Echte Menschen?


Eine Literatin hat ihren Ekel und Abscheu gegenüber künstlich gezeugten Menschen zum Ausdruck gebracht. Wir können uns glücklich schätzen, dass die meisten Menschen darauf überwiegend mit Ekel und Abscheu der Literatin gegenüber reagieren. Aber nichtsdestotrotz verbergen sich hinter ihrer Empörung faszinierende Fragen zu Humanismus und Transhumanismus. Weiterlesen

Ist die Religion am Ende?


Obwohl Religion in aller Munde ist, spielen religiöse Argumente in unseren öffentlichen Diskursen kaum noch eine Rolle. Religiöse sind immer mehr darauf angewiesen, ihre Absichten so zu tarnen, dass sie mit einer nicht-religiösen Ethik und wissenschaftlichen Daten vereinbar sind.  Weiterlesen

Würden Sie Ihrem Gott Ihr Kind opfern?


Religiöse Zumutungen sind nicht so harmlos, wie es in der Debatte um Zwangsbeschneidungen ständig behauptet wird und wie es religiöse Nostalgiker gern hätten. Der Preis für eine religiöse Moral ist hoch. Weiterlesen

Ethik ohne Wunschdenken


„Wie gut oder schlecht ist eine Welt? Das hängt allein davon ab, wie gut oder schlecht es den Individuen in der Welt geht. Die Welt ist umso besser, je besser es den Individuen geht. Und wie gut oder schlecht geht es den Individuen? Das hängt allein davon ab, wie wohl sie sich fühlen und in welchem Maße die Wünsche, die sie hegen, erfüllt sind.“

Ulla Wessels

So beginnt Ulla Wessels ihr Buch Das Gute. Die Autorin ist eine wichtige Vertreterin der analytischen, nicht-religiösen Ethik, die in Deutschland immer noch unterrepräsentiert ist. Ulla Wessels gehört dem wissenschaftlichen Beirat der Giordano Bruno Stiftung an und ist vielen durch ihre Rolle als Klägerin im Rechtsstreit um die Konkordatslehrstühle* bekannt. Weiterlesen

Peter Singer und der Kampf um Anerkennung


An der Debatte über Peter Singer, wie sie gegenwärtig aus Anlass der Verleihung des Ethikpreises der Giordano-Bruno-Stiftung wieder geführt wird, zeigen sich die Grenzen eines vernünftigen öffentlichen Diskurses über emotionale und komplexe Themen. Wir sind alle bereit, über vieles zu diskutieren, aber wir werden alle zunehmend ungehalten, wenn Überzeugungen in Frage gestellt werden, die unsere eigene Identität betreffen. Weiterlesen

Sensation: Obermufti lockert Tötungsgebot


Jussuf Al-Ratzad

Jussuf Al-Ratzad auf einem Foto der theologischen Fachzeitschrift Titanic

Das ist eine sensationelle Überraschung: Der oberste Mufti Katholistans, Sheik Jussuf Al-Ratzad, ist von seiner harten kompromisslosen Linie abgewichen, nach der Ungläubige in jedem Fall den Tod verdient haben. Diese Position hatte ihm bei einem Teil der katholistanischen Gläubigen einiges an Kritik eingebracht. Fortschrittliche Kreise hatten bemängelt, dass das unbedingte Tötungsgebot nicht mehr zeitgemäß sei. Bislang jedoch hat Al-Ratzad jede Kritik an seiner harten Linie mit dem Hinweis abgelehnt, man dürfe die Moral nicht dem relativistischen Zeitgeist opfern. Jetzt ist er scheinbar unter dem Druck durch eben diesen Zeitgeist eingebrochen. In dem ersten Interview, das er den Medien überhaupt gewährt, gesteht er zu, dass es in begründeten Einzelfällen moralisch vertretbar sei, Ungläubige am Leben zu lassen. Noch vor Jahresfrist hat er mit seiner Äußerung, ein Tötungsverbot würde das Problem der Ungläubigen nicht aus der Welt schaffen, weltweit für Entrüstung gesorgt.

Konservative Kreise jedoch sind alles andere als erfreut. „Der alte Mann ist vor dem Druck zusammengeklappt“, schreibt etwa die ultrakonservative „Halbmond.net“. „Wir haben an unserem Obermufti immer seine Standfestigkeit bewundert und ihn als Fels in der Brandung verehrt. Er hat sich bislang stets geweigert, die UN-Menschenrechtskonvention zu unterzeichnen, da das darin festgeschriebene Tötungsverbot mit unserer Religion natürlich unvereinbar ist. Jetzt hat er in diesem zentralen Punkt nachgegeben. Eine Schande ist das.“

Von liberaler Seite wird der Schritt zwar begrüßt, aber es wird auch kritisiert, dass Al-Ratzad diese Lockerung seiner Position erst jetzt, anlässlich des Erscheinens seines neuen Buches „Vom Licht des dunklen Zeitalters“ verkündet, obwohl er dies auch schon vor Monaten hätte tun können. In diesem Falle wäre vielen Menschen der Tod erspart geblieben. Allerdings, diese Einschränkung müssen wir natürlich fairerweise gelten lassen, nur Ungläubigen.

Die Ungläubigen selbst geben sich fassungslos angesichts des „medialen Theaters“ um diese als „Meilenstein“ gefeierte Banalität. „Wir Ungläubigen sterben wie die Fliegen, vor allem, weil dieser geistige Führer sich nicht dazu durchringen kann, ein klares Tötungsverbot auszusprechen. Jetzt sollen wir uns darüber freuen, dass wir ‚in begründeten Einzelfällen‘ nicht getötet werden müssen?! Wenn es nicht so bitter ernst wäre, müssten wir wohl allein vor Lachen tot umfallen.“

Besonders radikale und aggressive Ungläubige wie etwa Sam Harris fordern seit einiger Zeit, man solle sich in seinen moralischen Entscheidungen überhaupt nicht mehr nach religiösen Führern wie dem Mufti Al-Ratzad richten, sondern die wissenschaftliche Vernunft nutzen, um das Wohlergehen aller Menschen, auch das der Ungläubigen, zu mehren: „Ob der Obermufti sich dazu durchringt, einzelne Ungläubige zu verschonen oder ob der Papst in Einzelfällen Kondome erlaubt, sollte uns nicht mehr interessieren als der sprichwörtliche Sack Reis in China. Das Problem sind nicht die Moralfantasien greiser Religionsführer, das Problem ist die öffentliche Aufmerksamkeit, die wir ihnen schenken.“ Den meisten Menschen erscheint dieser Schritt allerdings zu radikal. Vor allem Gläubige warnen vor den Konsequenzen einer völligen Abkehr von Gott und seinen heiligen Vertretern wie Al-Ratzad: „Wenn Gott tot ist, ist alles erlaubt. Dann darf man am Ende auch Gläubige einfach töten oder sogar Verhütungsmittel benutzen.“

[Anm. der Red.: Leider sind uns bei der Bearbeitung einige Fehler unterlaufen. Die Links beziehen sich alle auf eine andere Sensation in einem parallel existierenden Religionsuniversum. Wir bitten dies zu entschuldigen.]

Niedergänge


Manfred Lütz beklagt den Niedergang der atheistischen Kultur. Diesem Argument von religiöser Seite begegnet man öfter. Es hat etwas Skurriles. Seit Erscheinen von Dawkins’ „Gotteswahn“ wird gebetsmühlenartig immer wieder die Niveaulosigkeit der Argumente kritisiert. Weiterlesen