Sollten wir für unsere Überzeugungen sterben?



Im letzten April wurden UN-Mitarbeiter im nordafghanischen Masar-i-Sharif abgeschlachtet. Nur ein Russe kam mit dem Leben davon, weil er das islamische Glaubensbekenntnis mit der MG an der Schläfe herbeten konnte: „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet“. Auf Facebook war der treffende Kommentar zu lesen, wir sollten unseren Kindern diesen Satz einschärfen. Er kann über Leben und Tod entscheiden. Aber sollten unsere Kinder diesen Satz aufsagen, nur um sich vor religiösen Amokläufern zu retten? Wer selbst Kinder hat, wird diese Frage wohl nicht mal verstehen … es sei denn, er ist religiös.

Weiterlesen

Family Values: Weißwein in der Sonne


Es ist wieder Advent, und vielerorts brennt das erste Lichtlein. Und jedes Jahr wieder fragen sich viele Ungläubige, wie sie eigentlich zu diesem Fest stehen und was sie damit anfangen sollen. Dieses Weihnachtslied von Tim Minchin hat seinen eigenen kleinen und Publicity fördernden Skandal gehabt, auf den ich hier nicht nochmal eingehen möchte. Der australische Künstler Tim Minchin ist eine hierzulande eher unbekannte Ikone der skeptischen Popkultur, und sein Song drückt dieses ambivalente Gefühl gegenüber Weihnachten perfekt aus.

Aber er tut noch mehr: Er reklamiert die sogenannten Family Values für uns Ungläubige zurück. Denn Familie ist viel zu wichtig, als dass man sie der religiösen Rechten überlassen dürfte.

Weiterlesen

Sensation: Obermufti lockert Tötungsgebot


Jussuf Al-Ratzad

Jussuf Al-Ratzad auf einem Foto der theologischen Fachzeitschrift Titanic

Das ist eine sensationelle Überraschung: Der oberste Mufti Katholistans, Sheik Jussuf Al-Ratzad, ist von seiner harten kompromisslosen Linie abgewichen, nach der Ungläubige in jedem Fall den Tod verdient haben. Diese Position hatte ihm bei einem Teil der katholistanischen Gläubigen einiges an Kritik eingebracht. Fortschrittliche Kreise hatten bemängelt, dass das unbedingte Tötungsgebot nicht mehr zeitgemäß sei. Bislang jedoch hat Al-Ratzad jede Kritik an seiner harten Linie mit dem Hinweis abgelehnt, man dürfe die Moral nicht dem relativistischen Zeitgeist opfern. Jetzt ist er scheinbar unter dem Druck durch eben diesen Zeitgeist eingebrochen. In dem ersten Interview, das er den Medien überhaupt gewährt, gesteht er zu, dass es in begründeten Einzelfällen moralisch vertretbar sei, Ungläubige am Leben zu lassen. Noch vor Jahresfrist hat er mit seiner Äußerung, ein Tötungsverbot würde das Problem der Ungläubigen nicht aus der Welt schaffen, weltweit für Entrüstung gesorgt.

Konservative Kreise jedoch sind alles andere als erfreut. „Der alte Mann ist vor dem Druck zusammengeklappt“, schreibt etwa die ultrakonservative „Halbmond.net“. „Wir haben an unserem Obermufti immer seine Standfestigkeit bewundert und ihn als Fels in der Brandung verehrt. Er hat sich bislang stets geweigert, die UN-Menschenrechtskonvention zu unterzeichnen, da das darin festgeschriebene Tötungsverbot mit unserer Religion natürlich unvereinbar ist. Jetzt hat er in diesem zentralen Punkt nachgegeben. Eine Schande ist das.“

Von liberaler Seite wird der Schritt zwar begrüßt, aber es wird auch kritisiert, dass Al-Ratzad diese Lockerung seiner Position erst jetzt, anlässlich des Erscheinens seines neuen Buches „Vom Licht des dunklen Zeitalters“ verkündet, obwohl er dies auch schon vor Monaten hätte tun können. In diesem Falle wäre vielen Menschen der Tod erspart geblieben. Allerdings, diese Einschränkung müssen wir natürlich fairerweise gelten lassen, nur Ungläubigen.

Die Ungläubigen selbst geben sich fassungslos angesichts des „medialen Theaters“ um diese als „Meilenstein“ gefeierte Banalität. „Wir Ungläubigen sterben wie die Fliegen, vor allem, weil dieser geistige Führer sich nicht dazu durchringen kann, ein klares Tötungsverbot auszusprechen. Jetzt sollen wir uns darüber freuen, dass wir ‚in begründeten Einzelfällen‘ nicht getötet werden müssen?! Wenn es nicht so bitter ernst wäre, müssten wir wohl allein vor Lachen tot umfallen.“

Besonders radikale und aggressive Ungläubige wie etwa Sam Harris fordern seit einiger Zeit, man solle sich in seinen moralischen Entscheidungen überhaupt nicht mehr nach religiösen Führern wie dem Mufti Al-Ratzad richten, sondern die wissenschaftliche Vernunft nutzen, um das Wohlergehen aller Menschen, auch das der Ungläubigen, zu mehren: „Ob der Obermufti sich dazu durchringt, einzelne Ungläubige zu verschonen oder ob der Papst in Einzelfällen Kondome erlaubt, sollte uns nicht mehr interessieren als der sprichwörtliche Sack Reis in China. Das Problem sind nicht die Moralfantasien greiser Religionsführer, das Problem ist die öffentliche Aufmerksamkeit, die wir ihnen schenken.“ Den meisten Menschen erscheint dieser Schritt allerdings zu radikal. Vor allem Gläubige warnen vor den Konsequenzen einer völligen Abkehr von Gott und seinen heiligen Vertretern wie Al-Ratzad: „Wenn Gott tot ist, ist alles erlaubt. Dann darf man am Ende auch Gläubige einfach töten oder sogar Verhütungsmittel benutzen.“

[Anm. der Red.: Leider sind uns bei der Bearbeitung einige Fehler unterlaufen. Die Links beziehen sich alle auf eine andere Sensation in einem parallel existierenden Religionsuniversum. Wir bitten dies zu entschuldigen.]

Christliche Werte sind lieb


„Wir lassen uns von christlichen Werten leiten … unsere gesamte Tradition basiert auf christlichen Werten … wir sind in christlichen Werten zu Hause … wer sich integrieren will, muss unsere christlichen Werte akzeptieren…“ Die Leitkulturdebatte ist zurück, und zwar vehementer als noch vor einigen Jahren, als die multikulturelle Fraktion es geschafft hat, aus ihr eine semantische Debatte über den Begriff „Leitkultur“ zu machen. Jetzt wird auf allen Kanälen und immer wieder der Punkt festgehämmert: Kern unserer Leitkultur sind die „christlichen Werte“.

Das mag für Anders- und vor allem Nichtgläubige bedrohlich klingen, aber fürchtet Euch nicht: Christliche Werte sind lieb! Man kann eigentlich nicht wirklich was gegen sie haben. Weiterlesen