Ist die Religion am Ende?


Obwohl Religion in aller Munde ist, spielen religiöse Argumente in unseren öffentlichen Diskursen kaum noch eine Rolle. Religiöse sind immer mehr darauf angewiesen, ihre Absichten so zu tarnen, dass sie mit einer nicht-religiösen Ethik und wissenschaftlichen Daten vereinbar sind.  Weiterlesen

Ethik ohne Wunschdenken


„Wie gut oder schlecht ist eine Welt? Das hängt allein davon ab, wie gut oder schlecht es den Individuen in der Welt geht. Die Welt ist umso besser, je besser es den Individuen geht. Und wie gut oder schlecht geht es den Individuen? Das hängt allein davon ab, wie wohl sie sich fühlen und in welchem Maße die Wünsche, die sie hegen, erfüllt sind.“

Ulla Wessels

So beginnt Ulla Wessels ihr Buch Das Gute. Die Autorin ist eine wichtige Vertreterin der analytischen, nicht-religiösen Ethik, die in Deutschland immer noch unterrepräsentiert ist. Ulla Wessels gehört dem wissenschaftlichen Beirat der Giordano Bruno Stiftung an und ist vielen durch ihre Rolle als Klägerin im Rechtsstreit um die Konkordatslehrstühle* bekannt. Weiterlesen

Thank Goodness – Güte sei Dank!


Daniel C. Dennett, Philosoph, Kognitions- und Religionsforscher, wäre vor 5 Jahren an einem Riss in seiner Aorta beinahe gestorben. Nach seiner Rettung hat er den folgenden Text verfasst, eine Eloge an die moderne Medizin und die Wissenschaft, und eine Zurechtweisung all derjenigen, die für das Gute in der Welt immer noch Kräften außerhalb der Welt danken wollen, und dadurch eben dieses Gute auf subtile Weise unterminieren.

Seit einiger Zeit schon hatte ich vor, diesen Text für diesen Blog zu übersetzen. Jetzt, zu Thanksgiving, passt er recht gut. Er drückt das, worum es auch hier in vielen Postings geht, beispielhaft, klar und pointiert aus. Und es gelingt ihm, einen entscheidenden Punkt deutlich herauszustellen: Die Moral der säkularen wissenschaftlichen Medizin ist der Moral der Religionen haushoch überlegen.

Der Text ist etwas länger als ein typisches Blog-Posting, aber das Lesen lohnt sich! Für diejenigen, die trotzdem nicht so viel Zeit investieren möchten, hier die Highlights:

[…] während Religionen einem guten Zweck dienen mögen, indem sie es vielen Menschen ermöglichen, mit dem moralischen Niveau, das diese erreichen können, zufrieden zu sein, so legt doch keine Religion an ihre Mitglieder die hohen Standards moralischer Verantwortung an, wie sie in der säkularen Welt von Wissenschaft und Medizin gelten! […]

Aber ich mache keine Witze, wenn ich sage, dass ich meinen Freunden verzeihen musste, die sagten, sie hätten für mich gebetet. Ich widerstand der Versuchung zu antworten: „Danke, ich schätze das, aber hast Du auch eine Ziege geopfert?“ […]

Das Beste daran, wenn wir Güte sei Dank anstatt Gott sei Dank sagen, ist, dass es wirklich viele Möglichkeiten gibt, unsere Schuld dem Guten gegenüber zurückzuzahlen – indem wir dazu beitragen, dass es mehr davon gibt, zum Vorteil all derer, die nach uns kommen. Das Gute nimmt viele Formen an, nicht nur die von Medizin und Wissenschaft. […] Güte sei Dank für frisches Trinkwasser aus der Leitung und für das Essen auf unserem Tisch. […]

Ich ziehe wirklich Gutes symbolisch Gutem vor. […]

Auf lange Sicht, so glaube ich, können wir von religiösen Menschen verlangen, dass sie sich an den gleichen hohen moralischen Standards messen lassen wie die säkularen Menschen in Wissenschaft und Medizin.

Thank Goodness für diesen Text! Thank Goodness für Daniel C. Dennett. Weiterlesen