM-Manifesto. Geschrieben von einer psychisch schwerkranken Person, was man verstehen kann, denn sie wurde als Kind vergewaltigt und mißhandelt, hat dieses Manifest zur Vernichtung aller Männer sehr schnell einen zentralen Platz im feministischen Ideologie-Kanon erlangt, den es auch heute noch innehat. An schwedischen Schulen wird das heute als Theaterstück aufgeführt, denn Männer töten ist ja so ein emanzipatorischer Akt. Ha ha, wie lustig.

    Sie sind da der feministischen Propaganda aufgesessen, die behauptet, daß Feminismus=Gleichberechtigung ist, während man bei näherer Betrachtung das genaue Gegenteil erkennt.

    > Weil niemand dabei erwischt werden will, ein scheinbar emanzipatorisches Projekt zu kritisieren, gilt „Gender“ als heißes Eisen, das man besser nicht anpackt. Offenbar hat sich der hpd an dem Artikel von Kutschera die Finger verbrannt.

    Dort läuft einfach das gleiche wie sonst überall auch. Feministen führen keinen wissenschaftlichen Diskurs, sondern sie mobben und brüllen alles nieder, was ihrer Ideologie widerspricht. Wer nicht für uns ist im Sinne von 100% auf der feministischen Linie, ist gegen uns, und wer gegen uns ist, ist ein rechtsradikaler, erzkonservativer, frauenhassender und homophober Reaktionär. Wer sich öffentlich gegen den Feminismus äußert, der wird mit einer Diffamierungskampagne überzogen. Mobbing, Zensur, Gewalt — das ist der feministische Diskurs.

    Da sind die Proteste in BW gegen den Bildungsplan nur eines von vielen Beispielen. Diese Leute sind auf die Straße gegangen, weil sie es irgendwie nicht so gut finden, wenn ihre Kinder in der Schule sexuell genötigt oder gar mißbraucht werden. Na wie antiemanzipatorisch! Das sind doch alles nur Schwulenhasser, tönte es aus unseren Mainstreammedien.

    So entsteht dann der Eindruck, daß es da ganz böse Leute gäbe, die die Gleichberechtigung wieder abschaffen wollen. Aber diese Leute gibt es nicht (in nennenswerter Anzahl oder mit signifkantem Einfluß). Und es entsteht der Eindruck, daß der Feminismus eine breite Basis in der Bevölkerung hat. Aber das ist alles lediglich Propaganda. Tatsächlich kann die breite Masse mit Feminismus nichts anfangen.

    Ob der hpd den Artikel nun aufgrund von direktem Druck von außen zurückgezogen hat oder eher aus vorauseilendem Gehorsam, ist egal. Das perfide an der Sache ist ja, daß eine direkte Zensur bald gar nicht mehr nötig ist, weil sich sowieso keiner mehr traut, eine abweichende Meinung zu äußern.

    Falls sich jetzt jemand fragt, warum ich die Begriffe Feminismus und Genderismus so austauschbar verwende: Weil es da keine klare Trennung gibt und das zumindest in praktischer Hinsicht das gleiche ist. Man könnte allenfalls argumentieren, daß Genderismus eine auf dem Feminismus basierende Crackpot-Theorie ist, aber diese Behauptung wäre nur schwer haltbar. Es gibt im Feminimus keine klare Theorie, es gibt dort auch keine wissenschaftliche Forschung oder sowas wie gesicherte Erkenntnisse. Im Feminismus plappert einfach nur jeder irgendwas daher, was er vorher irgendwo aufgeschnappt hat. Wenn sich dann irgendwo ein lokales Meinungsmaximum ergibt, dann wird das als „die Wahrheit“ betrachtet und weitergeplappert. Deshalb ist es so schwer, den Feminismus zu durchschauen, weil es da einfach nichts so richtig greifbares gibt, keine Struktur und keine klaren, verbindlichen Aussagen. (Hadmut Danisch hat das in seinem Buch „Frauenquote“ mal detailliert untersucht.)

    Liebe Wissenschaftler, es ist zwar nach wie vor wichtig, die feministischen Pseudoargumente wissenschaftlich zu zerlegen. Tatsächlich fehlen den Feminismuskritikern stellenweise noch belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse in ihrer Argumentation. Daher begrüße ich, wenn neuerdings immer mehr Wissenschaftler auf dieses Thema aufmerksam werden. Aber ehrlich, ihr kommt reichlich spät, und ihr habt das Problem in seiner ganzen Tragweite noch gar nicht erkannt.

    Der Feminismus hat sich in den letzten 5 Jahrzehnten und besonders in den letzten 20 Jahren (seit dem Startschuß für Gender Mainstreaming 1995 auf der Weltfrauenkonferenz) in sämtlichen Institutionen festgesetzt. Politik, Staatsapparate, Universitäten, Massenmedien sowie auch wichtige globale NGOs, ja sogar die evangelische Kirche, wurden im Laufe der Zeit unterwandert und sind heute fest in feministischer Hand. Wer irgendeine Position mit Einfluß erlangen will, muß zunächst mal das feministische Glaubensbekenntnis ablegen. Deshalb können die Massenmedien solche Diffamierungskampagnen fahren. Deshalb hören wir auch nach wie vor ohne Unterlaß die Legende vom Gender Pay Gap, obwohl die Behauptung, Frauen würden systematisch für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Männer, schon seit Jahrzehnten widerlegt ist. Aber das ist den Propagandisten egal. Wahrheit ist, was ständig wiederholt wird.

    Die Angriffe auf die Wissenschaft, die wir in letzter Zeit verstärkt beobachten können, sind nur Teil einer größeren Gesamtstrategie, in der es darum geht, abweichende Meinungen zu unterdrücken, Kritiker mundtot zu machen und den Feminismus als Staatsideologie zu etablieren. Gleichartige Angriffe hat es vor allem in den letzten 2 bis 3 Jahren in vielen Bereichen gegeben. Jede erdenkliche Subkultur wurde von Feministen heimgesucht, belästigt, gemobbt, diffamiert, immer mit der Unterstellung, die würden dort Frauen unterdrücken, wogegen sich dann komischerweise immer die Frauen in diesen Subkulturen zur Wehr setzen.

    Bislang lief das alles eher im Verborgenen. Erst nachdem der Feminismus nun sämtliche staatliche und halbstaatliche Strukturen erorbert hat, fühlen sie sich sicher genug, nun verstärkt in der Öffentlichkeit zu agieren und auch sämtliche gesellschaftliche Strukturen anzugreifen. Deshalb wird nun plötzlich auch die breite Masse auf das Thema aufmerksam.

    Der Feminismus ist eine totalitäre Ideologie, das bedeutet, die glauben, die allein seeligmachende Wahrheit zu besitzen und diese mit Gewalt durchzudrücken zu müssen. Macht Euch das bitte mal klar. Wir reden hier nicht nur von den sonderbaren Ansichten ein paar durchgeknallter Esoteriker, wir reden hier von nicht weniger als der Wiedereinführung des Faschismus. Ja, tatsächlich, nachdem wir uns nun 70 Jahre gefragt haben, wie konnte damals nur sowas passieren, und warum hat keiner von was gewußt, bekommen wir nun die Antwort frei Haus geliefert. Wir können jetzt live miterleben, wie das funktioniert.

    Denkt an die Worte von Ignazio Silone.

    P.S. Soweit ich das einschätzen kann, haben Kreationismus und Genderismus keine gemeinsamen Wurzeln. Sie gleichen sich allerdings in vielerlei Hinsicht. Beides sind in sich widersprüchliche Glaubenssysteme mit Alleinwahrheitsanspruch, beide haben keine belastbaren Argumente, beide haben sich mit Zirkelschlüssen gegen externe Kritik immunisiert.

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    • malte says :

      …womit sie dann gleich mal eine Bestätigung dafür abgeliefert hätten, welche absurden Wahnvorstellungen unter Antifeministen kursieren: Feminismus ist der neue Faschismus und wenn Homosexualität im Schulunterricht behandelt werden soll, bedeutet das, dass Kinder sexuell genötigt und missbraucht werden. #mussmanwissen. Dass sie nicht in der Lage sind, eine Satire (SCUM Manifesto) als solche zu erkennen setzt dem ganzen noch die Krone auf.

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      • user unknown says :

        Das Traktat von Valerie Solanas? Das war so satirisch gemeint wie ihr Mordanschlag auf Andy Warhol.

        Allerdings kann ich nicht erkennen, dass es in feministischen Kreisen auf große Zustimmung gestoßen wäre.

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  17. Bud says :

    Ach, übrigens:

    > Der einzige Unterschied zwischen den [kreationismuskritischen] Texten, die [beim hpd] noch vorhanden sind und dem, der zensiert wurde, besteht darin, dass Genderismus als Form von Kreationismus, als Pseudowissenschaft bezeichnet wird, dass Ulrich Kutschera ausspricht, was die Leser von ScienceFiles seit Jahren wissen, dass nämlich Genderismus keine Wissenschaft ist, da Genderismus keine Methode, keine Methodologie und vor allem kein Erkenntnisinteresse hat. Genderismus ist, wie wir nicht müde werden zu sagen, keine Wissenschaft, denn Genderismus ist eine Ideologie, deren Zweck darin besteht, die Anhänger des Genderismus an die mit Steuergeldern gefüllten Futtertröge zu bringen, damit sie sich dort durchfuttern können, auf Kosten der Steuerzahler.
    >
    > Dass dem so ist, haben wir in einer Vielzahl von Beiträgen zum Genderismus begründet. Aber wir hätten es gar nicht begründen müssen, denn die Weigerung von Genderisten, die es geschafft haben, sich in der institutionellen Wissenschaft einzunisten, einfachste Fragen nach ihrer wissenschaftlichen Methode, ihrer Erkennistheorie, ihrem Erkenntnisinteresse, ihren Ergebnissen und ihrem Nutzen für die Gesellschaft zu beantworten, spricht Bände. Denn nichts davon ist vorhanden, wie das bei einer Ideologie der Fall ist, deren Zweck ausschließlich im Nutznießen besteht.
    http://sciencefiles.org/2015/04/14/zensur-der-meinungsfreiheit-die-angst-geht-um-beim-humanistischen-pressedienst/

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  18. Auceza says :

    Die feministische Gendertheorie ist eine Variante des „Machbarkeitswahns“.

    Der philosophische Konstruktivismus als Basis der Gendertheorie ist ebenso dubios und argumentativ nicht durchhaltbar wie der Skeptizismus.

    Den breiten Zuspruch, welchen diese Theorie bei Feministinnen findet, weist darauf hin, dass diese Frauen nur jenes glauben, was sie glauben wollen.
    Wer dies als „emanzipiert“ versteht, ist womöglich nicht demokratietauglich.

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